Schuld ...............

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Stille
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Schuld ...............

Beitragvon Stille » Mo 7. Apr 2008, 18:34

Was ist Schuld?
In letzter Zeit (eigentlich schon viel länger) gehen mir der Begriff und all die damit verbundenen Gefühle nicht mehr aus dem Kopf. Es ist wie ein Zwang in mir in allem die Verantwortung und damit auch die „Schuld“ zu übernehmen. Natürlich kann man philosophisch diese beiden Begriffe prima auseinanderpflücken, aber gefühlsmäßig schaffe ich es nicht. In meinem zu Perfektionismus neigenden Hirn, kann ich mir kaum etwas recht machen. Somit nehme ich die Schuld in allem „Nicht-Funktionierenden“ auf mich und kann das emotional nicht mehr er/tragen. Irgendetwas in meinen eingeimpften Wertvorstellungen ist da schief gelaufen. Ich kann so prima bei anderen hinterfragen, entschuldigen, abwägen, nur bei mir nicht :-( So trage ich auch Schuld an meinen Symptomen, ich habe so oft das Gefühl einfach nicht stark genug zu sein. Ich sehe Menschen denen es objektiv viel schlechter geht und die besser mit dem Leben klarkommen.

In diesem Sinne
Stille
Nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, daß sie nicht hinter dir her sind ;-)

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Oblomow
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Beitragvon Oblomow » Di 8. Apr 2008, 15:44

Liebe Stille,

Vielleicht kennst du den Film „Good Will Hunting“, dann kennst du auch die Szene in der Robin Williams als Psychologe diesem Schüler immer und immer wieder sagt „Es ist nicht deine Schuld“.

Beim christlichen Glauben ist die Sache easy. Man lädt Schuld auf sich, beichtet und betet drei Vater Unser und alles ist wieder gut. (Mal ungeachtet der Frage ob man schuldig ist)
Stille hat geschrieben: Ich kann so prima bei anderen hinterfragen, entschuldigen, abwägen, nur bei mir nicht...
In jedem Fall merkst du aber selber schon dass hier etwas nicht stimmt, dass deine Schuldzuweisungen an dich selber unrealistisch sind. Nimm doch mal deine ganze Situation und übertrag sie auf eine Person die du kennst. Nun bist du Beobachter, würdest du der Person nun die gleichen Schuldzuweisungen machen wie dir selber?

Eine andere Variante.
Hast du dir schon mal überlegt wie sehr es für dich alles verändern würde, wenn du diese Schuldgefühle los wärst? Klingt jetzt vielleicht komisch aber ich glaube manchmal ab einem gewissen Punkt ist es egal, wer oder was Schuld trägt. Die Dinge sind so wie sie sind und die Schuldfrage ändert manchmal nur wenig, vielleicht gar nichts. Den rechtlichen Teil der Schuld schließe ich hier komplett aus. Rein rechtlich spielt die Schuldfrage natürlich eine große Rolle (Strafe, Rache usw.) Ich meine jetzt rein emotional, denn du sagtest ja dass es ein emotionales Problem ist. Also wenn du die Schuldgefühle schon nicht loswerden kannst, vielleicht kannst du versuchen ihre Relevanz zu relativieren. Wäre so gesehen ein abwägen was das eigentliche Problem ist. Ein Geschehnis oder die Schuldfrage dazu.

Das mit dem christlichen Glauben oben hab ich angeführt, weil es auch noch eine Variante darstellt. Keine Angst, du sollst nicht beten. ;)
Aber dieses Prinzip, zu sagen okay, ich habe Schuld, das ist gelaufen und mehr kann ich jetzt nicht mehr machen. Ich würde das als Möglichkeit ansehen, wenn es nur noch um dieses Schuldgefühl geht und die zurückliegende Situation schon zigmal aufgearbeitet wurde. Finde ich in deinem Fall nicht optimal denn es verdreht ja objektiv die Tatsachen. Aber genau das machst du ja ohnehin die ganze Zeit. Wäre eine Art Trotzreaktion. Es fiel mir halt in dem Zusammenhang mit Schuld und Schuldgefühl ein und so hab ich es hier mit aufgeschrieben, bist ja clever und kannst dir selber deine Gedanken dazu machen.

