Erfahrungsbericht BTZ-Hamburg

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NullKommaPlötzlich
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Erfahrungsbericht BTZ-Hamburg

Beitragvon NullKommaPlötzlich » Do 7. Jun 2018, 18:28

Erfahrungsbericht: BTZ-HAMBURG


Das Berufliche Trainingszentrum Hamburg GmbH ist ein Unternehmen für berufliche Rehabilitation, für Menschen die aus psychischen Gründen nicht am Arbeitsleben teilnehmen können.


2017 war ich Teilnehmer einer Eingliederungs-Maßnahme im Bereich Projekte innerhalb des BTZ-Hamburg. Mein Ziel war eine Umschulung.
Nach einer langen Krankheitsphase (Depression) hatte ich einen Antrag auf sogenannte Teilhabe am Arbeitsleben gestellt.

Da die Bearbeitungsdauer des Antrages beim Arbeitsamt schon 7 Monate gedauert hatte, war ich entsetzt als ich erfuhr das die Grundbedingung für eine Umschulung eine vorherige Rehamaßnahme / Belastungserprobung von nochmal mindestens 3 Monaten beinhalten würde.

Im BTZ sollte die Belastungserprobung sowie eine Eignungsprüfung für den von mir angestrebten Beruf erfolgen.

Mein erster Kontakt mit dem BTZ war eine Informationsveranstaltung, nach dieser hatte ich eine wage Vorstellung was mich im BTZ erwarten würde.

Mein zweiter Kontakt war ein Vorstellungstermin (Erstgespräch).
Hier wurde mir lustiger Weise vorgehalten, das ich nicht benennen könne was meine Ziele im BTZ seien. Lustig da mein Ziel ja eine Umschulung und eben nicht der Besuch des BTZ gewesen war.

Daher hatte ich als Ziel, die Vorbereitung auf die Umschulung benannt.
Seitens des BTZ wurde im Gesprächprotokoll vermerkt, ich könne meine Ziele im BTZ nicht benennen.
Dazu erfuhr ich erst jetzt, das die Zeit im BTZ für mich nicht 3 sondern 11 Monate betragen würde.

An meinem ersten Tag sowie den ersten Wochen im BTZ erhielt ich ein Arbeitsheft (Mathe, Deutsch, Konzentraion).

Nach einer Woche im BTZ erfolgte mein Aufnahmegespräch welches eigentlich am ersten Tag hätte erfolgen sollen.
Hier gab ich zu verstehen das ich nicht nur an einer Vorbereitung auf eine Umschulung sondern auch gerne die Möglichkeit mich in meinem alten Beruf wieder auszuprobieren nutzen würde. Dieses war während der Informationsveranstaltung angepriesen worden. Nämlich die Möglichkeit viel zu wechseln und Dinge einfach mal auszuprobieren.
Um so verblüfter war ich über die Reaktion der BTZ-Mitarbeiter
Die Antwort BTZ-Mitarbeiter lautete, das dafür die Zeit fehlen würde, da in wenigen Wochen ja bereits das erste Ergebnis vorgelegt werden müsse.
Mann würde sich aber mit der anderen Abteilung in Verbindung setzen um einen Wechsel zu organisieren, ich müsse den Bereich Projekte dann jedoch vollständig verlassen.

Ich teilte daher mit das ich es dann lieber vorziehen würde im Bereich Projekte zu bleiben. Als Antwort erhielt ich genervte Blicke.

So verblieb ich im Bereich Projekte und bearbeitete weiter das Aufgabenheft.
Die zu lösenden Aufgaben wurden regelmäßig korigiert/geprüft, Hilfangebote für die Lösung der Aufgaben gab es keine.
Dafür erfolgten übertrieben Kritik beladene sowie sinnfreie Gespräche über die gemachten Fehler.
Übertrieben da die Anzahl meiner Fehler gering war und ich selbst das Ergebnis als akzeptabel erachtete. Während die BTZ-Mitarbeiter diese scheinbar nutzen wollten um überhaupt irgendein ein Gesprächthema zu haben.

