Paragraph 63 Stgb

Hier besteht die Möglichkeit zum fachlichen Austausch über Psychiatrierecht, Fragen der psychiatrischen Begutachtung etc
VivaLosTioz
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Paragraph 63 Stgb

Beitragvon VivaLosTioz » Fr 10. Okt 2014, 20:57

Hallo.

Ich habe einige Fragen zum Paragraphen 63 Stgb.
"Unterbringung in einer Psychatrischen Forensik"

Dieser Paragraph besagt das diese Unterbringung zeitlich nicht begrenzt ist.
Kann also gut und gerne, viele Jahre gehen, je nachdem.

Mein Freund ist/soll an einer Schizophrenie durch Cannabis leiden, mit paranoiden Wahnvorstellungen.
Wahnvorstellungen hat er laut der letzten Jahre, in den Gutachten immer verneint, er hat Sie nicht .
Man kann doch nicht jemanden als paranoid hinstellen, wenn er auf den Staat schimpft oder dank seiner vielen Enttäuschungen die er
Erlitten hat, behaupten das er paranoide Schizophrenie hat.
Er hört weder Stimmen oder Befehle.

Ich möchte nicht behaupten das er Kern gesund ist, aber Schizophrenie kann ich einfach nicht bestätigen.
Seine Eltern haben ihn aufgrund seiner Drogen in eine Psychatrie gebracht, zwecks Entzug. Seitdem steht diese Diagnose .
Und sobald er mal negativ aufgefallen ist, wurde er gleich zwangseingewiesen.
Was ihn einfach schwer zu schaffen macht, jedes mal als Schwerverbrecher behandelt zu werden obwohl es Kleinigkeiten in einer Gesellschaft sind, zum Beispiel Nachbarschaftsstreit.

Ich habe jetzt erfahren, in einem Gutachten, das er ohne Behandlung wohl weiter straffällig werden würde, er bedingt Therapiewillig ist (streitet sich mit Pflegepersonal, durch andauerndes Verändern der Tabletten). Man darf da drin anscheinend seine Meinung nicht äußern und schon gar nicht dahinter stehen. Motto, zu allem ja und amen. Sonst bist der Arsch, kommst in Isolationszelle bis du spurst und wirst natürlich gleich als bedingt therapiewillig hin gestellt), man plädiert auf den Paragraphen 63, keine Entziehungsanstalt das er keine
Drogen mehr nimmt.
Momentan ist er in einer einstweiligen Unterbringung, bis zur Verhandlung, wo dieses besagte Gutachten natürlich vorgelesen wird.

Ich vermute langsam, das man sich die Akten irgendwie zu schanzt, ohne eine richtige Begutachtung zu machen.
Wir lernten uns kennen, da nahm er keine Tabletten, er war normal, ein normaler Mensch.

Es passiert ein Ding, leichte Körperverletzung schon schiebt man es wieder auf diese angebliche Schizophrenie.

Nun ist bald Verhandlung, das Gutachten welches auf diesen besagten Paragraphen trifft, wenn man das durch kriegt, muss er wirklich in
Dieser Unterbringung bleiben.
So etwas kann man doch auch gut und gerne unter Auflagen draußen behandeln und muss ihn nicht auf unbegrenzte Zeit weg sperren.

Ich verstehe das System nicht!

Ich weiß nicht was ich noch machen soll?!
Sollte man einen externen Gutachter zur Rate ziehen, der vorher keine Aktenkenntnis hat und ihn
Einfach mal begutachten lassen?

Vielleicht hat jemand von euch einen Rat für mich. Bin echt verzweifelt.
Unter Druck und in der Hoffnung das er bald raus kommt, nimmt er jetzt Tabletten, damit man ihn nicht wieder in Isolation steckt.
Sprich, mach was der Therapeut sagt, und du kriegst ein Bienchen.

Ich habe echt Angst was da raus kommt.
Alle, selbst sein Verteidiger ist nicht der Auffassung das er gemein gefährlich ist so wie es in diesem Gutachten steht, das dafür sorgt das er untergebracht bleibt.

Ohmann, hab alles probiert. Komme mir vor als drehe ich mich im Kreis.

