Können Neuroleptika dumm machen?

Hier hinein gehören alle Fragen und Beiträge zum Thema Psychopharmaka, medikamentöse Therapie, Dosierung, Kombinationstherapie, Unverträglichkeiten, Wechselwirkungen etc.
Johannes Neuerer
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Beitragvon Johannes Neuerer » Di 4. Dez 2007, 11:36

Hallo Ana,

nein, ich kenne Jan nicht.

Es gibt durchaus auch Patienten und Leute, die gar nicht betroffen sind, die sich ein großes Fachwissen anlesen, ich würde das Expertentum Studierter bzw. von "Fachleuten" nicht so hoch hängen und so exklusiv sehen. Jeder, wirklich jeder, mit einem überdurchschnittlichen Intelligenzquotienten kann sich innerhalb von wenigen Monaten in jedes Spezialgebiet einlesen und dort fachsimpeln - und das muss von dem her, was er dann zum Besten gibt, gar nicht schlecht sein.

Ob Jan sozusagen beruflich vom Fach ist kann sein, muss aber nicht sein. Auch ein Herr Dr. Dr. Postel (für mich die Bloßstellung jedes ärztlichen Standesdünkels schlechthin) hatte die entsprechenden Phrasen und Versatzstücke drauf, mit denen er jeden - und jahrelang eben auch die Fachleute - bluffen konnte (http://de.wikipedia.org/wiki/Gert_Postel). Ich habe mir auch überlegt, ob Jan von Fach ist. Ich bin unentschieden.

Alles Liebe

Johannes

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mikesch
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Beitragvon mikesch » Di 4. Dez 2007, 15:11

Hab jetzt nicht alles gelesen, mich interessiert eigentlich nur eins.

Wenn ich auf die Medikamente (zur Zeit) angewiesen bin, wie halte ich den Schaden so gering wie möglich. Ist es ein guter Weg sich an die niedrigstmögliche Dosis heranzutasten und seltene "Ausfälle" in Kauf zu nehmen ?

Ist es gar möglich, die Medikamente nicht regelmäßig zu nehmen bei entsprechender Erfahrung ? D.h. es geht mir schlechter und ich fange dann erst wieder mit den Medis an ? Ist es nicht generell auch gefährlich, eine weiteren Schub in Kauf zu nehmen ? Auch Schübe können ja Verschlechterungen in der kognitiven Leistungsfähigkeit nach sich ziehen ....

Gruß
mikesch

Johannes Neuerer
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Beitragvon Johannes Neuerer » Di 4. Dez 2007, 15:27

Hallo Ana,

jetzt habe ich lachen müssen! Und bin ja so froh und dankbar, dass Du Deine Ankündigung, hier nichts mehr zu schreiben, nicht in die Tat umgesetzt hast!

Ich fände es wirklich notwendig und wünschenswert, wenn es Betroffene, also Leute, wie Du oder Rumpelstielzchen, gäbe, die sich mit ihrer ganzen Erfahrung und Energie und ihrem Oppostionsgeist wirklich in die psychiatrische Fachliteratur und die ganzen strittigen Fragen hineinknien würden. Ich hatte mir auch schon überlegt, Rumpelstielzchen vorzuschlagen, es solle Medizin studieren und sich zum Facharzt ausbilden lassen - aber so etwas steht mir natürlich nicht zu.

Es ist leider extrem aufwendig, sich mit der ganzen Propaganda, die seitens der Pharmawerbung und entsprechend naiver Ärzte in die Welt gesetzt wird, wirklich gründlich, fundiert und strapazierfähig auseinanderzusetzen. Aber ich denke, es wäre eine sehr verdienstvolle Aufgabe.

Alles Liebe

Johannes

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Beitragvon Johannes Neuerer » Di 4. Dez 2007, 15:43

Hallo Mikesch,

die Frage ist allgemeingehalten fürchterlich schwierig zu beantworten, weil das von Fall zu Fall individuell extrem verschieden sein kann.

Es gibt Patienten, die notwendigerweise ihr Leben lang ständig auf Neuroleptika in hohen Dosen angewiesen sind.

Ich kenne aber auch Patienten, die ihr Medikament einfach nur bei sich führen, erst dann eine einzelne Tablette einnehmen, wenn sie merken, dass sie gerade in eine psychotische Krise abstürzen, sie das bereits wieder völlig auffängt und die so hervorragend zurecht kommen.

In sehr vielen Fällen kann man das Medikament im Laufe der Behandlung bei stabiler Wirkung langsam und vorsichtig immer weiter herunterdosieren und viele Patienten kommen dann über lange Zeiträume mit geringeren Dosen gut aus.

Ich denke, es gibt kein Patentrezept. Das kann nur jeder für sich selbst herausfinden. Ich persönlich - aber das ist supersubjektiv - würde auf Dauer versuchen, mit einer minimalen Dosis zurechtzukommen und dann im Schub aufdosieren. Aber ich persönlich - wie gesagt, supersubjektiv! - würde nicht dauerhaft eine so hohe Dosis nehmen, dass Schübe von vorneherein absolut ausgeschlossen sind. Aber das käme auch wieder auf die Schübe an - und auch die sind bei jedem verschieden.

Alles Liebe

Johannes

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mikesch
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Beitragvon mikesch » Di 4. Dez 2007, 17:28

Hallo Johannes,

danke für die Antwort, fühle mich bestätigt. Ich halte es seit längerer Zeit genauso und komme eigentlich sehr gut damit zurecht.Ich hab manchmal zwar kurze psychotische Ausfälle (einige Stunden ganz merkwürdig) und noch seltener fast schon Schübe auch über mehrere Wochen aber ich verliere nie völlig die Kontrolle. In so einer Zeit dosiere ich dann hoch und wenn es vorbei ist wieder zurück zur Erhaltungsdosis.
So ganz ohne regelmäßige Einnahme und nur als Bedarfsmedi ist mir das doch zu heikel, zumindest im Moment.

Gruß
Mikesch

Johannes Neuerer
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Beitragvon Johannes Neuerer » Di 4. Dez 2007, 18:26

Hi Ana,

wir beide stehen Studien ja sehr kritisch gegenüber, aber Deine kategorische Feststellung, die neuropsychologischen Leistungsparameter verschlechtereten sich grundsätzlich unter Neuroleptika, stammt ja auch aus einer Studie und daher würde ich doch noch gerne mit zwei Studien entgegenhalten:

Eine aktuelle Metaanalyse von 16 Studien (Woodward ND. Purdon SE. Meltzer HY. Zald DH. A meta-analysis of cognitive change with haloperidol in clinical trials of atypical antipsychotics: dose effects and comparison to practice effects. Schizophrenia Research. 89[1-3]:211-24, 2007 Jan.) bestätigt unter niedrigen Dosen <10 mg merkliche Verbesserungen der kognitiven Fähigkeiten unter Haloperidol. Die Metaanalyse ist deshalb unverdächtig, weil sie all die Studien auswertet, in denen Haloperidol mit atypischen Neuroleptika verglichen wurde - und in denen atypische Neuroleptika (wer würde es anders erwarten!) selbstverständlich immer noch besser abschneiden!

Dazu könnte man wieder viel schreiben: 10 mg Haloperidol sind eigentlich keine "niedrige", sondern die Höchstdosis, wobei ich die Argumente für höhere Dosen als 3 oder 4 mg immer dürftiger finde, je höher die Dosen werden.