Einmal die Woche sollte jeweils ein Gespräch mit dem jeweiligen sogenannten Beruflichen Trainer so wie der Person für die Soziale Betreuung (Sozialarbeiter) erfolgen.
Hier fiel im Schnitt jeder 2.Termin aus.
Außerdem sollte es Kurse für Word, Excel, Englisch,etc.. geben, diese fanden während meiner 3 Monate im BTZ ebenfalls nicht statt.

Bei den jeweiligen Gesprächen mit den Betreuern/Trainern wurde man zum einen stets gedrängt möglichst viele persönliche Probleme/Dinge preis zu geben.
Zum anderen wurde man dazu gedrängt sich zukünftig freiwillig für alle möglichen Arbeitangebote (in der Regel völlig Berufs fern) innerhalb des BTZ zu verpflichten.

Von Beiden Betreuern wurde mir wöchentlich gedroht bzw. nahegelegt , dass nur die 100% Erfüllung des Geforderten eine Umschulung möglich machen würde.
Paradoxerweise stritten die gleichen Personen genau diese Machtbefugnis ab wenn ich die Frage stellte, ab welchem Termin denn klar wäre ob eine Umschulung für mich in Frage käme.

Vom ersten Tag an herschte ein sehr schlechtes Verhältnis zwischen mir und der Person für das Berufliche Training.
Dieses lag an Missverständnissen sowie boshaften Unterstellungen seitens der Trainerin, die vieles zum Ablauf des Beruflichen Trainings nicht erklärte aber das Wissen darüber als selbstverständlich erachtete.

Beispielsweise unterstellte mir meine berufliche Trainerin ich würde das Arbeitsheft zu langsam bearbeiten. Während mir ihre Vertretung zuvor erklärt hatte ich solle pro Tag nur die Aufgaben bearbeiten, die im Aufgabenheft angekreuzt seien.
Ebenfalls war mir von der Vertretung erklärt worden, ich solle das Arbeitsheft zum Feierabend auf meinem Arbeitsplatz liegen lassen. Während mir nun unterstellt wurde, ich wüsste doch das ich die bearbeiteten Aufgaben sofort unaufgefordert im Büro vorzeigen müsste.
Und das wo mir noch nicht einmal mitgeteilt worden war wo sich das Büro meiner Trainerin überhaupt befindet.


Bei dem ersten Gespräch (Reflexionsgespräch) das zum ersten mal mit beiden Betreuern erfolgte, sprach ich meinen Unmut über den bisherigen Verlauf der Maßnahme an.
Um meinem Unmut ausdruck zu verleihen, teilte ich mit das ich über eine Beendigung der Maßnahme von meiner Seite nachdenken würde.

Woraufhin die Sozialarbeiterin umgehend den Abbruch des Gesprächs zu gunsten eines Einzelgesprächs vorschlug.
Dieses Einzelgespräch erfolgte nach 10 Tagen Wartezeit.
Hier legte ich nochmals die Gründe meines Unmuts über den Verlauf der Maßnahme dar.
Im Verlaufe der 10 Tage hatte meine Arbeitsbetreuerin kein Wort mehr mit mir gewechselt noch neue Aufgaben erteilt oder geprüft. Es waren 10 Tage in denen absolut nichts passierte und ich mich selbst beschäftigte.
Wofür ich ich am Ende sogar noch gerügt wurde.

Nachdem geklärt war das ich im BTZ bleiben würde, nahm alles wieder seinen alten Verlauf. Meine Arbeitsbetreurin erklärte stets wie unzufrieden sie mit meiner Arbeit bzw. dem nicht erfüllen der an mich gestellten Erwartungen sei.
Für mich ergaben diese Äußerungen überhaupt keinen Sinn.
Arbeitsaufträge erhielt ich ab jetzt nicht mehr persönlich sondern ausschließlich per e-mail.

Auch die Sozialarbeiterin bekundete ständig ihre Unzufriedenheit bezüglich meiner Gesprächsbereitschaft. Und erklärte das viel Reden die Grundlage des Trainings sei.


