Kein Olanzapin (Zyprexa) in der Gerontopsychiatrie!

Hier hinein gehören alle Fragen und Beiträge zum Thema Psychopharmaka, medikamentöse Therapie, Dosierung, Kombinationstherapie, Unverträglichkeiten, Wechselwirkungen etc.
Benutzeravatar
Franz Engels
Site Admin
Beiträge: 899
Registriert: Mi 12. Jun 2002, 20:18
Wohnort: CH-3011 Bern
Kontaktdaten:

Kein Olanzapin (Zyprexa) in der Gerontopsychiatrie!

Beitragvon Franz Engels » So 18. Apr 2004, 18:02

Eli Lilly warnt per Rundschreiben aufgrund von Studienergebnissen vor dem Einsatz von Olanzapin (Zyprexa) bei älteren und zerebral vorgeschädigten Patienten und im speziellen auch vor einer Behandlung von Demenz-assoziierten Psychosen und Verhaltensstörungen mit dieser Substanz. Der Konzern informiert, daß Olanzapin für diesen Einsatz nicht zugelassen ist!
In Abstimmung mit Swissmedic möchten wir Sie über neue sicherheitsrelevante Daten zur Anwendung von Olanzapin bei älteren Patienten mit Demenz informieren. Olanzapin ist nicht zur Behandlung von Demenz-assoziierten Psychosen und/oder Verhaltensstörungen zugelassen und wird nicht zur Anwendung in dieser speziellen Patientengruppe empfohlen.

Die Behandlung älterer Patienten, die wegen einer Demenz-assoziierten Psychose und/oder Verhaltensstörung mit Olanzapin therapiert werden, sollte überprüft und mit dem Patienten und/oder den für die Pflege zuständigen Personen besprochen werden.

Diese Sicherheitsinformation stammt aus klinischen Studien und ist für ältere Patienten mit Demenz relevant, die mit Olanzapin behandelt werden. Zwei Ergebnisse der Analyse dieser Studien sind relevant:

1) Eine auf das Doppelte erhöhte Mortalität im Vergleich zu Placebo

2) Eine auf das Dreifache erhöhte Inzidenz zerebrovaskulärer Ereignisse im Vergleich zu Placebo

Diese Information basiert auf einer zuswammenfassenden Übersicht und Analyse von fünf Placebo-kontrollierten Studien (n=1662, Olanzapin n=1184, Placebo n=478), die Lilly mit Olanzapin bei älteren Patienten mit Demenz (Alzheimer-Demenz, Demenz vaskulärer oder gemischter Ursache) durchgeführt hat. Eine klinische Wirksamkeit von Olanzapin bei der Behandlung von Psychosen und/oder Verhaltenssymptomatik wurde in diesen Studien nicht belegt.
In Placebo-kontrollierten Studien (über 6-12 Wochen) bei älteren Patienten (Durchschnittsalter 78 Jahre) mit Psychosen und/oder Verhaltensstörungen im Rahmen einer Demenz kam es bei mit Olanzapin behandelten Patienten im Vergleich zu mit Placebo behandelten Patienten zu einer Zunahme der Häufigkeit von Todesfällen um das 2-fache (3,5% bzw. 1,5%). Die höhere Inzidenz von Todesfällen war nicht von der Olanzapin-Dosis (durchschnittliche tägliche Dosis 4,4 mg) oder der Dauer der Behandlung abhängig.
Risikofaktoren für eine höhere Sterblichkeit in dieser Patientengruppe können Alter >65 Jahre, Dysphagie, Sedierung, Mangelernährung und Dehydrierung, Erkrankungen der Lunge (z.B. Pneumonie mit oder ohne Aspiration) oder die gleichzeitige Anwendung von Benzodiazepinen sein.
Bei mit Olanzapin behandelten Patienten war die Inzidenz für Todesfälle unabhängig von diesen Risikofaktoren höher als bei mit Placebo behandelten Patienten.

In denselben klinischen Prüfungen wurden unerwünschte zerebrovaskuläre Ereignisse (z.B. Schlaganfall, transitorische ischämische Attacken) einschliesslich solcher mit tödlichem Verlauf, berichtet. Bei mir Olanzapin behandelten Patienten traten zerebrovaskuläre Ereignisse 3-mal häufiger auf als bei mit Placebo behandelten Patienten (1,3% bzw. 0,4%). Bei allen mit Olanzapin oder Placebo behandelten Patienten, bei denen es zu einem zerebrovaskulären Ereignis kam, bestanden bereits vor der Behandlung Risikofaktoren. Als Risikofaktoren für ein zerebrovaskuläres Ereignis im Zusammenhang mit einer Olanzapin-Behandlung wurden ein Alter > 75 Jahre und eine Demenz vaskulärer oder gemischter Ursache identifiziert
.
Freundliche Grüße

Franz Engels (Webmaster)
Das Gegenteil ist nur die Rückseite derselben Medaille.

Zurück zu „Psychopharmaka und Psychopharmakotherapie“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste