Therapeut - Vertrauen/Offenheit - Irritation?

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Der_Kaempfer
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Therapeut - Vertrauen/Offenheit - Irritation?

Beitragvon Der_Kaempfer » Fr 23. Jun 2017, 22:12

Ich möchte einmal gerne wissen, ob und wie sehr ihr eurem Psychotherapeuten vertraut und wie offen ihr zu ihm seit.
Und wie schätzt ihr, vertraut euch euer PSychotherapeut und wie offen ist dieser zu euch? Bringt er auch persönliches in das Gespräch mit ein? Wenn ja, wie viel? Gibt/gab es schon Situationen, wo ihr dachtet, warum erzählt der/die euch sowas? Oder davon irritiert usw. wart? Was war das dann?

Mit meinem Verhaltenstherapeuten habe ich ein gutes Vertrauensverhältnis, was auf Gegenseitigkeit beruht. Wir sind beide sehr offen und authentisch.
Ich könnte mit ihm über wirklich alle Themen sprechen.

Mein Therapeut bringt sehr viel persönliches mit in das Gespräch, wenn es eben grade zum Thema oder als Beispiel passt.
Manchmal ist das gut und hat eine unterstützende Wirkung.

mamschgerl
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Re: Therapeut - Vertrauen/Offenheit - Irritation?

Beitragvon mamschgerl » Sa 24. Jun 2017, 07:14

Hallo,
ich denke, eine Therapie kann nur so funktionieren, wie du sie beschreibst.
Ich hatte zwei Mal ein Gespräch mit unterschiedlichen Therapeuten, eines bei meinem ersten Klinikaufenthalt mit dem Oberarzt der psychosomatischen Abteilung, dem ich direkt die Frage stellte, wieso er zu wissen glaubt, von was ich rede. Er erzählte, daß er eine längere Auszeit wegen burnout nehmen musste und schwer mit den Symptomen zu kämpfen hatte, gab aber auch gleichzeitig zu, daß er vieles nicht verstehen oder nachvollziehen könne.
Das zweite fand mit der Therapeutin statt, die mich jahrelang ambulant begleitete. Ich stellte fest, daß manches von dem, was ich ihr schilderte, heftige Reaktionen bei ihr hervorrief. Sie erzählte mir von Angstzuständen aufgrund eines Vorfalls, die ihr das Leben schwer machten. Aber auch sie gestand ein, daß ihr vieles von meiner Symptomatik völlig verschlossen bliebe.
Letztlich gab es dem ganzen etwas menschliches, vertrautes und ehrliches, für meinen Teil aber zu vertraut, denn ich kann damit nicht umgehen.
Alles andere war wichtig, damit ich überhaupt ein wenig erzählen konnte, doch es liegt an mir, daß ich kein Vertrauen aufbauen kann und auch sonst wichtige Emotionen einfach fehlen, die zu einer vielleicht erfolgreichen Behandlung einfach vorhanden sein müssen.
Wichtig sind Offenheit, Ehrlichkeit, Emphatie. Man muss sich als Patient geschützt und ernstgenommen fühlen. Ein Therapeut kann manchmal nichts anderes tun als zuhören, doch das ist oft schon die halbe Miete...
Ich finde es gut, daß du jemanden gefunden hast und dich so fühlst, wie man sich fühlen sollte.
Es ist eine große Unterstützung, wenn man sich frei äußern kann und als Person und Mensch wahrgenommen wird und sich der Therapeut auf Augenhöhe befindet.
Grüße
mamschgerl

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Der_Kaempfer
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Re: Therapeut - Vertrauen/Offenheit - Irritation?

Beitragvon Der_Kaempfer » Sa 24. Jun 2017, 09:23

Stimmt, so sollte es sein.

Ich habe sexuellen Missbrauch durch meinen Pflegevater erlebt. Wollte dem dem Therapeuten darüber reden.
Er meinte, Details seien nicht wichtig. Wichtig sei nur, wie ich mich verhalten und welche Beziehung ich zu ihm hatte.
Aber es macht doch wohl einen großen Unterschied wie ich empfinde, wenn man mich am Fuß oder im Intimbereich streichelt!
Da meinte der Therapeut, wenn ich ihm das erzählen würde, hätte das für ihn was voyeuristisches. Die Bedeutung in dem Zusammenhang wollte er mich nicht erklären.
Monate später behauptete er, er könne sich nicht daran erinner, das jemals gesagt zu haben.

