Es gibt Tage...

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Laura
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Es gibt Tage...

Beitragvon Laura » Do 12. Mai 2016, 13:57

Hi Foris!

Es gibt Tage, da klappt wirklich gar nichts. Dass meine Kräfte nachlassen, spüre ich ja schon seit Langem. Aber ich war immer noch froh, was ich trotz dessen immer noch bewältigen konnte, und sei es nur einen "kleinen Alltag" als Tagesstätten-Besucherin. Und wenn ich so richtig schlapp bin, überkommen mich die eh schon vorhandenen Existenzängste, so als ob ich mein Schicksal nun gar nicht mehr mit Anstrengungen günstig stimmen könnte.

Es gibt so einige behördliche Angelegenheiten, die ich nun mal gezielt angehen sollte, bevor ich Ärger kriege. Aber da spielen auch Dinge hinein, die mir über die Kräfte wachsen, weil sie eine Reise beinhalten könnten, zu der ich im Moment gar nicht in der Lage bin, weder psychisch noch finanziell. Und was ich da bisher auf telefonischem Wege erfragt habe, ist irgendwie unstimmig.

Zu allem Überfluss hat jetzt auch noch mein Backofen den Geist aufgegeben. Noch tun's ja die Herdplatten wenigstens, aber das wohl auch nicht mehr lange. Da war ich lange Zeit so stolz drauf, fast jedes Wochenende aus den Sachen von der Tafel für mich und einen anderen Bedürftigen was Tolles "zaubern" zu können. Ist ja auch immer noch schmackhafter und gesünder als am Wochenende eine Armenspeisung aufzusuchen, wo man außerdem Leute wiedertrifft, die einen einfach nur aus purer Lustigkeit mobben wollen. Mal sehen, ob es Stiftungsgelder für einen neuen Backofen geben wird. Da hätte ich gerne einen neuen und gescheiten. Schließlich spart die Gemeinschaft dadurch an anderer Stelle wieder was ein, indem ich da möglichst selbstständig bleibe.

Und zwar koste ich auch in dem Sinne weniger, indem ich keine staatlich bezahlte Haushaltshilfe in Anspruch nehme, tatsächlich wächst mir die Hausarbeit immer mehr über den Kopf hinaus. Ständig tobt das Chaos bei mir, wenn ich auch noch das Wohnzimmer immer wieder einigermaßen hinkriegen kann. Mit diesen staatlich bezahlten Haushaltsdiensten habe ich vor ein paar Jahren mal schlechte Erfahrungen gemacht. Die (einige von ihnen) verlassen sich sowieso darauf, dass sie ihr Geld kriegen, egal wie viel sie leisten und egal wie sie sich in anderer Leuts Wohnungen benehmen. Eine Einstellung wie in der Psychiatrie (seitens vieler der Mitarbeiter), auch ganz ohne medizinische Ausbildung! :mrgreen:

Man sollte meinen, dass es schlimmere Probleme gibt. Die hätte ich ja auch "anzubieten", aber ich kann darauf setzen, dass mir das sowieso niemand glauben würde, also muss ich immer ganz konform über meine nachvollziehberen Probleme reden. Und das sind ja nur ein paar "Luxusproblemchen", ein bisschen "Jammern auf hohem Niveau", wo man hier doch alles bekommt, was man zum Leben braucht, auch in der Schmuddel-und-Assi-Rolle.

Natürlich muss man dieses Hilfssystem hochhalten und loben. Aber manchmal finde ich es einfach nur zum Kotzen, in dieser Lage zu sein und für alles "bitte, bitte" machen zu müssen. Ich bin doch einfach nur krank, habe aber nichts verbrochen.

LG

Laura
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Re: Es gibt Tage...

Beitragvon mamschgerl » Fr 20. Mai 2016, 14:29

...tage wie diese...
gibt es überhaupt jammern auf hohem niveau?
ich denke, alles, was man selbst zu bejammern hat, ist es auch wert, zu bejammern, sonst würde es einem nicht einfallen, darüber zu jammern. ( toller spruch, oder? )
will sagen, man kann sich auch mal selbst bemitleiden, verdammt. sicher, wenn ich mir selbst manchmal so zuschaue, kommt mir das kotzen. dass ich so rumhänge und nicht mehr auf die beine komme, dass ich ebenso die hausarbeit gerade so verrichten kann, dass ich keine angst haben muss, wieder ins messiehafte abzurutschen.
das schlimme an dieser psychischen erkrankung ist nun mal, dass sie genau das nun mal ist.
und wenn ich mir so überlege, was die alles anrichten kann, wird's mir schlecht.
jammern auf hohem niveau, ja, muss sein, denn wenn ich daran denke, wie ich mich bisher behaupten konnte und immer wieder selbst aus dem dreck gezogen habe, dann jammere ich auch, wenn ich mitansehen muss, wie es mit mir den berg runter geht und ich es nicht aufhalten kann.
ich weiss soviel über die psyche und kann trotzdem nicht gegen meine geister ankämpfen.
aber hey, zumindest wasche ich mich täglich und putz mir meine zähne. ich schminke mich zwar schon lange nicht mehr ( wozu auch, meine heulanfälle machen eh alles zunichte ) und meine figur ist alles andere als tragfähig ( im wahrsten sinne ), aber es ist nun mal so, auch wenn's besch.... ist.
und ich jammere täglich einmal, nur damit ich auf mich selbst sauer sein kann, das bringt mir dann den nötigen schwung, aus dem bett zu kriechen, auch wenn ich nicht weiss, wozu...
l.g. mamschgerl

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Laura
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Re: Es gibt Tage...

Beitragvon Laura » Di 24. Mai 2016, 11:21

Hallo mamschgerl!

Kennst Du das auch, dass es einfach nicht die richtigen Worte zu geben scheint, um den eigenen Zustand zu beschreiben? Dass ein Bild dazu vielleicht eher geeignet wäre? Hinzu kommt aber, dass selbst, wenn ich dazu in der Lage wäre, die "richtigen Worte" oder das richtige "Bild" zu finden, man mir immer noch Übertreibung und Egoismus unterstellen könnte. Meine Güte, so erpicht bin ich gar nicht darauf, immer im Mittelpunkt zu stehen und immer an erster Stelle zu stehen. Aber was hab ich davon, immer wieder ausrangiert zu werden und irgendwo bei den hintersten Plätzen gerade mal als Lückenbüßer gut genug zu sein?

So rutsche ich immer wieder von einem Dilemma ins nächste und kann im Kopf auch kaum noch anders, als überall Dilemmata zu sehen. Differenziert und distanziert soll man sein, aber ich kann bald nicht mehr, dass mir immer wieder undifferenzierte Äußerungen an den Kopf geknallt werden und ich da gefälligst drüber zu stehen habe. Was ich beobachten kann, ist, dass sich viel eher und viel intensiver um die ugga-ugga-Leute gekümmert wird als um Leute wie mich, die sich noch bemühen, sich in ihrer Lage am Riemen zu reißen. Übrigens, mit "ugga-ugga" meine ich keinesfalls Außerdeutsche, Außerwestliche oder auch Außerirdische, sondern Leute, die permanent aus dem Bauch herausleben (also eben nicht differenziert) und noch immer das bekommen, worauf sie pochen und sich dann aber immer noch beschweren.

Ich möchte auch hier nicht so recht mit der Sprache herausrücken, was mir so alles zu schaffen macht und warum ich mich inzwischen wirklich ungerecht behandelt fühle, während ich mir lange vorgehalten habe, es würde schon ein guter Grund hinter allem stecken. Mag ja sein, aber davon gehen die Verletzungen in mir aber auch nicht im Nu weg.

Ich soll nicht so empfindlich sein und mich nicht so sehr über ein paar andere aufregen. Tja, mir wäre es natürlich lieber, dass es mir gut gehen würde als dass es mir schlecht geht. Dass manche Leute "einfach" sensibler und verletzlicher sind als andere und daher auch schneller verzweifeln, ist aber noch nicht alles. Es ist auch nicht die ganze Wahrheit, dass es eine Gleichverteilung von Beleidigungen gibt. Die "Kleinen mit den abstehenden Ohren" kriegen von vorneherein mehr davon ab. Strahlt man Verletzlichkeit aus, dann strahlt man auch Wehrlosigkeit aus. Kommt manchen gerade recht, die sich hinterher "nix bei gedacht haben".

Nein, es funktioniert nicht mehr für mich, alles den Umständen zuzuschieben und alles ganz unpersönlich zu nehmen und zu bewerten. Mag ja sein, dass das Grundproblem nichts mit Gut oder Böse zu tun hat und lediglich anhand von Gut und Böse gelöst werden kann. Dann muss man also immer noch drauf achten, dass das Böse nicht allzu böse wird. Und die Leute, die mich wiederholt attackieren, einfach nur weil sie denken "Mit der kann man's machen" brauchen bei mir dann auch nicht "auf hohem Niveau zu jammern", dass sie es ja "nicht wissen konnten" und sie nun mal so sind wie sie sind. Ich habe keine Lust mehr, Leute zu trösten, denen es höchstwahrscheinlich immer noch besser geht als mir und die sich obendrein noch beleidigend mir gegenüber verhalten. Allein kann ich (noch) nicht beweisen, dass es sich so verhält. Alles Sichtbare spricht bei mir nicht für eine besonderes verzwickte oder verzweifelte Lage. Komischerweise sind manche Helfer, die Leute wie mich als "zivilisationsverwöhnt" abtun, aber auch nicht erpicht darauf, z. B. Sanitäter zu werden oder in den "ausgewiesenen" Krisengebieten dieser Welt zu helfen. Denen ist es auch lieber, im Wohlstand zu bleiben und Leuten wie mir "helfen" zu wollen, obwohl ich doch gar keine "echten Probleme" habe und daher keine "echte Hilfe" brauche.

Tja, weil ich mein Grundproblem so schwer begreifen und in Worte packen kann, ufere ich sowohl gedanklich immer wieder aus und dann auch noch, wenn ich über mich rede (was gar nicht so häufig vorkommt, bzw. im rl hauptsächlich bei meinem Sozialarbeiter). Auch so ein Dilemma: Spreche ich meine Probleme an, weil ich mehr und mehr meine eigene Hilfsbedürftigkeit spüre und meine Ängste, es könne alles schiefgehen, eröffne ich mir eine Chance, dass mir von irgendwo geholfen werden könnte. Gleichzeitig mache ich mich aber auch für Leute, die einfach nicht dafür geeignet sind, mir zu helfen, angreifbar. Und die "denken sich ja nix bei" und wie sehr sie mich verletzen, ist ja dann auch nur "mein" Problem.

Boah, genug getextet und immer noch zu wenig erzählt. Woher soll ich auch im Vorhinein wissen, was jetzt gut für mich ist und was nicht?

Liebe Grüße

Laura
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Re: Es gibt Tage...

Beitragvon mamschgerl » Di 24. Mai 2016, 12:25

lach :)
das kenn ich, von a nach x und von z nach g, der faden weg, war da einer?
es ist doch immer wieder dasselbse, man will etwas bestimmtes sagen, aber davon zweigen soviele andere sachen ab, dass man den kern schon gar nicht mehr sehen kann, aber vielleicht ist das ja der kern?

ich merke nur gerade, dass mir anregende gespräche fehlen, philosophieren über die befindlichkeiten der menschen drumherum oder im allgemeinen, also quasi im cafe sitzen und die vorbeieilenden beobachten und sich dazu gedanken machen.
ich finde, das lenkt so herrlich ab von sich selbst...

es ist schwierig für mich, mein persönliches zu öffnen, damit mir andere helfen können. ich glaube, ich kann das gar nicht. allenfalls die oberfläche lasse ich mal ein bischen wegkratzen, da können sich die helferlein dann austoben, da sind sie ohnehin schon beschäftigt genug.

