Facharbeit über Neuroleptika

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Mariana
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Beitragvon Mariana » Fr 4. Jan 2008, 19:52

hallo helene,

das klingt wirklich nicht sehr zufriedenstellend, kann ich mir gut vorstellen, dass du die medikamente gerne wegschmeißen würdest.

nach meiner ausbildung und längerer zeit arbeiten habe ich mich entschieden mein abitur nachzuholen, um zu studieren, vermutlich im bereich neurobiologie. eine fünfte prüfungskomponente ist die verfassung einer selbstständigen wissenschaftlichen arbeit. hierfür wählte ich mein schon erwähntes thema, weil ich nicht wie alle anderen irgendein thema wählen wollte wie z.b. stammzellenforschung oder ähnliches... suchte ich mir ein thema aus, was mich persönlich interessiert und über das ich mehr erfahren möchte. ich bin auch der meinung, dass viele nichtbetroffene, menschen viel zu häufig aus unwissenheit witze über derartige symptome machen und im prinzip gar nicht genau wissen, worüber sie da reden. dies ist ein weiterer grund warum ich mich entschied über psychosen und behandlungen zu schreiben.
Das Leben war trübe und Dollar hat ich keine, da traf ich auf der Straße einen Mann ohne Beine.

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Feuerchen
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Beitragvon Feuerchen » Fr 4. Jan 2008, 21:54

Hallo Mariana,
die erste Zeit in der Tagesklinik hab ich die gängigen Programme mitgemacht sprich Ergotherapie, Kunsttherapie, Frauengespräch, Rollenspiel, Gruppengespräch, gemeinsames Kochen etc. ´Dazu hatte ich einmal in der Woche ein Arztgespräch (Wahrscheinlich supportive Psychotherapie.....man erzählt von seinen Problemen, der Arzt hält sich weitestgehend zurück) und 1 mal pro Woche die Visite da gings um die Medies und die Stabilität hauptsächlich.
Als ich dann entlassen wurde, hatte ich zuerst jede Woche dann alle 2 Wochen später jede 3. bis 4. Woche ein Arztgespräch. Begleitend ging ich mal anfangs noch in die Ergotherapie. Nachdem ich immer wieder unter starken Depressionen mit Suizidgedanken litt, sowie Unruhe und Spannungszustände hatte, kam ich ambulant dann in eine DBT - Gruppe (Dialekisch-Behaviorale -Therapie = Verhaltenstherapie) für insgesamt 1 Jahr. Nachdem Medis umgestellt und reduziert wurden, und ich die Tipps aus der Verhaltenstherapie anwandte wurden die Unruhe und Spannungszustände weniger.
Aber nun herrscht ein Millieu der Antrieslosigkeit, vielfach Freudlosigkeit, Leistungsverlust, sowie eine gewisse Gleichgültigkeit den Dingen gegenüber, vor....Um dieser eher depressiven Komponente zu begegnen hatte ich ein zeítlang Kunsttherapie einzeln. Vor Weihnachten war mir das dann alles zu viel, weswegen ich eine Pause eingelegt habe. Außerdem hab ich ein Angebot von der Klinik bekommen ,1 mal pro Woche als schöne Nebenbeschäftigung (das schöne im Leben finden und sehen.....) und zum Kontakte finden, die offene Acrylmalgruppe ,zu besuchen. Ich war dort schon ein paar mal, meistens bekomme ich das aber mit meiner Antriebslosigkeit nicht auf die Reihe.
(Ich muß ca 40 Minuten mit dem Auto zur Klinik fahren)
Als ich einmal wegen einer Magendarmgrippe meine Medis weggelassen hatte, konnte ich fast zwei Wochen lang fast nichts essen und trinken. Ich war zig mal beim Hausarzt und nichts schien zu helfen. Bis der draufkam, dass ich meine Psychopharmaka weggelassen hatte. Ich war total depressiv und mußte ständig würgen und mich übergeben. Als ich die Tbl wieder nahm gab sich das innerhalb von ca 2 Tagen, sodass ich wieder zur Arbeit gehen konnte (Übelkeit und Erbrechen steht als Nebenwirkung in der Packungsbeilage bei zu abruptem Abbrechen)
Das wollte ich noch anfügen

Hoffe das hilft Dir weiter
Liebe Grüße
Feuerchen :)

feliksa
Beiträge: 22
Registriert: So 29. Jan 2006, 22:35

erfahrung mit neuroleptika

Beitragvon feliksa » Sa 5. Jan 2008, 02:26

hallo mariana,

meine Erfahrungen mit Neuroleptika waren sehr unterschiedlich. Habe insgesamt drei verschiedene ausprobiert. Zunächst wurde mir Risperdal verordnet, was glaube ich zu den älteren, typischen Neurolptika zählt. Dieses habe ich sehr schlecht vertragen und schon nach einer Woche etwa starke EPM´s bekommen.

