Äusserst fragwürdige Langzeittherapie mit Psychopharmaka

Hier hinein gehören alle Fragen und Beiträge zum Thema Psychopharmaka, medikamentöse Therapie, Dosierung, Kombinationstherapie, Unverträglichkeiten, Wechselwirkungen etc.
SuMu
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Beitragvon SuMu » Do 17. Jun 2004, 09:43

ach, du willst den bücherverkauf ankurbeln?

ich denke, jeder wird sich eine behandlung mit psychopharmaka genau überlegen und im internet genügend infos bekommen können.
nur zum spass, wird keiner solche medikamente in erwägung ziehen und wegen einer erkältung wohl auch nicht.
viele Grüße
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Lillyone
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Beitragvon Lillyone » Mo 21. Jun 2004, 01:28

Hallo SuMu, ob sich das einer mit den Pillen überlegt oder nicht, hängt auch davon ab, ob einer unfreiwillig in die Psychiatrie kommt. Denn dann werden ihm auch entgegen seinem Willen diese Pillen verabreicht und es erfolgt eine lange Behandlung damit. Das Absetzen dann später ist dann äusserst schwierig, weil es eben dann zu denselben Symptomen kommen kann, wie man in die Psychiatrie reingekommen ist, Gruss Lillyone

SuMu
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Beitragvon SuMu » Di 22. Jun 2004, 11:52

boah neuro,
jetzt krieg ich aber ganz doll angst vor dir!

1. habe ich viele medikamente ausprobiert
2. war ich mehrfach in der psychiatrie
3. habe ich eine amblulante therapie gemacht
4. eine stationäre reha-massnahme von 4 monaten
5. ja, die meisten ärzte haben keine lust oder keine zeit ihren job gut zu machen!
6. ja das ganze system ist schlecht
7. warum soll dir ein arzt alle möglichen nebenwirkungen aufzählen? du bekommst nicht alle, wenn dann nur einige davon!

ABER, wir haben hier kein anderes system, die med. versorgung wird immer weiter abgebaut!
wenn mich zb ein medikament vom selbstmord abhält , bin ich damit erst mal zufrieden, da sind mir irgendwelche potentiellen spätfolgen scheiss egal!

jedem, der sich in der situation befindet als "psychisch krank" zu gelten, ergo zu einer Langzeit"therapie" mit Psychopharmaka (insbesondere Neuroleptika) angehalten wird, sollte sich dies wirklich ganz genau überlegen.
das wird wohl jeder machen! welche anderen möglichkeiten hätte diese person den noch? vielleicht "stricken", tai chi? aspirin wird wohl auch nicht helfen

so und jetzt hab ich ganz doll angst , dass du sauer auf mich bist :roll:
viele Grüße
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Beitragvon SuMu » Mi 23. Jun 2004, 09:04

@neuro

aber, wenn man einmal einen guten, interessierten psychiater finden sollte (suche immer noch), dann sollte man ihn unbedingt behalten *g*
viele Grüße
SuMu / http://psychomuell.de - http://blogzicke.de - http://su-mu.de/

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Franz Engels
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Beitragvon Franz Engels » Do 24. Jun 2004, 08:00

Hallo neuro,
kenne ich leider gar NIEMANDEN, den die einnahme der pillen einen erneuten klinikaufenthalt oder einen rückfall in einen schlechten psychischen zustand erspart hätte, eher im gegenteil (!!!)
Das ist meines Erachtens kein Beweis für die generelle Unwirksamkeit oder Schädlichkeit von Psychopharmaka, wenn es trotz ihres Einsatzes zu Rückfällen kommt.
ich bevorzuge psychotherapeuten (psychologen)
Das klingt für meinen Geschmack ein wenig wie in einem Selbstbedienungsladen, an der Fleischtheke oder am Obststand, wo man sich dann die "shrinks" aus der Auslegeware nach Belieben herausgreift. Man kann auch therapeutische Beziehungen in dieser Weise über ihren reinen "Nutzwert" definieren. Von meinem Standpunkt sähe dieselbe Formel dann so aus: ich bevorzuge freundliche, seriöse Patienten, die sich nach Herausarbeiten bzw. Offenlegen der entsprechenden Konflikte und Hemmungen schnell so verhalten, wie sie selber es sich wünschen und dann aufhören, damit Probleme zu haben und sich selber und Andere zu blockieren. So sehen die meisten reinen "Dienstleistungsverhältnisse" aus (Der Kunde schreit nach dem Klempner, der repariert das Rohr, Erleichterung bis Freude, Zahlen, fertig.) Aber eben nicht die "therapeutische Beziehung"!

