Neue Neuroleptika vor dem Aus?

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Jonas
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Neue Neuroleptika vor dem Aus?

Beitragvon Jonas » Di 3. Okt 2006, 20:05

habe eben eine Meldung entdeckt, die in der sychiater- und Pharmabranche zu einem ganz schönen Aufruhr führen dürfte (wenn sie von den meisten nicht komplett ignoriert wird, wie die Meldung damals von der wesentlich höheren Genesungsrate bei Schizophrenie in den ärmsten Ländern der Welt ...):

http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/co ... 01378.html

Erstmals, seit es die neuen Medikamente gegen Schizophrenie gibt (Anfang der 1990er Jahre), die "Atypischen Neuroleptika", wurden diese auf
Veranlassung der britischen Regierung in einer groß angelegten Studie mit den älteren Arzneien verglichen. Die neuen Neuroleptika sind 10-20mal so teuer wie die alten, und die Pharmawerbung bringt sie mit großem Erfolg als nebenwirkungsarme, gut verträgliche Wundermittel unters Volk bzw. die Psychiater- und Patientenschaft - für jährlich 10 Milliarden Dollar in den USA allein -, während man gleichzeitig die
alten, einstmals bejubelten, nunmehr nur noch wenig profitablen Medikamente als wahres Gift verteufelte.

Nun ja, die an der Studie beteiligten Mediziner erwarteten natürlich alle, dass die neuen Mittel - Risperdal, Zyprexa, Seroquel, Solian, Zeldox, Abilify - wesentlich besser abschneiden würden, als die bösen
alten, Haldol und Co., und wollten das Ergebnis der Studie dann anfänglich gar nicht glauben (wie bei dem 3.-Welt-Befund damals): Die alten Medikamente wirken genauso gut wie die neuen und schneiden unter
dem Gesichtspunkt Lebensqualität sogar noch ein ganz klein wenig besser ab.

"Wie konnte es nur passieren", kommentierte einer der Wissenschaftler den Befund fassungslos, "dass man jahrelang eine komplette medizinische Fachrichtung an der Nase herumgeführt hat?"

Man sei einer gezielten Täuschung zum Opfer gefallen, meinte ein anderer, habe sich von einem aggressiven Marketing hereinlegen lassen. Nach diesem Befund gebe es nun gar keinen Grund mehr, für die gleiche, wenn nicht gar schlechtere, Wirkung das Zehnfache an Geld hinzulegen.

Ein anderer wiederum stellte die Frage, warum es überhaupt zehn Jahre gedauert habe, bis man endlich eine solche Vergleichsstudie durchgeführt habe.

Die Pharma-Hersteller hüllen sich einstweilen in Schweigen und verweigern jeden Kommentar. Lediglich Eli Lilly, der Hersteller von Zyprexa, meldete sich mit einer windelweichen, de fakto nichtssagenden
Preseverlautbarung zu Wort: Man könne solche Medikamente ja gar nicht vergleichen, da jedem Patienten ein anderes Mittel helfe.

Wohlgemerkt: Der Befund besagt in erster Linie nicht: Die alten Medikamente wirken genauso gut wie neuen, sondern: Die neuen Neuroleptika haben mindestens so viele Nebenwirkungen, wie die alten.
http://www.eigener-planet.de/

Heidi
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Beitragvon Heidi » Mi 4. Okt 2006, 06:49

Keine Studie ohne Gegenstudie :!:
Man könnte meinen, Du wirbst für die Krankenkassen, damit die weniger zahlen müssen :idea:

Ich hab zwar die "alten" nicht probiert, würde aber (schon wegen der Gewichtszunahme) fuchsteufelswild, wenn man mir jetzt mein Zeldox gegen Haldol austauschen würde

hannah
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Beitragvon hannah » Mi 4. Okt 2006, 10:18

Ich hatte unter Haldol eine deutlich schlechtere Lebensqualität. Habe unter einer sehr geringen Dosis mit den Armen so gezittert, dass ich nicht mehr schreiben konnte. Es wurde mir zwar Akineton gegeben, aber trotzdem fand ich die Kombi alles andere als optimal.

Eli Lilly hat vollkommen recht, jeder verträgt was anderes und jedem hilft es auch anders. Dass die neuen Medikamente aber auch viele Nebenwirkungen haben, wenn auch weniger Folgewirkungen bei den Dyskinesien, stimmt.

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Sheena
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Froh wegen Zeldox

Beitragvon Sheena » Fr 6. Okt 2006, 20:39

Ich bin total froh, dass ich jetzt seit zwei Jahren Zeldox nehmen DARF. Ich bin seit elf Jahren psychosekrank und habe vorher 58 kg. gewogen. Jetzt, vor allem aber nach Solian (+20 kg im halben Jahr - soll auch atypisch sein) wiege ich 86 kg und bin total unglücklich darüber. Seit ich seit zwei Jahren Zeldox nehme habe ich es zwar nicht geschafft abzunehmen, aber es ist NICHTS dazugekommen.
Ich möchte kein anderes Medikament mehr nehmen - höchstens ein neueres und besseres !
Grüße Sheena.

bernd12
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Beitragvon bernd12 » Di 10. Okt 2006, 23:17

[quote="Schneewittchen"]
Außerdem gibt es genügend Studien die beweisen, wenn die Leute glauben, dass sie etwas besser vertragen, dass es besser wirkt, dann tut es das auch. Es lebe der Placebo-Effekt.Wahrscheinlich könnte man in einem entsprechenden Setting auch mit TicTac gute Ergebnisse erzielen. Leute behaupten ja auch, dass sie unterschiedliche Wirkung haben von ein und derselben Substanz, abhängig vom Namen des Herstellers auf der Packung.


Was ist das wieder für ein Quatsch die Medikamente greifen in den Hirnstoffwechsel ein wie soll das mit Tic Tac oder Placebos gehen. Wenn die Pazienten wie auch häufig hier zulesen von Seroquel müde werde bilden die sich das etwa auch nur ein.
Wenn du nicht persönlich betroffen bist und keine Ahnung hast was machst du in diesem Forum?

danny
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Beitragvon danny » Mi 11. Okt 2006, 11:48

Der Placebo Effekt ist in der Tat nicht zu unterschätzen. Man sollte es auch nicht als Einbildung interpretieren sondern viel wohlwollender als eine Aktivierung der Eigenkräfte :wink:

bernd12
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Beitragvon bernd12 » Do 12. Okt 2006, 17:01

1mal ich weiß was ein Placebo ist den Link hättest du dir sparen können.

2. Mir wurde schon als Kind gesagt ich muß auch an die Medikamente glauben sonst wirken sie nicht und sie haben aber gewirkt obwohl ich nicht daran geglaubt habe. Zb Antibiotika hat jedesmal bei mir gewirkt. anderes beispiel als ich eine Psychose bekommen habe konnte ich 2 Wochen nicht schlafen ich habe 2 Tabletten Seroquel bekommen und war 2 Stunden später am schlafen obwohl vorher nocht nicht mal Schlafmittel Atusil mich zum schlafen gebracht hatte.

hannah
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Beitragvon hannah » Do 12. Okt 2006, 17:03

Placebos können tatsächlich eine enorme Wirkung haben. Bei organischen Psychosen können sie allerdings nicht helfen.


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