Daraufhin sagte er, dass er sehr achtsam mit sich umgehen würde. Z. B. würde er sich stoppen, wenn er ein Interesse verspürt, wenn eine nicht ganz unatracktive Frau ihm von ihrem Sexleben erzählt.
Eine seiner Patientinnen war mal von einer Pornoszene total verstört und konnte diese auch nicht verständlich rüberbringen.
Der Therapeut berichtete mir, dass er sich dann zum Verständnis für eine Patientin sich den Pornofilm angeguckt hat.

Ein Freund von mir verliebte sich in mich, war sich aber nicht sicher, ob er auf Männer stünde und wollte mit mir mal ausprobieren. Ich war nicht ganz abgeneigt, war aber definitiv nicht verliebt! Wollte mir aber für meine Entscheidung trotzdem die Zeit nehmen, die ich brauchte.
Darauf erzählte mir der Therapeut, dass er auch erst nach 9 Monaten mit seiner Frau geschlafen habe. Diese war aber doch auch in ihn verliebt.
Was also soll ich damit anfangen und wieso erzählt er mir das?

Seit dem Missbrauch ist Selbstbefriedigung nicht mehr möglich. Sex mit anderen aber schon. Nur hab ich keinen. Daher steh ich ganz schön unter Druck. Dies erzählte ich dem Therapeuten. Hier berichtete er, wie es ihm geht und wie er damit umgeht, wenn er draußen eine Frau sieht, die er geil findet. Hier frage ich mich genauso, was soll ich damit anfangen und warum sagt er mir das?

mamschgerl
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Re: Therapeut - Vertrauen/Offenheit - Irritation?

Beitragvon mamschgerl » Sa 24. Jun 2017, 10:00

Stellenweise kann ich nachvollziehen, was der Therapeut erzählt hat.
Wenn er sich zum besseren Verständnis einen Porno anschaut, um das verstörende an einer Szene nachvollziehen zu können, leuchtet mir das einerseits ein, andererseits ist es Blödsinn. Er wird nie das in dieser Szene erkennen, was seine Patientin darin gesehen hat, weil er zum einen nicht die selbe Vorgeschichte hat und zum anderen ein Mann ist.
Wenn er dir erzählt, was er in vergleichbaren Situationen gemacht hat, könnte das auch nur ein Weg sein, dir zu verdeutlichen, daß du nicht alleine mit solchen Lebenssituationen konfrontiert wirst, ob das für dich hilfreich ist, steht auf einem anderen Blatt.
Kein Therapeut will Details hören, dabei ist jeder Mißbrauch anders und sehr speziell und gerade die Details machen die Probleme aus, die als Folgeerscheinungen im Leben auftreten, deswegen habe ich das auch nie verstanden, hier wird pauschalisiert und daher kann eine vernünftige Behandlung nicht stattfinden.
Er versucht, dir gegenüber deutlich zu machen, daß jeder Schwächen hat und erzählt von seiner Art, mit seinen umzugehen.
Befremdlich finde ich allerdings, wenn solche Schilderungen bei ihm voyeuristische Empfindungen auslösen oder er dir davon erzählt, daß er sich bei attraktiven Patientinnen, wenn sie über ihr Sexualleben sprechen, stoppen muss.
Ersteres ist reichlich seltsam, zweites ebenso und noch komischer finde ich, daß er dir gegenüber das offen legt. So etwas erzählt man seinem Kollegen, aber nicht seinem Patienten.
Ich komme irgendwie davon ab, gut zu finden, wie dieser Mann Gespräche führt, denn das geht für mich über ein gesundes Arzt-Patienten Verhältnis hinaus.
Therapiert er sich selbst gleich mit, wenn er dir seine intimsten Dinge mitteilt?
Will er sich selbst helfen oder dir?
Im übrigen nennen die meisten Therapeuten als Begründung dafür, daß Details unwichtig wären, daß die Schilderungen davon eher in die Konfrontationstherapie gehören würden, der letzten hochgepriesenen Stufe der Traumabehandlung. Hier wird in einem geschützten Rahmen über all das gesprochen und deine wiederkehrenden Erinnerungen und Empfindungen durch unterstützende Maßnahmen seitens der Therapeuten abgefangen.
Aber diese Begründung deines Therapeuten ist, wie gesagt, höchst befremdlich und hinterlässt bei mir ein höchst unangenehmes Gefühl.
Bei wem lösen solche Schilderungen solche Empfindungen aus?
Du hast recht, das alles ist irritierend und hat einen sehr schlechten Beigeschmack.
Grüße
mamschgerl

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Der_Kaempfer
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Re: Therapeut - Vertrauen/Offenheit - Irritation?

