Hilfe - Wer kann mir aus Erfahrung raten - Therapeut wechsel

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Evelyn
Beiträge: 4
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Hilfe - Wer kann mir aus Erfahrung raten - Therapeut wechsel

Beitragvon Evelyn » Mo 27. Okt 2008, 14:30

Hi,


bei meinem Mann wurde letzten Sommer eine Erschöpfungsdepression diagnostiziert. Nach 8 wöchiger Kur begann er im Januar eine Psychotherapie. Er meint, dass sie ihm hilft. Ich kann keine Besserung erkennen. Wohl aber eine Veränderung! So kommt mein Mann immer öfter mir Aussagen von seiner Therapeutin die mich zutiefst erschrecken. Beispiele?:
"Bist Du als Kind missbraucht worden?" Diese Frage sollte er mir von der Therapeutin aus stellen. Huch!!! Ich hatte eine beinahe perfekte Kindheit und habe nie etwas derartiges erlebt. Oder: "vielleicht gehöre ich ins Kloster" , oder nach 13 Jahren Ehe die Feststellung" Eigentlich habe wir doch fast keine Gemeinsamkeiten" Auch das stimmt nicht. Ich habe mich hingesetzt und auf Anhieb zwei Seiten Gemeinsamkeiten gefunden. Weil mir diese Aussagen Angst gemacht haben, bin ich einmal mit zur Therapie gegangen und habe der Therapeutin meine Ängste geschildert. Erst wollte sie mich gar nicht da haben, dann hat sie mich doch angehört und meinte, sie sei für meinen Mann zuständig, wenn das zur Scheidung führt, dann kann sie da nichts ändern. Ich habe große Angst, denn ich liebe meinen Mann. Ich habe auch das Gefühl, das mein Mann mich liebt. Nur ist er derzeit wohl nicht in der Verfassung klare Schlüsse zu ziehen? Was soll / kann ich tun?

Lina

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Angelita
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Beitragvon Angelita » Mo 27. Okt 2008, 18:46

Hallo Evelyn/Lina

Wissen Sie welche Therapie-Richtung/Therapie-Methode die Therapeutin Ihres Mannes vertritt?

Na ja, das ist ja schon richtig, dass sie für Ihren Mann da ist, was aber m.E. nicht automatisch heisst, dass sie Sie nicht auch anhören kann. Ob das Ihr Mann mit den Fragen an Sie richtig verstanden hat? Was ist die Absicht dahinter?

Ev. wäre eine Paartherapie angezeigt um Ihre Aengste u. gemeinsame Fragen zu besprechen. Ist nur so ein Gedanke.
Gruss Angelita

“Man muss im Ganzen an jemanden glauben, um ihm im Einzelnen wahrhaft Zutrauen zu schenken.” H. v. Hofmannsthal

Evelyn
Beiträge: 4
Registriert: Mo 27. Okt 2008, 09:38

Dank

Beitragvon Evelyn » Di 28. Okt 2008, 09:03

Hi,


ich danke mal rundrum für die Antworten. Gestern war einfach mal wieder alles zu viel. Das kann man auch gut an den vielen Schreibfehlern sehen. Cool bleiben ist dann nicht immer leicht. Ich versuche es trotzdem immer aufs neue. Auch Dank für den Buchtipp. Zwei der Bücher werde ich mal genauer ansehen (und lesen).
Mein Mann kam übrigens gestern Abend noch von ganz allein darauf zu sprechen. Er will jetzt mal versuchen eine Pause zu machen und sehen, wie es ihm dabei geht. Warten wir es ab.
paradoxe Intervention ist in meinen Augen die einzig logische Erklärung für diese Therapie. Scheint bloß nicht zu funktionieren. Positive Verstärkung fänd ich besser! Fehlt hier aber völlig.
In einer Eheberatung sind wir seit Juni. Das bringt uns beiden scheinbar mehr. Danach gehts immer gut - bis er wieder zur Therapie ging.

OEG
Beiträge: 78
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Beitragvon OEG » Di 28. Okt 2008, 10:29

Also ich finde die Vorgehensweise des Therapeuten vorsichtig gesagt "grob fahrlässig".

Zum einen gibt es Therapeuten, die bewußt eine Ehe zerstören um uneingeschränkt "über den Patienten" verfügen zu können. Dann ist aber echt die Frage, ob das ein guter, zugelassener Therapeut ist.

Und zum anderen: Wenn er für den Patienten zuständig ist, warum läßt der die Ehefrau fragen "ob sie missbraucht worden ist" Das sollte er dann doch eher seinen Patienten fragen?

Ich finde diese Frage sehr suggestiv und in höchstem Maße gefährlich. Denn wenn es denn wahr wäre, wäre dein Zusammenbruch nicht mehr weit. Weil er dich ja geradezu drauf stößt, ohne das du einen Therapeuten hättest.

