Biederman und die Brandstifter: im Land der bipolaren Babys

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Jonas
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Biederman und die Brandstifter: im Land der bipolaren Babys

Beitragvon Jonas » Do 28. Jun 2007, 06:07

- Rückschlag für Diagnostik bipolarer Störungen
bei Kindern: Tätigkeit eines Bostoner Psychiaters
löst heftige Kontroverse aus
- Bipolare Kinder – wird die Diagnose
in den USA zu häufig gestellt?
- Grünes Licht der FDA für die Ausweitung
der Neuroleptika-Werbung
- NIMH finanziert Forschung zum frühzeitigen
Eingreifen bei Bipolaren Störungen im Kindesalter
- Bluttest zur Diagnose psychischer Erkrankungen
- Valproinsäure senkt den IQ von Kindern
- Erhalten Kinder zu viele Medikamente?
- Psychopillen haben meinen Sohn verrückt gemacht
- Elektroschockbehandlung für Kinder
- Psychiater, Kinder und die Rolle der
Pharmaindustrie
- Atypische Neuroleptika für Kinder nicht
ungefährlich

***************

Titelseite des Boston Globe vom 17. Juni 2007:

- Rückschlag für Diagnostik bipolarer Störungen bei Kindern

Tätigkeit eines Bostoner Psychiaters löst heftige Kontroverse aus

Scott Allen, Boston Globe, 17. Juni 2007

Original-URL:
http://www.boston.com/yourlife/health/d ... n_children
(der Artikel ist jedoch nur über eine Anmeldung auf der Webseite zugänglich)

Nachdruck des vollständigen Artikels auf:

http://tinyurl.com/2cndl3

Hier auf Deutsch Auszüge aus dem Bericht:

'Niemand hat mehr geleistet, um die amerikanische Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass sogar kleine Kinder an den gefährlichen Stimmungsschwankungen der Bipolaren Störung leiden können, als Dr. Joseph Biederman vom Massachusetts General Hospital. Überall hat Biederman, der als einer der angesehensten und einflussreichsten Kinderpsychiater der Welt gilt, seine Lehrmeinung verbreitet: Die "bipolar" oder "manisch depressiv" genannte Achterbahn der Gefühle beginne häufig schon "in dem Moment, wo das Neugeborene seine Augen aufschlägt." Früher war die Psychiatrie der Meinung gewesen, eine bipolare Erkrankung beginne nicht vor dem frühen Erwachsenenalter. Heute jedoch wird diese Gemütskrankheit schon bei Kindern diagnostiziert, die gerade eben den Windeln entwachsen sind – und behandelt wird diese "Störung des Kleinkindalters" mit starken Neuroleptika und anderen Psychopharmaka, ganz im Einklang mit den von Biederman aufgestellten Richtlinien.

"Man muss diese Kinder behandeln!", erklärte Biederman in einem Interview. "Sie sind in einer ganz verzweifelten Lage!" Er führte ein Video vor, in dem eine tränenüberströmte Mutter erzählte, wie sie von ihrem Töchterchen immer wieder körperlich angegriffen worden war, bis das Kleinkind schließlich mit Medikamenten von seiner bipolaren Störung geheilt wurde. Biederman, Chefarzt der Kinderpsychiatrie am Mass. General Hospital, stellt seine Arbeit auf eine Stufe mit den großen wissenschaftlichen Erkenntnissen der Vergangenheit, wie etwa die Entwicklung der ersten Impfstoffe.

Als im Dezember 2006 jedoch die vierjährige Rebecca Riley an einer Überdosis jener Medikamente starb, die man ihr [anderthalb Jahre lang] zur Behandlung ihrer mutmaßlichen Bipolaren Störung in Kombination mit ADHS verabreicht hatte, entbrannte eine immer heftiger werdende Kontroverse um Biederman und seine ärztliche Anhängerschaft. Gegen Rebeccas Eltern ermittelt nun der Staatsanwalt wegen des Verdachts auf absichtliche Überdosierung mit Clonidin, ein Blutdruckmittel, das immer wieder zur Ruhigstellung von Kindern eingesetzt wird [und in Deutschland wegen seiner schweren Nebenwirkungen nur in begründeten Ausnahmefällen eingesetzt werden darf, und schon gar nicht bei Kindern, Anm. d. Übs.]. Dennoch fragen sich viele, warum ein so kleines Kind nicht nur mit Clonidin, sondern auch noch mit zwei Psychopharmaka behandelt worden war, von denen eines gar keine Zulassung für Kinder und Jugendliche hat. Rebeccas Psychiaterin beruft sich auf Biederman und dessen Protegé, Dr. Janet Wozniak ...

... Die Kritik an Biederman richtet sich zum großen Teil auf eines der Grundprobleme der Psychiatrie ganz allgemein: die überaus engen finanziellen Verbindungen zwischen der Pharmaindustrie und der psychiatrischen Wissenschaft. Biederman selbst erhielt Zuwendungen von insg. 15 Pharmaunternehmen; für sieben Firmen war er als wissenschaftlicher Consultant tätig, darunter auch Eli Lilly und Janssen, Hersteller der viele Milliarden Dollar schweren Neuroleptika Zyprexa und Risperdal.

Viele Psychiater sind der Meinung, der tragische Fall zeige, dass die Bipolare Störung in ihrer Branche mittlerweile zur wahren Obsession geworden sei ... Seit dem Tod des Kindes überprüfen die Behörden des Bundesstaats 8.343 Fälle von Kindern, die auf Kosten der staatlichen Krankenversicherung mit neuen Psychopharmaka [Atypika und SSRI] behandelt werden ...

... Auf einer Konferenz zur Bipolaren Störung, die Anfang Juni 2007 in Pittsburgh stattfand, vertrat einer der Redner, der kalifornische Kinderpsychologe Dr. Lawrence Diller, die Meinung, Biederman trage eine Mitschuld an Rebeccas Tod: "Biederman und seiner Forschergruppe sind meiner Meinung nach zum großen Teil moralisch mit verantwortlich. Biederman stellte nicht nur die Rezepte aus, er lieferte vor allem auch die wissenschaftliche Legitimation für das Verabreichen von Psychopharmaka an Kinder." Schon zuvor hatte Diller in seinem bekannten Buch "Running on Ritalin" der psychiatrischen Fachwelt vorgeworfen, sie behandle ADHS, das "Zappelphilip-Syndrom", viel zu schnell und viel zu hoch dosiert mit Medikamenten [auf Deutsch von Lawrence Diller erschienen: "ADS und Co. Braucht mein Kind Medikamente?", Walter-Verlag, 2003] ..."

***

In einem Kommentar zu dem Bericht 'Boston Globe' über Biederman schrieb Diller u. a.: '... Es ist traurig, aber wahr: Das Fachgebiet der Kinderpsychiatrie hat Angst vor Biederman. Wer laut Kritik an Biederman übt, und sei es auch noch so höflich und zurückhaltend, setzt seinen Ruf aufs Spiel und wird von Biederman und seinem Forscherteam in aller Öffentlichkeit lächerlich gemacht. Kinderpsychiatrische Forscher laufen Gefahr, die Gelder für ihre Forschungen zu verlieren, wenn sie den Liebling der Phamaindustrie, die heutzutage den weitaus größten Teil der psychiatrischen Forschung finanziert, öffentlich kritisieren ...'

Dillers Kommentar findet sich ebenfalls im 'Boston Globe', zugänglich nach Online-Anmeldung, oder als frei zugänglicher Nachdruck unter:

http://tinyurl.com/357jog

***


Weiter mit dem Boston-Globe-Artikel:

"... Biedermans Theorien zur Bipolaren Störung waren Anfang der 1990er Jahre aus seiner Arbeit am Mass. Gen. Hospital entstanden. Er hatte beobachtet, dass viele an die Psychiatrische Abteilung der Klinik überwiesene Kinder offenbar Phasen hatten, in denen sie entweder sehr aggressiv waren oder zutiefst deprimiert, und die auf das Standard-Medikament zur ADHS-Therapie, Ritalin, in keiner Weise ansprachen. Zu jener Zeit herrschte in der Psychiatrie die Ansicht, die Bipolare Störung beginne typischerweise im frühen Erwachsenenalter und praktisch nie vor dem 12. Lebensjahr. Biederman jedoch kam zu dem Schluss, die Diagnose treffe auch auf viele seiner kleinen Patienten zu. 1995 erregte er in der Fachwelt großes Aufsehen mit einem Forschungspapier, in dem er darlegte, jedes sechste in seiner Abteilung behandelte Kind sei bipolar, und bei Kindern mit ADHS sei diese Rate sogar noch höher. Als ADHS-Fachmann war er damals schon weithin bekannt und er besaß enge Verbindungen zu Psychopharmakaherstellern, die Forschungsprojekte finanzierten, für die die Regierung kein Geld locker machen wollte ...

... Dr. Jerrold Rosenbaum, Ärztlicher Direktor der psychiatrischen Abteilung am Mass. Gen. Hospitals, Biedermans Arbeitgeber, erklärte, er glaube nicht, dass Biederman in seiner wissenschafltichen Überzeugung durch Geld zu beeinflussen sei. "Niemand aus der Pharmaindustrie würde es wagen, Joe vorzuschreiben, was er sage dürfe ... Es sind seine Berufung und seine Überzeugung, die Joe antreiben, nicht die Honorare." ...

... Die am Mass. Gen. Hospital durchgeführten Arzneimittelstudien an Kindern stießen in der Fachwelt auf ungemein große Beachtung: Das 2001 durchgeführte Forschungsprojekt, in dem 23 als bipolar diagnostizierte Kinder acht Wochen lang mit Zyprexa behandelt wurden, wurde zu einem der am häufigsten zitierten Artikel in der Fachzeitschrift 'Journal of Child and Adolescent Psychopharmacology', denn die Studie zeigte, dass das Medikament aggressive Ausbrüche verhinderte, wenngleich die Kinder im Schnitt um mehr als 5 kg zunahmen ... "Man muss diese Nebenwirkungen im Licht der Schwere des Krankheitsbilds sehen," erklärte Biederman dazu.

Durch Biedermans Studien und Veröffentlichungen wurde die Bipolare Störung schließlich zu einem der Lieblingsthemen der amerikanischen Massenmedien, und die Journalisten beriefen sich in ihren oft reißerischen Artikeln natürlich regelmäßig auf den großen Wissenschaflter aus Boston. Es wundert nicht, dass sich die Anzahl der in den USA als bipolar diagnostizierten Kinder zwischen 1990 und 2000 vervierfachte. Im Bundesstaat Massachusetts wiederum wuchs die Zahl der Patienten unter 18 Jahren, die Atypische Neuroleptika verordnet bekamen, von 2002 bis 2005 um 31% - und kein einziges dieser Medikamente war damals für Minderjährige überhaupt zugelassen. "Wir wissen noch nicht einmal, ob diese Arzneimittel als Einzelmedikament bei Kindern und Jugendlichen überhaupt wirksam und sicher sind", meinte Dr. Steven Hyman, Psychiater an der Harvard University, "von Kombinationen [wie sie in der amerikanischen Psychiatrie die Regel sind, Anm. d. Übs.] ganz zu schweigen." ...'

*****


Mit dem tragischen Fall Rebecca Riley befasste sich am 16. Mai 2007 ein Bericht der Wissenschaftszeitschrift 'New Scientist' unter der Überschrift:

- Bipolare Kinder – wird die Diagnose in den USA zu häufig gestellt?

('Bipolar children - is the US overdiagnosing?')

http://tinyurl.com/3d9org

"Rebecca Riley schien ein ganz normales, verspieltes kleines Kind zu sein, wenn auch zuweilen etwas sehr lebhaft. Mit zwei Jahren erhielt die Kleine die Diagnose ADHS. Mit drei wurde die Diagnose 'Bipolare Störung' gestellt. Mit vier war Rebecca tot, gestorben an einer Überdosis des [stark dämpfenden] Bluthochdruckmedikaments Clonidin, mit dem man ihre Erkrankung therapierte. Zur Stabilisierung ihrer Stimmung war sie außerdem mit dem Antiepileptikum Valproinsäure und dem Neuroleptikum Seroquel (Quetiapin) behandelt worden ...

... Rebeccas tragischer Fall ist nur ein Kapitel aus einer sehr viel umfangreicheren Geschichte: die stetig wachsende Zahl kleiner Kinder, die in den USA die Diagnose 'bipolar' erhalten und mit entsprechenden Medikamente behandelt werden ...

... Die Bipolare Störung wurde früher 'Manische Depression' genannt. Die Betroffenen leiden an extremen Stimmungsschwankungen, in denen sie zwischen Zuständen von Euphorie und starkem Aktivitätsdrang einerseits und Depression und Niedergeschlagenheit andererseits hin- und herpendeln.

Die Definition der Bipolaren Störung wurde 1994 mit der Neuauflage des offiziellen psychiatrischen Diagnosehandbuchs DSM stark erweitert [in Deutschland wird nach dem anderen offiziellen Leitfaden, ICD, diagnostiziert. Anm. d. Übs.] Die klassische Form mit den oben beschriebenen Symptomen heißt seither 'Bipolare Störung I'. Neu hinzugekommen sind die 'Bipolare Störung II' mit leichteren Stimmungsschwankungen, die 'Zyklothymie', wo die Phasen mit [ebenfalls leichtgradiger] gehobener oder gedrückter Stimmung besonders lange anhalten, und die 'nicht näher bezeichnete Bipolare Störung', ein Auffangbecken für alle anderen Patienten mit Stimmungsschwankungen, auf die die drei anderen Diagnosen nicht so richtig zutreffen.

Manche Fachleute sehen in dieser Ausweitung der diagnostischen Kriterien die Ursache für die explosionsartige Zunahme dieser Diagnose bei Kindern ..." So ergab eine Auswertung der Datenlage, dass die Diagnose 'bipolar' zwischen 1996 und 2004 bei Erwachsenen nur geringfügig zugenommen hatte, bei Kindern jedoch geradezu "astronomisch": "1993 wurde bei 13 von 100.000 amerikanischen Kindern die Diagnose 'bipolar' gestellt. 2004 waren es bereits 73 von 100.000, so dass sich die Zahl der so diagnostizierten Kinder mehr als verfünffacht hatte. 1996 waren ein Zehntel aller Kinder, die eine psychiatrische Diagnose hatten, als bipolar eingestuft. 2004 waren es bereits 40% aller Kinder mit einer psychiatrischen Diagnose ...

... Die Unklarheit über die Ursachen für die rasante Zunahme der Diagnose einerseits und über die tatsächliche Häufigkeit [bei Kindern] andererseits hat Befürchtungen hervorgerufen, Kinder könnten falsche oder unnötige Medikamente mit schweren, schädigenden Nebenwirkungen bekommen. Lithium z.B. kann bei kleinen Kindern extreme Gewichtszunahme, Durst und Akne auslösen. Valproinsäure wiederum kann zu exzessivem Haarwuchs führen wie auch, bei Mädchen in der Pubertät, zum sog. Polyzystischen Ovar-Syndrom, einer der Hauptursachen für Unfruchtbarkeit.

Eine weitere Befürchtung ist die, dass Psychopharmaka für andere seelische Erkrankungen eine Bipolare Störung überhaupt erst auslösen. Rund zwei Millionen Kinder werden in Amerika auf ADHS behandelt, das ganz ähnliche Symptome zeigt wie die Bipolare Störung (und mit dieser darum leicht zu verwechseln ist). Die Stimulantien und Antidepressiva wiederum, mit denen ADHS behandelt wird, können bipolare Symptome verstärken.

Bestätigung findet diese These durch eine 2005 von César Soutullo et al. an der Universität im spanischen Pamplona veröffentlichte Vergleichsstudie (Bipolar Disorders, Vol. 7, S. 497) zur weltweiten Häufigkeit der Diagnose 'bipolar' bei Kindern. Darin wird eine andere Studie zitiert, die herausgefunden hatte, dass Kinder, die mit einem Antidepressivum behandelt werden, früher (mit durchschnittlich 10 statt 14 Jahren) und weitaus schwerwiegender an einer Bipolaren Störung erkranken als antidepressiv nicht vorbehandelte Kinder ..."

Zu der Frage, ob kleine Kinder überhaupt schon bipolar erkranken können, bemerkt die Kinderpsychiaterin Dr. Gabrielle Carlson von der New Yorker Stony Brook University: "Wie können zwei- oder vierjährige Kinder denn überhaupt schon 'hochfliegende' [leicht 'größenwahnsinnige', Anm. d. Übs.] Ideen haben?" Bei Kindern in diesem Alter seien stündliche Stimmungsschwankungen überhaupt nichts Ungewöhnliches.

*****

Weitere Artikel zum Thema (auf Englisch):

- Grünes Licht der FDA für die Ausweitung der Neuroleptika-Werbung

('FDA giving Green Light to Expand Antipsychotic Marketing')

Im Gegensatz zu Deutschland ist Werbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel in den USA erlaubt. Die Werbung für Neuroleptika jedoch durfte sich bislang nur an Erwachsene richten. Die staatliche Arzneimittelbehörde FDA hat nun jedoch genehmigt, dass auch für die Anwendung dieser Medikamente bei Jugendlichen geworben werden darf.

http://ahrp.blogspot.com/2007/06/fda-gi ... xpand.html

Am 23.6.07 hat die FDA das Neuroleptikum Risperdal (Risperidon) übrigens für Jugendliche ab 13 Jahren zugelassen:

http://www.schizophrenia.com/sznews/arc ... 05248.html

*****

Meldung des staatlichen National Institute of Mental Health (NIMH - "Bundesinstitut für seelische Gesundheit"), dessen Aufgabe es ist, die Bürger Amerikas vor Wahnsinn und geistiger Umnachtung zu bewahren, vom 4. Juni 2007:

http://www.nimh.nih.gov/press/CouncilGr ... lowitz.cfm

- NIMH finanziert Forschung zum frühzeitigen Eingreifen bei Bipolaren Störungen im Kindesalter

("NIMH Funds Research for Early Intervention in Childhood Bipolar Disorder")

"Das NIMH hat kürzlich Gelder bewilligt zur Finanzierung von Studien, die die Wirksamkeit eines frühzeitigen [therapeutischen] Eingreifens bei Kindern überprüfen sollen, die ein erhöhtes Risiko für eine Bipolare Störung tragen ..."

Besagte Studien befassen sich mit Kindern und Jugendlichen zwischen 9 und 17 Jahren, "... die ein stark erhöhtes Risiko tragen, bipolar zu erkranken. Es handelt sich hierbei um Kinder, die einige Symptome der Bipolaren Störung zeigen, jedoch nicht alle Kriterien der Diagnose erfüllen, und die einen Verwandten ersten Grades haben, der bereits an dieser Störung erkrankt ist ... 'Eine bipolare Störung kann die normale Entwicklung unterbrechen', erklärt Dr. Joel Sherill, Leiter des NIMH-Forschungsprogramms zur 'psychosozialen Intervention bei Kindern und Jugendlichen'. 'Wenn wir also den Ausbruch dieser Krankheit verhindern oder verzögern können, nimmt die Entwicklung bipolarer Kinder einen normaleren ['typical'] Verlauf.' ..."

*****

Meldung des britischen Telegraph vom 17. Juni 2007:

- Bluttest zur Diagnose psychischer Erkrankungen

("Blood tests to diagnose mental illness")

http://www.telegraph.co.uk/earth/main.j ... tal117.xml

http://www.schizophrenia.com/sznews/arc ... 05248.html

"Ein neu entwickelter Bluttest soll es Ärzten ermöglichen, psychischen Krankheiten wie Depressionen und Schizophrenie bereits zu diagnostizieren, bevor der Patient die ersten Symptome zeigt.

Wie Prof Sabine Bahn, Psychiaterin an der Cambridge University, herausgefunden hat, haben die einzelnen psychischen Erkrankungen jeweils ihre ganz eigene, eindeutige chemische 'Unterschrift'. Ihrer Meinung nach beschleunigt der Test die Diagnose psychischer Störungen, die sich derzeit noch bis zu drei Jahre hinzieht ... 'Es besteht dringender Bedarf an einem einfachen Bluttest, den auch der Hausarzt schnell und preiswert durchführen kann."

Für ihre wissenschaftliche Tätigkeit erhielt Frau Prof. Bahn vergangene Woche eine Auszeichnung von Medical Futures, eine Organisation, die wissenschaftliche und technologische Forschung fördert ..."

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- Valproinsäure senkt den IQ von Kindern

('Epilepsy drug may lower children's IQ, study shows')

http://www.guardian.co.uk/medicine/stor ... 78,00.html

Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft gegen Epilepsie oder Bipolare Störung Valproinsäure eingenommen haben, haben, einer neuen Studie zufolge, einen geringeren Intelligenzquotienten als andere Kinder. Ebenso verdoppelt sich in diesem Fall das Risiko, dass das Baby geistig behindert auf die Welt kommt. Gegen das Medikament ermittelt in Großbritannien gegenwärtig die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Schädigung von Kindern.

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- Erhalten Kinder zu viele Medikamente?

('Are kids being overdosed?')

http://www.northernexpress.com/editoria ... sp?id=2465

Die in diesem Artikel genannten Zahlen beziehen sich auf einen einzigen Distrikt im US-Bundesstaat Michigan. So hat dort z. B. die Zahl der Erwachsenen, die drei oder mehr Psychopharmaka gleichzeitig einnehmen, 2005 innerhalb von nur sechs Monaten um 68% zugenommen. Für Kleinkinder unter vier Jahren wurden 2005 insg. 3064 Rezepte für Psychopharmaka ausgestellt: zu rund einem Drittel für Beruhigungs- und Schlafmittel (Benzodiazepine), ein weiteres Drittel für sog. Antidyskinetika, Parkinson-Medikamente, "... die den Kindern gegen Bewegungsstörungen, Tics, unruhige Beine u. ä verordnet wurden. 875 Verschreibungen waren für 'Stimmungsstabilisatoren, d. h. Antiepileptika und Lithium, 94 Kinder erhielten Antidepressiva ..." Den Staat kosteten diese Kleinkindern verordneten Psychopharmaka fast eine halbe Million Dollar.

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- Psychopillen haben meinen Sohn verrückt gemacht

('Psych meds drove my son crazy')

Eine Mutter erzählt, wie der Asperger-Autismus ihres 17jährigen Sohns zuerst mit einem neuen Antidepressivum und dann mit dem Atypischen Neuroleptikum Abilify behandelt wurde, und der junge Mann davon impulsiv, gewalttätig und völlig unberechenbar wurde – was einen Psychiater daraufhin veranlasste, die Diagnose kurzerhand in 'Schizophrenie' abzuändern ...

http://www.salon.com/mwt/feature/2007/0 ... diagnosis/

(zugänglich möglicherweise nur auf Umwegen, z.B. über:)
http://digg.com/health/How_Psych_Meds_D ... _Son_Crazy

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- Elektroschockbehandlung für Kinder

('Electroshocking Children')

Die diversen Diagnosen des sog. 'autistischen Spektrum' waren von den Segnungen moderner Psychiatrie und Pharmakologie bislang weitgehend verschont geblieben. Nun werden in den USA jedoch Stimmen laut, die zur 'Heilung' vom Autismus Elektroschockbehandlungen propagieren.

http://tinyurl.com/27ox36

Auch mit Neuroleptika wird bei autistischen Kindern immer häufiger herumexperimentiert. Inzwischen haben erwachsene Autisten in den USA erste Initiativen ins Leben gerufen, die gegen diese Psychopharmaka-'Therapie' angehen, z. B. 'Autistic People Against Neuroleptic Abuse'.

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- Psychiater, Kinder und die Rolle der Pharmaindustrie

('Psychiatrists, Children and Drug Industry’s Role')

New York Times, 10. Mai 2007

Die Online-Ausgabe der New York Times ist gebührenpflichtig. Nachgedruckt wurde der Artikel hier:

http://www.truthout.org/issues_06/051007HC.shtml

http://tinyurl.com/yuzewb

"Als Anya Bailey kurz nach ihrem 12. Geburtstag eine Ess-Störung entwickelte, brachte ihre Mutter sie zu einem Psychiater ..., der ein starkes neuroleptisches Medikament namens Risperdal verschrieb.

Risperdal dient eigentlich der Behandlung von Schizophrenie und ist für Ess-Störungen gar nicht zugelassen. Gesteigerter Appetit ist jedoch einer der häufigsten Nebenwirkungen dieses Medikaments, was viele Ärzte auch zur Verschreibung bei anderen Störungen veranlasst. Anya nahm unter dem Mittel zwar wieder zu, entwickelte jedoch eine qualvolle, körperlich extrem behindernde Muskelverspannung im Rücken, gegen die sie jetzt mit Botox-Injektionen behandelt wird. Nachts hört man sie immer wieder vor Schmerz schreien ..."

Anyas Mutter war nicht wenig überrascht, als sie eines Tages erfuhr, dass der Psychiater, der ihre Tochter behandelte, in den Jahren 2003 und 2004 vom Risperdal-Hersteller "mehr als 7000 Dollar erhalten hatte für öffentliche Vorträge über eines der Medikamente dieser Firma ..."

*****

- Atypische Neuroleptika für Kinder nicht ungefährlich

('New antipsychotic drugs carry risks for children')

USA Today, 2.5.2006

http://www.usatoday.com/news/health/200 ... rugs_x.htm

Nachdruck mit Kommentar unter:

http://tinyurl.com/2covfm
http://www.eigener-planet.de/

Jonas
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Beitragvon Jonas » So 1. Jul 2007, 19:51

Am Beispiel der Diagnose 'bipolar' befasst sich der folgende Artikel mit dem Ziel, das die Pharmaindustrie auf dem Markt der menschlichen Leiden langfristig verfolgt: für jeden Menschen je eine Diagnose (mindestens) und mehrere Medikamente dafür. Im Reich der psychischen Erkrankungen wird in den USA seit geraumer Zeit vor allem für die Bipolare Störung eifrig Werbung betrieben. Der Wissenschaftler David Healy hat eine Studie vorgelegt, in der er die Ausweitung der diagnostischen Kriterien für die Bipolare Störung in den letzten 25 Jahren untersucht. Hier der Artikel über Healys Befunde:

- Wie die Pharmaindustrie alle Menschen krank sehen will

('How the Drug Companies Want Us to Be Sick')

http://www.alternet.org/story/36174/

"... Offiziell wurde die Krankheit 1980 in die psychiatrischen Diagnoseleitfäden aufgenommen. Wendet man die ursprünglichen diagnostischen Kriterien an (zu denen auch ein durch die Krankheit bedingter Klinikaufenthalt zählte), so sind 0,1% der amerikanischen Bevölkerung in einem ihr Leben erheblich einschränkenden Ausmaß von dieser Störung betroffen. Im Laufe der Zeit wurden die diagnostischen Kriterien immer weiter gefasst, so dass inzwischen 5% aller Amerikaner als manisch-depressiv gelten.

Healy zufolge gibt es 'fast keine Hinweise' darauf, dass die Behandlung mit Psychopharmaka dieser so großen Bevölkerungsgruppe überhaupt hilft. Dennoch werben Pharmafirmen wie Eli Lilly und Janssen Cilag im großen Stil für die medikamentöse Behandlung dieser diagnostisch so weit gefassten Version der Bipolaren Störung, durch Webseiten, Broschüren und neue Fachzeitschriften zu dem Thema ..."

Trotz der Nebenwirkungen der dafür eingesetzten Psychopharmaka "gibt es, Healy zufolge, in jüngster Zeit eine gewaltige Zunahme der Diagnose 'bipolar' bei Kindern. Er zitiert ein Buch, in dem die Möglichkeit erörtert wird, eine Überaktivität des Fötus könnte zu den ersten Anzeichen für eine Bipolare Störung zählen."

*****

Ein typisches Beispiel für die Bipolar-Werbekampagne ist der folgende Artikel von der Webseite der Medizinischen Fakultät an der Universität von St. Louis:

- Forscher entdecken bipolare Störung bei Kindern im Vorschulalter

('Researchers identify bipolar disorder in preschoolers'):

http://mednews.wustl.edu/tips/page/normal/6244.html

'... Während der manischen Phase der Krankheit erleben die Kinder ein überhöhtes Selbstbewusstsein, wenn nicht gar Allmachtsgefühl, oder sie verhalten sich so, als leiteten sie den Schulunterricht oder den Haushalt. Auch wenn sie zuweilen fröhlich, glücklich und albern wirken, kann sich ihre Stimmung ganz schnell ändern. Typisch sind auch ein vermindertes Schlafbedürfnis und ununterbrochenes Reden. Manche bipolaren Kinder fühlen sich zur gleichen Zeit sogar deprimiert ...

Die Wissenschaftler vergleichen, wie wirksam die einzelnen Medikamente und Arzneimittelkombinationen bipolaren Kindern zwischen 6 und 15 Jahren helfen. Die Versuchsteilnehmer erhalten entweder Lithium, ein bei bipolaren Erwachsenen häufig verordnetes Medikament, ein Antiepileptikum, das manische Symptome in einigen Studien gelindert hat, oder Risperdal, ein Neuroleptikum für schizophrene Erwachsene, das jedoch auch bei autistischen Kindern erprobt wird.

"Wir hoffen, dass wir durch den Vergleich dieser Arzneien und Medikamentenkombinationen bessere Möglichkeiten finden, diese schwere Krankheit bei betroffenen älteren Kindern unter Kontrolle zu bringen", meint die Kinder- und Jugendpsychiaterin Prof. Dr. Joan Luby. "Wenn wir dann Studienbefunde haben, können wir überprüfen, ob diese Therapien auch kleineren Kindern helfen." ...'

*****

Diese Ausweitung der Kriterien für psychiatrische Diagnosen findet sich nicht nur bei der Bipolaren Störung. So wird in der Presse immer wieder gerätselt, warum die Anzahl der Autismus-Diagnosen seit Jahren lawinenartig ansteigt. Von einer "Epidemie" wird da gesprochen - eine Epidemie, die u. a folgende Ursache hat: In den 1990er Jahren wurden die diagnostischen Kriterien durch Hinzunahme des sog. Asperger-Syndroms erheblich erweitert, so dass auf einmal ganz viele Kinder, die man bis dahin nur als etwas eigenwillig und eigenbrötlerisch betrachtet hatte, auf einmal die Diagnose "autistisch" erhielten (wie z. B. posthum auch Einstein und Mozart). Im Bereich "Schizophrenie" geschieht Ähnliches mit der ebenfalls in den 90er Jahren hinzugekommenen Light-Version "Schizotypie", die seit kurzem auch in Deutschland von den niedergelassenen Psychiatern entdeckt worden ist und jetzt alle möglichen Leute diagnostiziert wird, die halt irgendwie komisch = anderswo nicht einzuordnen sind.

Und wenn jetzt sogar Wutanfälle ("Intermittent Explosive Disorder" IED, 'Intermittierende Wutstörung') und kindlicher Trotz ("Oppositional Defiant Disorder" ODD, wörtlich: 'Aufsässigkeits-Trotz-Störung') als Geisteskrankheit gelten, dann hat die psychiatrische Diagnostik die letzten noch verbliebenen Ecken menschlicher Lebendigkeit erobert - ab jetzt darf man gar nichts mehr. Nicht mehr nein sagen, nicht mehr wütend werden, nichts. Schluss, vorbei, aus der Traum - jetzt wird nur noch pariert, funktioniert, konsumiert ...


Ein Lehrbeispiel dafür ist die folgende Geschichte eines kanadischen Jungen, der kurz vor seinem sechsten Geburtstag als hyperaktiv (ADHS) diagnostiziert worden war:

- "Finding Normal"

http://www.cbc.ca/national/news/normal/

Der Arzt verordnete Ritalin. Da die Eltern mit dem Ergebnis dieser Behandlung nicht zufrieden waren, brachten sie das Kind zu weiteren Psychiatern. Diese diagnostizierten dann u. a. Tourette-Syndrom, Zwangsstörung, Asperger-Syndrom, Bipolare Störung sowie 'Oppositional Defiant Disorder (ODD)', 'Aufsässigkeits-Trotz-Störung'. Behandelt wurde das Kind schließlich mit allen Gruppen von Psychopharmaka gleichzeitig – Antidepressiva, Anti-Epileptika, Stimulantien und Neuroleptika -, ohne dass die Eltern jedoch mit dem Verhalten ihres Jungen zufrieden gewesen wären. Mit acht wurde der Junge in ein Heim eingewiesen, wo er noch mehr Medikamente erhielt, denn sein Verhalten wurde dort immer schwieriger. Es sind schließlich die Großeltern, die das Kind zwei Jahre später nach langem Kampf gegen die Instanzen aus dem Heim holen und die Medikamente von einer ambulanten Ärztin über einen Zeitraum von zehn Monaten hinweg ausschleichen lassen. In dieser Zeit kommt auch der wahre Grund dafür ans Tageslicht, warum der Junge gerade im Heim so "schwierig" gewesen war, dass die Arzneimitteldosierungen im Lauf der Zeit immer weiter erhöht wurden: Er war dort sexuell missbraucht worden.

Inzwischen lebt der Junge ganz ohne Medikamente, und psychiatrische Untersuchungen haben ergeben, dass er keine einzige der ihm angedichteten Krankheiten jemals gehabt hatte. Die Tics, die ihm z.B. die Diagnose 'Tourette' (samt weiteren Medikamenten) eingebracht hatten, waren Nebenwirkungen des Ritalins gewesen.

*****

Am 27. Juni 2007 erschien in der 'New York Times' folgender Artikel:

- Psychiater erhalten die meisten Zuwendungen von Pharma-Herstellern

('Psychiatrists Top List in Drug Maker Gifts')

http://tinyurl.com/2jvt5k

Eine Zusammenfassung des Artikels findet sich hier:

http://www.physorg.com/news102225930.html

Die in dem Artikel genannten Zahlen beziehen sich auf den US-Bundesstaat Vermont. Im Jahr 2005 erhielten die Psychiater dort (in einem der kleinsten Bundesstaaten der USA) insg. 20.835 Dollar. Ein Jahr später waren es bereits 45.692 Dollar – eine Steigerung also um 120% in gerade mal einem Jahr ... Die 'New York Times' fährt fort: In Minnesota seien die Zahlen bei den Psychiatern ganz ähnlich. Die höchsten Zuwendungen von Seiten der Pharmaindustrie hatten zudem jene Nervenärzte erhalten, die bei Kindern die meisten Psychopharmak-Verordnungen vorzuweisen hatten ...

*****

Ein Bericht aus der 'Washington Post' vom vergangenen Jahr:

- Verbindungen zwischen Pharmaunternehmen und jenen Experten, die psychische Störungen definieren

('Experts Defining Mental Disorders Are Linked to Drug Firms')

http://tinyurl.com/l3bcj o

"Wie eine jüngste Analyse herausgefunden hat, hat jeder der psychiatrischen Experten, die die diagnostischen Kriterien für psychische Störungen wie Depression oder Schizophrenie festlegen, finanzielle Bande zur Pharmaindustrie. Von den insg. 170 Fachleuten, die an der Erstellung des Diagnosehandbuchs [DSM-IV] für Krankheiten von Persönlichkeitsstörungen bis hin zu Alkoholabhängigkeit beteiligt waren, hatten mehr als die Hälfte derartige Verbindungen. Bei den Mitgliedern der Arbeitsgruppen zu den affektiven und den psychotischen Störungen [Schizophrenie, Bipolare Störung u. ä.] waren es sogar 100% ...

... Die Analyse kommt zu einem Zeitpunkt, wo der Einsatz von Psychopharmaka als wichtigster oder einziger Therapie für seelische Leiden - ein zum großen Teil durch die Kriterien des Diagnosehandbuchs begünstigter Trend – immer kontroverser diskutiert wird ..."

Anlass der Studie war für die Autorin (die Psychologin Lisa Cosgrove von der Universität Boston) die Entdeckung, dass fünf der sechs Mitglieder des Ausschusses für prämenstruelle Probleme Zuwendungen des Pharmakonzerns Eli Lilly erhielten, der sein Antidepressivum Prozac (Fluoxetin) für die Behandlung dieser "Störung" vermarkten wollte. Cosgrove zufolge ist die Definition psychiatrischer Diagnosen kaum wissenschaftlich zu nennen, es sei vielmehr ein höchst politischer Vorgang.

*****

Und bei uns in Mitteleuropa? Da leiden die Kinder immer noch - wie langweilig - am guten alten ADHS:


- Ritalin: Koks für Kinder

Umstrittenes Medikament gegen das Aufmerksamkeitsdefizit/ Hyperaktivitätssyndrom

"'Koks für Kinder' so warnte die Zeitschrift FOCUS vor dem Missbrauch des Amphetaminderivates Methylphenidat, bekannt als Ritalin ®. Mehr als 70.000 Kinder zwischen sechs und achtzehn Jahren nehmen in Deutschland das nicht ganz unumstrittene Medikament gegen das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) ein. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung will reagieren und die Verschreibungsbestimmungen verschärfen. In Amerika ist das "Kinderkoks" bereits ein großer Hit. Für drei bis 15 Dollar wechselt eine Tablette den Besitzer. Die Dröhnung setzt ab 80 mg ein, dies entspricht einer doppelten Tagesdosis bei ADHS.

Die weltweite Produktion von Ritalin stieg von weniger als 3 Tonnen im Jahr 1990 auf mehr als zehn Tonnen im Jahr 1995, Tendenz steigend. In den USA werden 90% der Ritalin®-Tabletten verbraucht. Aber auch in Deutschland steigt die Nachfrage nach diesem Stimulans kontinuierlich. Seit 1994 hat sich der Verbrauch mehr als verzehnfacht. Ritalin wird in Drogenkreisen als 'Ersatz-Speed' gehandelt ..."

http://www.medizin.de/gesundheit/deutsch/2886.htm


- Scheidungskinder erhalten eher ADHS-Mittel Ritalin

"Kinder aus geschiedener Ehen nehmen auffällig häufig das Medikament Ritalin, das gegen die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eingesetzt wird. Eine kanadische Studie zeigt, dass Kinder geschiedener Eltern fast doppelt so häufig mit dem Mittel behandelt werden wie der Nachwuchs von Paaren, die noch zusammen leben. Dies bedeutet den Forschern zufolge aber nicht, dass eine Scheidung einem Kind zwangsläufig schadet.

Frühere Studien hatten gezeigt, dass Kinder von Alleinerziehenden eher Ritalin nehmen als Kinder, die mit beiden Eltern zusammen wohnen ..."

http://www.net-tribune.de/article/150607-46.php


- "Zappelphilipp" in Ostdeutschland drei Mal häufiger behandelt

"Neuerkrankungen wahrscheinlich wegen umweltbedingtem Risiko

So genannte Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen (ADHS), von denen zumeist Jugendliche und Kinder betroffen sind, werden in Ostdeutschland fast drei Mal häufiger im Krankenhaus behandelt als in den westlichen Bundesländern ..."

http://tinyurl.com/ysl8fy
http://www.eigener-planet.de/


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