Manches was ich schrieb klingt vielleicht komisch.
Es sind halt einige lose Gedanken und du weißt ja um meine fachlichen Qualitäten. :cool:

Andrerseits weiß ich ja, dass du dich mit diesem Thema schon seit geraumer Zeit rumschlägst und da bisher wohl auch alle Therapeuten/innen gescheitert sind. Aber irgendwie musst du ja auch mal weiterkommen, das ist doch kraftraubend und ermüdend.

So weit erstmal
LG
Marc
Am Ende ist alles ein Witz
(Charles Chaplin)

paine 22
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Beitragvon paine 22 » Di 8. Apr 2008, 16:59

schuld ist ein sehr weitläufiger begriff und inbesondere trägt das gefühl schuld oft zu einer erkrankung bei.

man fühlt sich schuldig, weil man die dinge um einen herum einfach nicht in der weise beeinflussen kann wie man es gern hätte. ich habe nie gelernt mich als menschen zu respektieren mit all meinen fehlern und dergleichen und mußte immer funktionieren.
das ging manchmal so weit, dass man mir eine riesenverantwortung in einem komplett dysfunktionalen umfeld ( familie) zugeschoben hat und es immer noch versucht, indem man versucht mich mit e-mails zu ködern, aber in dem umfeld will ich mich auf gar keinen fall mehr bewegen. :twisted: ich glaube nämlich nicht, dass die sich schuldig fühlen und es jemals in der weise getan hätten und irgendwann ist es auch mal zu spät dafür eine entschuldigung anzunehmen.

Dani2
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Beitragvon Dani2 » Di 8. Apr 2008, 17:58

"Irgendwann ist es auch mal zu spät dafür eine Entschuldigung anzunehmen."

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Stille
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Beitragvon Stille » Di 8. Apr 2008, 18:58

danke an Alle, ich weiß ja, dass ich nicht die einzige bin die sich damit herumwälzt.

Marc, bei deinen Worten kam mir erst einmal der Gedanke, ob es nicht einmal die Frage von Schuld sondern Verantwortung ist. Weil Schuld, wie du schon schreibst, ja oft im rechtlichen Aspekt gesehen wird. Das spielt natürlich für mich eine untergeordnete Rolle. Vielleicht ist es eine Frage der Verantwortlichkeit und derer auch abzugeben, anderen zu vertrauen und loszulassen, sich selbst akzeptieren. Manchmal überleg ich auch, vielleicht bin ich gar nicht so tolerant, wie ich sein möchte und das überträgt sich dann auf meine eigene Person. Vielleicht personifiziere ich das alles, was ich so sehr hasse. Vielleicht geh ich so kleinlich und kritisch mit meiner Person um, weil ich kleinlich und kritisch bin. Vielleicht hasse ich mich, weil ich die anderen Menschen auch hasse?! Ach weißt du, ich würde sogar beten (und das hab ich auch schon), wenn es mir irgendwie weiterhelfen würde. Ich fühle mich schmutzig und schlecht, ich habe Angst das zu übertragen. Oft verstehe ich mein Handeln nicht, es ist wie ein Zwang zum Schlechten. Ich komme mir vor wie ein Heuchler meiner Gedanken, meiner Worte, meines Tuns. Ich habe Angst so zu werden, so zu sein, wie dass was ich alles hasse.

LG
Silke
Nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, daß sie nicht hinter dir her sind ;-)

Dani2
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Beitragvon Dani2 » Di 8. Apr 2008, 19:53

Wenn man das, was man alles haßt an die Oberfläche
kommen läßt und es an den richtigen Adressat verweist
wo es einst herkam hat man die Chance zu erkennen
ab welchem Punkt eine Vermischung mit "Fremdmaterial"
stattfand.
Nicht-Ich hier und das gehört dorthin.
Es kann sein, dass Du dann noch immer alle haßt oder erst Recht, weil es mit einem Eingeständnis großer Irrtümer und Enttäuschungen verbunden sein kann.
Doch weißt Du wenigstens dann, was Du theoretisch mögen würdest !

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Laura
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Beitragvon Laura » Di 8. Apr 2008, 20:36

Hallo Stille!

Noch bevor ich Deinen letzten Beitrag las, kam mir zu Deinem Thema der Gedanke, dass selbst der irrigste Irrweg noch gewisse Vorteile mit sich bringen muss, sonst hätte er einen ja nie mit aller Macht anziehen können. Meine Frage wäre also, welche scheinbaren oder vorläufigen Vorteile könnten für Dich dabei herausspringen, wenn Du Dich selbst immer wieder an Deinen eigenen Pranger stellst? Ein bisschen liest sich Dein letzter Beitrag auch so, dass Dir damit gewisse kryptische Gedanken und Empfindungen greifbarer werden. Was Du nicht magst, suchst und findest Du in Dir selbst. Vielleicht weniger bitter, wenn man sich selbst anklagt anstatt einen Anderen. Was man mit sich selbst macht, hat man eher in der Hand als wenn es darum geht, mit einem Anderen zu verhandeln.

Und noch ein Vorteil, der mir ganz allgemein einfällt, wenn man sich selbst geradezu zwanghaft kasteit. Man kann kaum noch tiefer sinken, sich kaum schlechter fühlen, man könnte die trügerische Sicherheit bekommen, dass man nichts mehr zu verlieren hat und von da an alles nur noch besser werden kann. Wir alle wünschen uns glücklich und zufrieden zu sein. Aber hat man erstmal diesen Zustand erreicht, muss man ihn hegen und pflegen, denn als erwachsener Mensch hat man ja irgendwann gelernt, dass das Schöne auch plötzlich wieder weg sein kann. So wie die Verlustängste, die man auszuhalten hat, wenn man seiner großen Liebe begegnet.

So wie Du Deine schärfste Richterin bist, kannst Du auch Deine fürsorglichste Freundin sein, allmählich Deinen Seelenfrieden wachsen lassen, vor Dir selbst gerade stehen. Was nützen einem schließlich die tollsten Lebensbedingungen, wenn der Seelenfrieden trotzdem noch stark hinterherhinkt? Umgekehrt kann man dann unter widrigen Umständen zufrieden sein und aus dem Leben schöpfen, wenn man sein inneres Gleichgewicht gefunden hat. Wenn man sich sagen kann: Das bin ich und so bin ich und das kann mir keiner streitig machen.

Ich glaube, man muss vor sich selbst einfach seine eigene Intimität auszuhalten lernen.

Liebe Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Dani2
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Beitragvon Dani2 » Di 8. Apr 2008, 20:47

Ich denke schon, dass man lernt:
ich war mal Eislaufen, aber es hat keinen Spaß gemacht.
Jetzt bereue ich, dass ich solange auf der Eispiste war.
Ich weiß , dass ich das nicht mag und ich hatte
anderes erwartet.
Es geht nicht darum jemanden an den Pranger zu stellen,
sondern zu erkennen, was gut tut und was nicht.
Ich mag dies und das nicht.
Es kann auch sein, dass man merkt, dass man eigentlich noch nie jemanden geliebt hat.

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Oblomow
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Beitragvon Oblomow » Mi 9. Apr 2008, 13:41

Hallo Stille,

Hatte gestern Abend noch etwas geschrieben aber irgendwas passte nicht.
Wußte nicht was es war, dachte ich lass es erstmal liegen. Jetzt hab ich es nochmal gelesen und gelöscht. Was damit nicht stimmte war, es war auch nur wieder blödes Geschwätz.

Ich lese deine Beiträge und würde dir gerne helfen oder etwas Hilfreiches schreiben. Also etwas grundlegend Hilfreiches. Das kann ich aber leider nicht. Klar, für den Moment ist es schon okay Feedback zu erhalten und aus den Antworten anderer zu erkennen, sie machen sich Gedanken, möchten sich kümmern. Leider ist das aber immer nur ein sehr kurzer Moment und im Grunde geht alles weiter wie bisher. Jetzt mag vielleicht jemand einwenden, so ein Forum, Gespräche, Freundschaften wären nicht dazu gedacht und auch nicht imstande, in solchen Fällen, grundlegend zu helfen. Das ist mir soweit auch klar aber was ist denn dazu imstande? Den Rat sich professionelle Hilfe zu suchen, kann man sich bei dir auch schenken.