Grüße
VivaLosTioz

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fluuu
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Re: Paragraph 63 Stgb

Beitragvon fluuu » Di 14. Okt 2014, 10:54

Hallo,
als liebende Freundin hast Du natürlich diese Sichtweise und bist empört, dass man Dir Deinen Freund für eine gewisse Zeit wegnehmen könnte
aber Gutachter, Richter und staatliche Behörden entscheiden nicht mit den Gefühlen einer verliebten Frau, sondern nach Lage der Fakten
und dem derzeitigen Stand der psychologischen Wissenschaften.
Es ist bekannt, dass wer einmal in die Mühlen der Psychiatrie gekommen ist hat es schwer da wieder raus zu kommen besonders wenn er
immer wieder auffällig wird auch wenn es nur 'Kleinigkeiten' sind.
Als Jugendlicher Drogen nehmen reicht schon völlig aus um eine seelische Störung zu diagnostizieren und eine Psychotherapie anzuraten
um diese Defizite aufzuarbeiten. Diese Drogen verändern den Stoffwechsel im Gehirn und schaffen so pathologische Voraussetzungen.
Das lässt sich im Laufe des Erwachsenenlebens heilen aber nur wenn die innere Bereitschaft des Betreffenden dafür da ist.
Drogen nehmen ist kein Freibrief für jede Art von Verhalten, es ist der falsche Umgang mit seelischen Störungen.
Wird der krankhafte psychische Zustand beschwichtigt und behauptet ist doch alles nicht so schlimm kann keine Heilung erfolgen.
Deshalb ist es möglich, dass das Gutachten eine forensische Einweisung empfiehlt um dort das Bewusstsein für die Krankheit zu schaffen
da es wohl immer wieder aggressive Auffälligkeiten gibt.
Das System ist so, dass kranke Menschen die sich oder andere Menschen bedrohen zur Behandlung gezwungen werden, man kann nicht
gegen den Willen therapieren aber es können Maßnahmen ergriffen werden die denjenigen dazu bringen einsichtig zu sein und dann um Therapie bitten.
Das ist in einer forensischen Station eher möglich als in einer ambulanten Behandlung. Man kann einen psychisch Kranken der nicht
einsichtig ist nicht so einfach rumlaufen lassen in der Gesellschaft, er könnte eine Bedrohung für sich und andere werden und da schon
so viel passiert ist geht man auf Nummer sicher in der Hoffnung der Wille zur Therapie ergibt sich noch. Die Forensik hat da einen großen
Spielraum denn es gibt in der Entwicklung keine Frist bis wann die Maßnahme Erfolg haben muss.
Ich würde Ihnen als Angehörige eher raten den Willen zur Therapie zu fördern und weniger juristische Schritte zu überlegen wie gegen
die Entscheide vorzugehen ist, natürlich hat der Anwalt die Position, das ist sein Job, er lebt vom Streit vor Gericht.
Viele Verfahren haben gezeigt, dass ein juristisches Vorgehen gegen die Entscheidung in die forensische Station einzuweisen
kaum eine Chance haben und selbst der aktuell spektakuläre Fall von Gustl Mollath hat sieben Jahre gebraucht um entschieden zu werden.
Mit Einsicht und einer guten Therapie hätte er viel früher wieder draußen sein können aber die Dinge passieren wie sie passieren.
Das gesellschaftliche System ist groß und schwer fällig, es ist konservativ und hält an alten Werten fest, es ist durch Macht strukturiert
und in dem Bereich sehr intolerant, wer da wegen Krankheit auffällig aus der Reihe tanzt stellt eine Bedrohung dar und wird in die
Schranken gewiesen, das bürgerliche System schütz sich vor zu massiven Störungen.
Ansonsten ist der Umgang mit psychisch kranken Menschen in der Gesellschaft eher förderlich und positiv, sehr tolerant und verständnisvoll,
jedoch wird die eigene Mitarbeit an der Genesung erwartet und das ist ja nicht verkehrt. Letztlich kann sich jeder nur selber heilen.
gruß fluuu

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Re: Paragraph 63 Stgb

Beitragvon VivaLosTioz » Di 14. Okt 2014, 11:22

Hallo,

Danke für deine Antwort und deine Meinung.
Ich möchte es nicht schön reden und ich bin mir glaube mittlerweile bewusst das ich als Otto Normal Bürger da wenig Chancen habe irgendwas zu steuern.
Fakt ist, er hat eine seelische Störung, aber ich denke nicht an Schizophrenie.
Diese Krankheit ist so schwer einzuordnen und es ist einfach so, das Symptome nicht übereinstimmen mit seinem Leiden.
Er ist vielleicht manchmal etwas unbequem für die Menschen, mit seiner Art und Weise und dem Denken über drei Ecken.
Aber er ist NICHT gefährlich.
Wie oft prügeln sich in unserer Gesellschaft Menschen wegen Nichtigkeiten, es passiert nichts. Und dann kommt jemand der in die Kategorie "Psyche" fällt und wird demnach abgestempelt.