ich bin mir sicher, dass da niemand in dieser grossen, weiten welt ist, der auch nur ansatzweise verstehen kann, was bei mir im wesen noch übrig geblieben ist nach all diesen jahren mit so vielen verschiedenen menschen, ereignissen, erlebnissen etc.etc.
ich hadere nur manchmal damit, zur zeit ziemlich heftig, das ist dann wieder eine dieser scheren depriphasen
ich will eigentlich locker drüber stehen und sagen können, klar, logisch, man ist bis zum ende allein mit sich, egal ob verliebt, verlobt, verheiratet, verpartnert, ob mit oder ohne familie und freunden.
es ist eine tatsache, die ich an sich immer gut wegstecken konnte, nur jetzt gerade nicht so...

in diesen phasen gibt es niemanden, der helfen könnte, ist nun mal so.
und, weißt du, mir ist es ziemlich egal, ob ich geld habe oder nicht, alles schon durchlebt, zeiten unter der brücke und auf der straße, zeiten mit geld und hotelzimmern de luxe auf reisen und allem, was man dazwischen noch so finden mag, es bleibt immer so, wie es ist, sinnlos.
alles bloss ablenkung vom wesentlichen, das immer wieder alles schöne oder leichte im keim erstickt.

l.g. mamschgerl

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Re: Es gibt Tage...

Beitragvon mamschgerl » Di 24. Mai 2016, 12:50

...abgesehen davon, was bringt es einem, von vornherein zu wissen, was einem gut tut und was nicht?
ist doch eh alles spekulation, da es einem dann, wenn's drauf ankommt, sowieso anders geht.
ich finde, es gibt keine bessere art, das leben zu nehmen als eben so, wie es ist.

nur die menschen, die einem immer wieder dazwischenfunken wollen, stören manchmal doch etwas.
ich hätte gerne wieder etwas von meiner zuversichtlichkeit, mit der ich, als ich vierzehn war, unter der brücke in heidelberg saß und versuchte, mir die pulsadern aufzuschneiden und dann aber wütend beschlossen habe, alles und jeden wegzuräumen, was oder wer sich mir jemals wieder in den weg stellen würde.

aber was mache ich mit meinem größten feind, mir selbst, meinem hirn, das nicht vergessen kann, was einfach alles vernünftige ab absurdum führt, was mich niederstreckt und mir mal so richtig eins in die fresse haut?
auf dass ich nie vergesse, wer hier das sagen hat in den momenten, in denen ich wage zu hoffen, dass ich alles hinter mir lassen könnte.

ich sitze, während ich das hier schreibe, heulend an meinem tablet, das ist öfters so, dass ich einfach heule, erstaunlich, wieviel tränen man vergiessen kann...und frage mich zum tausendsten mal, was sich therapeuten dabei denken, wenn sie sätze sagen wie: " na, das ist doch positiv zu sehen, wenn sie heute schon den staubsauger zum einsatz gebracht haben, immerhin konnten sie sich dazu aufraffen, freude, halleluja!!"

ich bin 51 jahre alt, will man mich verarschen? ich will doch hier keine beschäftigungstherapie, damit ich nicht auf dumme gedanken komme...

vielleicht bin ich ungerecht, ich sollte nicht so hart sein, die wollen ja nur helfen...aber doch bitte nicht mit solchen sprüchen.

die verletzlichkeit, ja, stimmt, da war mal was.
in der zeit, als ich es war, hat man das ausgenutzt, so lange, bis alles abgestumpft war. alles an guten gefühlen, empfindungen wurde gnadenlos ausgemerzt, bevor auch nur der hauch davon erkennbar wurde.
ich habe keinen guten, sicheren ort, an den ich mich zurückziehen kónnte, das kind ist tot!

und jetzt fühle ich mich gerade wie eine offene wunde, in der man das messer wieder und wieder herumdreht.

mensch, bist du da? ich bin nicht mehr da, wenn ich es denn jemals war.

und das mach mal irgendwem verständlich, das glaubt mir keiner, kann auch nicht sein, da hätten wir ja gar nix, was helfen könnte? da mach ich mir bestimmt selbst was vor ( ach, echt? ist das so? ), da kommen wir schon dahinter, was da nicht stimmt und welche ressourcen man da noch auftun können ( es ist so lachhaft... )

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Re: Es gibt Tage...

Beitragvon Laura » Fr 27. Mai 2016, 11:08

Hallo mamschgerl!

In der Tagesstätte bin ich unter der Woche bis zum Nachmittag abgelenkt und habe hier auch meine kleinen Highlights und Erfolgserlebnisse, ebenso ist dies meine Zone, um ins Internet zu kommen. Zuhause bin ich dann glatt an der Wand meiner selbstverletzenden Gedanken und kann einfach nicht mehr.

Durch meine Ängste bin ich auf Selbstbeherrschung gepolt. Ich kann kaum noch anders, aber immerhin kann ich mir auch ganz vage Dinge vorstellen, für die es sich zu kämpfen gelohnt haben könnte. Notfalls müssen meine Lieblings-CDs dabei nachhelfen.

Ich würde in der nächsten Zeit gerne mal einen großen Zeichenblock nehmen und versuchen, mit dem Bleistift etwas Schönes zu zeichnen, und sei es noch so krakelig. Aber dazu habe ich mich bisher einfach noch nicht aufraffen können.

Muss jetzt los, so mittendrin, wie ich in der Suppe stecke, muss ich jeden Freitag los, um die Tafel nicht zu verpassen. Ich brauche ja was zum Futtern am Wochenende. Hoffentlich sind da wieder ein paar tolle Joghurts und Erdbeeren dabei. Andere Gedanken, die ich bei solchen Gängen habe, lasse ich jetzt mal außen vor. Die "Wundertüte" ist es doch immer wieder wert, sich da rumschubsen zu lassen.

LG

Laura
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Re: Es gibt Tage...

