Fehlerhaftes Gutachten

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Monster1967
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Fehlerhaftes Gutachten

Beitragvon Monster1967 » Do 6. Mär 2008, 18:00

Hallo zusammen,

während meines Zwangsaufenthaltes in der Geschlossenen nach einem Bilanzsuizid wurde ich nach §§ 20,21 und 63 StGB durch einen Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Rechtsmedizin begutachtet. Nach meinen Erlebnissen in der Geschlossenen (Hinweise auf "man könne mir hier eh nicht helfen" und "nein, in diesem Setting ist kein Platz um über ihre Schwierigkeiten zu sprechen" waren noch die harmlosesten) teilte ich dem Gutachter mit, dasss ich mir nicht wirklich vorstellen kann, dass ich in irgendeiner Weise so viel Vertrauen aufbringe mich ihm gegenüber zu öffnen.
Nach 30 Tagen war der Zwangsbeschluss ausgelaufen, der Gutachter war der Meinung eine weitere Unterbringung ist nicht erforderlich und ich sah in einem freiwilligen weiteren Behandlungsaufenthalt keinen Sinn, da mir ja mehrfach gesagt wurde, mir könne hier nicht geholfen werden.

Zu einem weiteren Begutachtung-Termin kam es in meiner Wohnung. Ich erhielt vom Arzt einige Fragebögen, die ich ihm ausgefüllt zurückschickte. Vorher scannte ich diese Fragebögen ein.

Vor ein paar Tagen erhielt ich auf Anfragen bei dem Gutachter das Gutachten per Mail (ungeschützt als Worddatei) zugeschickt.
Bei der Durchsicht und dem Vergleich mit meinen Angaben auf den Fragebögen fielen mir einige Abweichungen auf. Sehr gravierend zum Beispiel wurde mir attestiert "es würde mir schwer fallen vor Gruppen zu sprechen". Auf dem entsprechende Fragebogen FPR-I habe ich jedoch angekreuzt, dass es mir nicht schwer falle vor Gruppen zu sprechen. Sonst hätte ich meinen Beruf bis Mitte 2005 gar nicht ausüben können oder Gruppen im Sport anleiten können.
Hätte ich diese Fragebögen vor 2005 ausgefüllt, wäre mit großer Wahrscheinlichkeit ein ganz anderes Bild entstanden, aber das steht nicht zur Debatte.

Meine Frage nach all den Situationsbeschreibung ist folgende:

Bringt es etwas dem Gutachter mitzuteilen, dass da einige (für mein Empfinden gravierende) Abweichungen (um nicht zu sagen Fehler) zwischen den Antworten auf den Fragebögen und dem Gutachen ?


Grüße

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Beitragvon fluuu » Mo 10. Mär 2008, 01:43

Hallo,
es kommt drauf an aus welcher Perspektive.
Aus Sicht der Antipsychiatrie musst Du alle Anwälte nehmen um Dein Recht einzuklagen und vor Gericht zu Prozessieren.

Aus einer anderen Sicht kannst Du bürokratisch Kritisieren so viel Du willst, es ändert nichts daran, dass es einen Grund in Deiner Persönlichkeit gibt der zur Einweisung in die Geschlossene geführt hat.

Da ist es doch sinnvoller an dieser Störung zu arbeiten als ewig mit Gutachtern zu kämpfen. Selbst ein Sieg hebt den Grund für die Einweisung innerlich nicht auf.

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Beitragvon Monster1967 » Mo 10. Mär 2008, 09:08

Danke für die Antwort - mir ist schon klar, dass es sinnvoll (wobei sich mir die Frage stellt für wen) ist an den Störungen zu arbeiten.

Ich will mir nicht die Ziele der Antipsychiatrie auf die Fahne schreiben. Auch geht es mir nicht darum irgendwelchen Anwälte aufzufahren um von meinen Störungen abzulenken - dazu negiere ich mich vile zu sehr, als das ich mir das Recht einräume einen Rechtsstreit vom Zaun zu brechen.

Für mich stellt sich nur die Frage mit welcher sorgfaltspflicht werden sollche Gutachten gestellt ?
Wir überhaupt so etwas wie sorgfaltspflicht an den Tag gelegt oder nach dem Motto verfahren: "Ach, ist eh nur ein Psycho - also ist es egal."


Grüße

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Beitragvon fluuu » Do 13. Mär 2008, 14:31

Hallo,
es ist wie überall, wenn Du ein positives Gutachten möchtest und Du hast beim Gutachten Erstellen die Einstellung der Gutachter denkt "Ach, ist eh nur ein Psycho - also ist es egal." dann hast Du auf jeden Fall verloren. Da hast Du Dich selbst abgekanzelt, was willst Du dann noch verlangen?

Also, wenn Du ein Gutachten willst, dass Du 'normal' im Sinne der bundesdeutschen Gesellschaft bist, dann solltest Du auch so denken, nur dann hast Du eine Chance.

Weil es gerade zum Thema passt, gestern habe ich den Film "Mein Mörder" Österreich 2005 gesehen, da geht es darum wie jemand als 10 jähriger Junge in die NS Kindereuthanasieklinik "Am Spiegelgrund" kommt mit einem Arzt der die Kinder zu Tode behandelt, der Junge kann fliehen.
10 Jahre später, Mitte der 50er Jahre, kommt er wegen einer Schlägerei vor Gericht und muss zum Gutachter. Es sitzt ihm der selbe Arzt wie damals in der NS Klinik gegenüber, der inzwischen erwachsene Junge hält ihm seine Taten vor und wird vom Arzt wieder in die Psychiatrie eingewiesen.
Später studiert der Junge selbst Psychologie und wird zum Gutachter, der Kampf gegen den NS Arzt endet mit dem Urteil des Gerichts, nicht mehr vernehmungsfähig.

gruß fluuu
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