Antriebssteigernde Antidepressiva.

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Riemann
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Antriebssteigernde Antidepressiva.

Beitragvon Riemann » Di 11. Sep 2007, 13:42

Mir geht's ja grundsätzlich gut mit meinem Efectin/Venlafaxin, aber mit dem Antrieb hapert's leider doch noch viel zu oft... :sad: Hätte deswegen jetzt ja Modasomil/Modafinil ausprobier, was bei mir leider gar nicht zu wirken scheint... :sad: (Laut diversen Berichten soll das Zeug ja Arbeitswut in Pillenform sein, das wäre genau das, was ich bräuchte).

Heute habe ich mit meinem Psychiater darüber gesprochen (das Modasomil/Modafinil hat mir seine Urlaubsvertretung gegeben), der daraufhin laut darüber nachgedacht hat, dass Duloxetin/Cymbalta eventuell noch einen Tick antriebssteigernder sein könnte als Efectin/Venlafaxin. Wie sehen denn die Erfahrungen dazu hier aus? Ich würde ja einerseits gerne Experimente vermeiden, aber andererseits, wenn's wirklich mehr bringt, wäre es dumm, es nicht zu versuchen, oder?

eine möglichst starke antriebssteigerung wäre momentan nämlich zur absicherung meiner beruflichen zukunft extrem wichtig für mich...

in einem anderen forum habe ich dann auch noch was über Elontril (Bupropion) aufgeschnappt, ein NDRI, der auch sehr stark antriebssteigernd wirken soll. gibt es dazu meinungen und erfahrungsberichte?

SuMu
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Beitragvon SuMu » Di 11. Sep 2007, 14:46

da die AD bei jedem anders wirken, bleibt dir nichts anderes übrig als einfach zu testen.
viele Grüße
SuMu / http://psychomuell.de - http://blogzicke.de - http://su-mu.de/

Gurkensalat
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Beitragvon Gurkensalat » Di 11. Sep 2007, 17:23

Zum Thema Antrieb: Bei mir hat Clomipramin (25-50mg) schon gut geholfen. Dazu ein guter Verhaltenstherapeut. Nortrilen soll ja auch helfen, hat bei mir (50mg) nicht gewirkt.

Grüße,
Gurkensalat

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Stille
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Beitragvon Stille » Di 11. Sep 2007, 20:17

Hallo Christoffel,

.. also bei mir haben weder Trevilor/Venlafaxin noch Cymbalta antriebssteigernd gewirkt. Was aber auch nicht mein primäres Problem war. Beide wirkten/en eigentlich sehr dämpfend und ich habe immer noch unter Trevilor ein Problem mit der Müdigkeit. Auch habe ich in verschiedenen Foren über Cymbalta gelesen, dass es meistens wohl nicht den Effekt der erwünschten Antriebssteigung hatte. Es ist halt noch relativ neu und die Erfahrungen damit müssen erst gesammelt werden.


Liebe Grüße
Stille

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Riemann
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Beitragvon Riemann » Di 11. Sep 2007, 20:36

Vielen Dank erstmal für alle Antworten bis jetzt!
SuMu hat geschrieben:da die AD bei jedem anders wirken, bleibt dir nichts anderes übrig als einfach zu testen.
Ist mir schon klar, dass psychopharmaka generell bei jedem anders wirken. trotzdem ist ja vielleicht ein gewisser trend erkennbar, wenn viele leute erfahrung mit beidem haben und einen vergleich ziehen...
Gurkensalat hat geschrieben:Dazu ein guter Verhaltenstherapeut.
Psychotherapie mache ich sowieso, sollte sich ja eigentlich von selbst verstehen... Und auch ich halte die Verhaltenstherapie für den besten Ansatz.

Gurkensalat
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Beitragvon Gurkensalat » Mi 12. Sep 2007, 17:35

Hab Solvex noch vergessen. Wirkt auch antriebssteigernd.

Nebenwirkungen bei mir: 5kg abgenommen (war ne gute Wirkung ;-), _starkes_ Schwitzen was nicht wegging, Verstopfung (mit Leinsamen behandelbar). Hab aber nur morgens 2 und mittags 2mg genommen, nie die vollen 8/Tag.

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Riemann
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Beitragvon Riemann » So 30. Sep 2007, 18:00

Roddick hat geschrieben:Antriebssteigernde Antidepressivas sind zb. Paroxetin, Fluoxetin, Sertralin alle SSRI sind eher antriebssteigernd können aber auch gegen ängste helfen und sind so was man hört am Nebenwirkungsärmsten!
ja ich weiß, dass SSRIs generell eher antriebssteigernd wirken, aber ich bräuchte einen richtig starken antriebsschub, quasi arbeitswut in pillenform!
[url=http://www.love-shy.de.vu]Riemanns Love-shyness Homepage - Selbsthilfe für in Liebesdingen krankhaft schüchterne Männer.[/url]

Johannes Neuerer
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Antriebssteigernde Antidepressiva

Beitragvon Johannes Neuerer » Sa 27. Okt 2007, 19:29

Ich wüsste nicht - obwohl ich versucht habe, mich intensiv zu informieren - dass es antriebssteigernde Antidepressiva gäbe. Meines Wissens gehen alle Antidepressiva mittel- bis langfristig auf den Antrieb. Leider gibt es dazu keine wissenschaftlichen Studien, da Medikamente meist nur einige Wochen oder Monate wissenschaftlich getestet werden. Lediglich von Moclobemid ist mir näherers nicht bekannt, aber als antriebssteigernd gilt es meines Wissens nicht. Das Gerücht, Antidepressiva seien antriebssteigernd, hält sich aber sehr hartnäckig.

Modafinil hält wach, das ist alles. Es ist keinesfalls antriebssteigernd, eher antriebsneutral bis antriebsreduzierend.

Für den Antrieb werden Dopamin und Noradrenalin verantwortlich gemacht. Deswegen werden etwa Noradrenalin- [Atomoxetin, Reboxetin] oder Noradrenalin-Dopamin- [Bupropion] oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer [Milnacipran, Venlafaxin] bei Antriebsstörungen verschrieben. Nur funktioniert das dann in der Praxis auf Dauer nicht so, wie es sollte - am ehesten noch bei Bupropion. Allerdings sind all diese Medikamente von den Nebenwirkungen her eher problematisch, insbesondere auch Bupropion (Konzentrations- und Erinnerungsstörungen, Müdigkeit, Benommenheit), ich würde sie nicht nehmen.

Clomipramin ist ebenfalls ein Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, Desipramin ein Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Beide können kurzfristig schon antriebssteigernd - insbesondere Desipramin - wirken, aber langfristig haben auch sie eher den gegenteiligen Effekt. Eventuell könnte man sich mit sehr geringen Dosen Desipramin (täglich maximal 20 mg) langfristig einen antriebssteigernden Effekt erhalten. Den Versuch wäre es vielleicht wert. Höhere Dosen würde ich auch wegen der dann massiven Nebenwirkungen nicht nehmen.

Jedenfalls antriebssteigernd wirken die Stimulanzien (Amphetamin, Methylphenidat), die aber dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sehe ich - neben dem Desipramin - auf Anhieb drei Möglichkeiten:
- Selegilin, ein Antiparkinsonmittel, wirkt dopaminerg und wird im Zentralnervensystem zu Amphetamin metabolisiert. Allerdings würde ich auf gar keinen Fall mehr, als zweimal am Tag 2,5 mg nehmen, man wäre dann für 65 Euro ein halbes Jahr versorgt.
- Amantadin ist ebenfalls als Antiparkinsonmittel gelabelt, wirkt ebenfalls dopmaninerg. Hiervon würde ich maximal zweimal am Tag 50 mg nehmen, dann hätte ich für ein halbes Jahr 25 Euro bezahlt.
- Piracetam ist als Antidementivum zugelassen, ist stark antriebssteigernd, wobei nicht ganz klar ist, wie exakt es wirkt. Hiervon würde ich maximal zweimal täglich 400-600 mg nehmen, ein halbes Jahr würde dann höchstens knapp 40 Euro kosten.
Die Krankenkasse würde das wahrscheinlich nicht zahlen, auf Privatrezept bekäme man es natürlich. Man müsste einen Arzt gewinnen, dem man das erklären kann und der einem das verschreibt. Die Medikamente sollte man nicht jeden Tag nehmen, sondern am Wochenende oder am Sonntag eine Pause machen, damit sich keine Toleranz entwickelt. Einer Toleranzentwicklung könnte man (zusätzlich) auch vorbeugen, indem man ein Medikament jeweils nur ein Vierteljahr nimmt und dann mit einem anderen Medikament abwechselt.

Eine weitere Möglichkeit wäre Kaffee bzw. Coffein (maximal 200 mg am Tag), wobei frisch gemahlener Kaffee stärker wirkt, als löslicher. Mehr, als drei Tassen bringen aber nichts, sondern führen zu Toleranzbildung, also, dass die antriebsteigernde Wirkung verlorengeht. Wer keinen Kaffee mag, könnte Coffeintabletten nehmen.

Es gibt noch weitere dopaminerge Medikamente, die antriebssteigernd wirken (z. B. Haloperidol), von denen ich aber wegen der Nebenwirkungen eher abrate. Man könnte freilich versuchen, etwa Haloperidol auf Kassenrezept zu bekommen - das wäre wohl einfacher machbar - und dann mit sehr geringen Dosen herumprobieren (maximal 25 mg am Tag). Wenn ich sonst keine Alternative hätte, würde ich das vielleicht versuchen.

Dann gibt es noch mehrere adrenerge bzw. adrenalinähnliche Medikamente, die teils bei Antriebsstörungen eingesetzt werden. Das sind meist Medikamente, die eigentlich gegen niedrigen Blutdruck verschrieben werden, z. B. Etilefrin oder Midodrin. Die haben meist nur eine sehr kurze Wirkung und treiben halt Blutdruck und Pulsfrequenz in die Höhe. Die halte ich aber für Mittel zweiter Wahl und Leute mit hohem Blutdruck sollten sie nicht nehmen.

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Remedias
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Beitragvon Remedias » Sa 27. Okt 2007, 20:01

Um mit Neuroleptika - wie du so schön schreibst - "herumzuprobieren", dafür habe ich echt kein Verständnis; die Gefahren von Nebenwirkungen und Spätfolgen sind zu hoch.
Unter den NL wirkt antriebssteigernd: Abilify, Solian (in geringen Dosen); aber empfehlen würde ich das keinem.
Liebe Grüße Remedias

Flora
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Beitragvon Flora » So 28. Okt 2007, 00:59

Hallo zusammen,
für mich klingt das so, als wäre ich bei Wünsch dir was. Die Realität sieht doch ganz anders aus.
Liebe Grüße

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Beitragvon Riemann » Mi 31. Okt 2007, 02:56

Sehr geehrter Herr Neuerer,

Vielen Dank für Ihr ausführliches Posting! Sind sie vom Fach?

Demnächst gehe ich noch detaillierter auf Ihre Ratschläge ein, wollte mich nur gleich mal für die Posting-Mühe bedanken...

Gute Nacht, Riemann.
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nightquest
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Beitragvon nightquest » Di 6. Nov 2007, 21:09

Ich nehme zur Zeit Sertralin (wegen einer Zwangserkrankung). Mein Antrieb hat sich sehr gesteigert. Leider, denn das habe ich mir nicht gewünscht.
Wenn ihr euch eine Antriebsteigerung wünscht, kann ich Sertralin empfehlen.

SuMu
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Beitragvon SuMu » Mi 7. Nov 2007, 15:30

Sertralin kann ich nicht empfehlen, hat bei mir überhaupt nicht gewirkt :cry:
viele Grüße
SuMu / http://psychomuell.de - http://blogzicke.de - http://su-mu.de/

Johannes Neuerer
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Beitragvon Johannes Neuerer » Fr 23. Nov 2007, 16:22

Nach meiner Überzeugung und dem Feedback, das ich von unzähligen Patienten bekommen habe, sind Citalopram, Fluctin, Paroxetin und Venlafaxin in den allermeisten Fällen nicht antriebssteigernd, sondern führen kurz- bis mittelfristig lediglich oft zu einer mehr oder weniger großen Agitiertheit und mittel- bis langfristig (nach Wochen oder Monaten) allesamt meist zu einer fürchterlichen Antriebs- und Motivationslosigkeit. Dass die Hersteller etwas anderes behaupten, ist mir bekannt.

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Lydia
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Beitragvon Lydia » Fr 23. Nov 2007, 16:45

Hallo Roddick,

hier MUSS gar keiner irgend etwas.
Aber mit der Forderung hilfreiche und belegbare Informationen zu geben, hast du natürlich Recht. Wie wäre es, wenn du da bei dir anfängst? Deine unzähligen 1-Satz-Beiträge, die du jeden Tag im Minutentakt ins Forum donnerst, finde ich jedenfalls weder informativ, noch hilfreich. Ebenso wenig wie deine Äußerungen Anderen gegenüber, die nicht deiner Meinung sind.

Gruß
Lydia


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