Beitragvon mamschgerl » Sa 28. Mai 2016, 07:48

hallo laura,
gute idee, zeichnen, ich hoffe, du schaffst das.
ich finde es unglaublich befreiend, ein riesengroßes stück freie fläche mit farben oder sonstigen sachen ( ich habe auch schon bilder mit gewürzen gestaltet...) zu beleben.
was da an emotionen frei werden, wenn man sich austoben kann ohne sinn und verstand und vorsatz, einfach nur irgendwo ansetzen und schauen, was dabei rauskommt.
meine ausbildung war zwar eine künstlerische und ich habe eine zeitlang auch selbststândig mein geld damit verdient, aber freies zeichnen / malen ist eine ganz andere schiene.
im moment sitze ich gerade in meiner kleinen küche und schauen auf meinen kleinen balkon, auf dem miniholztisch sitzen meine beiden katzen.
diese katzen brauche ich einfach, ich könnte gar nicht ohne sein, seit meiner kindheit lebe ich mit katzen.
ich habe nichts gegen hunde, auch hatte ich schon eine kleine mischlingshündin, die mich dazu genötigt hat, täglich stundenlange spaziergänge zu unternehmen, was ich eigentlich total gerne mache, aber nie alleine dazu aufraffen kann.
aber diese katzen geben mir stimmungsmässig viel mehr und kommen für mich viel ehrlicher rüber, was jetzt nicht falsch zu verstehen ist. aber katzen sind opportunistischer in ihrem wesen und kommen mir daher näher.
naja, zumindest sitze ich jetzt hier und schau sie an und bin froh, dass sie mich so mögen, wie ich bin.
ich brauche sowieso immer irgendwas oder irgendwen, was mich fordert, wach zu bleiben und nicht ständig irgendwie abzudriften.
ich schreibe gerade an zwei büchern, die zwar nie fertig werden, weil ich das gefühl habe, auch noch ein drittes anfangen zu müssen und zur beendigung mir einfach die geduld fehlt, aber das macht nix.
es würde sich ohnehin nie ein verlag finden und das ist auch nicht sinn der sache, es ist beschäftigung von der anderen seite her, in der regel lese ich bücher von anderen schreiberlingen.
als nächstes habe ich mir vor ca. einem jahr vorgenommen, mal wieder die wände zu streichen. schwierig, denn ich konnte mich weder für eine farbe noch für die gestaltung entscheiden... vielleicht nagele ich auch einfach vierkanthölzer an die wand?
aber das im geiste damit beschäftigen ist auch schon wieder was wert...ich schaffe es bestimmt noch, mich ein weiteres jahr damit auseinanderzusetzen.was macht man eigentlich in dieser tagesstätte so?
ist das eine ambulante klinik? ich wollte das auch mal in anspruch nehmen, um meiner therapeutin wenigstens sagen zu können, es versucht zu haben, damit ich struktur in meinem tagesablauf habe.
struktur, seltsam, das kannte ich vorher nicht, weder privat noch beruflich, daher muss ich erst mal erleben, wie das ist, einen strukturellen tagesablauf zu gestalten...

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Re: Es gibt Tage...

Beitragvon mamschgerl » Sa 28. Mai 2016, 08:21

p.s.
ich habe mir mal einen text von dir wieder durchgelesen und versucht, daraus ein wenig schlau zu werden.
schwierig, wie du darin selbst schon schreibst, viel getextet, nichts gesagt.
meine therapeutin sagt mir immer, dass ich viel zu allgemein bin, wenig auf konkretes eingehe.
ich selbst empfinde das eigentlich nicht so, denn gerade das allgemeine rundherum mit seinem vielschichtigen inhalten ist es ja, was mich manchmal zur weissglut bringt, die gesamtheit an sich.
jedes einzelne könnte ich bestimmt zwischendurch abtun als unerfreuliche begebenheit, nicht der rede wert.
aber alles zusammen und dann immer wieder erneut ohne aussicht auf änderung, weil man selten an menschen gerät, die mit hirn und verstand an etwas herangehen oder das, was man selbst von sich gibt in den momenten, wenn man hilft und tröstet und für andere da ist, immer erreichbar, immer bereit in der not, zu schâtzen wissen und nicht permanent für sich diese hilfsbereitschaft ausnutzen, das ist es doch ( unter anderem ) was einen verzweifeln lässt. um dann selbst als egoistisch und undankbar abgestempelt zu werden, wenn man sich doch mal traut, um hilfe zu bitten.
hilfe annehmen ist ohnehin schon schwer genug, wenn nicht fast unmöglich aufgrund der erlebnisse, die man hatte, wie sollte man denn auch das nötige vertrauen aufbauen, um mit ruhigem gewissen sagen zu können, daß diese hilfe auch eine ist und nicht wieder zur ungewünschten abhängigkeit führt? dass man nicht wieder manipulativ in die rolle der ewig dankbaren und zu allem auszunutzen bereiten untertanin wird?
sich zu beschweren, ist nun mal eine art der undankbarkeit, die einem sofort unter die nase gerieben wird.
anstrengend, nur die hilfe anzunehmen, die man tatsächlich braucht und auch vergelten kann, denn hilfe gibt's nie ohne dass man sich dafür erkenntlich zeigen müsste. hilfe um der hilfe willen, kennt das irgendwer?
ja, ich vergebe mir was, wenn ich um hilfe bitte, mir bereitet das körperliche schmerzen!
aber anderen helfe ich gerne, ohne dafür eine gegenleistung einzufordern, das wird sich nie ândern, selbst wenn ich noch so oft verletzt und ausgenutzt werde, da kann ich nicht aus meiner haut und will ich auch nicht.
ich wäre gerne mal egoistisch, wie ist das denn so? ohne schlechtes gewissen auf seinen eigenen vorteil bedacht und frei von skrupel zu sein, wenn man es sich selbst mal so richtig gut gehen lässt und stolz sein kann auf etwas erreichtes und davon nichts abgeben möchte, damit man diesen genuss für sich selbst ganz allein auskosten kann? ohne diese störenden gedanken, dass andere in dem moment unter meinem gipfel, den ich auf kosten anderer erklimmen konnte, zurückbleiben müssen?
sind wir zu gut für diese welt und zerbrechen daran?

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Re: Es gibt Tage...