Tatsächlich: In der Studie innerhalb dieser Metaanalyse mit der niedrigsten Haloperidoldosis, nämlich durchschnittlich 2,9 mg, hatten die Haloperidolprobanden ungefähr dieselben kognitiven Verbesserungen, wie die Teilnehmer, die durchschnittlich 3,3 mg Risperidon bekamen und hatten - im Gegensatz zu den Risperidon-Patienten - auch eine dementsprechende Verbesserung ihrer Gesamtsymptomatik gemäß Positiv- und Negativ-Syndrom-Skala (Harvey PD. Rabinowitz J. Eerdekens M. Davidson M. Treatment of cognitive impairment in early psychosis: a comparison of risperidone and haloperidol in a large long-term trial. American Journal of Psychiatry. 162[10]:1888-95, 2005 Oct). Interessant ist doch: Die kognitiven Leistungsparameter verbessern sich bei beiden Gruppen unterm Strich ungefähr ähnlich (ganz leichter Vorteil für Risperidon), bei Haloperidol verbessert sich auch noch die Positiv- und Negativ-Syndrom-Skala.

Unter vernünftig eindosierten Neuroleptika sollten sich die neuropsychologischen Leistungsparamater eigentlich nicht verschlechtern, es sei denn, man nimmt gezielt sedierende Neuroleptika - und bei denen ist ja mit nichts anderem zu rechnen.

Alles Liebe

Johannes

Johannes Neuerer
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Beitragvon Johannes Neuerer » Di 4. Dez 2007, 18:47

Hi Rod,

Deine ganzen Diagnosen und Medikamente kann man doch durch die Pfeife rauchen. Was Du brauchst ist ein vernünftiges Leben, eine strukturierte Freizeit, vernünftige Kontakte. Natürlich kann man Dich sedieren oder Dir irgendwelche Pillen einfüllen oder Dir ständig neue Diagnosen auftischen. Aber das ist doch alles nicht zielführend.

Solange Du anderen Leuten nur in harmloser Weise auf die Nerven gehst und Deinerseits als Leidensdruck depressive Verstimmungen und eine soziale Phobie hast, denke ich nicht, dass Du bei Pillen an der richtigen Adresse bist.

Eine gute Verhaltenstherapie, etwa in Art eines Coachings: Ja. Aber Diagnosen, Pillen usw. usw.: Wozu?

Überhaupt Diagnosen: Jeder wird Dir eine andere stellen. Kannst Du sammeln, einrahmen und übers Bett hängen. Und sämtliche Medikamente kannst Du auch noch durchmachen.

Alles Liebe

Johannes

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Kratz
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Beitragvon Kratz » Di 4. Dez 2007, 18:57

Grüss Euch,

hatte einiges zu tun, weshalb ich erst jetzt dazu komme mal wieder meinen Senf dazuzugeben. Da inzwischen einiges geschrieben wurde fang ich mal wenig sortiert an.

@ Ana,
Am Tenor deiner Äusserungen zu Jan stört mich einiges, egal ob Jan vom Fach ist oder Nicht,
er darf hier seine meinung haben und fundiert vertreten, auch wenn das nicht die Deine oder meine oder sonst eines Teilnehmers dieser Runde sein mag.
Ist sie fachlich qualifiziert umso besser, entsteht daraus weitere Diskussion nur gut.
Dass Jan hier für irgendwas Werbung macht ist eine recht boshafte Unterstellung, und entbehrt der Grundlage. Sollte das nämlich so sein würde es den hier lesenden nicht entgehen und zum Ausschluss aus dem Forum führen.
Da wir allerdings ein offenes Forum sind, würde ich die Teilnahme von Behandlern gleich welcher Art, Ob Therapheut, Arzt oder Pfleger, begrüssen.
Bei Dir scheint mir das gleich eine Disqualifizierung der Person zu sein.
Genauso störend finde ich deine laufenden Bemerkungen hier wäre ein Pro-Psychiatrie-Forum,
das ist es genausowenig wie das von Dir gewünschte Antipsychiatrieforum.
Beides wäre zuwenig - meiner Meinung nach - den Dingen gerecht zu werden.