Beitragvon Der_Kaempfer » Sa 24. Jun 2017, 10:37

Das seh ich genauso. Aber das hatte ja wirklich nichts mit mir und meiner Situation zu tun. Genau. Sowas gehört zu Kollegen oder bestenfalls noch eher in eine Supervision.

Am Anfang der Therapie hat er mich nicht zu Wort kommen lassen, wollte aber, dass wenn ich was habe, ihn unterbreche.
Nach 3 Monaten habe ich ihm das zum Vorwurf gemacht. Er schaute mich an und sagte allen ernstes, stimmt doch gar nicht.
Ja, was für ein gut reflektierter Verhaltenstherapeut :roll:
Entschuldigt hat er sich dafür nicht. Aber ich habe in den darauffolgenden Stunden gemerkt, dass er plötzlich anfing zu fragen, wie es mir geht, ob ich was mitgebracht habe oder ob es was aktuelles gibt.
Dies meldete ich dem Therapeuten rück und er sagte, dass ihm das nicht aufgefallen sei.

Therapiert er sich selbst gleich mit, wenn er dir seine intimsten Dinge mitteilt? Diese Vermutung liegt nahe. Er sagt manchmal, dass er schon einiges von mit lernen konnte. Ich sei im Ganzen wie ich bin und was ich erlebt habe, interessant und dennoch sein bisher anstregendster und schwierigster Patient.

Ja. Was soll ich unter voyeuristisch verstehen.....er wird geil, wenn über manche Details berichte? Oder macht er sich nur Sorgen, dass sich bei ihm was regen könnte? Wäre für ihn doch leicht zu beantworten, wenn er schon mir gegenüber so offen ist, oder? Doch wenn er mir das noch nichtmal erklären will, kann ich mir ja nichts anderes darunter vorstellen.

Bisher hat er beim Missbrauchs-Thema nur Grundfragen gestellt, wie z.B. wann, wie alt, wie oft, wo eingedrungen usw. Allerdings stellte er sehr stotternd dieses Fragen. Er bemerkte, dass mich das total nervt und erklärte, dass er nach der passenden Formulierung sucht, um mich nicht zu verletzen und das ich mich nicht schämen müsste. Völlig verdutzt sagte ich ihm, dass dies nicht passieren wird und er die Fragen so stellen soll, wie sie ihm in den Kopf kommen.

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Re: Therapeut - Vertrauen/Offenheit - Irritation?

Beitragvon mamschgerl » Sa 24. Jun 2017, 11:39

Sorry, jetzt werde ich echt hellhörig, wieso stellt er solche Fragen? Wenn das keine Schilderung von wirklich ganz genauen Details ist, die er da von dir hören will, was dann?
Er gibt sich als mitfühlend dabei, weil er dich nicht verletzen will und macht auf unsicher, weil er angeblich nach passenden Formulierungen sucht?
Und noch was, das sind keine Grundfragen, es sind Fragen, die er nicht zu stellen hat. Was du erzählen und wie genau du über den Mißbrauch reden möchtest, liegt nur bei dir, nachfragen kann er allenfalls, ob es dir hilft, etwas davon zu erzählen und ansonsten hat er zuzuhören. Welcher normale Mensch will in dem Moment wissen, wo, wie, was und wie oft, wenn er nicht tatsächlich eigenes Interesse daran hat?
Hätte meine Therapeutin solche Fragen gestellt, hätte ich die Therapie direkt zu Anfang beendet.
Für ihn mag dein Erlebnis ja aus ganz privaten Gründe interessant sein, aber was findet er anstrengend? Daß du manches hinterfragst?
Tja, das mögen Therapeuten allgemein gar nicht gerne, wenn der Patient die Vorgehensweisen hinterfragt, daher diese leicht subtile Spitze von wegen anstrengend, damit man sich gleich wieder daran erinnert fühlt, daß man schließlich als psychisch Kranker bestimmte Behandlungsmethoden nicht verstehen kann und daher doch bitte dem Therapeuten absolutes Vertrauen entgegenzubringen hat, statt sich als Unwissender kritisch zu äußern.
Der Hinweis, daß du dich nicht zu schämen brauchst, wenn du ihm haarklein dein Erlebnis schilderst, ist bestens geeignet, um genau das hervorzurufen, Scham. Scheint bei dir nicht zu funktionieren, gut so, aber bei vielen anderen klappt das prima. Damit wird dann auch noch ein diffuses Gefühl der Dankbarkeit hervorgerufen, daß man über all dies sprechen kann...
Das Thema Scham und Schuld, das viele Mißbrauchsopfer ein Leben lang mit sich tragen, geht man eigentlich anders an und ich finde, dieser Mensch überschreitet ganz gewaltig seine Grenzen.
Wie lange bist du schon bei ihm?