Beitragvon mamschgerl » Di 31. Mai 2016, 07:37

...noch 8 tage, dann bin ich wieder in der klinik.
ich bin aufgeregt, obwohl ich weiss, was auf mich zukommt, aber trotzdem. ich stelle mir fragen, ob es diesmal etwas besser klappt. wenn ich versuche, mich auf therapien einzulassen, auch ohne den sinn und zweck als förderlich für mich erachten zu können.
ich will nicht undankbar sein gegenüber den mühen, die man sich hier macht, mir etwas mitzugeben, was mir helfen könnte , wieder ein quentchen leichter durchs leben zu gehen.
aber ich frage mich doch wieder stärker als zwischendurch in diesen jahren, ob und was das alles bringen soll?
ich habe wieder einmal ein gespräch mit meiner therapeutin geführt, das mich erneut daran zweifeln lässt, dass alles von mir herausgepresste auch das nötige gehör findet?
ich will, wie gesagt, nicht undankbar sein, wie könnte ich auch, denn sollte ich versuchen, aus dem material, was man von mir erhält, konstruktives zu basteln, müsste ich auch stellenweise allerweltsphrasen dreschen, zuviele allgemeinplätze, nichts konkretes.
es ist aber auch schwer, bei dem erlebten konkret zu werden. ich will es auch gar nicht, ich kann es auch gar nicht.
wieso glaubt mir keiner, dass ich nichts anderes im leben getan habe, als möglichkeiten zu finden, um damit leben zu können?
manchmal komme ich mir so entmündigt vor wie bei meinem antrag auf sterilisation.
diese fragen, die einem da gestellt werden, empfinde ich als die frechheit schlechthin. falls das jemand nicht erlebt hat, hier ein kleiner auszug der fragen und meiner tatsächlichen antworten:
sind sie sich sicher? - ja.
haben sie auch intensiv darüber nachgedacht? - nein, natürlich nicht, es war jetzt eine ganz spontane idee.
denken sie nicht, sie sind noch zu jung und könnten diesen schritt später wieder bereuen? - ja, stimmt, ich bin mit 31 noch viel zu jung für diesen schritt, vielleicht sollte ich warten, bis ich 50 bin und dann entscheiden?
was ist, wenn sie ihren sohn durch ein unglück verlieren? - oh ja, stimmt, dann muss ich ja für einen ersatz sorgen, wie bei einem plüschtier, das kaputt geht, das kann man ja auch wieder durch ein neues ersetzen, oder?
warum lässt ihr mann sich nicht sterilisieren? - klar, ich plane für mich kein weiteres kind in meinem leben, so oder so und verlange von meinem partner, dass er sich mir zuliebe sterilisieren lässt?
was ist, wenn der mann stirbt und sie einen neuen partner kennenlernen? - klar, natürlich, die krönung einer partnerschaft besteht darin, ein gemeinsames kind zu zeugen.
bereuen sie denn so sehr, dieses kind zur welt gebracht zu haben? - frechheit. ich habe die entscheidung, dieses kind zu bekommen, obwohl ich nie welche wollte, aus angst, vollkommen mit dieser aufgabe zu versagen, genauso bewusst getroffen wie jetzt diese, kein weiteres haben zu wollen.
ich könnte mich heute noch, 20 jahre danach, tierisch darüber aufregen, wie bei solchen fragen eine selbstbestimmung und mündigkeit in abfrage gestellt wird. jede frau kann sich heute mit 18 einen überdimesionalen busen bauen oder einen schmollmund spritzen lassen, von anderen gefährlichen eingriffen mal ganz abgesehen, aber einer 30jährigen wird unterstellt, nicht diese entscheidung der sterilisation selbst und wohlüberlegt treffen zu können. ( jeder mann mit 18 musste damals nicht lange fragen, ob bei ihm eine sterilisation durchgeführt werden kann auf eigenen wunsch, ihm hätte man die kompetenz, selbst seine entscheidung zu treffen, nicht abgesprochen! )
ich bin da wahrscheinlich auch überempfindlich, denn jedes herablassende verhalten meinen entscheidungen gegenüber, die ich alleine getroffen habe, will mich in meiner freiheit einschränken. das wiederum ruft in mir natürlich sofort wieder die angst hervor, dass hier jemand versucht, meinen freien willen zu untergraben, mich unsicher machen zu wollen, mich unterdrücken zu wollen....
herrje, so ist das, jetzt rede ich mich schon wieder in rage.
aber, hey, in 8 tagen befinde ich mich wieder in einem umfeld mit menschen und schicksalen, mit ärzten und therapeuten, mit angeboten und stunden der erkenntnis, was alles hätte sein können und was noch alles sein kann und werde mich wahrscheinlich wieder einlullen lassen, nur um dann wieder zuhause erkennen zu müssen, dass nichts helfen kann, zu vergessen, zu verstehen, zu akzeptieren, zu verzeihen, zu verarbeiten etc. etc....
aber vielleicht hilft ja wenigstens das - zwar zeitlich begrenzte - herauskommen aus der häuslichen situation, mal wieder durchzuatmen.
schade nur, dass ich meine kleine und jüngste katze ( jetzt 6 mon. alt ) dann ca. 2 monate nicht sehen kann, die werde ich wohl nicht wiedererkennen. ( man muss prioritäten setzen )

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Re: Es gibt Tage...

Beitragvon Laura » Fr 3. Jun 2016, 15:51

Hallo mamschgerl!

Ja, wie ich schon in einem meiner obigen Beiträge schrieb, will ich hier nicht mehr preisgeben als ich verantworten kann. Was ich von meinen Problemen hier erzählen möchte, sind Dinge, in denen sich auch andere wiederfinden könnten, allerdings stecke ich ja selber noch mittendrin und kann auch keine Lösung anbieten, also nicht einmal davon erzählen, was mir darüber hinweggeholfen hat. Ich kann mir zwar da vage etwas vorstellen und wünschen, aber es ist noch nicht da, noch nicht verfügbar für mich, was sollte ich hier also allzu viel und allzu öffentlich über ungelegten Eiern brüten?