Die Absurdität der Gespräche mit meinen Betreuern bekam stets einen neuen Höhepunkt wenn es um die Themen Lebenslauf oder Praktikum ging.

So als ginge es um die Todesstrafe erklärte mir meine Arbeitsbetreuerin das 2 mal ein Praktikum in meinem gewünschten Umschulungsberuf auf mich zu kämen.
Und nach dem sie meinen Lebenslauf studiert hatte, fragte sie welche Tätigkeiten ich in meinem alten Beruf denn überwiegend verrichtet hätte.
Kabelziehen war meine Antwort, denn mit Elektrotechnik hatten meine letzten Tätigkeiten in meinem Beruf herzlich wenig zu tun gehabt.
Dann schreiben sie das so in ihren Lebenslauf, verkündete sie daraufhin.
Leider musste ich kurz darauf feststellen das sie diesen Quatsch tatsächlich ernst meinte.

Nach 11 Wochen, bei meinem 3. Reflexionsgespräch wurde mir schließlich von Seiten der Sozialarbeiterin das vorzeitige Ende meiner Maßnahme verkündet.
Meine Arbeitsbetreuerin schien aus allen Wolken zufallen, nur Tage zuvor hatte sie meine Arbeit erstmals gelobt gehabt und für eine Umschulung keine Probleme mehr gesehen.
Eine weitere Zusammenarbeit mache so keinen Sinn erklärte die Sozialarbeiterin und ich solle psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.
Das Arbeitsamt hätte dieses so mit entschieden erklärte sie, so als sei ihr Anteil an der Sache unbedeutend.

Als ich mich nach Beendigung der Maßnahme neu arbeitslos melden wollte ( dieses sei nötig, hatte mir meine Ansprechpartnerin bei der Agentur für Arbeit versichert) erhielt ich vom Jobcenter die Information, ich würde mich laut ihren Unterlagen im BTZ befinden.
Kurz, ich brauchte jetzt eine Bescheinigung vom BTZ, das die Maßnahme vorzeitig beendet wurde.
Nun wurde es noch absurder den das BTZ weigerte sich anfangs mir eine solche Bescheinigung auszustellen “da dieses unüblich sei“.
Erst als ich daraufhin einen Beschwerdebrief an das BTZ schrieb erhielt ich nach 3 Wochen Wartezeit das benötigte Dokument.


Fazit:
Ich kann das BTZ niemandem empfelen.
Von den angepriesenen Möglichkeiten, Kursen, Hilfsangeboten habe ich dort absolut nichts vorgefunden.
Die Mitarbeiter sind inkompetend und teilweise unfreundlich.
Die Arbeit die von den Teilnehmern Verrichtet wird ist sehr einfach gestrickt sowie überwiegend sinnlos.
Kritik ist unerwünscht.
Verpflichtet fühlt sich das BTZ einzig dem Geldgeber
Die Arbeitsergebnisse des BTZ werden dem Teilnehmer am Ende nicht zugänglich gemacht.
Der Teilnehmer steht den von Seiten des BTZ angefertigten Berichten völlig rechtlos
gegenüber.

mamschgerl
Beiträge: 1153
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 06:53

Re: Erfahrungsbericht BTZ-Hamburg

Beitragvon mamschgerl » Do 7. Jun 2018, 19:07

...von aberwitzig über grotesk zu vollkommen hirnrissig...ja, menschlich darf man sich nicht geben geschweige denn zeigen, daß man sich eigene Gedanken macht, das passt ganz einfach nicht in die Maschinerie und stört empfindlich den geschmierten Ablauf. Ironie kommt nicht gut an, erzwingt doch auch eine solche eine Anerkennung der Persönlichkeit gegenüber, was so gar nichts mit Schema F zu tun hat und von daher sofort die Alarmglocken schrillen lässt; am Ende müsste man sich sogar noch individuell mit der Person befassen...
Ich drück' dir die Daumen, daß du es doch noch irgendwie schaffst, wieder am Arbeitsleben teilnehmen zu können, aber ich denke, das wird wohl eher durch Zufall oder günstige Umstände geschehen...
L.G. mamschgerl


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