Du hast geschrieben du kämst dir manchmal wie ein Heuchler in deinen Gedanken, Worten und Taten vor. Aber nicht du bist der Heuchler. Du erkennst und offenbarst selber die Diskrepanz die sich im (in deinem) Leben oft auftut. Mir kommt es manchmal so vor als wäre es gesellschaftlicher Konsens, dass es für jedes Problem immer eine Lösung gibt. Ist der Fernseher kaputt, wird er repariert, ist er nicht mehr zu reparieren oder lohnt es nicht mehr, wird ein neuer gekauft. Ist der Mensch kaputt, geht er zum Arzt und wird repariert. Eine Kosten/Nutzenrechnung wurde in unserem Land (bei anderen weiß ich es nicht) bisher glücklicherweise noch nicht durchgeführt. (So was Lächerliches wurde Ansatzweise schon mal von einem CDUler vorgeschlagen, ist ein anderes Thema.) Aber dieser Punkt beim Fernseher, ist nicht mehr zu reparieren, der fällt beim Menschen im psychischen Bereich so wie ich das sehe teilweise aus. Wahrscheinlich gibt’s auf geschlossenen einen Haufen armer Teufel die vollgepumpt mit Medis und einem roten Stempel in der Akte dahinvegetieren. Die nehm ich mal aus.

Dann sind da aber Leute wie du, gesellschaftlich voll integriert - was nichts anderes heißt als, die Gesellschaft hat feste Anforderungen wie du zu funktionieren hast - aber mit einem Rucksack voller Lasten und dir wird vorgegaukelt das alles gut wird. Und das ist die Heuchelei. Sackgassen gibt’s nicht, man kann ja schließlich noch hin und her laufen. Und wenn die Sackgasse kleiner wird, muss man halt kleinere Kreise drehen. Dabei soll man sich am besten noch toll fühlen. Einiges was man sich dann selber überlegt, darf man Nichtmal laut äußern weil es gesellschaftlich (Anforderungen > funktionieren) inakzeptabel ist. Fakt ist, man ist mit seinen Problemen am Ende doch alleine, jeder muss seinen eigenen Rucksack tragen und manche wollen dir dann noch erklären, wie du ihn zu tragen hast. Etwas wird nur dann als unumkehrbar, irreparabel und in den Brunnen gefallen akzeptiert, wenn der Finger ganz ab und die Wunde geschlossen ist, wenn ein annähen auch für den letzten Idioten offensichtlich unmöglich ist.

Eine Erkältung braucht immer wenigstens ne Woche, egal was für tolle Hausmittel die Leute alle kennen, manches lindert halt aber es heilt nicht. Vieles ist einfach nur Geschwätz und ich kann mich da (natürlich) nicht ausnehmen. Du siehst auch ich ein Heuchler, der davon schwätzt was es für ein Geschwätz gibt. ;)

Nun hab ich so viel geschwätzt und es ist wieder nichts Produktives dabei, nichts was dich weiterbringt. Aber mir geht es gerade viel besser… ](*,)

Ich will dir nicht die Hoffnung nehmen, dass sich nicht doch etwas verbessern kann. Detti würde sagen „Immer der Sonne entgegen“ und einen anderen Weg weiterzuleben gibt es vermutlich gar nicht. Hätte jemand gewollt dass wir rückwärts laufen, wären unsere Beine andersrum angeordnet, so sollen wir wohl nur vorwärts gehen auch wenn da Scherben liegen.

LG
Marc

PS: Ich sehe vor mir, wie bei manchen die Hutschnur hochgeht und beim lesen der Dampf aus den Ohren kommt. Ich habe nichts gegen Psychologie, Psychiatrie, Schulmedizin, Autowerkstätte usw. Die Leute die dort arbeiten machen größtenteils einen tollen Job (Schwarze Schafe…überall…bla) der alles andere als einfach ist. Also geht immer schön brav hin wenn’s drückt und zwickt. Vielen kann sicher geholfen werden anderen halt nicht. So, das war der political correctness part (aber natürlich ernst gemeint).

Forrest würde sagen: Psychologie ist wie ein Gitterrost. Wenn du fällst ist es da um dich aufzufangen aber manche fallen halt hindurch.
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Stille
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Beitragvon Stille » Mi 9. Apr 2008, 19:14

Hallo Ihr,

ich glaube ich habe fast eine politische Diskussion entfacht. Ich würde die gern mal weiterverfolgen. Da geht es um gesellschaftliche Zwänge, erzieherische Interventionen, angeeignete (falsche Moralvorstellungen) usw. Ich stimme Laura sehr bei und weiß auch, dass Menschen in weitaus widrigeren Umständen viel glücklicher sein können. Natürlich auch umgekehrt. Es klingt manchmal wie ein Hohn, wenn jmd der „alles hat“, mit nichts mehr zufrieden sein kann. Der Mensch braucht ein Ziel, etwas was er erreichen kann. Marc, du kennst das Zitat „wir brauchen doch immer beides, etwas was hungrig und etwas was satt macht“ ;-) Das mit dem ganz unten sein Laura, da könnte viel dran sein. Obwohl ich mir darüber noch nie so Gedanken gemacht habe. Vielleicht ist es das, überhaupt noch etwas zu spüren. Das ist die Flucht vor der Leere. Wenn ich absolut nichts fühle, ist mir der Schmerz lieber.

