dauerhafte Berentung Perspektive

Wenn Sie andere Teilnehmer dieses Forums an Ihren persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen teilhaben lassen wollen, können Sie dies hier tun!
Blueluna80
Beiträge: 3
Registriert: Di 12. Aug 2014, 19:06

dauerhafte Berentung Perspektive

Beitragvon Blueluna80 » Fr 19. Feb 2016, 15:26

Hallo liebe Forumsmitglieder,

danke schon mal fürs Lesen meines Beitrags.

Ich bin seit Jahren vollerwerbsgemindert berentet, anfangs noch in 2 Jahres Abständen, und nun dauerhaft ,ich wollte nie berentet werden, da sie mir eigentlich eher geschadet hat und ich habe immer wieder mit zum Teil starken Depressionen zu kämpfen. Ich hatte kurze sowie 2 lange Klinikaufenthalte (eine davon war eine Belastungserprobung von der Rentenversicherung, um die ich lange gekämpft habe). Ich habe immer wieder verschiedene Beratungsstellen aufgesucht (Krisendienst, Albatros, sozialpsychiatrischer Dienst) um ehrlich zu sein, fühle ich mich vom Land Berlin im Stich gelassen. Ich weiß dass viele psychisch Kranke um die Rente kämpfen und es sich vielleicht so anhört, als sei ich undankbar, ich weiß nur nicht wie ich mein Leben weiter gestalten kann.

Ich wohne zur Zeit bei meinen Eltern, da ich meine Wohnung blöderweise vorschnell gekündigt habe, nachdem ich versuchen wollte nach Portugal auszuwandern, es ist u.a. an finanziellen Mitteln gescheitert.

Da ich viele negative Erfahrungen hier in Berlin gemacht (schulische und berufliche Laufbahn, psychologische Betreuung psychischer Kranker) möchte ich gerne einen Neuanfang in einer neuen Stadt wagen. Ich weiß nur noch nicht genau wie ich das angehen soll, das liegt auch an meiner ängstlich vermeidenden Persönlichkeitsstörung.

Geht es oder erging es jemanden ähnlich und kann mir vielleicht seine Erfahrungen mitteilen. Wie lebt ihr mit der Berentung?

Schöne Grüße Blueluna80

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4112
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Re: dauerhafte Berentung Perspektive

Beitragvon Remedias » So 20. Mär 2016, 17:37

Wenn du dauerhaft berentet bist, kannst du tun und lassen, was du willst. Nur bei Auswanderungsplänen solltest du dich erkundigen, wie das mit der Krankenkasse weiterläuft . Wenn du deinen Wohnsitz offiziell abmeldest, darfst du nicht mehr bei einer deutschen KK versichert sein.

Was genau also ist dein Problem? Die Vielzahl der Möglichkeiten?

Gruß Remedias
Zuletzt geändert von Remedias am Mi 23. Mär 2016, 14:27, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
fluuu
Beiträge: 2544
Registriert: Di 13. Sep 2005, 13:32
Kontaktdaten:

Re: dauerhafte Berentung Perspektive

Beitragvon fluuu » Mi 23. Mär 2016, 12:07

So ein freistellen vom Arbeitsmarkt durch Rente kann auch zum gegenteiligen Konflikt führen,
gerade dieses den ganzen Tag tun und lassen können was man möchte führ zum Problem, es fehlt der Halt im Alltag.
Ob Ausreisen in ein anderes Land oder eine andere Stadt in diesem Zustand hilfreich ist bleibt fraglich,
denn nach dem die neuen äußeren Reize vorüber sind kommt die innere Tristes wieder.
Man ist also als nicht Berufstätiger, als Frührentner, als Altersrentner, als Arbeitsloser oder Hartz IV Empfänger
gut beraten einen eigenen Antrieb aus sich heraus zu entwickeln um etwas auf die Beine zu stellen was motiviert.
Da kann ich als Berater gut reagieren denn ich kenne viele Menschen persönlich aus diesen Gruppierungen.
Eventuelle akute psychische Störungen in der Rentenzeit erschweren natürlich den Umgang aber in der
Berufstätigkeit wäre es auch nicht besser, es würde zu Krankschreibungen führen und letztlich zur Entlassung.
Ob der Status als Hartz IV Empfänger besser ist als der des Frührentners ist Geschmackssache, gemeinsam haben sie,
dass sie den Tag selbstständig strukturieren müssen weil es keine dienstliche Verpflichtung gibt.
Ich rate eine Disziplin zu erlernen die dem beruflichen Alltag ähnlich ist und den Tag in klare Zeitabschnitte einzuteilen.
Wer ungefähr weiß was er wann am Tag vor hat, fällt weniger in ein Loch und spürt die unangenehme Leere.
Viel Zeit haben kann ja auf der anderen Seite in einer Zeit wo alle klagen, dass sie Stress haben, auch ein großer Reichtum sein.
Jedoch kann in ein Loch fallen und die Leere spüren auch Stress bedeuten, es ist wie so oft der Mittelweg ein Optimum.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

mamschgerl
Beiträge: 1153
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 06:53

Re: dauerhafte Berentung Perspektive

Beitragvon mamschgerl » So 25. Sep 2016, 09:19

der unterschied zwischen hartzIV und dauerberentung liegt an sich schon darin, daß man bei ersterem sich um verbesserung durch z.b. arbeitssuche bemühen und gewisse auflagen von amts wegen erfüllen muss, auch die höhe der bezüge ist nicht durchgehend dieselbe und man fühlt sich zudem durchgehend kontrolliert.
dauerberentung ermöglicht einem zumindest, sofern man sich mit diesem gedanken abfinden kann, auch in andere städte umzusiedeln, um sich von den stätten zu entfernen, die einem ständig die negativen erlebnisse vor augen führen.
neuanfänge sind so oder so sehr schwer, struktur im alltag zu finden, wenn man selbst über seine "frei"zeit verfügen kann, ebenso.
manchmal ist man aber auch von haus aus dazu nicht fähig, weil eine innere struktur schon nie erarbeitet werden konnte, wie sollte man dann eine finden, die alltagstauglich zu nennen wäre, damit man den tag übersteht?
die freiheit, entscheidungen zu treffen und auch durchzuführen, hat man bei hartzIV in keinster weise, aber bei einer dauerberentung schon.
ich trage mich z.b. nicht erst seit diesem umstand mit dem gedanken, dorthin zu gehen, wo ich mich besser fühle, um so zumindest etwas von dem seelischen druck von mir zu nehmen.
und da die eu-rente deutschlandweit und in den eu-ländern gezahlt wird, ist es möglich, umzuziehen, bei hartz IV nicht.
ich versuche, mich mit dem gedanken anzufreunden, jetzt schon, viel zu früh, daß ich rentnerin bin.
meine therapeutin unterstützt das, da sie der meinung ist, es gäbe im rahmen der möglichkeiten nicht viele chancen wie diese, ohne druck durch arbeitgeber oder sonstigen verpflichtungen, in ruhe wege, die zur linderung der Symptome beitragen, zu finden und zu gehen.
und wenn zu diesen wegen die änderung des negativ behafteten umfeldes gehört, um sich auch davon unbelastet um sich selbst kümmern zu können, dann nichts wie los.
es gibt nur ein leben und das sollte wenigstens in der zweiten hälfte einigermaßen selbst gestaltet sein.
mamschgerl


Zurück zu „Erfahrungsberichte“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste