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Meine Krankheit (Schizophrenie mit Negativsymptomatik)

Verfasst: Fr 13. Jun 2008, 01:50
von Spitfire
Hallo, ich bin 32 Jahre alt.

Ende 2004 kam ich, nach einem psychischen Zusammenbruch, in die Psychiatrie, bei mir wurde Schizophrenie mit Negativ-Symptomatik diagnostiziert, seit dem nehme ich täglich 200 mg Amisulprid (Solian).

Ungefähr 1 Monat nach Entlassung bin ich plötzlich in einen bis heute andauernden Zustand gefallen. Der sich nur langsam bessert.

Ich nehme die Realität um mich herum überhaupt nicht wahr, ich empfinde sie nicht. Ich habe kein Bewusstsein. Ich bin mir meiner selbst und meines Lebens nicht bewusst. Ich habe keine Gefühle, ich empfinde nur den Unterschied zwischen angenehm und unangenehm. Ich bin süchtig nach dem Angenehmen, dem Unangenehmen gehe ich permanent aus dem Weg und verdränge es. Deswegen bin ich extrem faul und habe keine Lust zu arbeiten, denn Programmieren macht mir keinen Spass mehr. Das ist übermächtig in mir, so dass ich gar nichts dagegen tun kann. Meine Körperhygiene ist mir egal. Anfangs fand ich Gespräche mit anderen Menschen vollkommen sinnlos, mittlerweile rede ich wieder gern mit anderen Menschen. Ich kann das nur aufschreiben, weil ich wieder so viel Bewusstsein habe, das mir das bewusst ist. Wenn ich meine Tabletten nicht nehme habe ich ganz unangenehme Missempfindungen des Körpers.
Meine Freundin ist sehr unzufrieden, weil ich so faul bin und nicht arbeite. Wenn sie schimpft dann dringt das gar nicht in mein Bewusstsein, denn ich lebe eingeschlossen in meiner Gedankenwelt. Ich fühle mich wie ein Roboter, denn alle Tätigkeiten laufen automatisch und unbewußt ab. Ich habe auch das Gefühl das mir Denken sehr schwer fällt und ich nicht richtig denken kann. Ich habe auch Angst das mein Denken unlogisch ist.
Ich habe das Gefühl das meine Gehirn die höheren Hirnfunktionen zum Schutz wegen Überlastung abgeschaltet hat, auch kann ich nicht richtig scharf sehen und nichts mit den Augen fixieren, ich denke wahrscheinlich auch ein Schutz wegen Überlastung des Gehirns.
Meine Beziehung ist in Gefahr, aber ich kann nichts dagegen tun. Ich kann mich zu nichts aufraffen. Es ist aber schon besser geworden. Die Besserung passiert in einzelnen Momenten. Alle paar Monate, Meist wenn ich mich mit anderen Leuten treffe, kommt ein Augenblick in dem mein Körper erstarrt, ich ein Fallgefühl im Kopf habe, verbunden mit einem starken Ziehen im Gehirn. Nach einem solchen Augenblick fühle ich mich immer besser. Ich nehme die Realität mehr wahr und habe ein größeres Bewusstsein.
Ich bin jetzt seit 3 ½ Jahren krank, ich habe des Gefühl ich brauch noch mal 3 Jahre um wieder vollständig gesund zu werden.
Bei alledem fühle ich mich aber sehr wohl, mir geht es eigentlich gut, die Symptome stören nur meine Freundin die mich aushält. Wenn ich nicht Arbeiten gehen müsste, könnte ich mit meiner Krankheit sehr gut Leben.

Sonstige Symptome:

- kaum Lust auf Sex
- massives Übergewicht
- sehr großes Schlafbedürfnis (12 Stunden am Tag)
- Cola-Sucht, Zigaretten-Sucht
- Wackeln mit den Beinen


Ich würde mich über Kommentare, Ratschläge oder Hinweise sehr freuen.

Verfasst: Fr 13. Jun 2008, 14:45
von Reh
Hallo Spitfire,

hast du schon mal darüber nachgedacht, dass das Nebenwirkungen von den Medikamenten sind? Ließ mal auf dem Beipackzettel nach oder google.

Lust auf Sex habe ich mit den NL auch nicht mehr und schlafen kann ich locker 12 Stunden am Tag. Erst seitdem ich die Medis reduziert habe, schlafe ich nicht mehr ganz so viel. Ich rauche auch wie ein Schornstein. Aber angeblich rauchen die meisten Psychotiker.

Lustlos bin ich auch. Es gibt keine Höhen und Tiefen mehr in meinem Leben und irgendwie ist mir alles egal.Sehstörungen habe ich auch. Das kommt vom Medi.

Das Übergewicht kommt auch von den Medis. Vielleicht versuchst du mal ein anderes aus.