"Ich glaube, man muss vor sich selbst einfach seine eigene Intimität auszuhalten lernen." .. dieser Satz ist toll. Ich werde ihn mir als „Laura Zitat“ merken. :D

Marc, wir beide wissen doch, dass auch hier einander geholfen werden kann. Ich habe deine Worte nie als leeres Geschwätz gelesen. Sondern als sehr intelligentes Feedback, welches immer leicht ironisch und ein bisschen philosophisch angehaucht ist. Das magst du jetzt bestimmt gar nicht hören, aber auch Komplimente muss man lernen auszuhalten *klugscheiß*. :-P (Bin halt schon therapiegeschädigt ;-)

Meine Thread ist im Prinzip nur Geschwätz. Nicht weil es nicht stimmt was ich sage, sondern weil ich die Probleme dahinter verstecke. Ich benenne sie nicht. Es mag abstrakt klingen, „ich komme mit meiner Schuld nicht mehr zurecht. Aber wenn man z.b. keine Menschen mehr begegnen kann, sie nicht berühren, wenn man sich immer mehr zurückzieht und einsam wird, wenn man öfter das Gefühl aus sich zu gehen und dann keine wirkliche Erinnerung mehr daran hat, wenn man sich ständig die Hände waschen muss, weil man nach allem was man berührt das Gefühl hat schmutzig zu sein, wenn man das Gefühl hat, dass die Menschen einen genau so sehen, dann fällt es schwer weiter so zu leben.

Ja, vielleicht muss ich mir andere Dinge suchen, an denen ich mich halten kann. Ich definiere mich natürlich auch wie viele am beruflichen Erfolg, über Freunde die einem was bedeuten, den Zusammenhalt der Familie. Nur weil ich vieles hinterfrage, bin ich nicht besser, anders, klüger.... Ein querschnittgelähmter kann auch nicht mehr Fußball spielen. Aber so ganz allein ….

Ich grüß euch alle ganz lieb
Danke
Silke
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Oblomow
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Beitragvon Oblomow » Do 10. Apr 2008, 16:26

Stille,

du verdrehst schon wieder was. ;)
Wenn, hab wohl ich einen politischen (klingt so nach Parteiengewürge und damit hat’s ja nix zu tun), besser gesagt gesellschaftlichen Punkt hier reingebracht.
Der ist aber in diesem Fall nicht Diskussionsfähig, es wäre auch fehl am Platz hier. Denn hier geht es um dich und diese Schuldgefühle um ein mangelndes Selbstwertgefühl(?), so hatte ich zwischendurch den Gedanken. Ich fand es aber wichtig diesen Punkt mal anzubringen, denn es geht darum deutlich zu machen, dass man zb. nicht versagt hat, weil man nicht weiterkommt. Das es manchmal einfach nicht hinhaut, egal wie sehr man sich bemüht. Wo wird einem das denn vermittelt? Entweder bist du Gewinner oder Verlierer. Will jetzt nicht wieder abschweifen, denn wie gesagt es geht ja konkret um dich. Aber das ist halt die Problematik die ich häufig sehe. Ich hab dazu den Kopf im Moment voll, gestern das hat bei mir ne ganze Lawine losgetreten. Wenn ich es unterhaltsam in Worte fassen kann, mach ich dazu später nen eigenen Thread auf. Jetzt aber endgültig zu dir:
Stille hat geschrieben: Marc, wir beide wissen doch, dass auch hier einander geholfen werden kann.
Das kommt darauf an, was man unter Hilfe versteht.
Ich sagte ja auch, es ist schön, wenn man hier Zuspruch erfährt oder einfach seine Gedanken mit anderen teilt. Darum geht’s mir eigentlich weniger. Es geht darum was jemandem, ganz konkret, was dir jetzt nachhaltig und grundlegend helfen könnte. Eigentlich müsste ich jetzt hier enden, denn ich weiß ja nichts. Vielleicht hat irgendjemand ne Idee. Wäre ja sonst das Eingeständnis das da nichts geht und das ist das letzte was wir wollen.
Laura hat geschrieben: So wie Du Deine schärfste Richterin bist, kannst Du auch Deine fürsorglichste Freundin sein, allmählich Deinen Seelenfrieden wachsen lassen, vor Dir selbst gerade stehen.
Das klingt gut aber wie funktioniert es praktisch? Wenn das Selbstbild so verschoben ist wie bei Stille, ist es ihr doch unmöglich sich selber eine fürsorgliche Freundin zu sein. Die Frage ist also, wie kommt sie dahin? Schwierig oder? Die Standardantwort wäre, ne Therapie wirds schon richten, das war aber bisher leider nicht der Fall. :roll:
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Beitragvon Laura » Do 10. Apr 2008, 20:21