Müsste jetzt nachschlagen wie der Fachbegriff ausgeschrieben wird, gehe aber davon aus das er dir etwas sagt...

Dies äußerte sich bei mir in der Form, dass ich mir nicht mal die Haare kämmen konnte, geschweige den die Zähne putzen noch die Nase, da ich kaum noch Gefühl in den Armen hatte und schon gar keine Kraft mehr besaß. Meine Gehweise entsprach auch einem Patienten, welcher chronische EPM Schäden davon getragen hatte. Meine Familie und meine Freunde waren sehr geschockt als sie mich in diesem Zustand erlebt hatten. Ich selbst habe es aber kaum wahr genommen, da ich dermassen sediert war durch die Medis. Ich fühlte nur, dass irgendetwas nicht stimmte.

Leider habe ich in der Psychiatrie, welche mir diese Medis verordnete sehr negative Erfahrungen machen müssen, da mir kein Arzt Akineton (Medikament gegen besagte Nebenwirkungen) verschreiben wollte und auch nicht das Medikament wechseln...

Aus diesen besagten Gründen wechselte ich kurzerhand die Klinik und dort wurde mir dann auch sofort Zyprexa verabreicht. Das habe ich auch noch am besten vertragen. Bis auf die schnelle Gewichtszunahme, hatte ich keinerlei Nebenwirkungen.

Habe dann aus vielleicht "falscher Eitelkeit" auf Abilify umgestellt, da ich gehört hatte, dass man mit diesem Medikament weniger mit den Pfunden zu kämpfen hat. Zumindest ist mein Gewicht stagniert, wobei ich mittlerweile nach vier jähriger Einnahme doch noch mal mindestens fünf bis zehn Kilo zugenommen habe. Habe keine Wagge zu hause weiß es deshalb nicht genau, ist nur gefühlt. (Mag aber auch an meinem leidenschaftlichem Essverhalten liegen ;-)

Nach der Einnahme von Abilify habe ich nach mehreren Monaten Augenprobleme bekommen. Auch wieder EPM´s, aber nur auf die Augen bezogen. Dies äußert sich dadurch, dass ich Blickkrämpfe bekomme. Ich kann in so einer Situation nur nach oben schauen und es schmerzt nach einiger Zeit oder ist zumindest sehr unangenehm. Da hilft nur Schlafen oder Akineton konsumieren, wobei dies auch erst nach frühstens einer halben Stunde wirkt oder auch gar nicht. Außerdem führt Akineton bei mir zu Verdauungsstörungen, sprich Durchfall.

Zum Glück kommen diese Blickkrämpfe nicht all zu häufig vor, da ich entweder mit Akineton vorbeuge etwa einmal die Woche, wenn ich nachts arbeiten gehen muss...
Wenn ich kein Akineton konsumieren muss (aufgrund der Arbeit) kommt es alle eins zwei Wochen vielleicht einmal vor. Außer ich habe viel Streß, dann kann es auch häufiger sein.

Es ist aber nicht sicher, ob diese Nebenwirkung nicht vielleicht doch auch bei Zyprexa aufgetreten wäre, welches ich nur ein halbes Jahr konsumiert habe. Deshalb bleibe ich jetzt bei Abilify...

Mit der anfänglichen Müdigkeit, komme ich mittlerweile gut zurecht und glaube auch das sie nicht mehr so extrem ist, wie zu Beginn der Behandlung.

Die Antriebslosigkeit und einhergehende depressive Stimmung ist schon ein sehr viel schwierigeres Thema ...
Ich kann nur für mich sprechen. Meiner Meinung nach ist sie eine mögliche Mischung aus den Wirkungen der Neuroleptika, eine Nachwirkung der Psychose, aber auch eine selbsterfüllende Prophezeiung. Mit letzterem meine ich, dass zumindest mein gemindertes Selbstbewußtsein durch die Erkrankung und negative Selbsteinschätzungen bei diversen Rückschlägen mich zu einem Menschen gemacht haben, der die Außenwelt um einiges negativer wahrnimmt. Die vorherige Leichtigkeit und Sorglosigkeit ist einfach verschwunden. Die Erkrankung sitzt einfach in meinem Kopf fest und macht mir auf ihre Art und Weise Angst, da sie ja vielleicht wiederkehren könnte???
Ich erwische mich dabei, dass ich mich gedanklich selbst in diese depressive Antriebslosigkeit steigere, so dass ich nicht ausschliesslich den Medis die Schuld geben würde.