Man kann doch nicht an Hand irgendwelcher Vermutungen was denn in naher Zukunft passieren KÖNNTE jemanden ein sperren.
Er nimmt keine Drogen mehr, er hatte es auch so im Griff das er das kontrollieren könnte.

Die Einsicht zur Behandlung hat er, er ist seit 5 Monaten in einer einstweiligen Unterbringung und nimmt auch seine Tabletten, nur geht es ihm mit diesen Dingern schlechter.
Sein Satz, den er immer wieder sagt, ist "Wie soll ich gesund werden, mich jemanden anvertrauen, wenn man aufgrund meiner Offenbarung mir jedes mal ein Strick draus dreht?! "
Und diesen Satz verstehe ich einfach.

Nur weil er nicht jedem alles erzählt, kann man ihn einfach nicht unterstellen das er irgendwelche Wahnvorstellungen oder Verschwörung gegen sich hat! Unser eins erzählt auch nicht jedem alles.

Klar bin ich für ihn da, hab ihn gesagt, er schafft das und soll sich einfach mal drauf einlassen. Macht er jetzt auch.

Ich muss einfach die Verhandlung abwarten .
Mit so vielen drüber geredet, die ihn auch kennen und niemand bestätigt diese Gefährlichkeit!

Danke trotzdem für deine Meinung .
Ich werde dieses System nie verstehen

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fluuu
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Re: Paragraph 63 Stgb

Beitragvon fluuu » Di 14. Okt 2014, 12:11

Eine liebende Frau eines von der Gesellschaft angeklagten Mannes versteht das System dieser Männer nicht,
ist nachvollziehbar, ich verstehe es - auch wenn ich es nicht immer gut heiße aber ist es nicht bei fast allem so,
es ist da aber es ist nicht das Eigene und trotzdem ist Toleranz und Akzeptanz gefragt.
Das Meiste auf der Welt entspricht nicht dem eigenen Gefühl, vieles davon bekommt man nie mit,
sogar in einem selbst gibt es oft Strukturen die man nicht versteht und sie beeinflussen Entscheidungen trotzdem.
Für jemanden der psychisch Krank ist, bei dem der Stoffwechsel im Gehirn gestört ist, gelten andere
Umgangsformen und werden andere Gefühlsmuster ausgeprägt als bei anderen. Das ist nicht schlimm in den
meisten Fällen, es ist nur anders und damit muss man umgehen können um es nicht zu verschlimmern.
Die Gesellschaft hat sich so strukturiert im Laufe der Zeit, wer psychisch auffällig gewesen ist und da reicht
eine Registrierung wegen eines Besitzes einer kleinen Menge Cannabis in der Jugend aus und man ist fast ein
Leben lang gekennzeichnet, wird bei erneuter Kontrolle sofort erkannt und alles wird akribisch untersucht.
Wenn so jemand später im Laufe des Lebens vor einen Richter kommt wird dieser ihn verurteilen so oder so.
Das Schlimmste was in einer Therapie passiert ist, dass man dort Kontakt mit sich selbst bekommt und das
kann für Manche sehr grausam sein, ist aber die einzige Chance die Störung zu heilen.
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Re: Paragraph 63 Stgb

Beitragvon VivaLosTioz » Di 14. Okt 2014, 15:01

Hallo,

mit der Ansicht, das dass schlimmste in der Therapie, der Weg zu sich, das grausamste sein soll, kann ich nicht teilen.

Jetzt mal meine Sichtweise über diesen verfluchten Paragraphen, was ich selbst beobachtet habe.

Mit dem Urteil wird ein Mensch, nicht nur auf unabsehbare Zeit eingesperrt, er wird auch den Mitarbeitern des psychatrischen Krankenhaus ausgeliefert.
Er weiß, das deren Stellungnahmen über sein eigenes Schicksal entscheiden.

Ärgert er sich über etwas (wozu von morgens bis abends, Anlass genug besteht), dann heißt es, er sei "angespannt".
Passt er sich an, bescheinigt man ihm "fassadenhaftes Verhalten".
Oder "er verhält sich vordergründig angepasst und freundlich".
Schließt er sich der Meinung anderer an, ist er "nicht authentisch".
Versucht er nicht anzuecken, wird ihm "floskelhaftes Verhalten" attestiert.
Macht er von seinen ureigensten Menschenrechten Gebrauch, seine Gedanken für sich zu behalten, ist er "nicht transparent". Und natürlich "nicht einschätzbar", auch ein beliebter Begriff.
Beschäftigt er sich mit Eingaben und sonstigen Schreiben, ist er ein "Querulant" oder "paranoid", ganz egal wie überzeugend und wie berechtigt seine Eingaben sein mögen.

Sie werden mit Medikamenten traktiert, nur weil sie Anliegen und Beschwerde verfassen.

So geht das immer und immer wieder in der Hoffnung bei der nächsten Anhörung könnte sich vielleicht doch noch was bewegen, dann wieder von Hoffnungslosigkeit gepackt und überzeugt, nie mehr in Freiheit zu kommen.
Immer in der Angst, anzuecken und sich eine schlechte Stellungnahme einzufangen.
Und das alles wird überwölbt von einem undurchsichtigen System von Lockerungsstufen und vor allem deren willkürlicher Rücknahme als Strafe für unbotmäßiges Benehmen!

Das ist meine Meinung zu diesem Paragraphen, umsonst sind nicht so viele so lange eingesperrt was nicht mehr rechtmäßig ist.
Nur muss man erstmal den Weg hinter das System finden und dieser Weg ist lang.
Wer lässt sich schon in die Karten schauen. Gutachter mit Sicherheit nicht.

Ihre Meinung trifft die übrigen 80% der Standardfälle, deswegen ja Standard.
Aber die restlichen 20%, wodurch ich meinen Partner zähle, nicht weil ich die liebende Freundin bin, sondern weil ich es seit längerem mit mache, es gesehen habe.
Was passiert denn mit denen???
Unrechtmäßig, aufgrund falscher Gutachten, unvorsehbar eingesperrt! Das ist es doch!

Und auch ich werde ob auf kurz oder lang beweisen, das gewisse Prognosen in diesem Gutachten fehlerhaft sind. Kann ja nicht sein das eine Klinik urplötzlich, was anderes schreibt, als 3 Psychologen vorher.
Nur damit sie ihre Betten voll bekommen und die Pharmaindustrie läuft.

Mein Statement dazu!

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fluuu
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Re: Paragraph 63 Stgb

Beitragvon fluuu » Fr 17. Okt 2014, 11:53

Hallo,
ist ja alles richtig, wenn Du kämpfen möchtest kann Dir das niemand verwehren aber Du wirst die psychische Störung
bei Deinem Freund damit nicht aus der Welt schaffen.
So wie Du es beschrieben hast geht es in psychiatrischen Einrichtungen zu, es ist der ganz normale Wahnsinn.
Es geht nun mal um die menschliche Psyche und weniger darum materiellen Profit zu machen, dabei ist der Mensch beliebig austauschbar.
Habe zwölf Jahre in einem Psychosozialem Zentrum mitgearbeitet, da war es auch nicht viel anders, laufend wurden
die betroffenen Menschen getestet, auch ohne ihres Wissens, anders kann man seelische Empfindungen nicht erkennen,
man kann weder fragen, noch messen oder andere einfache Methoden anwenden um den Gemütszustand zu erfassen.
Ich bin davon überzeugt, dass die psychologischen Wissenschaften heute im Vergleich zu 1900 oder vor den 70er Jahren
des letzten Jahrhunderts enorme Fortschritte gemacht hat und die Verfahren um ein menschliches Gemüt beurteilen zu
können sich verfeinert haben aber noch immer nicht ausreichend sind wie es die als geheilt entlassenen Kinderschänder zeigen
die sofort auf freiem Fuß wieder rückfällig werden. Selbst ein negativer Fall ist für die Experten einer zu viel, wenn nur einer
durch das System fällt ist das ganze System in Frage zu stellen.
Ob 80% zu Recht in der Forensik hocken und 20% zu Unrecht wozu Du Deinen Freund zählst kann ich nicht beurteilen,
aus der Akutpsychiatrie weiß ich, die am Krankheit uneinsichtigsten Leute, die die sich am meisten wehren, sind oft die psychisch
am schwersten Betroffenen, die mit der ausgeprägtesten Psychose wo selbst der Pfleger über jeden Zweifel erhaben ist,
dass es sich um einen schwer psychisch gestörten Menschen handelt der Hilfe braucht und eine feste Hand um wieder auf
den richtigen Weg zu kommen ohne schwere psychische Symptome.
Psychiatrische Einrichtungen haben oft etwas mit Gewalt, Ohnmacht und Grausamkeit zu tun weil die psychische Erkrankung
oft mit Gewalt, Ohnmacht und Grausamkeit daher kommt, dem gilt es etwas entgegenzusetzen und da stellt die Forensik
eine Behandlung des Extrems dieser Umstände dar.
Wie gesagt, Du kannst kämpfen und versuchen Deinen Freund da raus zu boxen aber die Erfahrung hat gezeigt, dass die Chance
da raus zu kommen durch die Mitarbeit und die Therapiewilligkeit enorm erhöht wird. Wenn Dein Freund mit sich selber kämpft in der
Therapie besteht die Chance die psychische Störung zu heilen und er wird nicht nur als gesund entlassen, er ist gesund.
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Re: Paragraph 63 Stgb