Hallo Marc!

Für den Seelenfrieden gibt es keine Anleitung, man kann einem anderen nur Impulse geben, auch den Impuls zur Geduld, zum Wachsenlassen. Jemandem zu suggerieren, es sei ja doch aussichtslos und als hätte bisher nichts gefruchtet, halte ich für kontraproduktiv.

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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Beitragvon Oblomow » Do 10. Apr 2008, 22:48

Also ich denke nicht das ich jemandem was suggeriere.
Wenn das so ausgelegt wird, kann ichs auch nicht ändern.
Meine Frage war eindeutig eine andere.

Aber ich denk ich verstehs auch so.

Gruß
Oblomow
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Beitragvon Stille » Fr 11. Apr 2008, 14:22

Keine Angst, es schafft eh niemand mir irgendwas zu suggerieren. Sonst wäre vielleicht meine Therapie auch erfolgreicher.;-)

Marc, natürlich ist das hier Hilfe. Also nicht nur hier, sondern ich meine das gesamte Medium. Ich kann mir schwer vorstellen, dass ich ohne, je aus meinem Schneckenhaus herausgekommen wäre und das hat nicht erst mit dem Forum hier angefangen. Man kann natürlich hier keine "professionelle" Hilfe erwarten, wie auch immer die aussehen mag. Darauf kommt es auch gar nicht an. Wichtig ist doch, dass es Menschen gibt die einen verstehen, denen es vielleicht ähnlich geht und man sich dadurch nicht so allein in seinem Käfig fühlt und die einfach nur da sind, wenn man jmd braucht. Es ist doch gar nicht wichtig immer richtig zu reagieren oder die richtigen Worte zu finden. Wichtig ist allein der Gedanke, das Interesse.


Liebe Grüße
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Beitragvon Laura » Fr 11. Apr 2008, 20:59

Hallo Marc!

Ich wollte Dir keinesfalls einen bösen Willen unterstellen und dass Du Stille hier runterziehen willst, aber Aussagen wie diese:
Oblomow hat geschrieben:Wenn das Selbstbild so verschoben ist wie bei Stille, ist es ihr doch unmöglich sich selber eine fürsorgliche Freundin zu sein
halte ich nicht gerade für aufbauend. Was nicht ist, kann ja noch werden. Woher willst Du wissen, dass es für Stille völlig unmöglich ist, sich selbst eine Freundin zu werden? Wie sie dahin kommt, mögen die Götter wissen und ich glaube auch nicht, dass sie sich da eine konkrete Antwort erhofft hat, also, dass ihr jemand sagt, wo es für sie langzugehen hat. Dein Beitrag wirkt auf mich nur ein wenig wie: Komm, lass es, lohnt sich nicht, gib Dich zufrieden. Auch dass Du Stille ausreden willst, dass dieses Forum eine Hilfe ist, in welcher Form auch immer, finde ich nicht o. k. Wenn sie es so empfindet, wird es schon so sein und mit der Meinung steht sie sicher nicht alleine da.

Ich denke nicht, dass Stille oder auch nur irgend jemand von diesem Forum erwartet, dass man den Stein der Weisen in die Hand gelegt bekommt und auf einmal ist alles so, wie man es sich wünscht. Aber wenn man nicht viel für einen anderen tun kann, obwohl man gerne würde, so kann wenigstens Abstand davon nehmen, ihn in seinem Pessismus zu bestätigen. Wenn ich mich an manchen Tagen sehr schlecht fühle, dann möchte ich auch nicht, dass mir jemand vermittelt: Ja, aber so ist das Leben nun mal, eben schlecht. So eine Aussage oder Erkenntnis kann ich an besseren Tagen ertragen, aber nicht, wenn ich am Boden bin.

Viele Grüße

Laura
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