Ich würde mit deinem Mann besprechen, ob das wirklich der richtige Therapeut ist.

Entschuldigung für meine Einmischung.

LG

Evelyn
Beiträge: 4
Registriert: Mo 27. Okt 2008, 09:38

Beitragvon Evelyn » Di 28. Okt 2008, 11:15

Hi,


erstmal möchte ich mich für die "Einmischung" bedanken. Dafür geht man doch in so ein Forum!
Das sind genau die Gedanken, die ich hatte.
Momentan bin ich einfach froh, dass er mal versuchen will, ohne die Therapie auszukommen. Immerhin geht die nun auch schon länger.
Mein Misstrauen seiner Therapeutin gegenüber ist eigentlich beständig gewachsen. Wohl gemerkt nicht einer Therapie als solcher, doch aber gegenüber dieser Person.
Dies hat dann nicht nur Auswirkungen auf unsere Beziehung, sondern auch auf unseren Sohn. Meine Befürchtungen waren schon, dass ich bald eine Therapie brauche, weil mein Mann eine hat. Klingt wirr, ich weiß. Aber selbst sonst recht selbstbewußte Personen, und zu denen zähle ich mich im Allgemeinen, haben mal "Durchhänger"

Lina

OEG
Beiträge: 78
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Beitragvon OEG » Di 28. Okt 2008, 11:50

Hallo Lina,

also grundsätzlich ist es so (in einer guten Therapie):

Ein Patient/Klient verändert sich in einer Therapie. Das ist gewollt. Es kann dann aber sein, daß der Klient sich so verändert, daß er in eine Ehe so nicht mehr "paßt" und dann gibt es zwei Möglichkeiten:
1) Der Partner (die Familie) paßt sich der Veränderung an, entwickelt sich also auch weiter, evtl. durch eine eigene Therapie oder eine Familien- oder Paartherapie, oder der Partner schafft das alleine mit dem Klienten Schritt zu halten und
2) Die Beziehung geht kaputt (auch die Beziehung zur Familie, z.B.), weil sich die Familie nicht mit verändern will.

Denn Veränderung muß sein, weil ja ohne Veränderung der Klient in eine Situation gekommen ist, in der es nicht weitergeht, sonst hätte er keine Therapie angefangen und vorher kein Erschöpfungssyndrom.

Also die Frage ist, wie "gut" meint es die Therapeutin. Und inwiefern braucht die Familie eine eigene Therapie.

Ganz bestimmt geht es die Therapeutin auf diesem Wege nichts an, ob du missbraucht worden bist. Also das so zu regeln ist grob fahrlässig. Weil sie damit evtl. Dinge aufrührt, die du total vergraben hast oder die überhaupt nicht vorliegen und die dich in Grübeleien stürzen, die zu nichts führen werden, weil gar nichts gewesen ist. Es kann auch die Gefahr beinhalten, daß du dich plötzlich "erinnerst", es aber in Wahrheit nur die Suggestion der Therapeutin ist. Du dich an Dinge "erinnerst" die defakto eingebildet sind...

Wie gesagt: grobe Fahrlässigkeit der Therapeutin.

Pause: Ja und möglicherweise Therapeutin wechseln

LG

Evelyn
Beiträge: 4
Registriert: Mo 27. Okt 2008, 09:38

Beitragvon Evelyn » Di 28. Okt 2008, 12:06

Hi ,


das Veränderung stattfinden muss, ist klar. Das ganze Leben ist Veränderung. Auch deshalb die Familieberatung.
Erschöpfung kam aber auch von den äußeren Umständen. Mein Mann ist gelernter Schreiner (der heute einen Bürojob hat). Wir - nein eigentlich er hat -haben ein Holzhaus in 11 Monaten ganz alleine gebaut. Wirklich alleine. Strom, Wasser, Wände, Fliesen ... alles halt.
Und er ist Perfektionist, heißt ihm durfte niemand helfen. Und über 40 ist er auch schon. Daher vermute ich die Erschöpfung. Zur psychischen Erschöpfung die bereits vorhanden war (frustrierende Arbeit, die man in diesem Altern auch nicht mehr so leicht wechseln kann) kam die physische Erschöpfung. Zu dem ist er ein introvertrierter Mensch. Es kam einfach alles zusammen. Dieser Situation habe ich mich sicher auch nicht schnell genug angepasst. Heute sehe ich das jedenfalls so. Nun, wir versuchen das alles wieder in Ordnung zubringen. Wir lieben uns.
Wichtig für ihn ist auch, seine Kindheit aufzuarbeiten. Unter Liebe versteht wohl jede Familie was anderes.
Ich danke Dir, für deine Zeilen und Deine Anteilnahme. Das allein hilft schon sehr etwas Abstand zu gewinnen und mehr grau, als nur schwarz zu sehen. Danke


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