Persönlich stört es mich ebenso, als einer der sich schon seit Jahrzehnten in persönlicher Auseinandersetzung mit der Psychiatrie befindet,
und das bis aufs Blut, von Dir hier als umgedrehter psychiatriefreundlicher pharmakonzernhöriger Depp dargestellt zu werden. Ich bin erstaunt über soviel Überheblichkeit.

Ebensowenig wurde sich hier zu deinem persönlichen Schicksal in bewertender Form geäussert.

Aber ich sehe natürlich eines ganz klar, und dass obwohl ich eine dreissigjährige Psychiatriegeschichte habe, der Weg gegenseitiger Verunglimpfung und Verurteilung und Unterstellung wird dem Ganzen nicht gerecht. Dass führt zu nichts weiter als zu den Gräben von Verdun. Wenn das euer Weg ist gut, darin sehe ich eben nicht den meinen.

Ebensowenig ist es mein Weg den Engelsmachern und Rattenfängern blindlings zu folgen.

Meine Wahrheit ist eine andere.
Rumpelstielzchen und Du bezeichnet Euch als psychiatriegechädigt weil ihr fehlbehandelt worden seid und mit den Folgen zu kämpfen habt.
Eine Sachlage die sich nur gerichtlich klären lässt.

Ich bin nicht fehlbehandelt worden in dem Sinne dass die Interpretation meines Zustandes falsch war, denn ich weiss dass ich wirklich ver-rückt war als ich eingefahren bin, eingeliefert von meinen besten Freunden. Ich weiss dass ich verflucht nochmal völlig die Kontrolle über meinen Verstand verloren hatte und alles hätte passieren können.

Ich beklage mich darüber, dass die Behandlung einfach vielerorts grottenschlecht ist, weil Kenntnisse und Erfahrungen , manchmal Räumlichkeiten und finanzielle MIttel fehlen.
Mir geht es nicht darum jemandem Schuld für meinen ZUstand zuweisen zu können sondern darum meinen Behandlern und anderen Wege zu zeigen wie Sie mir besser helfen können, damit ich nicht verloren gehe.

Und da unterscheiden sich unsere Intentionen deutlich.
Mir geht es nicht um Schuldzuweiungen für zurückliegendes Leid oder Vefolgungen von Misshandlungen unter denen ich zu leiden hatte.

Insofern unterscheiden sich hier unsere Positionen deutlichst.

Ebenso sehe ich auch den Wandlungsprozess der auch innerhalb der Psychiatrie in den letzten dreissig Jahren unbestreitbar stattgefunden hat.

....part one
Des deutschen Bürgers ehrliches Sicherheitshirn vermag nicht den scheinbaren Sinn einer ausschließlich von der Nützlichkeit der Dinge bestimmten Wertung als Unsinn zu begreifen.

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Kratz
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Beitragvon Kratz » Di 4. Dez 2007, 19:32

....

@ Roddik, ich kann Dir nur emphelen genau zu lesen was Johannes Dir geschrieben hat, genau darum geht es.

@ Trulla,
bin Dir ja schon länger eine Antwort finden.
Ich nehme kaum Medikamente, nur wenn es sich nicht vermeiden lässt, sei es weil ich vielleicht zu unruhig werde oder dass ein stationärer Aufenthalt nötig wird.
Der andere Teil der Wahrheit ist, dass ich verbotene Suchtstoffe, Cannabis, reichlich konsumiere.
Was ich deutlich niemandem empfehlen möchte, dass ist zum einen nur der Austausch von Luzifer gegen Satan, und stellt keine Theraphie dar und ist wg der Bekannten Wirkungen nicht nur kontraindiziert sondern extrem gefährlich.
Trotzdem scheint es für mich so einigermassen zu funktionieren, bin halt ein zäher Steppenwolf.
Ich würde das gerne ändern und sollte ich noch genug Zeit finden, ist das eines meiner zukünftigen Ziele.
Aber ich hab keine Eile.

