Zwangseineisung nach Suizidversuch?

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putzi
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Zwangseineisung nach Suizidversuch?

Beitragvon putzi » Di 11. Dez 2007, 14:35

Kurze Geschichte: Aufgrund von Schulden und einer bevorstehenden Zwangsräumung hat der Vater eines Freundes Sonntag Nacht versucht, sich umzubringen. Zum Glück fanden wir ihn rechtzeitig, worauf er ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Die jedoch schickten ihn am nächsten Tag wieder nach Hause, nachdem er beteuert hatte, es nie wieder zu tun.

Jetzt meine Frage: Ist das zu verantworten???? Es liegt zwar keine psychische Krankheit vor, von der wir wüssten, aber werden Suizidanten nicht normalerweise immer erstmal eingewiesen? Als ich mit der Psychiaterin sprach, sagte sie, man könne ihn nicht zwingen, wenn er nicht wolle. Außerdem könne man ja grundsätzlich nie verhindern, wenn jemand sich umbringen wolle.

Da bin ich allerdings ganz anderer Meinung, denn seine finanzielle Situation hat sich ja seitdem kein bißchen gebessert, und seine Wohnung ist auch futsch. Er ist jetzt erstmal bei seiner Mutter untergebracht. Aber wer kann uns garantieren, dass er nicht beim nächsten Rückschlag wieder einen Versuch startet? Wir können ja nicht rund um die Uhr bei ihm sein!!

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Angelita
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Beitragvon Angelita » Di 11. Dez 2007, 19:50

Hallo Putzi
Jetzt meine Frage: Ist das zu verantworten????
Grundsätzlich: ja.

Leben Sie in Deutschland; dort kenne ich die Gesetze nicht. Aber in der Schweiz ist ein Suizidversuch nicht unbedingt ein Einweisungsgrund. Vor allem hat scheinbar Ihr Bekannter versichert, dass ers nicht mehr macht. Zudem ist ein FFE (fürsorgerischer Freiheits-Entzug) keine leichte Sache. Da wird der Kantonsarzt aktiv, die Wohnbehörde bekommt einen Amtsauftrag. Der FFE wird auch für bestimmte Zeit verfügt u. in regelm. Abständen überprüft. Natürlich hat der Patient das Recht auf Einsprache. Doch die Amts-Mühlen mahlen bekanntlich langsam. Und, das ist ein enormer Eingriff in die pers. Freiheit. Viele Menschen sind nach einer solchen Massnahme traumatisiert als vom Suizidversuch, den sie überlebt haben.

Die Psychiaterin hat recht. Niemand kann niemanden von einem Suizid abhalten, selbst in der Klinik ist das nicht gegeben. Man hätte ihm im Spital sicherlich empfehlen können eine Beratungsstelle, den Hausarzt o. einen Psychiater zu konsultieren.

Sie haben natürlich recht, die finaz. Situation hat sich nicht verändert. Vielleicht ist aber die Tatsache, dass er zur Mutter zieht, also wieder in sozialer Kontrolle befindet, doch sehr hilfreich.

Sie haben getan, was Sie konnten! Das war doch schon viel. Ev. könnte Ihr Freund seinem Vater psychologische o. ärztliche Hilfe empfehlen, ihn bitten sich Hilfe zu holen u. auch offen ansprechen, welche Sorgen ihn um den Vater begleiten.
Gruss Angelita

“Man muss im Ganzen an jemanden glauben, um ihm im Einzelnen wahrhaft Zutrauen zu schenken.” H. v. Hofmannsthal

putzi
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Beitragvon putzi » Mi 12. Dez 2007, 10:32

Psychologische Hilfe lehnt der Vater leider grundsätzlich ab. Die Psychiaterin hat es schon versucht und ihm Telefonnummern aufgeschrieben, und wir haben es auch schon versucht, ihn zu überzeugen, dass das das Beste ist.

Ich kann nur hoffen, dass die Beiden den harten Weg aus den Schulden auch ohne psychologische Hilfe schaffen.

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fluuu
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Beitragvon fluuu » Do 13. Dez 2007, 12:06

Hallo,
Dein Text im Unterforum Forensik gepostet, da denkt man sonst was da schlimmes kommt, ist doch die Forensik eine Einrichtung der Psychiatrie für psychisch Kranke Straftäter.
Kenne jemanden der dort gelandet ist, sehr traurige Geschichte, für den Betreffenden aber auch für die Angehörigen ein schweres Stück Weg.

Ansonsten ist es auch in Deutschland so, ein Suizidversuch führt nicht automatisch zu einer psychologischen Behandlung. Es wird die Wunde versorgt und am nächsten Tag gibt es ein Gespräch bei dem sich rausstellt, es war eine Kurzschlussreaktion und es liegt keine akute psychische Erkrankung vor.

Schulden, Wohnungsräumung usw. lässt sich nicht in der Psychiatrie lösen, dazu gibt es Beratungsstellen mit Sozialpädagogen die ganz praktisch solche organisatorischen Dinge angehen. So eine Begleitende Betreuung eines Profis wäre doch ratsam, natürlich nur unter dem Aspekt des freiwillig Zulassens.
Wer sich nicht helfen lassen will, dem kann man nicht helfen bis das Kind im Brunnen liegt und die Gesetze greifen. Da kann man nur Appellieren und gebetsmühlenartig Wiederholen.

gruß fluuu
gruß fluuu

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