Alltag und Enlassung in der MRV- Viele, viele Fragen...

Hier besteht die Möglichkeit zum fachlichen Austausch über Psychiatrierecht, Fragen der psychiatrischen Begutachtung etc
K.M.
Beiträge: 2
Registriert: So 23. Mär 2014, 23:35

Alltag und Enlassung in der MRV- Viele, viele Fragen...

Beitragvon K.M. » Mo 24. Mär 2014, 00:18

Hallo,
ich bin neu hier und auf der Suche nach ein paar Informationeny die mir vielleicht einen anderen Blick auf die forenische Psychatrie geben können. Ich bin glücklicherweise nicht von den Konsequenzen eines MRVes in meinem Umfeld betroffen, habe aber eine Vielzahl an Fragen die mich schon lange beschäftgen und hoffe, dass Ihr vielleicht mir helfen könnt ein schärferes Bild von der Sache zu bekommen.

Ich hab im Vorfeld schon einiges an Material gelesen, was mich im Moment jedoch interessiert ist weniger die Auslegung der einzelnen Paragraphen, sondern vielmehr die Alltag und ganz besonderes die einzelnen Schritte die zu eine Entlassung aus der forensichen Psychatrie führen. Was ich bisher dazu finden konnte ist teilweise sehr oberflächlich. Egal, welchen Blickwinkel ihr habt, wär es klasse wenn ihr mich zu den ein oder anderen Punkt was erzählen könntet. Ich werf einfach mal die wesentlichen Dinge in den Raum...

- Wie sieht der Alltag aus? Der Ablauf, die Freiräume? Welche Therapien werden abgeboten- wird über die Art der Therapie durch das Personal entschieden oder sucht man sich als Patient (bis zu einem gewissen Punkt) auch seine eigenen Angebote aus? Wie sieht das Untereinander mit anderen Patienten aus? Wieviel Zeit und wie regelmäßig setzt sich der Arzt mit einem Patienten direkt auseinander?...

-Wer entscheidet über Lockerungen im MRV? WIe siehen die in der Regel aus und in welchenvorallen in welchen Schritten finden sie statt? Gibt es allg. Richtlinen dazu? Was mich ganz besonders interessiert, ob ein Gutachten, welches über den offenen Vollzug entscheidet von den behandelnden Arzt oder von externen Sachverständigen angefertigt wird.

Ich hoffe es ist klargeworden in welche Richtung das Interesse geht. Bin für jede Antwort dankbar!

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4454
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Alltag und Enlassung in der MRV- Viele, viele Fragen...

Beitragvon Laura » Mo 24. Mär 2014, 09:56

Hallo K. M.!

Hier postet nur selten jemand, der tatsächlich selbst mal in einer Forensik war. Du würdest aber jemanden eher dazu motivieren, persönliche "Informationen" herauszurücken, wenn Du Dich selbst erstmal ein wenig vorstellen würdest.

Aus Deinen Zeilen spricht ein wohlwollendes Interesse an Leuten, die in einer Forensik sitzen oder gesessen haben. Trotzdem solltest Du ruhig selbst angeben, ob Du gedenkst, das Dir hier entgegengebrachte Vertrauen, sofern Dir ein Ex-Forensiker antworten sollte, für eine dritte Stelle zu verwenden und wenn ja, in welchem Rahmen. Wie soll hier einer wissen, ob Du nicht z. B. ein raffinierter Skandal-Journalist bist, der schon weiß, wie er an das Vertrauen von Informanten kommt oder ein Jurist oder angehender Jurist, der mehr über Gerechtigkeit wissen möchte?

Und wenn Du tatsächlich einfach nur ein persönliches Interesse am Thema hast, bzw. keine Ambitionen und Absichten hegst, dann solltest Du auch dieses bekunden.

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

K.M.
Beiträge: 2
Registriert: So 23. Mär 2014, 23:35

Re: Alltag und Enlassung in der MRV- Viele, viele Fragen...

Beitragvon K.M. » Mo 24. Mär 2014, 17:52

Hallo Laura,
ersteinmal danke für deine Hinweise. Das es schwer fällt Erfahrungen aus erster Hand zu bekommen habe ich vermutet. Vielleicht schreib ich einfach ein paar Sätze zu meinen Interesse, damit keien Missverständnisse entstehen.