Was deine Frage anging möchte ich sagen für mich ist der mittlere Pfad der richtige.
Ich bin schon der Meinung, dass bei vielen einne gute Theraphie und der Aufbau eines krankheitsgemässen Lebens auch ermöglichen nicht beständig Medikamente nehmen zu müssen.

Ich bin der Meinung dass man je mehtr man über sich seine Erkrankung und die Folgen lernt, desto besser kann man sich einrichten und Kontrolle zurückgewinnen.

An dieser Stelle

@ Fluu

deshalb denke ich auch wir liegen da auf einer Linie, ich sage nicht, das man sich nicht der Krücken bedienen sollte.
Je mehr man sein Wissen vergrössert, desto weniger bedarf man Ihrer. Wers aber anders braucht, der sollte es nutzen.


Am Anfang stand hier nach wie vor die Frage , machen die werten Medikamente dumm, vermindern sie Leistungsfähigkeit und Intelligenz.

Niemand bestreitet hier die folgenschweren Nebenwirkungen und Folgen die bei medikamentöser Behandlung eintreten können. Auch Spätfolgen kann man nicht in Abrede stellen, und das wird soweit ich dass sehe auch nicht in Frage gestellt.

Aber die Interpretation und Würdigung fällt natürlich recht unterschiedlich aus, und dabei bin ich halt der Meinung dass polarisierende Interpretation der Erkenntnisse hier zu nichts führen kann.
Das ist das gegenseitige Bewerfen mit Studien.
Nur gut - nur schlecht.

Ich sehe nicht, dass mir dass entscheidend weiterhilft, da finde ich mich eben nicht wieder.
Darauf habe ich Rumpelstielzchen ja in besonderem Masse aufmerksam gemacht.

Mein Gedankenansatz verharrt dehalb eben nicht bei blindem Gehohrsam oder totaler Ablehnung, sondern mich beschäftigt die Frage, wie kann man eine gute Theraphie entwickeln die diese Folgen entsprechend berücksichtigt. Was kann ich tun, damit ich jene Krücken nur zeitweise brauchen. Welche Faktoren sind zu beachten um das Leben so zu organiesieren, dass ich bestmöglich eingestellt bin, die Dämonen in die Flucht zu schlagen.

Gruss
Detlev
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Kratz
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Beitragvon Kratz » Di 4. Dez 2007, 20:03

Ach Roddik,
ich könnt Dich knutschen, jedenfalls für diesen Gedanken des Coachings, so ungeschminkt offen und ehrlich wie er aus Dir heraus bricht.

In meinen Augen müsste dieser Gedanke viel stärker in die Psychiatrie einzug finden.
Ich bin der festen Überzeugung, dass man in einer zukunftsorientierten Psychiatrie diese Funktion ganz neu entstehen lassen müsste.

Da reicht der Ansatz der Psychoedukation noch lange nicht weit genug.

Es ist eine jener Ideen, die ich für zukunftsweisend halte und die ich gerne hier diskutiert sehen würde.

Gruss
Detlev
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Jan
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Beitragvon Jan » Di 4. Dez 2007, 22:41