Was Du von Deinen Gedanken hier mitteilst, mamschgerl, nun, zum Teil sind es Dinge, die mir auch immer wieder aufstoßen, wenn ich in solche Situationen gerate und über die ich dann viel nachdenken oder mich ausquatschen muss. Ich muss dann für mich selber aber auch immer wieder aufpassen, dass ich in Gedanken nicht schon in Haarspaltereien verfalle. Zwar würde ich gerne manchmal nur zu gerne anderen zeigen, was für erstaunlich komplizierte Gedanken ich mir machen kann, aber ein guter Output dessen wäre überzeugender, um anderen etwas von meinem Wert zu zeigen (und nicht schon wieder mein Licht unter den Scheffel zu stellen) aber diesen Output sehe ich ja selber noch nicht. Mit Grübeleien halte ich es eher wie mit weiter durch den Schnee zu stapfen, um nicht im Liegen zu erfrieren (oder das "Mami, Mami, ich will nicht nach Amerika!" - ....). Das Grübeln bringt mich nicht immer zu Erkenntnissen und ist manchmal alles andere als selbsttrösterisch, aber immerhin ist diese Form von sich-selbst-auf-Trab-halten auch eine Möglichkeit, um nicht ganz zu versumpfen.


Was mir bei Deinen Schilderungen manchmal auffällt, ist so ein teufelskreisartiges Denken. Es ist jetzt aus der Situation Deines Leidenszustands geschrieben. Vielleicht hilft ja gegen solche pessimistische Gedankenkreise eine Verlangsamung; also wenn man nicht so einfach aus dem Kreisel rausspringen kann, dann warten, bis er langsamer wird und schließlich ruhig genug, um aussteigen zu können. Ich hoffe, die Klinik, in die Du nächste Woche kommst, wird Dir Entschleunigung und Erholung bieten können. Und auch die Möglichkeit, nicht immer wieder nach theoretischen Lösungen für theoretische Fragen zu suchen und dabei doch immer wieder nur auf theoretische Antworten zu kommen, in denen schon das nächste Problem zu lauern scheint. Das ließe sich ja im Kopf endlos weiterverschachteln und Du hättest Dir die Welt schon wieder reichlich düster ausgemalt, zu düster, um draußen mit gutem Gefühl herumlaufen zu können und endlich mal gute Erfahrungen zu machen anstatt immer nur kluge oder einfach komplizierte und überkomplizierte Gedanken zu denken.

Falls das jetzt widersprüchlich zu dem erscheint, was ich oben geschrieben habe, also das Grübeleien auch eine Art Überlebenskampf sind, nee, oder dann auf eine Weise, in der man gefragt ist, das gute Mischungsverhältnis oder die goldene Mitte zwischen zuviel Denken/Grübeln und zu wenig Denken/Grübeln zu finden. Als Single zuhause kann einem immer wieder die Decke auf den Kopf fallen mittels solcher Grübeleien. Gelobt seien da z. B. das Radio oder der CD-Spieler!



Viele Grüße

Laura
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Re: Es gibt Tage...

Beitragvon mamschgerl » Fr 3. Jun 2016, 20:58

liebe laura,
danke dir für deine worte. meine therapeutin ist auch schon ganz verzweifelt, daß sie mich einfach da nicht rausholen kann. ich weiß, ich grüble sehr viel und gerate dabei in immer größere kreise, die sich um den anfangsgedanken ziehen und das tatsächlich in einer geschwindigkeit, die mich oft genug taumeln lässt.
aber oft geschieht auch das gegenteil, die gedanken führen mich zu anderen und die wiederum zu anderen perspektiven und letztendlich wieder zum anfang und ich frage mich, wieso zum teufel ich den wald vor lauter bäumen nicht gesehen habe?
aber das ist einer der ganz seltenen, positiven aspekte, die das ganze auch mal haben kann.
schön, wenn die therapeutin dann mitspinnen kann und selbst auf gedanken kommt, die sie vorher noch nicht hatte. tja, manchmal kann's auch mal lustig sein...
ich denk' an dich und alle, mit denen ich hier schon kurz kontakt haben konnte.
vielleicht kann ich was nützliches erzählen, wenn ich im august wiederkomme, mal sehen, was so hängenbleibt.
lass es dir, wenn möglich, irgendwie gutgehen.
und ich nehme mir das zu herzen, ich versuche, es langsamer angehen zu lassen und werde mir wirklich mühe geben, positives an mich ranzulassen. wer weiß, vielleicht erkenne ich wirklich mal wieder was schönes?
l.g. mamschgerl

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Re: Es gibt Tage...

Beitragvon Laura » Di 7. Jun 2016, 15:05

Hallo mamschgerl!

In einem anderen thread schriebst Du von plötzlichen Komplikationen, die sich für Deinen geplanten Klinikaufenthalt ergeben haben. Allerdings habe ich nicht ganz verstanden, wo da der Hase in der Badewanne liegt. Geht es darum, dass Du diese Eigenbeteiligung in diesem Jahr bereits für einen kurz zurückliegenden Klinikaufenthalt geleistet hast und Du somit Dein Soll bereits erfüllt hast, ohne allerdings auf einen weiteren Klinikaufenthalt verzichten zu wollen und zu müssen?

Du hast mich nach meiner Tagesstätte gefragt. Ist ein bisschen wie eine Tagesklinik, nur ohne das Medizinische und für längerfristig gedacht. Es ist ein Ort, an dem ich mich ganz gut aufgehoben fühle und mich einbringen kann. Natürlich gibt es auch hier Dinge, bzw. Leute, über die ich mich ärgern muss, aber soweit ist es hier schon ganz gut, um zu der Ruhe zu kommen, die meine Erkrankung nun mal von mir verlangt. Ein paar Gramm Geborgenheit sind mir schon unglaublich viel wert! Außerdem ist hier für Mahlzeiten gesorgt und das noch recht günstig.

Das mit der Tagesstruktur ist so ein Zauberwort, aber eigentlich ist es für mich schon Struktur genug, unter Leute zu kommen. Für die Tagesstätte stehe ich normalerweise gerne schon eher früh auf und freue mich, hinzugehen. Zwar geht hier nicht die Post ab, aber ich brauche ja auch Schonung und Ruhe.