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Der_Kaempfer
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Re: Therapeut - Vertrauen/Offenheit - Irritation?

Beitragvon Der_Kaempfer » Sa 24. Jun 2017, 15:43

Kein Wunder das mich das seit ein paar Monaten irritiert und z.T. verunsichert. Ich glaube, der Therapeut ist sich dessen noch nicht mal bewusst. Er scheint es sich auch nicht wirklich bewusst zu machen, wenn er sein Verhalten mir gegenüber verändert und das auch nicht wahrnimmt.

Der Therapeut holt mich an der Haltestelle ab und bringt mich auch wieder hin. Da der Hör- und Sehsinn bei mir so gering ist, führt er mich an der Hand. Hand hat den Grund, dass ich darüber mehr von seinem Körper wahrnehmen kann. Also wie genau er läuft usw. Auch, wenn es in erster Linie tatsächlich nur was praktisches ist. Aber was das an der Hand laufen noch auslösen kann, darüber denkt er gar nicht nach.

Mir sind diese Fragen schon von einigen Therapeuten gestellt worden, nachdem ich angefangen und gesagt hatte, das ich das Thema gerne
besprechen, bearbeiten und verarbeiten möchte. Daher sind das für mich schon Grundfragen. Egal bei welchen Themen, unterstützen mich Fragen sehr gut. Und ich bin meistens gut in der Lage auf mich aufzupassen und zu merken, wenn es reicht oder zu viel wird.
Der Therapeut hat auch gesagt, ich soll nur das erzählen, was ich auch will. Ich glaube das sagen alle. Hier wird genau das hervorgerufen.
Bei anderen Themen hatte ich ihm klar StOPP gesagt und er hat weiter zu Ende geredet und sich dann gewundert, warum ich so aggressiv-hyperaktiv bin und schließlich in einen massiven psychogenen Krampfanfall geschlittert bin. Zum Glück hat er daraus gelernt, nachdem ich ihm gehörig die Meinung gesagt habe.

Welcher normale Mensch will in dem Moment wissen, wo, wie, was und wie oft, wenn er nicht tatsächlich eigenes Interesse daran hat?
So hab ich das noch gar nicht betrachtet.....

Ich weiß, ich bin bei weitem nicht sein erster Patient mit Missbrauchs-Erfahrungen. Der Therapeut hat auch schon einige in Gerichtsprozessen unterstützt usw. Er müsste demnach doch Erfahrung haben.
Ich weiß, es ist nicht meine Schuld und es liegt nicht an mir persönlich, fühlt sich auch nicht so an. Aber vielleicht hat es doch damit zu tun, dass ich eben anders als die "Norm-Missbrauchten" gehandelt, reagiert habe und auch komplett anders damit umzugehen scheine, als andere. Sellbsthilfegruppen, Organisationen und Vereine konnte mir daher auch nicht weiterhelfen.

Ich bin zum einen anstregend, weil ich schnell in Machtkämpfe reingehe, sagt er. Manchmal hat er damit Recht. Wenn er jedoch unrecht hat un danach handelt, kann das fatal sein. Deswegen hatten wir schon ganz schön Krach. Entschuldigen können sich Therapeuten wohl auch nicht, was!?
Zum anderen anstrengend, weil ich ihn ähnlich beobachte und analysiere, wie er mich und ich als kompetenter und gut-bescheit-wissender Patient seine Verhaltensweisen als Verhaltenstherapeut hinterfrage. Meine eigenen natürlich auch.
Auch anstrengend, weil das Paket, welche ja jeder mit sich rumschkeppt, kein Paket mehr ist, sonder haufenweise schwere Säcke. (von Geburt bis heute von allen Berufsschichten, mit denen ich zu tun hatte mehrfach misshandelt)
Und anstregend, weil die psychogenen Krampfanfälle, die ich habe, dermaßen un-kalkulierbar und echt schwer zu händeln sind. (Keine Medis, keine Ärzte usw. erforderlich!)

Der Therapeut sagt, dass er versucht, seinen Patienten auf Augenhöhe zu begegnen und eben nicht irgendwie zu kategorisieren.