Beitragvon Dornröschen2013 » Mo 10. Nov 2014, 22:32

Hallo,
ich habe deinen Beitrag gerade gelesen. Bin sozusagen Leidensgenossin, mein Freund sitzt nun auch schon seit 1,5 Jahren in der Forensik! Stand die Verhandlung schon an? In welcher vorläufigen Unterbringung befindet er sich denn? Zufällig in Essen??? Da war mein Freund, jetzt ist er in Langenfeld!
Mmhhh. Ich kann dir eigentlich nur sagen, dass ihr keine Chance gegen die Justiz habt! Ihr könnt nur damit lernen umzugehen und das beste daraus zu machen! Wenn dein Freund mitarbeitet und sich therapiwillig zeigt, dann hat er bessere Chancen. Die Probleme, die du beschreibst, von wegen dass alles was er sagt negativ von denen ausgelegt wird, kann ich nur bestätigen! Das ist wirklich so! Wenn man da seine freie Meinung äußert, wird es schnell als frech dargestellt. Man muss versuchen mit dem Personal klarzukommen. Ich red viel mit dem Personal! Mein Freund hat schon 2. Lockerungsstufe. Aber wird noch was dauern.
Wie gesagt, wenn er da mitmacht, dann hat er gute Chancen und wenn er tatsächlich keine Schizophrenie oder so hat dann werden die das auch feststellen. Wünsche euch alles Gute und kannst mich gerne alles fragen.
(Sorry falls da Tippfehler sind, hab alles mit Handy geschrieben) :roll:

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Re: Paragraph 63 Stgb

Beitragvon Starke8 » Mo 3. Aug 2015, 12:41

Hallo,

reichlich spät, aber habe gerade Eure Beiträge aufmerksam gelesen.
Ich geh mal davon aus, dass Du, VivaLosTios, einen Weg gefunden hast, mit dem Machtgefälle zwischen dem System des 63ers und Deinem Freund zurechtzukommen - was allerdings meist eine bleibende Herausforderung darstellt für (Mit-)Betroffene...

Nicht ganz nachvollziehbar ist für mich die anscheinende Haltung von fluuu, als gäbe es außer (der heiligen, niemals schadenden...) Therapie und der (aber alles überragenden) Krankheit des Patienten keine weiteren Faktoren zu beachten.
Wie wäre es dabei mit Menschenwürde? Oder mit Lebenszeit? #-o
Betriebsblinde sehen diese Aspekte scheinbar nicht, und das kann auch ich nicht im Geringsten gutheißen.

Übrigens glaube ich, das Verhältnis zwischen leichten und härteren Fällen ist eher umgekehrt, eher 20:80. Und ich kann sagen, dass ich mich seit vielen Jahren sehr intensiv damit beschäftige.
Aber fluuu hat insofern Recht: Man muss damit umgehen lernen, um es nicht zu verschlimmern. :roll:

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Re: Paragraph 63 Stgb

Beitragvon VivaLosTioz » Mo 3. Aug 2015, 13:30

Hallo!

....es ist ein Kampf, tagtäglich....für uns beide.
Mittlerweile sind zwei Anwälte eingeschaltet....
Anhand eines neuen Gutachten für das ich nun Monate gekämpft habe, einen gescheiten Gutachter zu finden (heutzutage machen nicht viele Psychater, Privatgutachten) kam raus das bei meinen mittlerweile Verlobten, der 64er angebracht ist, nichts Psychose und Schizophrenie....er hat einen Hang nach Drogen, das therapiert werden muss. Jetzt heißt es über die Strafvollstreckungskammer und das alles beantragen, gott....für alles muss nen Antrag her....:/ ....das zieht sich natürlich.
Aber ich wusste, das ich es beweisen werde, das er den falschen Paragraphen hat....und ich bin so froh....auch wenn ich ihm die letzten Jahre, die er stets und ständig kämpfen musste, um verbohrten Psychologen zu erklären, das er weder Zwangsmedikation oder ne geschlossene Station braucht, ich ihm nicht wieder geben kann.

Das schlimme ist momentan einfach, das seit4 Monaten striktes Besuchsverbot zwischen uns herscht, die Klinik begründet es mit Eifersuchtswahn....er würde mich angreifen....hallo, dank Gutachten sind diese Wahnvorstellungen aus dem Weg geräumt....:/
Und ganz ehrlich, welcher Mensch macht sich nicht seine Gedanken, wenn man so lange vom partner getrennt ist....tut man nun mal wenn man liebt....;-)....obwohl er mir blind links vertrauen kann.
Vor drei wochen war ein Gespräch mit Therapeutin, Arzt und Pflegepersonal....nach vier Monaten hab ich ihn das erste mal wieder gesehen, wir durften uns weder anfassen, noch in den arm nehmen....verdammt traurig, das selbst so etwas verwehrt wird. Bei diesem Gespräch konnten wir den Grund des Angreifens aus dem Weg räumen, es wurde ihm versprochen das wenn das Gespräch gut läuft, auch der Besuch wieder stattfindet....aber mehr wie leere Worte waren es nicht....das Gespräch lief spitze, wir erklärten allen Anwesenden wie Sehr wir uns lieben und leiden das wir uns nicht sehen dürfen....aber nun, wird der Besuch nicht gestattet, da er keine neue erhöhte Dosis an Medikamenten nimmt. Er kriegt jetzt 300 mg Seroquel, die Nebenwirkungen sind schlimm...sie wollen weiter erhöhen, denn dann ist er nicht fähig mich anzugreifen und die Klinik wiegt sich Ihrer meinung nach in Sicherheit....das ist in meinen Augen, Erpressung...."mach was wir wollen, und du darfst deine Freundin sehen" .....das reinste Irrenhaus, in meinen Augen. Wollen Sie mir ernsthaft erzählen, der Kontakt und die soziale Bindung ist wichtig und dann machen sie so was....wir haben nie, wirklich niemals den Anschein auch nur gemacht, als würden wir uns angreifen. Es ist für mich an den Haaren herbei gezogen um die Pharmaindustrie anzukurbeln, und die Menschen so ruhig zu stellen das Sie nicht mal mehr stehen können....:/ denn die Meinung darf man nicht sagen, ab Isolationshaft....menschenunwürdig!!!

Ich kämpfe weiter mit Anwälten, das sowohl Besuch und auch die Verlegung in eine andere Klinik, denn dank des neuen Paragraphen ist das nun möglich....vor allen Dingen, ist er dann heimatnah....
Ich könnte noch soviel über die Machenschaften schreiben, wie Sie Menschen provozieren und sticheln, bis man laut wird um dann sagen zu können "Schau wir hatten recht, er ist fremdgefährdet"....Aber das würde hier mehr wie den Rahmen sprengen....

Ein Ziel haben wir erreicht und zusammen schaffen wir den Rest....unschlagbares Team, trotz der Hürden und Hinternisse.

Greetz VivaLosTioz

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Re: Paragraph 63 Stgb

Beitragvon fluuu » Mi 5. Aug 2015, 11:32

Wenn es Dir hilft gegen Windmühlen zu kämpfen und Du es geschafft hast den Schatten platt zu machen,
dann ist das Grund genug die Flinte nicht in Korn zu werfen.
Ansonsten ist es bei allen Erkrankungen, bei psychischer Krankheit so, dass nur die Akzeptanz,
wie immer man sie nennt, zu einem Heilungsprozess führen kann. So lange die Störung geleugnet wird
kann es keine Heilung geben und beweisen das keine Störung vorliegt sind Windmühlen mit langem Schatten.
Kämpfe um die Entwicklung seiner seelischen Empfindungen und persönlichen Gefühle aber kämpfe weniger
mit Anwalten gegen das psychosoziale System, es heilt seine seelischen Strukturen nicht.
gruß fluuu

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