Hilfe oder Aufschieben von Schizophrenie

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Jani
Beiträge: 1
Registriert: Do 8. Jun 2017, 23:16

Hilfe oder Aufschieben von Schizophrenie

Beitragvon Jani » Do 8. Jun 2017, 23:36

Hallo,

Ich und meine Kinder können seit 1 1/2 Jahren beobachten wie mein Mann bzw. ihr Vater, Opfer seiner Wahnvorstellungen wird. Er fühlt sich nicht nur extrem beobachtet, er glaubt stetig im Gedankentransfer zu sein, mit unserer Nachbarin. Er unterstellt seltsame Geschichten, die logisch überhaupt nicht mehr zu begründen sind.
Nun droht er nicht nur denen, er wird allgemein aggressiv und schimpft stetig gegen die Decke/Wand. Mittlerweile wohnen dort angeblich 5 Personen die ihn beschatten ( 3-köpfige Familie normalerweise) Er ist befangen in seinen Gedanken, alles dreht sich darum.

Nun verlangt er das wir umziehen, von heut auf morgen?! Wir wünschen uns natürlich das es ihm hilft, aber mich überkommt die Sorge das es sich ehr verschlimmert, er seine Krankheit weiterhin nicht einsieht bzw einen Arzt aufsucht, sich sein Zorn wegen der akustischen Halluzinationen verstärkt und auf uns richtet? Wir einen riesen Fehler machen, in der Hoffnung, den alten Menschen zurückzukommen???

mamschgerl
Beiträge: 1153
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 06:53

Re: Hilfe oder Aufschieben von Schizophrenie

Beitragvon mamschgerl » Fr 9. Jun 2017, 06:30

Hallo jani,
ich habe versucht, mich in deine Situation zu versetzen und so herauszufinden, was ich tun würde, doch es will mir irgendwie nicht gelingen.
Als mein verstorbener Mann aufgrund seines Hirntumors seltsame Verhaltensweisen an den Tag legte und zunehmend verstörter wirkte, erkannte nur ich, daß es ihm immer schlechter ging, doch er selbst in keinster Weise.
Zwischen den Phasen, wenn der Druck des Tumors sich nicht so stark auf sein Hirn ausübte, wusste er selbst von seinem absonderlichen Verhalten nichts und glaubte mir also auch nicht, so daß ich ihn auch nicht zu einem Arztbesuch bewegen konnte. Manchmal dachte ich, daß er nur eine "Show abzieht", damit er mich und unseren Sohn ( damals 2 Jahre alt ) irgendwie loswerden kann und ich war auch kurz davor, ihn zu verlassen. Wer kommt als Laie schon auf solch eine Möglichkeit?
Nun verhält es sich in der Psychotherapie noch etwas anders: der Betroffene muß sich selbst um einen Termin bemühen und auf Bitten Angehöriger, sich den Partner per Hausbesuch anzusehen, wird keine Rücksicht genommen. Der Betroffene muß also selbst erkennen, daß er Hilfe benötigt.
Es ist auch sehr schwierig, den Betroffenen gegen seinen Willen zur Beobachtung oder Behandlung in eine psychiatrische Klinik einweisen zu lassen ( was hinsichtlich der willkürlichen Einweisungen in der Vorzeit von Vorteil ist ), ist aber natürlich in deiner Notlage nicht gerade hilfreich.
Es gibt psychiatrische Notdienste, die man eventuell kontaktieren und um Hilfe bitten könnte oder die zumindest Möglichkeiten nennen können, wie man als Angehöriger weiter vorgehen sollte.
Da niemand abschätzen kann, welche Ausmaße eine solche psychische Störung annehmen wird und, so wie du das schilderst, es sich eher verschlimmert, Gespräche mit deinem Mann keine Einsicht bringen, daß er Hilfe braucht, musst du aber unbedingt schnellstens etwas unternehmen.
Eine Möglichkeit wäre, einen guten Hausarzt mit psychiatrischer Ausbildung zu einem Besuch zu bitten, der eine Einschätzung geben und eine Überweisung ausstellen könnte.
Das sind natürlich Schritte, die dem Angehörigen viel abverlangen, da man über den Kopf des Kranken Dinge in Gang setzt, die in dem Betroffenen nicht gerade positive Gefühle hervorrufen, da er sich ohnehin schon verfolgt fühlt. Kann sein, daß er deine Schritte als Verrat an ihm interpretiert, aber da musst du wohl durch.
Ich wollte, ich könnte dir irgendeinen brauchbaren Tipp geben, aber wenn deine Angst schon dahin geht, daß sich seine Aggressivität gegen euch richten könnte, heißt das, daß du selbst erkannt haben wirst, daß er psychiatrische Hilfe auch gegen seinen Willen bekommen muss.
Ich wünsche dir und deinen Kindern, daß ihr einen Ausweg findet.
Grüße
mamschgerl


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