Merke auch oft, dass ich mich selbst etwas auf der Krankheit ausruhe, sprich gerne alles was falsch läuft, wird auf die Krankheit geschoben. Es ist so ein kleiner Teufelskreis.

Ich glaube nicht, dass ich einen extremen Persönlichkeitsverlust erlitten habe. Aber doch sind die Tage nicht mehr so unbeschwert und sorglos wie früher. Aber es hinterläßt schon seine Spuren, es kratzt eben sehr am Ego, dass man nicht "normal "ist, sondern in irgendeiner Weise auffällig und eben nicht mehr konform mit anderen ist.

Wobei die Medis schon auch eine gefühlsmindernde Wirkung erzeugen. Die Höhen sind nicht mehr himmelhoch und die Tiefen nicht mehr abgrundartig, doch ich glaube dies ist auch medizinisch beabsichtigt oder eben eine Nebenwirkung. Ich kann zum Beispiel sehr schlecht meinen Gefühlen freien Lauf lassen, dass heißt hemmungslos weinen, was ja auch sehr befreiend sein kann, zumindest für mich. Früher war ich extrem nah am Wasser gebaut, wie man so schön sagt. Und so herzhafte Freude spüre ich auch nur noch selten. Es fühlt sich schon alles etwas künstlich gemindert an.

So bevor ich dich hier noch weiter zutexte, höre ich lieber mal auf.

Falls du noch Fragen hast, kannst du sie gerne stellen auch per PN.

Würde mich wahnsinnig drüber freuen, deine Facharbeit irgendwie lesen zu können.

Grüße feliksa

Mariana
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Beitragvon Mariana » Sa 5. Jan 2008, 16:27

@ feliksa @ deepnight

danke für eure ausführlichen berichte.

@ rumpelstilzchen

deine links waren sehr interessant, werde einiges daraus sicher entnehmen. ich glaube zu deiner persönlichen geschichte hast du auf der website schon das passende formuliert - wer die hintergründe nicht kennt, könnte meinen es handelt sich hier um eine böse satire. mir ist dennoch unerklärlich wie so etwas einfach seinen lauf nehmen kann.
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Feuerchen
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Beitragvon Feuerchen » Sa 5. Jan 2008, 21:58

Liebe Mariana,

mich würde interessieren, ob du mein letztes posting gelesen hast. Sagen dir die alternativen Therapien was? :?:
Mir ist auch eingefallen, dass ich beim Heilpraktiker war, der mir empfohlen hatte, Johanniskraut begleitend zu nehmen.
Ich habe das mit meinem Arzt besprochen, der mir aber davon abgeraten hatte, weil sich dieses nicht mit meinen Psychopharmakas vertragen würde.

Hoffe auf Antwort
Liebe Grüße
Feuerchen :)

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Feuerchen
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Beitragvon Feuerchen » Di 8. Jan 2008, 20:07

Hallo Mariana,
mich ärgert, dass der Kontakt nun einfach so abbricht und man gar nicht weiß, wie es bei dir weiterläuft. :cry:
Außerdem weiß ich nicht, ob du die letzten Äußerungen auch verwerten konntest. Das hätte mich nämlich auch interessiert. :???:
Liebe Grüße
Feuerchen

wurzel
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Beitragvon wurzel » Mo 14. Jan 2008, 06:56

Hallo Rumpelstilzchen,

ich hoffe ich überfall Dich nicht :roll:

hab versucht Dir gerade eine pn zu schicken, doch leider ohne Erfolg..
Den Teil Deiner Krankenakte habe ich gerade gelesen, und mich würde interessieren, wie Du da rangekommen bist. Nach meinem Klinikaufenthalt hatte ich große Gedächtnislücken und dadurch auch eine grosse Unsicherheit. Das Interesse ist groß den Inthalt meiner Akte zu lesen. Kannst Du mir sagen wie ich da rankommen könnte?
Hoffe auf eine Antwort
Lieben Gruß
Wurzel

wurzel
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Beitragvon wurzel » Mi 16. Jan 2008, 00:12

Hallo Rumpelstilzchen,

vielen Dank für die ausführlichen Informationen, die werden mir bestimmt sehr nützlich sein!! Bin noch am Überlegen, wie ich weiter vorgehen werde.
Wünsche Dir alles Gute!
Liebe Grüße
Wurzel

Paradiesvogel
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Beitragvon Paradiesvogel » Fr 18. Jan 2008, 22:24

hast du jetzt genügend stoff für deine arbeit gefunden oder bist du an noch mehr erfahrungsberichten interessiert, mariana?

gruß vom paradiesvogel


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