"Anklage" wegen Isolationshaft infolge Impulsstörung und Zwangserkrankungen

Hier besteht die Möglichkeit zum fachlichen Austausch über Psychiatrierecht, Fragen der psychiatrischen Begutachtung etc
camino2017
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"Anklage" wegen Isolationshaft infolge Impulsstörung und Zwangserkrankungen

Beitragvon camino2017 » Sa 16. Feb 2019, 16:10

Freund ist nach ca. 2 Jahren in Forensche Klinik in Südwürttemberg. Ist diese verordnete Maßnahme infolge nicht schwerwiegendem "Wutausbruch" (nicht körperlich, lediglich Klage-Worte krankheisgemäß gesagt) gerechtfertigt ihn für mind. 2 Wochen als sog. Therapie in Isohaft(menschenrechtverletzend und unwürdig), bereits mehrfach, zu nehmen, abgesehen davon, dass etwaige bestehende Lockerungen unabhängig davon, für mehrere Monate einfach gestrichen sind von der Heimleitung? Methoden des III. Reiches. Patient erhält keine bzw. geringe oder gegenteilige Therapie. Sind diese Maßnahmen zulässig? Danke!https://psychiatriegespraech.de/forum/p ... =post&f=45#

LG winni :?:

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Laura
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Re: "Anklage" wegen Isolationshaft infolge Impulsstörung und Zwangserkrankungen

Beitragvon Laura » Mo 25. Feb 2019, 15:52

Hallo winni!

Das verlangt schon juristischem Spezialwissen, das meine Wenigkeit nicht besitzt. Aber wenn der Vorwurf auf "Klageworte" lautet, so ist damit noch nicht klar, ob sich unter diesen "Klageworten" nicht auch massive verbale Drohungen befanden.

VG

Laura
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Re: "Anklage" wegen Isolationshaft infolge Impulsstörung und Zwangserkrankungen

Beitragvon camino2019 » Mo 25. Feb 2019, 19:58

Liebe Laura, danke für deine Antwort. Es handelt sich hierbei um einen Wutwortausbruch, ohne körperliche "Angriff", resultieren ausschließlich aufgrund Zwangserkrankung mit Impulsstörung, welche bereits Tage vorher sich abgezeichnet, ohne dass eingegriffen worden ist. Und dies einfach mit Gespräch und Ablenkung des Patienten beendet werden können. Dies ist jedoch nicht erfolgt, sonder einfach laufen lassen mit dem "roten" Knopf drücken. Im übrigen wochenlang in Iso-Haft nehmen ist fraglich ob rechtlich oder nicht. Dahinter liegt auch eine fehlende, seit 2 Jahren, therapeutische qualifizierte Behandlung. Im übrigen gibt es überhaupt zu den Patienten kein gegenseitiges Vertrauen, was insbesondere an der verantwortlichen Leitung und dessen Betreuung liegt.

Schönen Abend! winni

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Re: "Anklage" wegen Isolationshaft infolge Impulsstörung und Zwangserkrankungen

Beitragvon Laura » Mi 27. Feb 2019, 21:18

Hallo winni!

Ich finde Deine Berichterstattung über Deinen Freund ziemlich ungenau und lückenhaft. Woher bist Du denn über die Verfahrensweisen informiert, denen Dein Freund aktuell ausgesetzt ist? Oder auch darüber, wie sich Dein Freund in der Forensik aktuell verhält oder nicht verhält? Befindet sich Dein Freund seit zwei Jahren in der forensischen Klinik (wegen einer anderen Straftat als einem "Wutausbruch"?) und erst in jüngster Zeit haben sich Verwicklungen ergeben, die eine Isolationshaft auf den Plan gerufen haben? Deine Formulierungen sind in diesem Punkt sehr missverständlich!