Wow,
ich bin ehrlich gesagt etwas schockiert wie sich die Diskussion hier entwickelt hat.
Da hat sich wohl eine Eigendynamik entwickelt und eine Gehässigkeit, die mit meiner Person nichts zu tun hat und auch nicht mit den Aussagen, die ich hier gemacht habe. Das ist auch nicht gerade der Rahmen in dem ich nun gerne die Hosen runterlasse. Soviel nur: Ich bin kein Psychiater, habe mit keiner Firma dieser Welt etwas zu tun. Ich hatte (vermutlich!!) mit dem einen oder anderen hier (zB Laura) schon an anderer Stelle zu tun und passe wirklich nicht in die Schubladen, die mir hier an den Kopf geschmissen werden.
Bluffen ist auch nicht so mein Ding, aber die fachliche Auseinandersetzung ist so nicht möglich - auch wenn es einiges zu sagen gäbe.
Nur soviel: Ich bin mir zwar nicht sicher, aber ich glaube, es war in erster Linie meine Äußerung zu den Spätdyskinesien, die mir übel genommen wurden.
Ich habe nie behauptet, dass Spätdyskinesien nicht durch Medikamente verursacht werden. Man sollte sich eben nur anschauen, was eigentlich für eine Pathogenese, also welche Erkrankungsphänomene auf biochemischer Ebene eigentlich dahinter stecken.
Bitte nicht falsch verstehen! Neuroleptika sind ursächlich beteiligt, aber wenn man sich die Pathogenese genauer anschaut, dann sollte man auch den Zusammenhang zur Erkranung nicht übersehen.
Schade dass ich so missverstanden wurde, vielleicht hab ich mich auch nicht richtig ausgedrückt. Bin auch nicht immer der fitteste, wenn ich hier am abend schreibe, aber das ist noch lange kein Grund so hart angegangen zu werden. Von ana habe ich leider bisher nichts anderes gelesen, aber dass auch andere sich davon mitreissen lassen, abgesehen von Detlev ( :D ) , ist schon enttäuschend. Somit verabschiede ich mich erstmal, bin auch nicht als Masochist auf die Welt gekommen.
Alles Gute Jan

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Feuerchen
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Können Neuroleptika dumm machen

Beitragvon Feuerchen » Di 4. Dez 2007, 22:47

Hallo allerseits,

ich habe meinen Psychiater zu diesem Thema befragt. Er meinte dazu,dass es zwei verschiedene Arten von Zelluntergang gibt. Das eine ist die Nekrose, das andere die Apoptose. Letztere ist ein Zelluntergang der regulär auch stattfindet und nicht direkt schädlich im eigentlichen Sinne ist; im gegensatz zur Nekrose. Ich fand das dies in der Gesprächsrunde vielleicht zu wenig beachtet worden ist.Ich als Laie stelle mir das wie bei der Erneuerung der Haut vor. Ein ständig auf- und abbauendes System. Mein Psychiater meinte,dass die Gabe von Neuroleptikas nicht zu Nekrosen führt. Also der Zelltod wie unter normalen Lebensumständen verläuft. :roll:

Liebe Grüße
Feuerchen :)

Johannes Neuerer
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Beitragvon Johannes Neuerer » Mi 5. Dez 2007, 12:53

Zu Jan:

Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus bzw. es ist der Ton, der die Musik macht.

Jan unterstelle ich definitv nichts Böses, aber ich habe mir manchmal überlegt, ob er vielleicht ein Psychiater-Feindbild karikieren wollte: Mediziner-Jargon, den 95% der User hier nicht verstehen, überheblicher und anmaßender Ton, unkritische Reproduktion von Aussagen, die man ebenso gut in Hochglanzbroschüren der Pharma-Industrie finden könnte.

Ich finde es schade, wie sich das Ganze entwickelt hat, aber Jan hat mit wenig Feingefühl und wenig Respekt auch dazu beigetragen.

Aber ich finde es wirklich schade. Manche Diskussion, etwa um die (Un)wirksamkeit von Antidepressiva, die Einschätzung von Haloperidol oder den Wert industriefinanzierter "Studien" hat durch ihn sehr an Tiefe gewonnen.

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Lydia
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Beitragvon Lydia » Mi 5. Dez 2007, 15:41

Hallo Ana,
Ana hat geschrieben:Im Übrigen habe ich Dich nicht 'in eine Schublade gesteckt', sondern Dich und Deine Behauptungen kritisch hinterfragt und deine Beiträge echten Fachexperten vorgelegt, die davon nichts halten.
Kritsch hinterfragen finde ich ok, da es ja in der Tat und auch in diesem Forum schon vorgekommen ist, dass unter dem Schutzmantel der Anonymität für Psychopharmaka geworben wurde. Jedenfalls finde ich, wenn man den Eindruck hat, dass es sich um Schleichwerbung handelt, kann man es auch ansprechen. Mit Kritik muss man eben leben können, wenn man in einem Forum postet. Das gilt sicherlich auch für Jan.
Der Ton, in dem du deine Kritik angebracht hast, ist aber nicht ok. Dass du Betroffene bist, gibt dir noch lange nicht das Recht, andere User, die eine andere Meinung vertreten, hier derartig anzugehen.