LG

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

mamschgerl
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Re: Es gibt Tage...

Beitragvon mamschgerl » Mi 8. Jun 2016, 06:32

hallo laura,
mal schauen, ob ich irgendwie in der klinik ins internet komme, ansonsten ist das hier wohl mein letzter beitrag für zwei monate.
um neun uhr fahre ich mit meinem roller los, mein gepäck fährt mein partner mit dem auto hin.
ich werde wohl ca. drei stunden brauchen, aber das macht nix, hauptsache, ich bin dort günstigst mobil.
in dem anderen thread geht's darum, daß ich mir die eigenbeteiligung von € 10,- p.t. nicht leisten kann. in der klinik muß man aber nach den besagten 28 tagen, für die man im jahr bei der kk zahlen muß, die sb vor ort begleichen.
also habe ich einen antrag gestellt auf übernahme, aber mit diesem antrag soll man auch die erforderlichen
belege senden, nur, wie soll ich belege senden für etwas, was ich nicht zahlen bzw. für was ich nicht in vorleistung gehen kann?
es war ein ziemliches hin und her, schlauer bin ich immer noch nicht, aber trotzdem fahre ich heute dahin.
letztendlich muß ich es mit der kk regeln, nicht die klinik. der gesamte aufenthalt von mind. 8 wochen wird schließlich bezahlt und das ist das relevante.
ich war in diesem jahr noch nicht in anderer stationärer behandlung, daher kämen jetzt halt die vollen € 280,- im jahr zum tragen.
viell. bekomme ich ein kärtchen, das mir befreiung bescheinigt, was weiß ich.
ärgerlich ist diese tante von der servicestelle mit ihrem vom blatt abgelesenen gebrabbel, die von nichts eine ahnung hat und lediglich ihre vorgaben herunterbeten kann.
also, nicht das mädel selbst, die kann nichts dafür, aber für eine servicestelle hätte ich mir schon kompetenteres personal gewünscht.

zu der tagesklinik wollte ich nur sagen, daß mich so etwas in der art auch interessieren würde, ganz einfach damit ich aus dem häuslichen umfeld herauskomme und mit anderen zu tun habe.
mich schreckt einfach nur der gedanke ab, daß ich meine momente der dissoziation, der panikattacken und der weinkrämpfe, die allesamt ohne vorankündigung mitten in meinen alltag und meine jeweilige stimmung platzen, ohne rücksicht, ohne warnung oder sonstige anzeichen.
diese tatsache verhindert auch, daß ich wenigstens ein paat stunden am tag arbeiten könnte, aber ich kann ja noch nicht mal ein telefonat führen ohne probleme. andere arbeiten, die ich zuhause durchführen könnte, kosten mich mindestens das dreifache an der zeit, die man normalerweise bräuchte, hätte man nicht diese aussetzer.

daher wäre es schön, wenn ich am tag wenigstens irgendwo in einem geschützten umfeld sein könnte, einfach nur, um den kontakt nicht zu verlieren.

nach dem tod meines mannes damals befand ich mich zum beispiel ca. ein halbes jahr im nichts ( um meinen damals ca. 2 1/2 jährigen sohn habe ich mich mit einem anscheinend angeborenen automatismus gekümmert ) ,als ich langsam aufgewacht bin, konnte ich nicht mal mehr zusammenhängende sätze formulieren.
es wäre also eine präventivmaßnahme, um der gesellschaftlichen und sozialen vereinsamung zu entgehen.

ich werde also bei meiner rückkehr nochmal mit meiner therapeutin reden und mich selbst mal so durchgooglen, was es da so gibt.

jetzt bin ich aufgeregt, die fahrt wird wohl, wie's ausschaut, etwas feucht werden, aber zum glück habe ich gute regenkleidung, wenigstens ist es nicht kalt und die strecke ist auch eine schöne.
immer das positive sehen, oder?

alles liebe
mamschgerl

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Re: Es gibt Tage...

Beitragvon Laura » Do 9. Jun 2016, 16:02

Hallo mamschgerl!

Na, bist Du jetzt gut in der Klinik angekommen? Wir werden es ja demnächst sehen, ob Du dort Internet-Zugang hast oder nicht oder vielleicht in einem Spaziergang durch die Ortschaft Zugang zum Internet finden kannst.

Hm, soweit ich Deinen Schilderungen des Bürokratie-Stresses wegen der Kostenübernahme der Eigenbeteiligung (Verpflegungsgeld) folgen kann: Könnten mit den erwähnten "Belegen" Deine Einkommensnachweise, also z. B. EU-Rentenbescheid, gemeint sein, damit sicher ist, dass Du nicht über dem Existenzminimum liegst und bedürftig genug, um in dieser Hinsicht finanziell unterstützt zu werden?

Seit gestern bin ich ein bisschen weniger schlapp, dafür wieder ein bisschen, also klitzekleines bisschen aktiver. Summa summarum komme ich mir aber vor, als würde ich in skurrilen Empfindungen nur so ertrinken. Alles nochmal ein bisschen anders als gewohnt, obwohl ich das öfter von mir so sage (alle paar Monate oder Jahre) Unter Leuten, also z. B. in der Tagesstätte, bin ich abgelenkt, aufgemuntert und kann mir kleine Aufgaben suchen, zuhause alleine komme ich nicht so recht gegen die schwere Last meiner ekligen und verängstigten Gedanken an. Muss sie aushalten und darauf warten, einschlafen und am nächsten Tag wieder in die Tagesstätte gehen zu können.

Ich komme mir vor wie ein Baby, das nicht im Bus vergessen wurde, sondern im Kinosaal, während irgendein düsterer Psycho-Thriller auf der Leinwand läuft. Baby glotzt, Baby heult, aber Baby kann nicht fort von der Stelle oder ächzt vor sich hin wie das Viech aus Kafkas "Verwandlung", das sich nicht bewegen kann und alles über sich ergehen lassen muss. Ja, klingt dramatisiert, aber meine Gefühlswelt ist ja auch eine recht dramatische im Vergleich zu meinem "beschaulichen" Leben innerhalb sozialer Institutionen.