Viele Grüße

Laura
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Re: "Anklage" wegen Isolationshaft infolge Impulsstörung und Zwangserkrankungen

Beitragvon camino2017 » Di 19. Mär 2019, 18:37

Liebe Laura, danke für Deine Stellungnahme. Mein Tatsachenbericht ist entspricht völlig dem Vorgang, glaubwürdig vom Freund zwar selbst, welcher nichts zu verbergen hat. In die Forensik ist er wegen einer Schlägerei im Gefängnis gegen einen Wärter von 50 Wärtern nach Provokation verurteilt und allerdings im bekannten "Gerichtsstrengen" BW und Kumpanei mit RA. Dies hat mit dieser geschilderten Sache nichts zu tun. Vielleicht ist dir der aktuelle Wallraff-Bericht von der normalen Psyhiatrie bekannt geworden und so kannst du deinen Teil denken in der Forensik, möchte dies allerdings nicht verallgemeinern.
Du darfst ruhig dazu kritisch dich äußern.
Tschüss
winni

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Re: "Anklage" wegen Isolationshaft infolge Impulsstörung und Zwangserkrankungen

Beitragvon Laura » Mi 20. Mär 2019, 16:55

Hallo camino!

Du bist noch nicht auf meine Frage eingegangen, ob Dein Freund Drohungen ausgesprochen hat. Ansonsten habe ich noch einen verschwommenen Eindruck davon, dass der forensische Bereich schon immer einen Sonderbereich dargestellt hat in dem, was man unter fairen Haftbedingungen versteht. Was ein Gefängnis seinen Gefangenen nicht zumuten darf, darf eine Forensik schon eher.

Hast Du denn nie Angst gehabt, dass Dein Freund Dich mal verprügeln könnte? Ich finde, wenn er sogar noch auf Gefängniswärter losgeht, dann zeugt das schon von einer schwerwiegenden Hemmungslosigkeit. Irgendwie muss Deinem Freund doch das Prügeln abtrainiert werden, da kann man nicht immer nur danach gehen, dass er selber nur ein Opfer seiner Erkrankung ist. Für seine Resozialisation reicht Dein freundschaftlicher Beistand allein offensichtlich auch nicht aus. Dass es auch sehr zynische Gefängniswärter und Forensikwärter gibt, glaube ich gerne, aber nicht, dass ich unter Straffälligen immer nur "edle Schurken" angetroffen hätte. Vor manchen habe ich einfach selber Angst und muss mit einschließen, dass sie ihre Straftaten gut vertuschen und verharmlosen können.

Viele Grüße

Laura
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Re: "Anklage" wegen Isolationshaft infolge Impulsstörung und Zwangserkrankungen

Beitragvon Laura » Do 21. Mär 2019, 13:49

Ach ja, und noch eine Frage: Wenn über Deinen Freund erst vor Kurzem verhandelt wurde, ob er vielleicht in eine zweiwöchige Isolationshaft sollte, um seinen auch verbalen Mitteln der unlauteren "Durchsetzung" eine Schranke zu setzen, inwieweit hat man ihn dann mit Leuten außerhalb der Klinik kommunizieren lassen? Über Telefonate? Übers Internet? Besuche in der Anstalt?

winni, Du beschreibst hier eine Situation, in der nicht als Augenzeuge zugegen warst. Es ist schwierig zynische Forensikwärter gegen zynische Betroffene auszuspielen und zu entscheiden, welche Seite hier denn nun die Zynischere gewesen ist, erst Recht aus der Ferne. Denn Du sagst ja selber über Deinen Freund aus, dass er nicht gerade unschuldig zu einer Strafe verurteilt worden ist.

Und was Rechtsmittel angeht, so sind Gesetzesbücher ganz gewiss ein Dschungel, wenn man einen oppurtunen Paragraphen oder Gegenparagraphen finden will für den Einzelfall.

Was würdest Du denn vorschlagen, wie man bei Deinem Freund vorgehen sollte? Du bist mit ihm befreundet, Du bist also stets nett und verständnisvoll zu ihm und siehst das Gute in ihm und er im umgekehrten Falle auch und wie er mit anderen umgeht, das ist dann das Problem der anderen...
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Re: "Anklage" wegen Isolationshaft infolge Impulsstörung und Zwangserkrankungen

Beitragvon camino2019 » Di 26. Mär 2019, 12:28

Hallo Laura, danke für deine kritischen Antworten. Es ist jedoch hier einiges richtigzustellen. Die Gefängnissache ist 2-3 Jahre her, wahrlich ein Einzelfall (Streit mit einem Mitgefangenen und bei Wärterruf ist der Freund leider handgreiflich geworden nach Aufenthalt von über 4 Jahren, von insgesamt 5 Jahren, wogegen mit den vielen anderen Gefängnismitarbeitern und Mitarbeitern des Gefängnissses ein gutes Vertrauensverhältnis bestanden hat (dazwischen lag sogar mit Mitarbeitern ein Tagesaufenthalt zuhause). Ich kann ehrlicherweise quasi berichten, dass das Verhältnis 99:1 % (1 % Ausfall, 99 % normaler Umgang). Es wird hier nichts beschönigt der hochgespielt sondern die Fakten und Hilfe zur Selbsthilfe gesehen. Im aktuellen Fall ist es schon eigenartig, wenn im Forensik ein Mitpatient nach über 2 Monaten der Leitung/Mitarbeiter meldet, dass ihn mein Freund mit dem Messer gedroht haben sollte. Weder mein Freund noch die anderen Mitpatienten ist dies nicht bekannt. Folglich, ohne die Beteiligten jemals anhören, wurde der Freund über 4 Wochen in Iso-Haft genommen. Danach durfte er 1 Stunde täglich zum Duschen etc. raus und durfte lediglich 10 Minuten Telefongespräche empfangen, später wurde dies nach und etwas gelockert, aber bis bis dato nicht aufgehoben. Und dies ist auch ansonsten das gleiche Verhalten 99 zu 1 % (1% Wutausfälle wegen Zwänge, ohne Therapie im speziellen und "Abfangen" der vorausgehenden Anbahnungen auf einfache Weise von den verantwortlichen Mitarbeitern zu stoppen. Ist diese keine Pflicht des Hauses bei Krankheiten zu helfen. Inzwischen erhält er lediglich Medikamente dagegen. Es geht hier um die Wahrheitsfindung und etwaigen Wiedergutmachung und einer zufriedigenden Lösung.
Soviel zur Sache.
Schönen Tag Laura!

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Re: "Anklage" wegen Isolationshaft infolge Impulsstörung und Zwangserkrankungen

Beitragvon Laura » Di 26. Mär 2019, 14:28

Hallo winni!

Das sind ja jetzt ganz andere Dinge, die Du über Deinen Freund erzählst. Also, dass er das Opfer von Verleumdung wurde. Mit Verleumdung kann man jemanden unnötig in die Enge treiben und eventuell auch unnötig aggressiv machen, wenn derjenige merkt, dass er ungerecht behandelt worden ist. Sowas kommt manchmal auch in normalen Psychiatrien vor, dass da jemand einfach was behauptet und dann steht Aussage gegen Aussage und dumme Leute machen es sich einfach in ihrer Entscheidung, zu wem sie halten möchten. Ich habe schon wahre Horrorszenarien im Kopf deswegen, nämlich dass ich mal an einer Verleumdung richtiggehend zugrunde gehen könnte. Kann man bei mir als Teil meiner paranoiden Erkrankung ansehen, die Ängste muss aber erstmal ich selber aushalten. Ich neige dazu, die kleinen Verleumdungen, die schon gegen mich begangen worden sind, hochzurechnen, bzw. mich in Gedanken gegen denkbar schlimmere Verleumdungen wappnen zu wollen, die vielleicht mal gegen mich losgelassen werden könnten. Es ist schon schlimm, was manche Leute so daherreden und später sagen sie nur, so weit hätten sie gar nicht gedacht, oder diese oder jene Konsequenzen hätten sie ja gar nicht gewollt.

