7 Monate Akutstation Psychiatrie

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Bettina
Beiträge: 1
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7 Monate Akutstation Psychiatrie

Beitragvon Bettina » Sa 28. Feb 2004, 20:48

Mein Leben ist wunderbar.
Einen lieben Ehemann (Bauchkribbeln auch nach 14 Ehejahren noch).
Zwei tolle Kinder (Mädchen 7und 12 Jahre).
Schöne und gemütliche Wohnung.
Konto und Sparbücher voll im grünen Bereich.
Stellung als Chefin in Spedition mit Schwerpunkt Finanz und Lohnbuchhaltung.
Glücklicher und Zufrieden kann man nicht mehr sein.
Voller Zukunftspläne.
Nie körperliche oder psychische Probleme oder Beschwerden.
Was ist das?
Bodenständig, Selbstbewusst, Attraktiv, voll im Leben, das sind meine Gefühle.
Am 31.01.2003 habe ich einen ambulanten OP-Eingriff an der Gebärmutter.
Nach drei Tagen bekam ich höllische Schmerzen.
Bekam wegen einer Entzündung 4 Stck. Zithromax uno.
Zum besseren abbluten Progynon C Tabl. 0,02 mg., die Pille Yasmin und Ibuprofen 800 mg gegen die Schmerzen.
Am/Ab ca. Mitte Februar bekam ich Angst. Angst auf einmal an Krebs zu sterben.
Eine wahnsinnige Unruhe. Bekam schlecht Atemluft und mir tat der Brustkorb weh.
Ging zum Internisten und bat ihn mich auf Lungenkrebs zu untersuchen.
Er meinte nur:“Sie sind eine Frau, Frauen haben einen 7.Sinn für Ihren Körper.
Sie sind über 30 und rauchen auch noch! Ihre ersten Krebszellen haben sie sich sowieso schon in der Lunge gezüchtet.
Ich hoffe sie haben genug Angst und nutzen Diese um mit dem Rauchen aufzuhören!“
Ich verließ die Praxis nicht mehr als Mensch.Ich war nur noch ein Angstbündel.
Konnte nicht mehr schlafen, essen, mich auf nichts mehr konzentrieren.
Machte einen Termin beim Lungenarzt.
Dieser röntgte mich und gab entwarnung.Diese konnte mich aber nicht mehr beruhigen.
Immer noch panische Angst, kaum Realitätsgefühl, keinen klaren Gedanken.
18. März 2003 zu Hausarzt:
1 Imap-Spritze und von da an 75 mg. Doxepin.
Für ca. 3 Tage konnte ich fast wieder denken.Das Gefühl des Krankseins blieb.
Weiterhin starke Angst vorm sterben.
Sprach mit Mitmenschen, hörte nicht hin und dachte immer nur wie diese Menschen wohl mal sterben; auch meine beiden Kinder.
Bin nurnoch ziellos Rumgelaufen, voller Angst, konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.
Am 12.04.2003 brachte mich meine Mutter in die Psychiatrie nach Langenfeld.
Akutstation:
Dort sofort Doxepin auf 300 mg p.Tag.Gleichzeitig innerhalb der nächsten 6 Wochen Seroquel bis 800 mg dosiert.
Ich konnte nun an gar nichts mehr denken, nur noch sterben.
Plante am 14.06.2003 meinen Suizid durch Klinge.Wurde von einer Mitpatientin auf der Station verraten.
Arzt stellte Medis um auf 300 mg Trevilor und Zeldox 100 mg.
Keine Gedanken, keine Gefühle.
Erkenne meine Kinder nicht mehr.
Ehemann kommt jeden Abend nach 14 Std. Arbeitstag (Tankwagenfahrer) in die Klinik und bleibt bis 22:00 Uhr.
Keine Emotionen, kein Ich-Gefühl.
Angst ist durch das Tavor 2mg-2mg-2mg reduziert.
Am/Ab 17.07.2003 Medikamentenumstellung durch Chefarzt auf 5-0-5 Zyprexa und 225 mg Anafranil .
Die erste Woche intravenös, dann Retardtabletten abends.
Mit diesen Medikamenten plötzlich Entlassung am 07.11.2003.
Völlig instabil.
Kein Persönlichkeitsgefühl, kein realistisches Denken, nur Suizidgedanken.
Irgendwas in mir sagte trotzdem:“weitermachen!!!“.
Psychiaterin gab neue Medis.
Ab 04.02.2004 Zyprexa 0-0-2,5 Zoloft 100-0-0.
Bekam etwas realistisches Gefühl, trotzdem viel, viel Angst.
Durazanil 6 0-0-1 zum schlafen und es beruhigt auch noch am Tag.
Wieder Angstzustände, Gedanken wie:“Irgendwann müssen wir sowieso alle sterben!“machen mich fertig.
Zwischendurch immer das Gefühl nicht real zu sein bleibt.
Kann mich noch immer nicht auf irgendwas konzentrieren.
Versuche mich ständig krampfhaft abzulenken, klappt nicht wirklich.
Meine Kinder kann ich nur mit Unterstützung meiner Freundin versorgen.
Keine Emotionen, denken stark eingeschränkt.
Traue mich nicht mehr aus dem Haus, weil ich stark Konzentrieren muss, was ich draußen eigentlich will und dass ich den Weg wieder nach hause finde.
Funktioniere nur noch aus Erinnerungen heraus.
Kann kein Auto mehr fahren, kein Fernsehen, keine Zeitung mehr lesen, kein ablenken mehr möglich.
Ist das noch leben?
Immerwieder kommen mir Bilder aus meinen elenden Träumen vor Augen, die ich nachts, wenn ich denn mal richtig schlafen konnte, träumte.
Ich will sie nicht, sie kommen einfach unkontrolliert, sind das die Medikamente?
Mein Lebensgefühl geht von hier bis jetzt.
Ich kann nicht mehr für den nächsten Tag, oder Woche planen.
Vergesse jeden Tag das Datum, Wochentag oder Uhrzeit.
Meine Merkfähigkeit ist gleich null.
Nebenher oder zusätzlich angeordnete Antidepressiva oder Höherdosierungen lösen bei mir nur noch mehr Angstgefühle und Horrorgedanken aus.
Zurzeit nehme ich Medikamente:
Zyprexa 2,5 0-0-1
Zoloft 100 1-0-0
Solian 200 0-0-1
Amitriptylin 50-0-50
Durazanil 6 0-0-1 + nach Bedarf bis zu 3 Stck.tägl.