Die Gründe dafür sind rein privater Natur und auch nur für mich bestimmt. Auch bin ich nicht auf der Suche nach Detaildingen sondern nach umfassenden differnezierten Bild über das Leben und die Sicht von verschiedenen Seiten. Meine Arbeit bringt es ab und zu mit sich, dass ich hin und wieder mit dem Thema konfrontiert werde, ich habe Bekannte die in der Forensik arbeiten\gearbeitet haben und habe auch keinerlei Vorurteile demgegenüber, habe sogar schon einmal eine solche Einrichtung besichtigen dürfen.
Obwohl ich mich grade über den Resozialisierugsprozess sehr interessiere habe ich bei meinen Bekannten bisher davon abgesehn ihn dazu anzusprechen, da ich sehr stark davon ausgehe, dass bei unseren seltenen Begegnungen dieses Thema eher meidet und nicht gerne in seiner Freizeit über seine Arbeit spricht. Ich selbst halte es auch so.

Ich weiß natürlich, dass diese Dinge als Patient sehr sensibel sind und vermute, dass Leute die dort tätig sind gerne etwas Abstand davon gewinnen wenn sie zu Hause sind, aber um einige Dinge besser einordnen zu können bin ich auf solche Erfahrungen angewiesen. Wenn jemand davor zurückschreckt direkt im Forum zu posten reicht für den Anfang vielleicht auch eine PN. Ich kenne beide Seiten Personal und Patient bereits, aber leider nur oberflächlich und will weiß Gott nicht irgendentwas werten.
Artikel die ich bisher zu der Thematik finden konnte sind leider oft einseitig verfasst oder gehen für mich nicht weit genug in die Tiefe. Ich hoffe der ein oder andere kann sich vielleicht doch dazu durchringen ein paar Zeilen zu Schreiben.
LG
Konstantin

Benutzeravatar
Dornröschen2013
Beiträge: 27
Registriert: Sa 10. Aug 2013, 17:19

Re: Alltag und Enlassung in der MRV- Viele, viele Fragen...

Beitragvon Dornröschen2013 » Mi 26. Mär 2014, 22:02

Hallo,
zuerst kommt jeder Patient auf die Aufnahmestation oder Beobachtungsstation. Der Patient wird erstmal beobachtet und eingeschätzt. Die Medikamente werden eingestellt. Einmal pro Woche finden Gruppengespräche statt. Einmal am Tag erhält der Patient 1 Stunde Freigang. (auf dem Hof) Er hat die Möglichkeit Besuch zu empfangen (meißt unbeaufsichtigt und ohne feste Zeitvorgabe, jedoch ausschließlich in dem dafür vorgesehenen Besucherraum) und auch zu telefonieren.(Besucher werden durchsucht) Briefverkehr kann auch stattfinden. ( in der Regel ohne Kontrolle) Einmal wöchentlich (und bei Bedarf) findet ein Gespräch mit dem Psychologen und dem Stationsarzt statt. Auf dieser Beobachtungsstation befinden sich auch die sogenannten Krieseninterventionsräume, d.h. wenn ein Patient austickt, wird er in diesen Raum gebracht und steht unter Beobachtung.
Sofern es der Behandlungsstand und der Zustand des Patienten es zulässt, so darf er in der Klinik einer Arbeit nachgehen. Zunächst 3 Std. täglich, was auch gesteigert werden kann. Dabei handelt es sich um einfache Tätigkeiten, aus dem Bereich der Produktionshilfe. Er erhält dafür einen geringen Lohn. Es werden auch noch spezielle Übungen angeboten, bei denen der Patient Arbeiten am Computer erledigen kann. Meißt handelt es sich um Matheaufgaben oder Geschicklichkeitsübungen (damit die grauen Zellen nicht einrosten :D )
Dieser Kurs findet 3 mal wöchentlich für jeweils 30 Minuten statt.
Alle paar Monate gibt es für jeden Patient eine Fallbesprechung, da entscheidet sich, was man dem Patient zumuten kann und was nicht. Ob Lockerungen in Betracht kommen oder nicht. Es gibt verschiedene Lockerungsstufen. Zunächst begleiteter Ausgang auf dem Klinikgelände, dann begleiteter Ausgang außerhalb des Klinikgeländes, Gruppenausgänge und dann stundenweiser Alleinausgang, anschließend Wochenendausgang und schließlich Beurlaubungen.
Die Lockerungen, die sich darauf beziehen, dass der Patient unbeaufsichtigt das Klinikgelände verlässt müssen vorher mit dem Gericht abgesprochen werden. Einmal im Jahr (bei der Unterbringung gem §63) und halbjährlich (bei der Unterbringung gem §64) findet eine richterliche Anhörung statt. Es wird mit dem Richter über den Behandlungsstand des Patienten geredet sowie eventuelle Lockerungsmöglichkeiten.
Aber nicht nur die Lockerungsstufen verändern sich, der Patient wird meißt nicht immer auf dieser Beobachtungsstation bleiben. Nach dieser Aufnahmestation gibt es noch die Therapiestation und die Entlassungsstation. Meißt finden Lockerungen erst auf der Therapiestation statt. Und auf der Entlassungsstation darf man dann auch wieder ein Handy besitzen, was auf den anderen Stationen strickt verboten ist.
Ich kann natürlich nicht für alle Kliniken sprechen. Aber ich denke so grob gesagt, ist es wohl in jeder Klinik ähnlich.
Es müssen nicht alle Lockerungsstufen und Stationswechsel eingehalten bzw. durchgeführt werden. Es kann auch sein, dass jemand schon aus der Aufnahmestation entlassen wird oder Lockerungen schon von Anfang an schneller gewährt werden. Das richtet sich nach dem Behandlungsstand und der Gefährlichkeits-Einschätzung jedes einzelnen Patienten. Eine Entlassung erfolgt aber immer auf Bewährung. Lässt sich der Patient irgendwas zu Schulden kommen, landet er wieder in der Klinik. Einige schaffen den Weg zurück ins Leben relativ zeitnah, vielleicht schon nach 2/3 Jahren, es gibt aber auch Patienten, die den Rest des Lebens dort verbringen müssen.
Ich hoffe ich konnte ein wenig weiterhelfen, auch wenn es auch eher oberflächlich beschrieben ist.

