Begutachtung?

Hier besteht die Möglichkeit zum fachlichen Austausch über Psychiatrierecht, Fragen der psychiatrischen Begutachtung etc
Janne
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Begutachtung?

Beitragvon Janne » Sa 11. Feb 2006, 23:28

ich habe auf Anraten meiner Ärzte, vor einem Jahr, beim Versorgungsamt unseres Bundeslandes einen Antrag auf Opferentschädigung gestellt. Mir ging es damals sehr schlecht und ich hoffte dadurch, wegen meiner häufigen ambulanten und stationären Therapien sowie medizinischen Maßnahmen finanziell abgesichert zu werden. Die Krankenkasse hatte mir schon mehrmals die ambulante Therapie verweigert, erst, als ich den Therapeuten, und somit den Gutachter wechselte, war sie wieder bereit, mir die Therapie zu bezahlen. Also kurzum, ich hab diesen Antrag nicht wegen einer monatlichen Zahlung, sondern wegen der evtl. Kostenübernahme, falls die Krankenkasse nicht mehr zahlt, gestellt. Ich habe eine Posttraumatische Belastungstörung mit Ängsten, Panikattacken und körperlichen Beschwerden. Grund hierfür sind sexuelle, körperliche und seelische Gewalt in der Kindheit.
Nun habe ich ein Schreiben bekommen, wonach ich in eine Klinik zur Begutachtung soll. Warum? Sie haben sich doch laut ihrer Aussage Informationen von sämtlichen Ärzten, Therapeuten, Kliniken geholt. Glauben die Mitarbeiter vom Versorgungsamt nicht, was diese über mich schreiben? Ich habe keine Lust und auch Angst davor, mit "begutachten" zu lassen. Das fängt schon mit der körperlichen Untersuchung an, besonders, wenn diese von einem Mann durchgeführt wird. Ich habe wirklich ziemliche Berührungsängste und vermeide jeglichen körperlichen Kontakt zu anderen Menschen, außer zu meinen engsten Familienmitgliedern. Außerdem weiß ich gar nicht, wie ich mich dabei verhalten soll. Ich rede nicht besonders viel und wenn ich Angst habe, sowieso nicht. Wie soll ich den Begutachter dann davon überzeugen, dass es mir immer noch schlecht geht? Außerdem denke ich, ein Gutachter ist nur dazu da, um im Sinne seines Auftraggebers zu arbeiten. Ich bekomme den Termin zur Begutachtung noch zugestellt, aber ich reagiere schon jetzt mit Ängsten, Unruhe, Durchfälle und Schlafstörungen. Kann ich diese Begutachtung ablehnen? Hat schon mal jemand Erfahrungen damit gemacht. Was geschieht dort mit mir?

Gruß, Janne

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Laura
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Beitragvon Laura » So 12. Feb 2006, 00:08

Hallo Janne!

Ich kenne es generell so, dass wenn es um Kohle vom Staat geht, Amtsärzte eingesetzt werden und zwar zusätzlich zu anderen bereits eingereichten Gutachten. Als ich meine Reha-Maßnahme für eine Behindertenwerkstatt beim Arbeitsamt beantragt habe, musste ich außer ärztlichen Gutachten und einem Sozialbericht meiner sozialarbeiterischen Betreuerin, irgendwann zu einem Termin bei einer Amtsärztin des Arbeitsamts. Dort wurden mir Routine-Fragen zur Krankengeschichte, Medikation und jetzige Lebensumstände und Beeinträchtigungen durch die Krankheit gestellt, die ich noch recht harmlos fand. Dann noch die üblichen Fragen zu Zigaretten-, Kaffee-, Alkohol- und Drogenkonsum. Die Amtsärztin war nett und ich habe mich nicht ausspioniert gefühlt. Dann erfolgte eine körperliche Untersuchung, Lunge abhören, Reflexe testen, im Zimmer rumlaufen, Sehtest und solche Sachen. Dabei war ich bis auf die Unterhose unbekleidet und das war mir in dem Moment auch ziemlich egal. Wenn ich gewollt hätte und nicht so übernächtigt gewesen wäre, hätte ich mich nach dem Lungentest wahrscheinlich wieder angekleidet und es hätte sicher niemanden verwundert. Dann noch Körpergewicht und Körpergröße feststellen. Ich musste nicht großartig rumjammern, um bescheinigt zu bekommen, dass ich nur noch leichte Arbeit im Sitzen verrichten kann und die Indikationen für eine Behindertenwerkstatt gegeben waren.

Wenn Du das neue Gutachten vielleicht nicht ganz umgehen kannst, so kannst Du Dir sicher einfordern, von einer Frau untersucht zu werden. Das müssen die Fuzzis schon kapieren und ich denke, das wird denen wohl auch nicht schwerfallen.

Viel Glück

Laura
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Hallo Laura,

Beitragvon Janne » Do 16. Feb 2006, 17:58

danke für deinen Text. Ich habe mich sehr schwer damit getan, dass ich zu einer Begutachtung wegen dem Opferentschädigungsantrag gehen soll. Mittlerweile habe ich mithilfe anderer Wege gefunden, um gelassener damit umzugehen. Zuerst ist da die Nachsorgegruppe von der Reha, wir haben gemeinsam darüber beraten, welche Schritte für mich gut sind, um aus der Angst herauszukommen. Dabei hab ich gemerkt, dass nicht nur ich dieses Problem mit Untersuchungen habe. Ich hab die Ärztin vom Versorgungsamt angerufen und für die bevorstehende Begutachtung eine Frau gewünscht. Heute hatte ich einen Termin bei der Versorgungsamtsärztin, die diese Begutachtung veranlasst hat, ich nahm zur Verstärkung eine Betreuerin von der Beratungsstelle für Missbrauchsopfer mit. Das Gespräch verlief wider Erwarten positiv und ich fühle mich jetzt bedeutend besser. Sie hatte mir erklärt, was bei der Untersuchung gemacht wird, wozu es sein muss, wie die mit solchen prikären Unterlagen wie meinen umgehen und vieles mehr. Ich konnte Fragen stellen, und sie hat sich viel Zeit für mich genommen. Also, letztendlich bin ich froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe. Es kann jetzt noch 2 bis 4 Wochen dauern, bis ich zur Untersuchung muss. Aber ich habe das Recht zu sagen, wie die körperliche Untersuchung ablaufen soll. Wenn ich etwas nicht kann, dann wird es eben vermerkt. Also niemand zwingt mich etwas zu tun, was ich nicht will. Übrigens meinte diese Ärztin, dass ich stolz auf mich sein kann, weil ich von mir aus den Weg zu ihr gefunden hab und mich darüber informiere, was dort passiert. Das hat wohl vorher noch niemand gemacht!

Gruß, Janne :)

OEG
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Beitragvon OEG » Di 21. Okt 2008, 17:01

Also es gibt Möglichkeiten um eine Begutachtung herum zu kommen, wenn es nämlich eine begründbare Gefahr für Leib und Seele darstellt.

Nicht einfach das zu beweisen, aber möglich.

Den Weg, mich vorher über eine Begutachtung zu informieren, bin ich auch gegangen. Und er war sehr hilfreich für mich.

Also eine gute Möglichkeit.

Auch hier möchte ich noch mal meinen Wunsch äußern, eine eigene Gruppe zu gründen, für Opfer, die die Anerkennung des OEG haben oder suchen und sich gegenseitig unterstützen möchten. Ich weiß nicht, wieviel OEG-Antragsteller so hier vertreten sind? Vielleicht meldet ihr euch mal, gerne auch über pn.

Liebe Grüße
OEG


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