langzeitfolgen?

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susisetter
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langzeitfolgen?

Beitragvon susisetter » Di 13. Jul 2004, 03:12

Hallo!
Ich bin Krankenschwester und betreue unter anderem ein chronisch schizophrene Frau(45).Seit nun mehr einem Jahr ist ihr zustand sehr schlecht(Medikation: neurocil, zypexa, dapom,cyiatyl, valium, rohynol)
seit ca 4 wochen, leigt sie in der klapse(ich bin in einer Wohneinrichtung tätig) sie ist kataton, zeigt keinerlei Lebenswillen mehr, sie hat eine Nahrungssonde bekomen......
Normalerweise ist sie sehr aggressiv, aber da kommt gar nichts mehr.......
Die Ärzte sagen es seien möglicherweise Spätfolgen der Neuroleptika, aber ausser Dyskinesien kenne ich keine........
Gibt es jemanden, der sich damit auskennt, oder mir Literatur empfehlen kann?
Weil es ist für mich sehr schwer diesen Zustand hinzunehmen, ich betreue sie seit einigen Jahren, und ich sehe keine Perspektive mehr.......ihr muss doch zu helfen sein!
Liebe Grüsse Susi

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Franz Engels
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Beitragvon Franz Engels » Di 13. Jul 2004, 11:18

Hallo susisetter,

Erlauben Sie mir, Ihre Fragen im Hinblick auf meine Antwort nach eigener Ordnung zu zitieren:
chronisch schizophrene Frau(45).Seit nun mehr einem Jahr ist ihr zustand sehr schlecht...sie ist kataton, zeigt keinerlei Lebenswillen mehr, sie hat eine Nahrungssonde bekomen...... Normalerweise ist sie sehr aggressiv, aber da kommt gar nichts mehr....... Die Ärzte sagen es seien möglicherweise Spätfolgen der Neuroleptika(Medikation: neurocil, zypexa, dapom,cyiatyl, valium, rohynol)
Dann geht es Ihrer Patientin ja schon eine ganze Weile lang schlecht. Möglich, daß dies auch eine Folge des reichhaltigen Medikamenten-Cocktails ist. Auffällig sind die zahlreichen sedierenden Substanzen. Sind diese zur Bekämpfung der "Aggressivität" eingesetzt worden? Andererseits ist die Katatonie natürlich ein Symptom der Schizophrenie. Unmöglich von hier aus zu beurteilen, weshalb genau es Ihrer Patientin im Moment so schlecht geht. Der jetzige Klinikaufenthalt zur genauen Untersuchung und medikamentösen Neueinstellung ist aber unbedingt richtig.
Normalerweise ist sie sehr aggressiv, aber da kommt gar nichts mehr....... seit ca 4 wochen, leigt sie in der klapse
Ich persönlich finde Ihre Art der Charakterisierung Ihrer Patientin recht grob. Warum bezeichnen Sie ein psychiatrisches Krankenhaus als "klapse"?
ausser Dyskinesien kenne ich keine........
Gibt es jemanden, der sich damit auskennt, oder mir Literatur empfehlen kann?
Hier in diesem Forum gibt es selbstverständlich viele Menschen, die sich mit psychischen Erkrankungen, Heilungsverläufen, Medikamenten und Literatur auskennen, eigentlich klar oder? :wink:
Informationen finden Sie unter anderem natürlich auf dieser Plattform:
http://www.psychiatriegespraech.de/sb/s ... rblick.htm
http://www.psychiatriegespraech.de/medi ... uroleptika
http://www.psychiatriegespraech.de/lite ... lliteratur
Weil es ist für mich sehr schwer diesen Zustand hinzunehmen, ich betreue sie seit einigen Jahren, und ich sehe keine Perspektive mehr.......ihr muss doch zu helfen sein!
Das ist sicher schwer auszuhalten, keine Perspektive mehr zu sehen und sich als professionelle Helferin womöglich mitverantwortlich zu fühlen für diie Misere. So geht es den meisten Helfern immer wieder, wenn sie an ihre Grenzen stossen. Aber für Ihre Patientin wird es sicher erst recht schwierig sein, "diesen Zustand hinzunehmen". Es könnte aus meiner Sicht hilfreich sein, wenn Sie versuchen, Ihr Verantwortungsgefühl für Ihre Patientin zu hinterfragen und es in dem Rahmen zu halten, in welchem Sie überhaupt nur verantwortlich sein können. Das ist sicher nicht einfach, weil es ja bedeutet, die eigene Begrenztheit und Ohnmacht auszuhalten und zu akzeptieren. Das fällt allen "Helfern" schwer und ist oft Grund für versteckte Versagens- und Minderwertigkeitsgefühle und die Bereitschaft, sich aufzuopfern in helfenden Berufsgruppen. Ihrer Patientin würde es sicher helfen, wenn Sie ihr auch dann weiterhin beistehen, obwohl die Situation für Sie selber unbefriedigend ist.

Freundliche Grüße

Franz Engels (Webmaster)
Das Gegenteil ist nur die Rückseite derselben Medaille.


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