MRV_eV
Beiträge: 2
Registriert: Do 27. Mär 2014, 19:59

Re: Alltag und Enlassung in der MRV- Viele, viele Fragen...

Beitragvon MRV_eV » Do 27. Mär 2014, 20:09

Wir haben Kontakt zu einigen Patienten in Kliniken nach §63 StGB, so dass es auf konkrete Fragen auch konkrete Antworten geben kann. Natürlich ist die spezielle Lage in jeder Klinik anders, aber viele Dinge wiederholen sich in praktisch jeder Einrichtung.

Wenn Du also konkrete Fragen hast, lassen die sich bestimmt hier beantworten - ohne einzelne Patienten irgendwie zu belasten.

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4454
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Alltag und Enlassung in der MRV- Viele, viele Fragen...

Beitragvon Laura » Do 27. Mär 2014, 21:05

Meine Arbeit bringt es ab und zu mit sich, dass ich hin und wieder mit dem Thema konfrontiert werde, ich habe Bekannte die in der Forensik arbeiten\gearbeitet haben und habe auch keinerlei Vorurteile demgegenüber, habe sogar schon einmal eine solche Einrichtung besichtigen dürfen.
Obwohl ich mich grade über den Resozialisierugsprozess sehr interessiere habe ich bei meinen Bekannten bisher davon abgesehn ihn dazu anzusprechen, da ich sehr stark davon ausgehe, dass bei unseren seltenen Begegnungen dieses Thema eher meidet und nicht gerne in seiner Freizeit über seine Arbeit spricht. Ich selbst halte es auch so.
Hallo Konstantin!

Na, viel hast Du ja immer noch nicht über Dich ausgesagt, damit wir Dich hier irgendwie einordnen können und wie es kommt, dass Du beruflich so oft mit dem Thema Forensik konfrontiert wirst und Du so viele Leute kennst, die entweder in einer Forensik arbeiten oder gearbeitet haben oder auch als Patienten dort gewesen sind. Kann es sein, dass Du als Psychiater oder Psychologe in einer herkömmlichen Psychiatrie arbeitest und Du dies hier nicht erzählen möchtest, damit Dir weder anonymer Psychiatriefrust entgegenschlägt noch Dein pn-Fach vor Hilfsgesuchen nur so überquillt? Wie auch immer...Leute, die sich in einem Internet-Psychoforum nicht minimal vorstellen, kommen nicht unbedingt weiter, aber zwei informative Antworten hast Du ja immerhin schon bekommen.

Greetz

Sherlock Laura :-"
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4096
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Re: Alltag und Enlassung in der MRV- Viele, viele Fragen...

Beitragvon Remedias » Fr 28. Mär 2014, 16:32

Hallo Dornrösschen,
Danke für deinen ausführlichen Bericht;
ich selbst habe mit dem Thema nichts zu tun, interessiere mich nur für "Psychiatrie" im Allgemeinen ; habe aber, was Du geschrieben hast, mit großem Interesse gelesen.

Mit freundlichen Grüßen Remedias


Zurück zu „Forensik“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste