Mein Weg aus dem Buronout

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stefanhammer
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Mein Weg aus dem Buronout

Beitragvon stefanhammer » So 8. Mär 2015, 12:35

Hallo zusammen

Auch ich habe ein Burn Out durchlebt und kann heute sagen, zwei Jahre danach, ich habe es geschafft. Ich möchte allen Leidensgenossen Mut machen und sagen; auch Ihr werdet es schaffen!

Ich möchte nur kurz darauf eingehen wie es passiert ist. Ich bekam einen sehr begehrten Job, habe alles dafür gegeben, lebte nur noch fürs arbeiten. Zu Beginn machte es mir auch total Spass, habe mich total damit identifiziert, habe dafür mein Privatleben vernachlässigt, Überstunden waren an der Tagesordnung, meine Mittagspausen wurden immer kürzer. Die Ernährung kam auch zu kurz ein Sandwich zu Mittag reichte vollkommen aus. Musste ja rasch wieder an die Arbeit. Zudem kamen noch private Probleme hinzu, sowie sehr ungesundes Arbeitsklima, mit viel Konkurrenzdruck, negativer Stimmung, keine Wertschätzung. So kam es dann zu meinem Zusammenbruch. Ich konnte eines Tages einfach nicht mehr aus der Badewanne aussteigen, mit Mühe und Not schleppte ich mich dann vom Badezimmer zum Schlafzimmer was einige Schritte entfernt war und ich fühlte mich, als hätte ich einen Marathon gelaufen. Atemnot, Schwindel, Heulkrämpfe. Am nächsten Tag die Diagnose "BURN OUT". Na toll, mit 30! Ich die unermüdliche, die Perfektionistin, die alles schafft, ein Nein gab es in meinem Wortschatz nicht und dann sowas. Mein Körper hat mir damals ganz klar die Grenzen aufgezeigt und das ich auch nur ein "normaler" Mensch bin.

Was dann kam, konnte ich mir in den schlimmsten Albträumen nicht mal erahnen. Sehr starke innere Unruhen, die einem fast zerreissen und die mich paar mal zu dem Gedanken gebracht haben, ich könnte dies nur mit dem eigenen Tod beenden. Dann hätte ich endlich Frieden. Sehr starke Schlafstörungen (nicht mal die stärkste Schlaftablette hatte genützt!), totale Verwirrung, wusste nicht mal mer genau wer bin ich eigentlich? Panikattacken und dieses unermüdliche Gedankenkarussell, alles spielte total verrückt! Zu diesem Zeitpunkt hätte ich nie gedacht, dass ich da jemals wieder rausfinde und jetzt hier sitze und diesen Bericht schreibe.

Aber alles beginnt mit dem ersten Schritt, mögen sie auch noch so klein sein. Ich habe mir mein Burn Out sehr schnell eingestanden und Hilfe in Anspruch genommen, da ich wusste, alleine packe ich dies nicht. Ich wurde für 1 Monat krankgeschrieben und benötigte absolute Ruhe. In dieser ersten Zeit war es für mich wichtig einfach nichts zu tun, denn ich war schon mit den kleinsten Aufgaben überfordert. Wäsche waschen geschweige denn an Haushalt denken war nicht möglich und lösten neue Heulkrämpfe aus. Sogar TV schauen ging nicht, da ich nicht mal einen Film verfolgen konnte, keinen blassen Schimmer was ich soeben gesehen haben sollte. Es war so ein Frust, ich die immer 150% gegeben hatte, konnte nicht mal mehr 5% leisten.

Meine Therapeuten meinten dann ich solle nach einem Monat wieder 50% arbeiten, da es schlecht sei wenn man längere Zeit weg von der Arbeit bleibe. Habe mich dann wieder zur Arbeit drängen lassen, aber nach dem 2. Tag konnte ich einfach wieder nicht aufstehen. Wurde also erneut für einen Monat krank geschrieben. Meine Lebenspartnerin fand im Internet eine Klosterfinca im Norden von Gran Canaria. Ich war zuerst skeptisch, weil ich Gran Canaria nur als „Rambazamba Party Insel“ kannte das ist aber alles im Süden, aber diese Finca ist auf der anderen Seite der Insel im Norden. Im Mitten einer Bananenplantage mit Sicht auf das Meer. Hier ist ruhe und Natur. In dieser Zeit sahen meine Tage so aus, dass ich einen kurzen Spaziergang entlang dem Meer gemacht habe. Diese kurzen Spaziergänge in der Natur taten mir wahnsinnig gut. Frische Luft, Sonne, Vogelgezwitscher. Die therapeutische Betreuung in der Familiären Atmosphäre fand absolut ohne Druck statt. Ich hatte einfach Zeit für mich. Stelle ich meine Ernährung zu ausgewogener Ernährung um. Wusste gar nicht mehr dass frisches Obst und Gemüse so gut schmecken! Doch die Abstände zwischen Hochs und Tiefs waren immer noch kurz. Kaum ging es 2 Tage Bergauf, kam die nächste Talfahrt. Eines der wichtigsten Sätze die mir Dany (mein Therapeut) (Er hatte selber ähnliches erlebt) immer wieder gesagt hat: Es geht vorbei, du kommst da durch! Gras wächst nicht schneller wenn man daran Zieht. Und wie recht er damit hatte. Dieser Gedanke hatte mir immer wieder geholfen.
Die schlimmen Unruhen und Gedanken kamen vor allem Nachts. Um mich abzulenken und Panikattacken zu vermeiden, hatte ich früher auf meinem iPad Quizfragen-Spiele wie z.B. Wer wird Millionär (vielleicht sollte ich mich da mal anmelden...) geholfen. Dies lenkte mich ab und verhinderte, dass ich mich in eine Panikattacke reinsteigerte. Hier auf der Klosterfinca gab es aber kein Internet. Nun habe ich aber Entspannungsmethoden von Dany hier auf der Finca erlernt die mir sogar besser halfen. Durch verschiedene Techniken lernte ich mich, mein Körper und meine Gedanken zu kontrollieren und bekam so wieder gesamthaft eine Kontrolle über mich. Die Täglichen Gespräche und die Mentalprozesstherapie mit Dany und Nati halfen mir sehr. Ich kann diese Klosterfinca mit Daniel Hauenstein nur empfehlen (findet ihr bei Google wenn ihr Klosterfinca Gran Canaria sucht) ich war gesamthaft 5 Wochen dort. Da die Preise auf der Klosterfinca sehr günstig sind, konnte ich mir diesen „Erholungsurlaub auf Gran Canaria“ sogar selber leisten, und brauchte keine Krankenkasse die das bezahlte.

Meine Partnerin war in der ganzen Zeit auch sehr wichtig. Sie hat mich nicht mit Samthandschuhen behandelt, was gut war. Denn Sie holte mich oft wieder auf den Boden der Realität zurück, wenn ich wieder mal irgendwelche Hirngespinste hatte.

Während dem zweiten Monat Arbeitsunfähigkeit rief mich plötzlich eine ehemalige Arbeitskollegin an und bot mir eine 80% Stelle an. Dies war eigentlich ideal da ich nicht mehr in diesem stressigen Job weitermachen konnte und wollte. Um Bewerbungen zu schreiben und eine neue Stelle zu suchen, wäre ich dazumals sowieso nicht wirklich fähig gewesen. Als ich dann nach meiner krankgeschriebenen Phase an den alten Job zurückkehrte und die Kündigung aussprach, wurde ich sofort in eine andere Filiale versetzt um meine 3-monatige Kündigungsfrist zu beenden, da die neue Stelle bei der direkten Konkurrenz war. Zu Beginn ärgerte ich mich über die Versetzung da ein neuer Ort auch wieder Stress bedeutete, aber es war im Nachhinein das beste was mir passieren konnte, denn es war eine kleine Filiale auf dem Land, mit einem wunderbaren aufgestellten Team, die mich während diesen 3 Monaten total herzlich aufgenommen haben. Da das Arbeitspensum hier viel weniger war, konnte ich mich langsam wieder in die Arbeitswelt antasten (zuerst 50, dann 80 und zum Schluss 100%), wieder Vertrauen in mich und meine Leistung finden. Dies wäre am alten Ort nicht möglich gewesen. So beendete ich auch meine Kündigungsfrist und hatte dann einen Monat Pause bevor ich die neue 80% Stelle antrat. Zudem lösten sich auch die privaten Probleme schrittweise.

Durch die MPT -Therapie auf der Klosterfinca lernte ich auch das nötige Rüstzeug, mich abgrenzen, Nein zu sagen, mich und meine Bedürfnisse wieder kennen zu lernen (ich wusste damals nicht einmal was für Musik mir eigentlich gefällt!). Bewegung und gesunde Ernährung, sowie Pausen zu integrieren. Wieder mit Freunden etwas zu unternehmen. Hobbies zu pflegen (bis dahin war mein einziges Hobby mein Job!)

Am Anfang steht man vor einem riesigen Berg, aber man muss mit dem ersten Schritt anfangen. Und immer und immer wieder ein kleinen Schritt nehmen. Wie ein Wollknäuel was sich langsam beginnt zu entwirren.

Und heute geht es mir wunderbar. Auch habe ich keine Angst mehr vor einem Rückfall, denn ich habe meinen Glauben, mit dieser kann ich jede Herausforderung meistern. Ich verdiene heute zwar weniger, muss mit weniger Geld zurecht kommen, aber heute lebe ich nicht fürs arbeiten, sondern arbeite um zu Leben. Und es ist herrlich! Diese Lebensqualität ist unbezahlbar und ich bin heute dankbar für diese prägende Erfahrung, denn ich hätte ja soviel verpasst in meinem kleinen Hamsterrad!

Ich wünsche Euch viel Kraft und Mut für den ersten Schritt! Habt Mut und denkt daran: "ES GEHT VORBEI, IHR KOMMT DA DURCH"

Liebe Grüsse

Stefan

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