In dieser Hinsicht fand ich den Film "In Namen des Vaters" schon schlimm genug, auch wenn es da nicht um Forensik geht.

Wie sieht es in einer Forensik eigentlich mit Kamera-Überwachung aus?

Grüße

Laura
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Re: "Anklage" wegen Isolationshaft infolge Impulsstörung und Zwangserkrankungen

Beitragvon camino2019 » Mi 27. Mär 2019, 19:50

Guten Tag, liebe Laura, danke für deine Erfahrungen. Inzwischen ist noch nachzutragen wegen Vorfall - noch in Erfahrung gebracht -, dass vom Freund schwere Drohung gegen Mitpatienten, wie umbringen mit Messer, mit der Folge, dass dies nie ausgeführt worden ist und nur einmalig nach bereits über 2-3 Jahren Forensik-Aufenthalt und dennoch nach über 2-monatigen Meldung dies zur Höchststrafe geführt hat. Auch wurde dies sofort entschuldigt. Ursache ist ja diese Impulsstörung. Verantwortungslos ist das furchtbare, dass diese Störung langsam tageweise sich angezeichnet hat, ohne dass Mitarbeiter eingegriffen hätten. Darüber hinaus diese Schwäche bekannt war und eine Therapie nicht erfolgt ist - bis dato. Forensik hat die Pflicht Psychischkranke zu therapieren, Vertrauen herzustellen, den Menschen kennenlernen, Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Mein Freund ist da brennend bereit und intressiert sich zu verbessern, was fast das ganze Jahr hindurch verhaltensmäßig normal verläuft. Das Gegenteil ist der Fall. Das ist auch eine Frage der Qualifikation der Mitarbeiterschaft. In diesen "Gefängnissen" werden die Gefangenen nicht heil zur Entlassung und normalen Leben und Umgang gemacht, sondern noch kränker gemacht. Aber in unserer Gesellschat sind diese Menschen der Abschaum und ja weg von Außen auf lange Jahre festgehalten. Das ist leider die Wirklichkeit.

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Re: "Anklage" wegen Isolationshaft infolge Impulsstörung und Zwangserkrankungen

Beitragvon Laura » Do 28. Mär 2019, 13:47

Hallo winni!

Es ist ein ziemliches Hin und Her, was Du an Informationen über Deinen Freund und über seine Haftbedingungen lieferst. Faire Haftbedingungen zielen in erster Linie auf die körperliche Unversehrtheit der Gefangenen ab, also sollen schon mal Folter ausschließen. Da ist eine Isolationshaft zwar eine Form der seelischen Demütigung, aber noch lange keine Körperverletzung an Deinem Freund. Körperverletzung und auch die Androhung einer solchen sind aber etwas, was immer wieder von Deinem Freund ausgeht, auch schon vor seiner Einlieferung in die Forensik. Da gibt es doch nichts zu verharmlosen! Wenn Du Deinem Freund immer wieder Impulsstörungen und zwanghaftes Verhalten attestierst, stellst Du ihn eher so dar, als sei er kaum lernfähig und dass alle anderen deswegen umso mehr vor ihm geschützt gehören. Was würde es einem seiner Opfer nützen, dass er "impulsgestört" ist?

Deine Schwerpunkte scheinen darin zu bestehen, darauf hinzuweisen, dass eine Forensik aggressives Verhalten der Patienten nur fördert, wenn sie keine Therapie anbietet und dass eine mehrwöchige Isolationshaft angeblich menschenunwürdig ist.

Da Deine Informationen bisher nicht sehr zuverlässig waren, würde ich nicht von vorneherein ausschließen, dass Dein Freund vielleicht doch Therapie angeboten bekommen hat, sich diese Chance aber auch nur selber vermasselt hat, z. B. indem er den Therapeuten bedroht oder attackiert hat.

Sollte ihm aber von vorneherein gar nicht erst die Möglichkeit angeboten worden sein, sich bei jemandem aussprechen zu können oder sollte da einfach nicht die Chemie zwischen dem Therapeuten und ihm gestimmt haben (also Gewaltverhalten abgezogen), würde ich das auch als ein Manko für eine forensische Klinik bewerten. Allerdings stelle ich es mir schwierig vor, eine Therapie und einen Benimmkursus unter einen Hut zu bringen.
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Re: "Anklage" wegen Isolationshaft infolge Impulsstörung und Zwangserkrankungen

Beitragvon camino2019 » Fr 29. Mär 2019, 15:11

Hallo liebe Laura, danke für deine Stellungsnahme. Ich möcht da doch zu einer klaren Linie finden. Es ist jedoch gut, wenn du quasi von der Gegenseite es betrachtest.
Isohaft ist dann mehr als eine seelische Demütigung, wenn diese einseitige Höchststrafe vollkommen ungeklärt ist, wie in diesem Fall. Auf einer Matratze, halbnackt 24 Stunden wochenlang auf dem Boden schlafen ist unmenschlich. Im vorl. Falle handelt es sich ausschließlich um einen einmaligen Wutwortausfall, ohne jeglichen körperlichen Einsatz, vorausgehend seit mehreren Jahren Aufenthalts dort und keinem Vorfall bis dato. Dies hat i der Einlieferung in die Forensik nichts zu tun. Dies war ein anderer Fall mit einem sehr fragwürdigendem Urteil (ggf. kann nachgeliefert werden, abgesehen von den eigenen Fehlern). Im übrigen ist eine Impulsstörung, sowie Zwänge - Ordnungszwang - überhaupt keine "Angriffskrankheit", wie der Name sagt ursächlich mit der Sache zu tun. Im normalen Leben wird sie ambulant oder stationär in speziellen Rehas behandelt. Freund kennt aus eigener Erfahrung sehr wohl die Therapie dagegen - leider nicht intensiv weiter betrieben. Er ist sehr wohl lernfähig, einsichtig (hat sich auch ausdrücklich entschuldigt) und sehr willentlich für eine Behandlung, da er ansonsten sehr gereift ist. Eine entsprechende Therapie fand nie statt; lediglich werden Medikamente verabreicht.
Letztlich ist das ganze eine Vertrauenssache, ein Befremden, von "Oben" werden nur die Taten gesehen, wie in den Gerichten, nicht der Mensch, nicht mal geringste Hilfe zur Selbsthilfe, Abbau des generellem Mißtrauen (bei den Betreuern weniger, aber deren Verhalten von oben eingeimpft) zu den Patienten, natürlich unter Berücksichtigung der Sicherheit.
Aus Erfahrung de Forensik ist dies ein reiner Zeitablauf. Nach mind. 5-10 Jahren werden die Patienten als "gesund" entlassen, Zukunft keine mehr gegeben. Vielleicht gibt es noch ein paar andere Kliniken wo es menschlicher zugeht.
Eine gesegnete Zeit und schönen Tag!
winni

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Re: "Anklage" wegen Isolationshaft infolge Impulsstörung und Zwangserkrankungen

Beitragvon Laura » Fr 29. Mär 2019, 19:11

Halllo winni!

Ja, stimmt, ich spiele hier die Gegenseite, damit Du Dir fundiertere Argumente überlegst, um Deinem Freund zu helfen zu können. Ich habe auch kein Interesse daran, dass Forensik-Patienten nur noch kaputter gemacht werden als sie mehr oder weniger ohnehin schon sind. Ich störe mich aber nunmal an Verharmlosungen, wenn es um Delikte geht. Dem Bild von einem "armen Schwein", dem das Leben so zugesetzt hat , dass er gar nicht mehr anders kann, als aggressiv zu sein stehen halt sehr viele Menschen gegenüber, die sich nicht verprügeln lassen möchten und die sich ebensowenig von einer Morddrohung unter Druck setzen lassen möchten. Das gilt schon mal für die Mitpatienten Deines Freundes und natürlich auch für den Rest der Gesellschaft. Auch für die sozialpsychiatrischen Nischen, die ein Ex-Forensiker dann nach der Haft immer noch aufsuchen kann.