Im Bereich der Psychotherapie funktioniert die "Problemlösung" eben nicht so einfach und reibungslos durch Einverleiben einer Dienstleistung. Das macht ja auch den "Krankheitswert" der Störung aus. Erst dann suchen Sie ja den Arzt oder Therapeuten auf, wenn die Beratung und reine Aufklärung eben nicht mehr hilft, das Leiden zu beseitigen. Therapeutische "Erfolge" kommen in aller Regel eben nicht alleine dadurch zustande, daß der Therapeut etwas sichtbar macht oder etwas erklärt, sondern dadurch, daß der Patient selber einen neuen Weg beschreitet, der ihn selber oft mit Ängsten konfrontiert, die er selber überwinden muß. Der Therapeut ist Begleiter auf diesem Weg und bietet neben seinem Fachwissen eine therapeutische Beziehung an, die dem Patienten die Orientierung auf dem Weg erleichtern kann. Das alles ist immer wieder neu ein Wagnis ohne Anspruch auf Erfolg und unterscheidet sich damit von den Angeboten in Warenhäusern oder anderen Dienstleistungen.
Deshalb bevorzuge ich, um noch einmal darauf zurück zu kommen, Patienten, die mich weder erhöhen noch abwerten müssen, sondern mich als Therapeut so wahrnehmen und respektieren können, wie es notwendig ist, damit eine belastbare und hilfreiche therapeutische Beziehung entstehen kann. Das ist die Voraussetzung eines positiven Therapieverlaufes.
in meinem umfeld und auch sonst kenne ich leider gar NIEMANDEN, den die einnahme der pillen einen erneuten klinikaufenthalt oder einen rückfall in einen schlechten psychischen zustand erspart hätte, eher im gegenteil (!!!).
Das ist sehr schade und erklärt Ihre Skepsis gegenüber der Wirksamkeit von Medikamenten. Ich dagegen kenne viele Patienten, denen der Einsatz eines Medikamentes dauerhaft oder auch vorübergehend sehr geholfen hat. Vielleicht müssen Sie einfach noch mehr Erfahrungen sammeln?
schön, dass wir das kriegsbeil begraben konnten
Das fände ich auch schön, wenn das gelänge. Ich hatte mich nämlich schon gefragt, wo das hinführen soll und wem das dient...;-)

Freundliche Grüße

Franz Engels
Das Gegenteil ist nur die Rückseite derselben Medaille.

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Beitragvon Franz Engels » Di 29. Jun 2004, 11:54

Hallo neuro,

sorry, daß ich es erst jetzt schaffe, Ihnen zu antworten.
sehe ich in der tat den arzt oder therapeuten als eine dienstleistung
Das ist ganz sicher ein wichtiger Bestandteil dieses Berufes. Ich glaube aber, daß ein Arzt-Patienten-Verhältnis kein reines "Dienstleistungs-Verhältnis" ist und der Patient nicht ein reiner "Kunde" ist, weil sich der Patient in einer persönlichen Notsituation an den Arzt wendet. Die Beziehung ist "asymmetrisch", ungleich. Der Patient ist krank oder will wissen, ob er krank ist und braucht deshalb Hilfe, der Arzt weiß besser oder kann besser abschätzen als der Patient, ob er die notwenige Hilfe erbringen kann oder nicht. Wäre der Arzt nicht überlegen, bräuchte der Patient sich nicht an ihn zu wenden. Das Arzt-Patienten-Verhätlnis ähnelt also mehr einer beliebigen Notsituation, in der man dem zugezogenen Experten ähnlich hilflos ausgeliefert ist und auf dessen Kompetenz vertrauen muß, als z. B. dem Einkauf im Media-Markt, wo man völlig frei ist, etwas zu kaufen oder eben nicht, wo die Zeit vorhanden ist, sich über Angebote zu erkundigen, Preisvergleiche anzustellen und sich ggf. auch erst in die Thematik einzuarbeiten und am Ende vielleicht mehr zu wissen, als der Mitarbeiter dort.
man ist leider gottes auf fachliche hilfe angewiesen
Eben! Notfallsituationen brauchen deshalb gewisse Regeln und Kontrollen, um dem Mißbrauch vorzubeugen, sie dürfen nicht einfach dem freien Markt übergeben werden, wenn der Schutz des Schwachen ein Ziel sein soll. In der Wüste kann ein Schluck Wasser sehr sehr teuer werden...
Die Verabreichung eines notwendigen Medikamentes (nehmen wir hier vielleicht mal ein Schmerzmittel bei schwersten Schmerzzuständen... :wink: ) ist einer solchen Situation vergleichbar. Wenn Sie "mehr Markt" zwischen den Ärzten fordern und damit einen wirklich freien Markt und nicht nur Schaffung tendenziöser Konkurrenzsituationen meinen, bedeutet das immer auch eine Schwächung der Patientenposition, denn der freie Markt belohnt immer den, der etwas zu bieten hat, den Leistungserbringer, und nicht den, der Hilfe braucht.
Das aktuelle subventionierte Gesundheitssystem schützt die Schwachen, da haben Sie recht. Aber nicht nur die Schwachen unter den Ärzten, sondern auch die schwachen Patienten, z. B. auch viele Psychiatrie- und Psychotherapiepatienten, die niemals aus eigener Tasche die Arbeit eines Arztes ihrer Wahl finanzieren könnten.! Und es "deckelt" v.a. auch die starken Leistungserbringer nach oben hin, die nämlich auf einem freien Markt exorbitante Preise verlangen könnten
Im bestehenden subventionierten System haben Sie als Patient immerhin die Möglichkeit, durch die freie Arztwahl selber nach dem für Sie passenden und bestqualifizierten Experten zu suchen, und dies kostet dann nicht mehr als bei irgendeinem anderen Arzt.
kaste geniesst einen meiner meinung nach völlig überhöhten respekt von der gesellschaft, von exorbitanten gehältern spreche ich gar nicht
"Arzt" ist keine Kaste, sondern ein Beruf, den auch Sie erlernen können. Ich persönlich genieße nur Respekt, den ich angemessen finde, ansonsten ist mir unwohl. Für "überhöhten Respekt der gesellschaft" ist die Gesellschaft wohl selber verantwortlich, oder sie ist vielleicht anderer Meinung als Sie...? Ob man etwas "genießt", das man erhält, obwohl es einem nicht zusteht, ist glaube ich eine Frage der Persönlichkeit und hat wenig mit der Qualität einer Dienstleistung zu tun. Auch ein arroganter Klempner kann über ein gutes Fachwissen verfügen und ein freundlicher Metzger nichts von Wurst verstehen. Aber klar, bei einem Arzt ist eben Vieles anders als sonst und die anforderungen an dieses Berufsbild eben auch von aussen her sehr hoch. Natürlich erwartet man von einem guten Arzt auch, daß er eine tadellose Persönlichkeit besitzt, viel tadelloser als ein Durchschnittsbürger...
Exorbitante Gehälter werden, wie man ja im Moment überall vorgeführt bekommt, in oberen Etagen bestimmter Firmen verdient und beim Fußballspielen. Ärzte verdienen sehr unterschiedlich, angestellte Ärzte viel zu wenig gemessen an ihrem sehr langen und aufwendigen Werdegang, niedergelassene sehr abhängig vom Zeitpunkt ihrer Niederlassung. Die wenigsten Ärzte verdienen meines Wissens heutzutage "exorbitante" Gehälter.
interessant diesbezüglich finde ich das amerikanische modell, wo man zum glück die möglichkeit hat, einen arzt oder eine klinik zu verklagen
Kennen Sie das amerikanische System? Vor allem die amerikanischen Patienten hätten eigentlich viel lieber ein Sozialsystem wie in Deutschland oder in der Schweiz. Denn dort ist es tatsächlich so, daß nur derjenige Hilfe erhält, der sie auch bezahlen kann. Klagen zu können mag befriedigend sein, wenn die Katastrophe schon eingetreten ist, aber besser ist doch wohl, wenn man nicht klagen muß, sondern vernünftige Hilfe erhält...
Demgegenüber gilt das deutsche Gesundheitswesen nach wie vor als eines der besten.
ich möchte hier nicht alle und alles angreifen, was mit psychiatrie zu tun hat, aber bitte verstehen sie, dass ich nach wirklich ausgiebigen erfahrungen dieser art fast sämtliches vertrauen in das system verloren habe, ich denke da gibt es viel zu tun, dieses forum ist mit sicherheit ein schritt in die richtige richtung.
Ich habe Verständnis dafür, daß Sie sich auf Ihre eigenen Erfahrungen stützen, finde es aber eben schade, daß Sie solch schlechte Erfahrungen gemacht haben. Schön und mutig finde ich, daß Sie hier darüber reden und Ihre Meinung zur Diskussion stellen. Denn nur so kann sich langfristig etwas ändern. Ich persönlich habe auch schon viele Korrekturen vornehmen müssen in meiner eigenen Wahrnehmung, weil sich ja nicht übersehen läßt, wie viele Betroffene sich in der institutionellen Psychiatrie schlecht behandelt fühlen und wie heikel das für eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung ist. Ich bin für jeden ernstgemeinten Beitrag in diesem Forum dankbar!

Freundliche Grüße

Franz Engels (Webmaster)
Das Gegenteil ist nur die Rückseite derselben Medaille.


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