Frage zu Risperdal

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Maddy
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Frage zu Risperdal

Beitragvon Maddy » Fr 12. Dez 2003, 22:09

Hallo!

ich habe ein Riesenproblem + hoffe, dass mir jemand hier helfen kann. Ich war vor einiger Zeit in psychiatrischer Behandlung (eigentlich weil ich mich permanent töten wollte + immer wieder überlege (t habe), wie ich einen halbwegs "sauberen Ausstieg" schaffe) + wurde mit F20.0 - paranoide Schizophrenie- diagnostistiert. Leider war ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich in der Lage mich auf die Therapie einzulassen + war dementsprechend nicht wirklich ehrlich + habe vieles verschwiegen, wie z. B. zahlreiche Suizidplanungen + Selbstverletzungen, etc. - auch während dieser Zeit. Ich war damals überzeugt, dass ich mich sowieso umbringen würde + so eine Diagnose meinen Lieben als guter Grund + Trost dann helfen würde. Trotzdem habe ich während dieser Zeit an mir gearbeitet + zwischenzeitlich WOLLTE ich auch weiter + mittlerweile ist es so, dass ich in meinen Krisen (egal ob depressiv, psychotisch oder beides) keine wirklich ernstzunehmenden Suizidgedanken mehr habe + überwiegend den Wunsch nach Hilfe habe. Zur Erklärung sei gesagt, dass ich psychotische + depressive Zustände kenne seit ich klein bin, allerdings in einer harmloseren Form. Jetzt kann + will ich das nicht mehr aushalten + habe mich gestern Nacht begonnen Risperdal zu nehmen (ich sollte dieses Medikament damals nehmen, konnte aber die Ärzte davon überzeugen dass dies nicht notwendig ist). Da ich dringend an diesem Wochenende verreisen muss + z.Zt. sehr häufig + massiv unter "psychotischen Zuständen" leide, habe ich das Medikament genommen (ohne Arzt) + will sobald ich wieder zu Hause bin auch einen Arzt aufsuchen -und diesmal auch die Wahrheit sagen :) Ich vermute allerdings, dass dann die Diagnose auch anders ausfallen wird + dass ich dann ein anderes Medikament verschrieben kriege. Ist es unbedenklich + sinnvoll, Risperdal jetzt vorrübergehend als "Notfallmedikation" einzunehmen oder ist es sogar eher schädlich?

Danke im vorraus für jede Antwort :) + einen schönen Gruss!

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Franz Engels
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Beitragvon Franz Engels » Sa 13. Dez 2003, 10:25

Hallo Maddy,

von hier aus und ohne Sie und Ihre genaue Situation zu kennen, ist es sicher nicht möglich, eine konkrete Therapieempfehlung zu geben. Beim Lesen Ihres Beitrages drängt sich mir allerdings auf, Ihnen in erster Linie zu empfehlen, Ihre Beziehung zu dem oder den involvierten Ärzten zu klären und mit ihnen gemeinsam das weitere Vorgehen zu besprechen. Meine persönliche Meinung: Sie sollten das zuerst tun und erst dann die Reise antreten.

Risperdal ist ein gut wirksames und bewährtes Neuroleptikum, welches gegen psychotische Zustände wirkt und in niedriger (d.h. <3mg) meist ganz gut vertragen wird. Dennoch gibt es ggl. ernste Nebenwirkungen, weshalb die Einnahme ohne ärztliche Begleitung und regelmässige Blutuntersuchungen nicht empfohlen werden kann. Depressive Zustände können zum Beispiel durch Risperdal eher verstärkt werden...
Risperdal "vorrübergehend als "Notfallmedikation" einzunehmen" ist sicher keine gute Idee, wenn dies nicht in einem Therapieplan mit Wissen eines verantwortlichen Arztes besprochen wurde und damit kontrolliert erfolgt. Erst recht nicht, wenn Sie selber wie Sie schreiben im Zweifel sind, ob Ihre Eigendiagnose überhaupt stimmt und Sie nicht eigentlich ein ganz anderes Medikament einnehmen sollten.

Im übrigen liegt die "Notfallwirkung" von Neuroleptika bestenfalls in einer Sedierung, die u.U. wieder ihre eigenen Gefahren mit sich bringt (z.B. Strassenverkehr, Umgang mit Maschinen). Die eigentliche antipsychotische Wirkung setzt meist ohnehin erst nach 10-14 Tagen ein, sodass die Gabe von Neuroleptika in der Regel als längerfristige Behandlung konzipiert werden muss. "Rasches Einsteigen" mit hohen Dosierungen geht ebenso wie "abruptes Absetzen" mit einem erhöhten Risiko von unangenehmen Nebenwirkungen einher, weshalb auch diese für notfallmässige und vorübergehende Einsätze typische Einnahmemuster möglichst gar nicht und wenn nicht ohne ärztliche Kontrolle erfolgen sollte.

Also mein Rat:
1. Arzt aufsuchen, sich einer erneuten Untersuchung unterziehen und die Karten auf den Tisch legen
2. Mit dem Arzt einen Therapieplan besprechen, bei dem auch das Verhalten im Notfall einbezogen wird.
3. Verreisen (wenn Ihr Zustand das erlaubt)

Mehr kann ich Ihnen dazu nicht sagen. Viel Glück und freundliche Grüsse

Franz Engels (Webmaster)
Mehr kann ich Ihnen dazu nicht sagen. Ich wünsche Ihnen viel Glück
Das Gegenteil ist nur die Rückseite derselben Medaille.

Maddy
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Dankeschön!

Beitragvon Maddy » So 14. Dez 2003, 10:05

Hallo Herr Engels,

vielen Dank für die informative, ausführliche + schnelle Antwort. Leider kann ich die Reise nicht verschieben, aber z.Zt. gehts mir etwas besser. Ich hatte im Prinzip schon damit gerechnet, dass das die falsche Vorgehensweise ist....naja kann man nix machen. Auf jeden Fall noch mal vielen Dank für die Antwort + die guten Wünsche! Ihren Rat bei meinen Ärzten "die Karten auf den Tisch zu legen" nehme ich natürlich gerne an.

Danke nochmal + schönen Gruß
Maddy


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