Dies hier ist übrigens kein Forum, dass Laien und Betroffenen vorbehalten ist. Ein Austausch auch mit Professionellen ist ausdrücklich erwünscht, wenn ich den Eingangstext zu diesem Forum richtig interpretiere. Ob er dann unbedingt im Fachgeschwafel enden muss, finde ich allerdings auch fraglich. Ein Austausch sollte schon in der gleichen Sprache stattfinden, wenn er denn von beiden Seiten ernsthaft gewünscht ist. Dass das möglich ist, zeigen ja die Beiträge von Johannes, der sich zumindestens bemüht, durch entsprechende Erklärungen die Beiträge halbwegs verständlich zu machen.
Ana hat geschrieben:Ich habe auf Deine Beiträge hin entsetzliche Angstzustände und Alpträume bekommen und befürchtet, dass man meine Schäden als schizophrenie-bedingt ansehen und mich weiter zwangsweise mit Neuroleptika behandeln könnte.
Wer in einem Forum mitliest und sich an Diskussionen beteiligt ist für sich selbst verantwortlich. Wenn du dich von den Themen nicht abgrenzen kannst bzw. wenn es einen Thread gibt, der dir nicht gut tut, liegt es in deiner Verantwortung, sich davon fern zu halten. Für so eine Entscheidung braucht man sich wohl kein "Forumsverbot" von seinem Arzt geben zu lassen, um dieses dann auch noch anderen vorzuwerfen. Was erwartest du von einem Forum? Ein Forum lebt von Diskussionen. Und in einer Diskussion darf nun mal jede Seite ihre Argumente vorbringen. Wenn du nicht in der Lage bist, dir diese anzuhören oder nur mit Beschimpfungen reagieren kannst, dann liegt es nicht immer nur an den Anderen.

Gruß
Lydia

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Lydia
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Beitragvon Lydia » Mi 5. Dez 2007, 16:41

Hallo Ana,

das Weltbild der beiden interessiert mich herzlich wenig. Meine Meinung, die ich in dem von dir zitierten Beitrag geäußert habe, bezieht sich nicht nur auf Rumpelstilzchen, sondern hat für mich Allgemeingültigkeit. Würde sich also auch auf Jan, Johannes oder jeden Anderen beziehen, sofern per Ferndiagnose Einfluss auf die Behandlung einzelner User genommen wird. Das hatte ich in dem Abatz, den du leider vergessen hast, hier reinzukopieren, zum Schluss auch geschrieben:
Lydia hat geschrieben:Ein Forum zum Thema Psychopharmaka sollte weder als Spielwiese für Hobbyärzte, noch als Austragungsort für Rachefeldzüge von Leuten, die schlechte Erfahrungen gemacht haben, missbraucht werden. Der letzte Satz bezieht sich allerdings nicht speziell auf diesen Thread.

Via Internet Personen, die man nicht kennt zu therapieren, Diagnosen zu erstellen oder bzgl. Neuroleptikaeinnahme persönlich zu beraten, halte ich für unseriös. Deswegen sollte aber trotzdem ein allgemeiner Austausch über den medizinischen Stand der Dinge und eigene Erfahrungen stattfinden können. Das kritisch hinterfragt werden darf, sehe ich genauso wie du.

Du hast von Jan den Ratschlag erhalten, dass du eine Studie deinem Arzt vorlegen sollst. Das hast du gemacht und den Inhalt mit ihm durchgesprochen. Ich sehe darin keine negative Einflussnahme in deine Therapie.

Gruß
Lydia


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