Plötzlicher Kontaktabbruch von Partnerin in Psychiatrie- Erfahrungen?

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ltj
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Plötzlicher Kontaktabbruch von Partnerin in Psychiatrie- Erfahrungen?

Beitragvon ltj » Fr 4. Mär 2016, 20:24

Hallo zusammen,

wie im Titel beschrieben suche ich den Erfahrungsaustausch zu oben genanntem Thema.

Momentan weiß ich nicht wie ich mich verhalten und mit dem plötzlichen Rückzug umgehen soll.

Meine Partnerin ist seit drei Wochen in der Psychiatrie. Sie ist auf ihren eigenen Wunsch dort und fast jeden Tag nach Hause gekommen, hat an den Wochenenden auch hier übernachtet, da sie sich, laut eigener Aussage, gar nicht zu sehr in den Klinikalltag fallen lassen wollte.

Montag haben wir uns noch gesehen. Dienstag hat sie sich zuletzt per SMS gemeldet.

Seit dem ist Funkstille. Ich bin auf allen Kanälen, wie whatsapp und fb, gesperrt. Auf meine Nachfrage von Mittwoch per SMS, was denn los sei, habe ich bis jetzt keine Antwort erhalten.

Ich bin absichtlich nicht in die Klinik gefahren, um keine Grenze zu überschreiten und ihr ihren Freiraum zu lassen.

Da ich aber keinerlei Erfahrung habe, bin ich doch sehr ratlos wie ich mich nun verhalten soll.

Mit der behandelnden Psychologin habe ich kurz telefoniert. Sie durfte mir nichts sagen, hat mir aber geraten mich hin und wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Wie soll sowas aussehen?

Ist es normal das sowas passiert?

Vielleicht könnt Ihr mir etwas raten?

Viele Grüße

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Laura
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Re: Plötzlicher Kontaktabbruch von Partnerin in Psychiatrie- Erfahrungen?

Beitragvon Laura » Mo 7. Mär 2016, 10:35

Hallo ltj!

In die Klinik schreiben kannst Du Deiner Partnerin immer noch, wahrscheinlich erstmal besser in Form von kleinen Kartengrüßen ohne bedrängende Nachfragen, was sie denn auf einmal gegen Dich hat. In einem labilen Zustand kann einem übrigens etwas viel eher als bedrängend vorkommen als sonst.

Vielleicht gibt es da ein Problem Deiner Partnerin, das sich auf Dich bezieht. Etwas, was sie vielleicht nie in aller Deutlichkeit ausgesprochen hat oder etwas, was Du trotz expliziter Aussage doch zu sehr auf die leichte Schulter genommen hast. Schlafende Hunde, die geweckt wurden, sozusagen.Das ist natürlich erstmal nur Spekulation von mir. Ich bin ja nicht wirklich das Sprachrohr Deiner Frau und weiß nicht, was ihr gerade zu schaffen macht. Kommt in Partnerschaften aber öfter vor, dass ein Mann nicht wahrhaben will, dass er seine Frau zutiefst gekränkt hat, wo er dachte, das würde er sich doch wohl mal erlauben dürfen, das sei ja gar nicht so gemeint gewesen etc. und eine Frau könne ja immer alles verzeihen, ohne selber Schiffbruch zu erleiden, genau wie Mutti (*hüstel*).

Auf jeden Fall wirst Du ihr Misstrauen jetzt erstmal hinnehmen müssen. Wenn Du sie nicht bedrängst und nicht unter Druck setzt, wirst Du bessere Chancen haben, ihr Vertrauen wiederzugewinnen.

Viele Grüße

Laura
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Re: Plötzlicher Kontaktabbruch von Partnerin in Psychiatrie- Erfahrungen?

Beitragvon fluuu » Mo 7. Mär 2016, 11:12

Hallo,
ja, das ist normal, dass bei einem Psychiatrieaufenthalt die heimische Beziehung in Frage gestellt wird, das kommt immer wieder vor.
Wie Laura schon erwähnte kann da etwas altes hochgekommen sein oder einfach eine Neuorientierung passieren, das ist in der Therapie
gewollt um die alten krank machenden Muster abzulegen. Sich dezent in Erinnerung rufen ist ein guter Tipp denn es kann sein, wenn
es auf die Entlassung zu geht, dass dann die alten vertrauten Dinge wieder wichtig werden. Also nicht verzagen, im Moment ist das
Lebenszentrum für Ihre Freundin die Therapie und weniger Sie aber das kann sich nach der Entlassung wieder ändern, nur Geduld.
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Re: Plötzlicher Kontaktabbruch von Partnerin in Psychiatrie- Erfahrungen?

Beitragvon ltj » Mo 7. Mär 2016, 12:18

Danke für die Antworten.

Ich beschränke mich momentan darauf mich alle paar Tage per SMS zu melden. Ich schreibe nur "Ich denke an dich." oder "Ich bin in Gedanken bei dir.".

In zwei Tagen haben wir unseren Monatstag. Ich habe vor ihr ein kleines Geschenk an der Pforte zu hinterlegen.

Ich bin aber verunsichert ob das nicht schon zu viel sein könnte.

Auf die Station will ich keinesfalls, denn ich möchte ihre gezogene Grenze nicht überschreiten.

Allerdings wollte ich ihr einen kleinen Gruß dazu schreiben, mit dem Verweis dass sie mich wissen lassen soll ob sie besucht werden möchte.

Es gab nämlich schon mal eine Situation in der sie nicht in der Lage war zu kommunizieren und dann froh war, dass ich vorbei gekommen bin.

Aber da waren wir noch in regelmäßigem Kontakt.

Viele Grüße

ltj

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Re: Plötzlicher Kontaktabbruch von Partnerin in Psychiatrie- Erfahrungen?

Beitragvon fluuu » Di 8. Mär 2016, 11:02

Dann gibt es doch schon mehrere Erfahrungen im Umgang mit dieser Situation, warum dann so tun
als ob es völlig überfordern würde? Es ist wohl immer wieder gut drüber geredet zu haben.
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Re: Plötzlicher Kontaktabbruch von Partnerin in Psychiatrie- Erfahrungen?

Beitragvon Laura » Di 8. Mär 2016, 16:27

Hallo ltj!

Mit SMS geh mal lieber ganz spärlich um. Das heutige Schnellverfahren der Telekommunikation ist in persönlichen Angelegenheiten, besonders in Herzensangelegenheiten, etwas, wo sich der Partner sehr lieblos behandelt fühlen kann.

Ansonsten bleib am Ball, dann eben postalisch oder mit etwas, was Du an der Pforte für sie abgibst, wie in der guten alten Zeit, als noch mit der Hand geschrieben wurde. Was Deiner Frau gerade jetzt zuviel sein könnte, kann außer ihr und eventuell ihrer Psychologin niemand wirklich wissen. Es sieht aber so aus, als solltest Du Dich davor hüten, diesen einen Fehler, den Du da genannt hast, zu wiederholen. Und wenn es etwas anderes war, womit sich Deine Partnerin von Dir wie Dreck behandelt gefühlt hat, dann natürlich ebenso. Aber das ist natürlich für die Zeit gesprochen, in der ihr wieder zusammen seid.

Kriseln mag es ja zwischen Euch und vielleicht noch über den Klinikaufenthalt hinaus. Aber mal darf der eine, mal der andere nicht einfach so die Beziehung aufgeben. Was Du ihr jetzt an Grüßen und Geschenken zukommen lässt, wird vielleicht nicht sofort auf Resonanz stoßen, aber sich vielleicht im Nachhinein als etwas entpuppen, womit Du einen wichtigen ersten Beitrag zur Rettung der Beziehung geleistet hast.

Viele Grüße

Laura
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Re: Plötzlicher Kontaktabbruch von Partnerin in Psychiatrie- Erfahrungen?

Beitragvon fluuu » Mi 9. Mär 2016, 10:31

Was Du ihr jetzt an Grüßen und Geschenken zukommen lässt, wird vielleicht nicht sofort auf Resonanz stoßen, aber sich vielleicht im Nachhinein als etwas entpuppen, womit Du einen wichtigen ersten Beitrag zur Rettung der Beziehung geleistet hast.
Das ist ein guter weiser Satz den ich unterstreichen kann, manchmal kann man etwas in eine Beziehung investieren ohne prompte Gegenleistung, was sich dann erst viel später als richtig und positiv herausstellt, allerdings ohne Erfolgsgarantie.
Der gute alte Spruch: 'Der Weg ist das Ziel' passt da gerade denn es wird kein Ziel verfolgt mit der Gabe sondern einfach nur eine Aufmerksamkeit für den Moment.
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Re: Plötzlicher Kontaktabbruch von Partnerin in Psychiatrie- Erfahrungen?

Beitragvon ltj » Fr 11. Mär 2016, 10:55

Danke für eure Antworten.

@fluuu: Die damalige Situation ist mit dieser nicht zu vergleichen. Deine Vermutung kann ich somit nicht bestätigen.

Ich erwarte auch keine Gegenleistung. Lediglich wollte ich ein Zu-Nahe-Treten vermeiden.

Ich war noch nie in der Situation einen Angehörigen in der Psychiatrie zu wissen und das Umgehen damit fällt schwer wenn man nicht weiß was richtig und was falsch ist.

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Re: Plötzlicher Kontaktabbruch von Partnerin in Psychiatrie- Erfahrungen?

Beitragvon Laura » Fr 11. Mär 2016, 16:50

Ich war noch nie in der Situation einen Angehörigen in der Psychiatrie zu wissen und das Umgehen damit fällt schwer wenn man nicht weiß was richtig und was falsch ist.
Kontakt halten und Anteilnahme zeigen ist wichtig. Das tust Du ja bereits. Manche Leute (Freunde, Bekannte, Kollegen), sofern es sich nicht um die engsten Angehörigen handelt, schaffen ja nicht einmal das, jedenfalls nicht länger als ein paar Wochen. "Was??? Ein Psychiatriefall???? Nee, arme Schweine will ich nicht in meinem engsten Kreis dabei haben, hab auch so schon genuch Probleme (oder auch selber schon jemanden in der Familie, der psychisch erkrankt ist oder kurz davor steht."

Alles andere wird sich mit viel Geduld von Deiner Seite, von der Seite Deiner Partnerin und auch von der Seite der professionellen Helfer hoffentlich ergeben. Oftmals kreist das Ausprobieren und Austarieren um die Frage, inwieweit der einzelne Betroffene Autonomie braucht und auch leben kann und inwieweit er Hilfe auch in ganz simplen Dingen des Alltags braucht. So wie man vor dem Psychiatrieaufenthalt selber das Klischee von Psychiatriepatienten am Rande mitbekommen hat, hat man nach dem Psychiatrieaufenthalt selber oft Angst, von anderen nach diesem Klischee bewertet zu werden.

Im Moment hat Deine Partnerin die Stationspsychologin zum Reden. Es mag an Dir nagen, dass Deine Partnerin nun jemand anderem mehr vertraut als Dir, aber so schnell werden die beiden wohl nicht heiraten wollen *ironiemodus*

LG

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Re: Plötzlicher Kontaktabbruch von Partnerin in Psychiatrie- Erfahrungen?

Beitragvon fluuu » Mo 14. Mär 2016, 11:13

Genau, der Schwerpunkt beim stationären Aufenthalt liegt zunächst im unmittelbaren Umfeld und das sind Ärzte, Therapeuten,
Krankenschwestern und Pfleger, Sozialarbeiter sowie die Mitpatienten, also eine ganze Menge Menschen zu denen vertrauensvoller Kontakt
besteht und alle Kontakte dienen dem einen Zweck die seelischen Störungen zu lindern oder gar zu heilen.
Man darf nicht vergessen, wer stationär behandelt wird hat ein längere Vorgeschichte des Leids und daran sind logischer Weise Angehörige
mehr oder weniger beteiligt. Die Krankheit ist zuhause ausgebrochen, nicht in der Klinik auch wenn sich oft der Zustand bei den klaren
Strukturen der Klinik zunächst dramatisiert. Deshalb sollte sich der Patient zunächst auf das Stationsleben konzentrieren um dort
Harmonie zu erreichen in sich selbst und sich erst dann wieder nach außen, auf das Zuhause und die Angehörigen einstellen.
Dann sollte der Patient auf Station gelernt haben mit sich und der Umwelt so umgehen zu können, dass keine weiteren Komplikationen
entstehen und sich der Patient zurücknehmen kann wenn es mal kritisch wird denn Konflikte gibt es immer und überall,
auch in der Partnerschaft aber wie damit innerlich umgehen sollte zur Lösung beim Betroffenen führen.
Wünschenswert ist wenn auch der Angehörige einen Prozess durchgemacht hat und die Gegebenheiten mit anderen Augen sieht.
Den Partner vertrauensvoll in der Klinik belassen und darauf hoffen ihn mit besseren Überlebensstrategien zurück zu bekommen,
kann so eine förderliche Haltung sein die ein gewisses Umdenken erfordert.
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