Scheint bei dir nicht zu funktionieren, gut so, aber bei vielen anderen klappt das prima. Damit wird dann auch noch ein diffuses Gefühl der Dankbarkeit hervorgerufen, daß man über all dies sprechen kann...
Ja, Scham, Schuld, Wut und Rache kenne ich als Missbrauchsopfer überhauptnicht.
Natürlich wäre ich in gewisserweise Dankbar, wenn ich denn mal so darüber sprechen dürfte ich es möchte.....

Bei anderen intimen und sexuellen Themen haben mich viele Therapeuten schon gestoppt und sogar die Therapie abgebrochen.
Nur weil ich mich so ausgedrückt habe, wie es für mich am passendsten ist.
Dieser Therapeut jedoch, ist der Erste, der das noch nie gemacht hat. Er ist auch der Erste, der mit mir weitergekommen ist.
Denn alle anderen Therapeuten (seit dem 3.Lj) haben nur alles verschlimmert, weder was verstanden, noch begriffen.

Aufgrund meiner heftigen Anfallsproblematik - auf die er spezialisiert ist - ist er der Einzigste gewesen, der bereit war mit mir zu arbeiten und sich auf mich einzulassen. Nun bin ich schon etwas mehr als 2 Jahre bei ihm.

mamschgerl
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Re: Therapeut - Vertrauen/Offenheit - Irritation?

Beitragvon mamschgerl » Sa 24. Jun 2017, 20:37

Jeder reagiert eben anders auf den Mißbrauch und jeder Mißbrauch ist speziell und einzig in seiner Art, ich weiß, von was ich rede...
Ich denke, du bist anstrengend, weil du dir ganz genau Gedanken über alles machst und selbst sehr gut weißt, was dir hilft und was nicht. Sogesehen fühlt sich ein Therapeut natürlich unwohl, eben weil er jemanden vor sich hat, der selbst Entscheidungen über die Behandlungsmethoden trifft, eben weil er es kann.
In der Regel sind die Patienten einfach nur froh darüber, jemanden zu haben, der sie an der Hand nimmt, bildlich gesprochen, und ihnen Stütze und Hilfe anbietet.
Ich kann mit den gängigen Methoden ebenfalls nicht umgehen, weiß auch genau, warum das so ist und habe bei meinem letzten Klinikaufenthalt vergeblich versucht, das deutlich zu machen. Es endete damit, daß ich nach drei Wochen abgebrochen habe und in meinem Entlassungsbericht nun steht, daß ich mir mit dem Oberarzt einen Machtkampf geliefert hätte, mit anderen Worten, ich verhalte mich destruktiv und wenig kooperativ, insgesamt unangepasst.
Erst wenn ich bereit bin, mich den Methoden zu unterwerfen, darf ich wieder um Aufnahme bitten ( was ich nicht tun werde ).
Ja, wir haben säckeweise unsere Probleme rumzuschleppen, aber das heißt noch lange nicht, daß wir unfähig wären, Tatsachen und Gegebenheiten zu erkennen oder gar, daß wir nicht zur Selbstanalyse imstande wären.
Es geht hier jedoch darum, damit leben zu lernen, denn vieles kann man nun mal nicht wegdoktern, und wenn einem Gespräche über gewisse Dinge dabei helfen können, eben weil es mal ausgesprochen werden muß, dann muß der Therapeut das unterstützen.
Es gibt viele "anstrengende" Menschen, nicht nur unter den Patienten. Ein Therapeut muss das aushalten können und sollte dies nicht ins Feld führen, wenn er sich dadurch überfordert fühlt, nur um dem Patienten dadurch zu vermitteln, daß ein Scheitern der Therapie auf seine Kappe geht.
Es ist erschreckend, wie oft meine Charakterzüge gegen mich verwendet wurden mit der Bemerkung, daß das alles typisch für dieses Krankheitsbild sei.
Daß Mißbrauchsopfer natürlich irgendwann im Leben versuchen, eben nicht mehr mißbraucht oder ausgenutzt zu werden und sich daher ihr Gegenüber ganz genau anschauen, auch etwas empfindsamer reagieren und ein Kommunizieren nur auf Augenhöhe möglich ist, ist verständlich und sollte einen Therapeuten nun wirklich nicht verwundern.
Daß dieser Mensch so dermaßen unsensibel reagiert, zeugt meiner Meinung nach nicht gerade von Kompetenz.
Macht ihm das Spaß, deine Grenzen immer wieder zu überschreiten?
Und übrigens, ich kann weder in Gruppen arbeiten noch mit sonstigen Methoden, in denen mehrere zu Wort kommen und im engen Kreis gegenseitig von ihren Erlebnissen plaudern. Ich empfinde keine Sicherheit, Geborgenheit und sehe keine vertrauensvolle Umgebung.
Ich war auch noch nie ein Vereins- oder Familienmensch, da ich Annäherung im zwischenmenschlichen Bereich nicht ertragen kann, das alles macht natürlich die üblicherweise angedachten Behandlungen etwas schwierig.
Womit wir wieder beim Thema wären, denn auch meine Therapeutin empfand mich anfangs als zu anstrengend, weil ich einfach nicht auf das übliche reagierte, doch mit der Zeit entstanden einfache Gesprächsstunden, in denen ich einfach all das, was mir auf der Seele lag, rausließ. Ich habe die Therapie mittlerweile abgebrochen, weil ich nicht mehr über mich reden wollte und ich mich danach nicht mehr besser, sondern eher schlechter fühlte.
Ich hatte noch bei keinem der Therapeuten das Gefühl, daß das, wovon ich gesprochen habe, verstanden wurde, was nicht wundert.
Es gibt Leute, die ständig ihren Therapeuten wechseln, weil es einfach in der Hauptsache nicht passt.
Könntest du mir vielleicht noch erklären, wenn du möchtest, was psychogene Krampfanfälle sind?
Ich kenne von mir selbst Panikattacken mit all den bekannten Begleiterscheinungen und auch die fehlende Emotionskontrolle, die mir schon immer zu schaffen machten ( und so vieles mehr ).
Ein Psychiater sollte sich auf den Patienten einstellen und nicht umgekehrt. Es kann nicht sein, daß es dir helfen würde, in deiner Art von den Dingen zu sprechen, die auf dir lasten, du aber daran gehindert wirst, weil es den Empfindlichkeiten des Arztes widerspricht.
Und im übrigen kann man sich auch unterhaken und dabei genauso gut erfühlen, welcher Weg der Führende vorgibt, dazu muß man nicht Händchen halten...
Ich finde es gut, daß du ihn öfters mal einbremst, auch wenn er dich dann wieder als anstrengend und kämpferisch bezeichnet, doch hier geht es um dich und nicht um ihn.

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Der_Kaempfer
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Re: Therapeut - Vertrauen/Offenheit - Irritation?

Beitragvon Der_Kaempfer » Sa 24. Jun 2017, 22:41

Es scheint wohl nicht so viele wirklich kompetente "Patienten" zu geben. Und ob Ärzte oder Therapeuten, da sind tatsächlich leider die meisten gleich krank! Meine Oma hat mir damals gesagt: ,,Alle in einen Sack und draufhauen, man trifft immer den Richtige" :lol:

Ich kann mit den gängigen Methoden ebenfalls nicht umgehen, weiß auch genau, warum das so ist und habe bei meinem letzten Klinikaufenthalt vergeblich versucht, das deutlich zu machen. Es endete damit, daß ich nach drei Wochen abgebrochen habe und in meinem Entlassungsbericht nun steht, daß ich mir mit dem Oberarzt einen Machtkampf geliefert hätte, mit anderen Worten, ich verhalte mich destruktiv und wenig kooperativ, insgesamt unangepasst.
Erst wenn ich bereit bin, mich den Methoden zu unterwerfen, darf ich wieder um Aufnahme bitten ( was ich nicht tun werde ).


Da bist Du dann schon weiter als ich. Ich hab keine Ahnung, warum ich so "anders" bin. Bekannte meinten schon ADHS, Hochsensibel und Autismus.....
Ja, das ist echt krass. Da verhält man sich einmal normal, wird man deswegen noch mehr als psychisch krank abgestempelt. Einmal gestempelt, immer gestempellt.
Das was Du schreibst kenn ich nur zu gut. Bei mir heißt es immer grundlose Verweigerungshaltung :roll: .
Ich brauche dringend Unterstützung aufgrund meiner körperlichen Einschränkungen! Bekomme aber nur ne Betreuung innerhalb meiner Wohnung. Da brauch ich keine Hilfe, das ist lächerlich! Die Anfälle behindern mich, ja. Aber sie sind - anders als die körperlichen Beeinträchtigungen - nicht täglich und schon gar nicht lebensgefährlich. Geh mal fast blind und ohne jegliche räumliche Orientierung die bekannte und unbekannte Umgebungen :shock:
Aber das sieht der sozialpsychiatrische Dienst - der mich begutachten muss - seit mehr als 5 Jahren nicht ein. Die verlangen - nach allem was ich in Krankenhäusern und bei Ärzten erleiden musste - einen stationären Aufenthalt um zu checken was ich körperlich habe. Außerdem solle ich mich in die Psychiatrie begeben, da könne man mir helfen. Das bisher nur das Gegegteil der Fall war und ich traumatisiert und re-traumatisiert wurde, spielt wohl keine Rolle. Am besten wäre es, wenn Ritalin schlucken würde (das einzige Medikament, was ich noch nicht versucht habe). Das ich bei einem Psychotherapeuten bin, der auf dieses Anfälle spezialisiert ist, ich autogenes Training und Tai-Chi mache, ist für die auch nicht relevant.
Man häte mit der adäquaten Unterstützung den körperlichen Prozess aufhalten können. Jetzt ist es schon so stark, dass Aufhalten nicht mehr machbar ist.

Ja, wir haben säckeweise unsere Probleme rumzuschleppen, aber das heißt noch lange nicht, daß wir unfähig wären, Tatsachen und Gegebenheiten zu erkennen oder gar, daß wir nicht zur Selbstanalyse imstande wären.

Da hast Du sowas von Recht. Ich frage mich, wie psycho man sein muss, dass man das nicht kapiert!?!

Daß Mißbrauchsopfer natürlich irgendwann im Leben versuchen, eben nicht mehr mißbraucht oder ausgenutzt zu werden und sich daher ihr Gegenüber ganz genau anschauen, auch etwas empfindsamer reagieren und ein Kommunizieren nur auf Augenhöhe möglich ist, ist verständlich und sollte einen Therapeuten nun wirklich nicht verwundern.

Angesichts dessen, was man erlebt hat, ist das ein ganz normales und nicht krankhaftes Verhalten. So wie auch bei vielen anderen Dingen.

Ich bin zwar ein Familienmensch und wäre auch gerne im Verein, wenn man mich nur ließe, aber bei Selbshilfegruppen u.ä. fühle ich mich fehl am Platz, weil ich kaum Parallelen geschweige denn was finde, was mich unterstützen könnte. Tendenz eher Verschlechterung, weil ich mir anhören MUSS, was andere durchgemacht haben.
Hier ist es ja anders. Ich bestimmt und kann entscheiden und kann STOPP sagen und aus der Situation rausegen, ohne mich vor irgendjemanden rechtfertigen zu müssen.

Das ist gut, dass Du das für Dich gemerkt hast und die Therapie dann abgebrochen hast. Sieht und kann ja auch nicht jeder. Ist definitiv ne Stärke.

Ich hatte n ziemlichen Therapeuten-Verschleiß.

Panikattacken habe ich auch kennengelernt. Die waren Personen bedingt und ließen sich nach ein paar Wochen lösen.

Das mit dem Unterharken ist miir als Mann sehr befremdlich. Ich mag das überhauptnicht und fühl mich damit unwohl und unsicher.

Wenn ich mit einem Menschen zu tun habe - unabhängig ob professionell oder privat - möchte ich als Mensch natürlich auch, dass es meinem Gegenüber gut und nicht schlecht geht. So wie der Therapeut auch Mensch ist, bin ich auch nicht nur Patient.

mamschgerl
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Re: Therapeut - Vertrauen/Offenheit - Irritation?

Beitragvon mamschgerl » So 25. Jun 2017, 10:05

Ja, es scheint wirklich außergewöhnlich zu sein, daß hinter der psychischen Krankheit auch noch ein denkender Mensch hervorspitzt, der sich dazu auch noch artikulieren kann... :twisted:
Es ist ja schon unbequem, leise Zweifel niederargumentieren zu müssen, damit dieser Patient sich endlich nach den Richtlinien behandeln lässt, man hat's ja schon schwer genug.
Vielleicht sollte man sich die Berufsbilder vorher anschauen und nicht erst dann, wenn es zur Sache geht. Nicht umsonst muss man nachweisen, selbst nicht an einer psychischen Krankheit gelitten zu haben oder aktuell zu leiden, doch diese Voraussetzung kann man nicht wirklich nachprüfen, genauso wenig, ob man menschlich geeignet ist.
Es genügt nicht, psychische Eigenschaften als interessant zu empfinden und bei der nächsten Gelegenheit darüber zu dozieren, man sollte sich auch darüber im Klaren sein, daß es sich bei den Patienten um menschliche Wesen handelt, die trotz mancher Irritationen, die das nach außen hin verschleiern mögen, auch als Individuum wahrgenommen werden wollen.
Fragen, Hinterfragen, Zweifel, Skepsis, all das muß erlaubt sein, denn schließlich geht es hier um etwas, was mein Leben ausmacht und nicht um eine Diagnose, die eine festgesetzte Behandlung vorsieht, die als allgemein gültig abgesegnet wurde und also vom Patienten hingenommen werden muß.
Man vergisst hier gerne etwas wichtiges: diese Methoden basieren auf Ideen und Experimenten sowie um Befragungen bei den Versuchskarnickeln, ob und wie sie angeschlagen haben und Wirkung zeigen. Je nach Prozentsatz wird dann beschlossen, ob es großflächig angewandt werden kann oder doch wieder in die hinterste Schublade verbannt werden sollte.
Nun mag ein Großteil mit ähnlichen Vorgeschichten positiv darauf reagieren ( vielleicht wünschen sich die Patienten es selbst auch so sehr, daß sie irgendwann glauben, es würde helfen ) , doch was ist mit dem Rest, bei denen die selbe Krankheit mit ähnlicher Ursache, aber völlig anderen Lebensumständen und damit verbundenen, weiteren traumatischen Erlebnissen, genau diese Methode alles nur noch schlimmer macht?
Das sind dann diejenigen, die sich unkooperativ, kämpferisch, unbequem und lästig der Behandlung widersetzen und irgendwann als austherapiert gelten.
Es ist zugegebenermaßen nicht der einfachste Job, ab man sollte es sich trotzdem nicht mit allen Mitteln zu leicht machen, denn bei allem Verständnis für das, was sich Ärzte und Therapeuten alles anhören müssen und erleben, so geht es hierbei nicht um sie, sondern eben um die Patienten, die sich nicht zu dem, was sie schon mit sich herumschleppen, auch noch mit den Befindlichkeiten der Therapeuten auseinandersetzen müssen.
Und wie du schon geschrieben hast, dafür gibt es die Supervision, damit auch für sie die Möglichkeit besteht, sich auszusprechen und auszutauschen, eben damit sie sich in der Therapie ungeachtet ihrer eigenen, persönlichen Interessen und Probleme auf den Patienten mit seinen speziellen Störungen und Ursachen dafür konzentrieren können.
Mein Neffe ist Autist, ihm wurde auch ADHS diagnostiziert. Wenn es ganz schlimm wird und er jegliche Kontrolle verliert, nimmt er Ritalin. Seine Konzentration steigert sich, seine Anfälle werden gelindert, er wird insgesamt ausgeglichener und nimmt seine Umwelt wieder besser wahr.
Nachteil ist das stark verringerte Schlafbedürfnis, die Appetitlosigkeit und die, trotz aller gesteigerten Wahrnehmungsfähigkeit, irgendwann eintretende Derealisation, zudem schaut er nach ein bis zwei Wochen der Einnahme aus wie ein Zombie.
Bei ihm funktioniert nun aber die Einnahme bei Bedarf, bei anderen ruft das Absetzen genauso wie bei ähnlichen Drogen tiefe und heftige Depressionen hervor. Ritalin wird auch gerne als "Lerndroge" unter dem Ladentisch verkauft, damit sich Schüler und Studenten dem Lernpensum und ihren Prüfungsanforderungen gewachsen fühlen.
Aber hier gilt wie bei allen Medis, es wirkt bei jedem anders.
Wie sehr es deine körperlichen Einschränkungen lindern könnte, müsste ausprobiert werden, denn das wäre meiner Meinung nach die einzige Option, es überhaupt einzunehmen.
Vielleicht wäre es hinsichtlich der benötigten Unterstützung im Alltag draußen doch eine Idee, sich an Selbsthilfegruppen zu wenden, bei denen sich privat jemand zur Verfügung stellt, so wie eine Leihoma, die sich zu ausgemachten Zeiten um den Betreffenden kümmert :wink:
Ich habe leider nicht wirklich Ahnung, an wen man sich da wenden könnte. Ich finde es aber erschreckend, daß dir von entsprechender Stelle nichts adäquates angeboten wird; es wird dir wohl nichts übrig bleiben, als dich doch in einer Klinik durchchecken zu lassen, um einen Berechtigungs- bzw Bedarfsnachweis zu erhalten.
Ich weiß, wie widersinnig das nach all deinen Therapien und deiner laufenden ist, doch manchmal kommt man gegen verwaltungstechnische Sturheit einfach nicht an...
Ach ja, von wegen unterhaken, man kann auch seine Hand auf die Schulter legen und sich führen lassen, ich hatte das nur als Beispiel geschrieben, weil ich dachte, daß 'Hand halten' eben nicht so ganz dein Ding ist... :)


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