Dass beispielsweise auch schon fünf Tage in der Isolationshaft genügt hätten, um Deinem Freund ein besseres Benehmen "nahezubringen" möchte ich gerne glauben. Ich habe schon von einem anderen Ex-Forensiker gehört, dass eine Forensik nunmal speziell auf seelische Demütigungen setzt, um den Patienten übergriffiges Verhalten auszutreiben. Das ist sicherlich ein schwerer Brocken, den die Patienten erstmal schlucken und verkraften müssen, allerdings waren vorher schlimmere Gefahren für andere von den Patienten ausgegangen. Die "Gegenseite" muss nunmal verhindern, dass ein Straffälliger mit jedem Mal noch ein klein wenig aggressiver werden könnte. Und Dein Freund muss lernen, mit welchen Ohren seine "Äußerungen" gehört werden, auch im Fall einer leeren Drohung.

Viele Grüße

Laura
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Re: "Anklage" wegen Isolationshaft infolge Impulsstörung und Zwangserkrankungen

Beitragvon Laura » Fr 29. Mär 2019, 19:20

Apropos Wutausbrüche und ihre Folgen:

Mir wurde über einen Patienten einer herkömmlichen Psychiatrie berichtet, dass ihm dort nach einer längeren Zeit als Drehtürpatient weitere Aufnahmen ausdrücklich verwehrt wurden, als er einer Stationsärztin damit drohte sie umzubringen. Vielleicht hatte er das nur im Suff gesagt, aber der Typ muss insgesamt auch noch lernen, nämlich auch seinen nächsten Angehörigen gegenüber, dass seine Drohungen kein akzeptiertes Mittel sind, um zu dem zu kommen, was er möchte.

Im Vergleich zu so manchen männlichen ...äh.."Konfliktlösungs-Konzepten", sei uns Frauen doch gütig abgenickt, dass wir in Ermangelung an harten Fäusten dann lieber den ganzen Tag am Lästern sind...
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Re: "Anklage" wegen Isolationshaft infolge Impulsstörung und Zwangserkrankungen

Beitragvon camino2019 » Fr 5. Apr 2019, 12:17

Liebe Laura, danke für all`Dein Engagement insbesondere bei diesem Thema! Aber du bist ja gesund und dem Leben in Liebe und Vertrautheit zugewandt. Was meinem Freund anbetrifft so ist es ihm weitgehend selbst überlassen, wie er das krankheitsmäßig und seelisch übersteht. Eigentlich ist die Forensik verpflichtet den sog. Patienten zu helfen mit Gesprächs- und Verhaltenstherapie. Hinsichtlich der Gesprächstherapie findet dies zwar unregelmäßig 1xmal im Monat oder garnicht statt, aber fehtl jegliches Vertrauen und Menschlichkeit der Therapeutin und die Leute verhalten sich daher sehr zurückhaltend. Bei alltäglichen Schmerzen, bei selbst angelegten Überlegungen anbringen erfolgen sofort Streichung der Lockerungen, mit der Folge, dass die Leute garnichts mehr berichten. Hinsichtlich Verhaltenstherapie ist eigentlich davon garnicht zu sprechen - Eingewöhnung die Gemeinschaft, Aktzeptanz der Anordnungen, wie Essendienste, Putzdienste, Arbeitsdienste wird auch als Therapie eingetragen, alles entgegen der üblichen Behandlung in den psych. Kliniken. Oder kannst du ein paar Tipps sagen zur Verbesserung der persönlichen Situation. Ich kann dies auch von der Politik nicht verstehen, fürwahr das lange Festhalten, ohne spezifische Hilfe, sehr viel Kosten verursacht. Aber die Gesellschaft verlangt ja einfach Wegsperren auf "Dauer".
Ich wünsche dir noch ein schönes Wochenende.
Tschüss winni :cool:


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