LG Reh

Verfasst: Fr 13. Jun 2008, 16:19
von Johannes Neuerer
Hallo Spitfire,
ich sehe das auch so, wie Reh.
Allerdings würde ich persönlich an Deiner Stelle jetzt nicht unbedingt ein anderes Medikament ausprobieren, sondern - möglichst in enger Abstimmung mit einem Arzt - eher herunterdosieren.
Selbstverständlich hast Du Missempfindungen, wenn Du Dein Medikament jetzt nicht nimmst oder zu schnell herunterdosierst. Deswegen würde ich das wirklich nur sehr langsam und kleinschrittig machen.
Jedenfalls hielte ich es für den Versuch wert, vorsichtig herunterzudosieren und zu sehen, wie Du mit niedrigeren Dosen zurecht kommst, sowohl, was die Wirkung, als auch, was die Nebenwirkungen betrifft.
Da sich Dein Zustand ja offenbar seit Längerem einigermaßen stabilisiert hat, würde ich, ginge es um mich, schauen, ob ich nicht möglicherweise letztlich z. B. mit 50 mg gut zurecht käme.
Solltest Du Dich dann immer noch so schlecht fühlen, könnte man dann wirklich an ein anderes Medikament denken.
Alles Liebe
Johannes

Verfasst: Fr 13. Jun 2008, 16:25
von mike88
Hallo Spitfire,

mir ging/geht es ähnlich wie dir. Jetzt setzt ich erst mal das Seroquel ab und teste dann mal was anderes.

Was bedeutet Schizophrenie mit Negativsymptomatik?
Hast du keine (wenige) Positivsymptome wie Wahn oder Halluzinationen und nur negative Symptome oder treten die Negativsymptome neben den postiven auf?

Viele Grüße
Mike

Verfasst: Sa 14. Jun 2008, 01:07
von Spitfire
Danke für eure Antworten.
Reh hat geschrieben:hast du schon mal darüber nachgedacht, dass das Nebenwirkungen von den Medikamenten sind?
Ja, aber ich denke mir wenn es an den Tabletten liegen würde, würde es ja nicht allmählich besser werden. Ich habe die Tabletten auch schon probeweise abgesetzt, aber da wurde es nicht besser ich habe nur die Missempfindungen im Körper wieder bekommen die ich in meiner Prodomalphase hatte.
Johannes Neuerer hat geschrieben:Allerdings würde ich persönlich an Deiner Stelle jetzt nicht unbedingt ein anderes Medikament ausprobieren, sondern - möglichst in enger Abstimmung mit einem Arzt - eher herunterdosieren.
Also wenn ich auf 100 mg runter gehe, kommen sofort die Missempfindungen im Körper. Vielleicht probier ich ja mal 150 mg.
mike88 hat geschrieben:Was bedeutet Schizophrenie mit Negativsymptomatik?
Hast du keine (wenige) Positivsymptome wie Wahn oder Halluzinationen und nur negative Symptome oder treten die Negativsymptome neben den postiven auf?
Negativsymptomatik bedeutet das nichts hinzukommt wie z.B. Wahn sondern dem Gehirn Fähigkeiten weggenommen werden.
Ich habe nur die beschriebenen Symptome, Wahn oder Halluzinationen habe ich überhaupt nicht. (Gott sei dank)

Verfasst: Sa 14. Jun 2008, 07:48
von mikesch
Hi,

ich nehme auch Amisulprid. Meine Erfahrung in punkto Dosierung ist, dass zumindest im Moment 100mg bei mir auch zuwenig sind, andererseits, wenn ich 200mg nehme wird der Schlaf extrem schlecht ! Konsequenz, ich nehm 150mg und fahre damit eigentlich ganz gut. Ich habe zwar noch Nebenwirkungen (geistig irgendwie nicht so richtig rege und flexibel), aber mir selbst fällt es kaum auf. Ich kann mich mit meinen Freunden treffen und gute Gespräche führen, habe sogar um die 3kg abgenommen...

Vielleicht probierst Du es einfach mal mit der Dosis, 50mg ist seehr wenig, das nehmen meist Leute, die Amisulprid mit nem anderen Nl kombinieren....

gruß mikesch

Verfasst: Sa 14. Jun 2008, 16:28
von Johannes Neuerer
Hallo Spitfire,

wenn Du wirklich NUR eine Negativsymptomatik hast und auch niemals eine Positivsymptomatik hattest, überzeugt mich sowohl die Diagnose eine Schizophrenie, als auch die Verschreibung eines Neuroleptikums, nicht besonders. Ein "psychischer Zusammenbruch" ist, jedenfalls nach meinem Sprachgefühl, grundsätzlich zunächst einmal etwas völlig anderes, als eine Schizophrenie. Beides schließt sich aber auch gegenseitig nicht völlig aus.

Dass Du, nach langjähriger Einnahme, selbstverständlich eine Art "Medikamentenabhängigkeit" entwickelt hast und massive körperliche Missempfindungen (Entzugserscheinungen!) verspürst, wenn Du die Einnahme absetzt oder reduzierst, liegt auf der Hand, heißt aber keineswegs, dass das Medikament für Dich zu irgendetwas gut wäre oder seine Verschreibung grundsätzlich berechtigt wäre - geschweige denn in dieser Dosis. War das Medikament für Dich für irgendetwas gut, hat es Dir in irgendeiner Beziehung geholfen oder nimmst Du es nur aus blindem Vertrauen zu Deinen Ärzten?

Von 200 mg gleich auf 100 mg zu reduzieren, finde ich sehr bedenklich. Wenn es um mich ginge, würde ich erstmal prüfen, ob und wie ich mit 175 mg zurecht käme.

Alles Liebe

Johannes