Bin nur noch eine Maschine, kann kaum noch denken.
Zittere den ganzen Tag ununterbrochen am ganzen Körper, jeder Muskel, jeder Knochen tut mir weh.
Egal.
Kein Realitätsgefühl, kein Ich-Gefühl, Arbeiten unmöglich.
Warum lebe ich eigentlich noch?
Es hat doch eigentlich alles keinen Sinn mehr.
Was ist das, was da noch in mir kämpft?
Mein Mann, meine Eltern, meine Freundin (sie begleiten mich seit dem 1.Tag intensiv),
sind der Meinung, dass ich vielleicht gar keine Medikamente mehr brauche oder vertrage.
Dass es Anfang letzten Jahres nur kurzfristige Nebenwirkungen von diesen 4 Medikamenten waren?
Seitdem war ich ja nie wieder ohne hochdosierte Medis.
Traue mich aber nicht sie alleine abzusetzen, habe zu viele gesehen, die deshalb wieder in die Klink zurückkamen.
Das wäre mein sicheres Todesurteil.
Sieben Monate Akutstation in der Psychiatrie haben bei mir nichts gebessert.
Meinung meiner Psychiaterin:“Sie brauchen noch mehr Medikamente, damit ich endlich mal zur Ruhe komme!“.
Können die Psychopharmaka meine jetzige Emotionslage auslösen?
Bin fertig, kann nicht mehr lange.
Bin ich ein Psychischer Pflegefall?
Zuletzt geändert von Bettina am So 29. Feb 2004, 09:11, insgesamt 1-mal geändert.

hotspot1932
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Versuch der Panik nicht zuviel Raum zu geben!!!!

Beitragvon hotspot1932 » Sa 28. Feb 2004, 23:22

Hallo Bettina,

Antworte Dir sofort, weil es mehr als ersichtlich ist, dass Du in einer absoluten Notlage bist.

Ich weiß allerdings auch nicht, ob ich Dir richtig helfen kann.


Zuersten auf Deine letzte Zeile in Deinem Beitrag:
Bin ich ein Psychischer Pflegefall?
NEIN, BIST DU MIT SICHERHEIT NICHT :)

Du schilderst Deinen Weg von der Operation an der Gebärmutter bis Heute so klar und strukturiert. Das könnte ein "psychischer Pflegefall" nicht. Ich habe in meiner Patientenlaufbahn einige gesehen, die nicht mehr viel konnten. Zu denen scheinst Du nicht zu gehören, auch wenn Deine emotionale Lage Dir jetzt sehr schmerzhaft ist.

Du schreibst in der Sparte "Psychopharmakotherapie" Deine Not. Anscheinend bringst Du viel mit den Mediks in Verbindung. Du schreibst die Dosierungen genau auf... Leider bin ich zu sehr Laie, als dass ich Dir eine Antwort des Typs "nimm da 200 mg weniger und dort 100 mg mehr" geben kann. Diese ANTWORT kann Dir wahrscheinlich auch kein Arzt geben, weil die auch nur rumprobieren und hoffen können das richtige zu finden. Ich möchte damit sagen, dass Du den Schwerpunkt Deiner Gedanken ein bißchen von den Medikamenten wegbringen solltest (Wobei die Alternative auf keinen Fall heißt: so wie jetzt weiter nehmen, oder ganz absetzten. Dazwischen gibt es x Möglichkeiten). Außerdem halte ich die Meinung Deiner Ärztin für recht zweifelhaft, die da heiß: "Sie brauchen mehr, damit Sie zur Ruhe kommen." Mehr ist auch da nicht immer besser. Das ist meine Meinung.

Vielleicht ist Dir mit jemandem geholfen, mit dem Du Deine emotionale Not etwas bereden kannst. Natürlich ist es gut, dass Deine Familie an Deiner Seite steht, aber eine Person von außen kann da oft neues Licht reinbringen und viel Linderung bringen, die die Medikament so nicht bringen können (so nützlich sie sind). Ich denke da an einen Sozialpsychiatrischen Dienst (von der Caritas, der Diakonie oder der AWO gibt es das fast überall. Im Telefonbuch seht die Nummer für Deine Stadt, wenn Du in Deutschland lebst. In der Schweiz dürfte es nicht anders sein). Du kannst Dich auch an einen niedergelassenen Therapeuten wenden (Deine Nervenäztin kann Dir im Normalfall Addressen geben, oder die Kassenärztliche Vereinigung in Deiner Stadt (Wie es da in der Schweiz ist, weiß ich nicht). Die Therapeuten haben in der Regel Wartezeiten, wobei ich die Erfahrung gemacht habe, dass akute Not vorgezogen wird.

Ich hoffe, Dir ein bißchen weitergeholfen zu haben... Und bitte melde Dich, was weiter passiert ist. Dein Satz, Du hieltes nicht mehr lange Durch macht mir etwa Sorgen...

Alles Gute auf Deiner Suche

Hotspot
E-mail: tkumm@web.de

PS: Die Mitpatientin am 14.06 hat Dich nicht verraten, sondern Dir unter Umständen das Leben gerettet. Kein kleiner Dienst, wie mir scheint :)

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Kratz
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Beitragvon Kratz » Do 25. Mär 2004, 12:18

Grüß Dich Bettina,
ich hoffe deine Situation hat sich derzeit verbessert.

Zu deinen Medis kann ich dir leider nichts sagen, da sie mir einfach unbekannt sind. Ich habe zwar eine langjährige Erfahrung, aber die Zeiten ändern sich und die Medikamente eben auch, so daß´ich da etwas den Anschluß verloren habe.
Da bei Dir die Ekrankung erstmals aufgetreten ist, ist ein tiefer Fall die Folge.
Da in den akuten Phasen oft sehr schnell mit hochdosierten Medikamentengaben gearbeitetr wird, sind die bei Dir auftretenden Symptomenichts außergewöhnliches.
Gefühlsarmut und Verzweiflung tun ein Übriges.
Da im Krankenhaus oft keine ausreichende Auseinandersetzung mit den Patienten stattfindet, auch Ersterkrankte nicht vernünftig aufgeklärt werden, rate ich DIr dringend einen guten Facharzt aufzusuchen.
Deinen Suizidversuch würde ich nicht überbewerten, es ist oft so, dass man unter Medikamenten und mit der Krankheit den Mut verliert und allem ein Ende setzen möchte.
Ich habe schon etliche Krankheitsausbrüche usw. hinter mir und darf deshalb sagen, dass man in den Alltag zurückkommen kann.
Laß den Mut nicht sinken. Auf Regen folgt Sonnenschein.
Wie geht es deinen Kindern?
Kann Dir einen Arzt in Mülheim Ruhr empfehlen, wenn Du möchtest, Langenfeld ist ja nicht soweit. Auch in Kaiserswerth gibt es eine gute Klinik, jedenfalls habe ich dort gute Erfahrungen gemacht, das ist selten genug.
Bis bald
Detlev
PS: Gruß an Hotspot, ist auch ein alter Legionär.


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