Das gute Wetter, das wir im Moment haben, vermag ja immerhin schon, mich aufzumuntern, aber natürlich ist eine kleine kurzzeitige Aufmunterung etwas viel Kleineres als die langersehnte Gesundheit und das langersehnte Glück. Nun ja, man kann immer nur so, wie man kann. Und was ich nicht kann, kann ich auch nicht müssen. Im Geiste sehe ich immer ein ganzes schattiges Schwadron von Leuten, die mich antreiben wollen und mich "faul" und sonstwas schimpft. Bei solchen Gedanken komme ich mir dann auch jedes Mal ganz klein und wehrlos vor.

LG

Laura
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Re: Es gibt Tage...

Beitragvon mamschgerl » So 3. Jul 2016, 08:28

....klinikaufenthalt abgebrochen.
nach drei wochen vergeblicher mühen, den ärzten und therapeuten klarzumachen, daß ich manche voraussetzungen nicht erfüllen kann, um mit den von ihnen vorgeschlagenen wegen zum ziel ( konfrontation ) zu kommen und das ziel ohnehin nicht meines ist ( da ich mich zur genüge mit dem erlebten und den folgeerscheinungen auseinandergesetzt habe ), einem kleinen disput mit dem oberarzt, der sich in seinem ego gekränkt fühlte und mir noch borderline-symptome aufgrund meines provokativen verhaltens einreden wollte, habe ich mich nach rückversicherung bei meiner krankenkasse ( die mir übrigens den status 1% belastungsgrenze zugestanden hat ) frühzeitig aus dem klinikaufenthalt ausgeklinkt.
mit anderen worten, ich bin wieder zuhause.
ich bin geschockt vom umgang der ärzte mit mir, dem absprechen der eigenen wahrnehmung und erkenntnisse.
ich bin enttäuscht, daß man trotz meiner erklärungen zu anfang versucht hat, mich subtil auf die behandlungsmethoden der klinik hinzubiegen im sinne von "... der bringen wir schon bei, was sie braucht..."
zuhören scheint nicht die einzige fehlende notwendigkeit für eine individuelle behandlung zu sein, herablassendes verhalten in gesprächen in der art und weise, daß die ärzte wohl letztendlich besser bescheid wissen würden über meine psyche als ich, liessen in mir erinnerungen an den film " einer flog übers kuckucksnest " hochkommen.
das gruppenverhalten der menschen, die weder über irgendeine art von humor verfügen noch über die einsicht, daß man auch mal lächeln kann, trotzdem es einem schlecht geht, ruft in mir eine solche aversion hervor, daß ich mich da nicht zugehörig fühlen kann und möchte.
auch das wurde mir wieder negativ ausgelegt und letztendlich die mögliche behandlung in der klinik in frage gestellt.
mein ziel war, durch den klinikaufenthalt möglichkeiten zur kontrolle meiner emotionen zu erlernen, bekommen habe ich die durch die blumen gesprochene aussage, daß ich mich gegen die behandlung stelle.
ich habe für mich die konsequenz gezogen, nicht mehr in eine klinik zu gehen.
ich bin wieder mal da angelangt, wo ich schon immer war, seit ich denken kann.
das hat nichts mit selbstmitleid zu tun, sondern mit selbsterkenntnis, es ist halt nun mal so.
meine wut hält mich am leben, lässt mich überleben und weitermachen, gefühle wie liebe, eifersucht, vertrauen, zuversicht etc. gehören nun mal nicht in mein reportoire, also warum versuchen, sie auszugraben, wenn sie nicht vorhanden sind? warum sie vortäuschen, nur damit man therapievorschläge wahrnehmen kann, die einen dadurch zwangsläufig nicht weiterbringen können?
ich bin müde, mich immer wieder erklären und die therapeuten dazu bringen zu müssen, mir endlich zu glauben, damit sie endlich einen anderen behandlungsweg in ihre eingeengte sichtweise mit einbeziehen.
all diese fruchtlosen gespräche, all diese verlorene zeit, die mich immer mehr in diesen nebel drängen.
was soll ich nun denken? wie soll ich jetzt reagieren?
ich weiß schon so lange, daß mir einige menschliche gefühle fehlen, aber wenn die ärzte damit nichts anfangen können, wie soll es weitergehen?
meine belastungsgrenze ist erreicht, mein selbstschutz kaputtgegangen, heulen und lachen geben sich die klinke in die hand, ich habe die kontrolle verloren.
und dann gerate ich auch noch nach so langer wartezeit an diesen selbstherrlichen, humorlosen oberarzt, der mit mir nicht umzugehen weiß, weil ich sein verhalten in frage stelle. logisch, wie kann ich es auch wagen, nicht auf sein manipulatives gerede anzuspringen, seine kompetenz, seine erfahrung, sein wissen zu hinterfragen und mich dagegen zu wehren, über einen kamm mit anderen patienten, die ähnliche symptome ( aber halt nur
ähnliche ) aufweisen, scheren zu lassen?
und überhaupt, wie kann ich es wagen, so aufzutreten?
herr im himmel, wenn es dich gibt, lass asche über ihre häupter regnen.... :mrgreen:
aber ich nehme einige schöne sommertage als erinnerung mit und gespräche im "rauchereck" mit anderen patienten, die weitaus heilsamer waren als die mit den Therapeuten geführten. da fühlte ich mich nicht als unmündiges kind, das als aufsässig und ungehorsam gemaßregelt werden muß.
ich werde also weiterleben müssen, allein mit meinen gedanken, die alles andere als positiv sind, mit dem gefühl, im falschen film zu spielen und noch dazu meine person ständig falsch reagieren zu lassen, weil das stichwort überhört wurde.
aber, wie gesagt, humor ist, wenn man trotzdem lacht, und diese einstellung lass ich mir durch keinen menschen
( oder arzt ) nehmen.

mamschgerl


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