Karriere von einer Unperson zu einer Person

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MarvinS
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Karriere von einer Unperson zu einer Person

Beitragvon MarvinS » Mo 20. Aug 2007, 17:03

Hallo zusammen,

ich habe neue Erkenntnisse in der Therapie gewonnen und total das Bedürfnis, darüber zu schreiben, hoffe nur, es ist nicht wieder so durcheinander.

Thema der Therapiestunde war mal wieder mein Sinnlosigkeitsgefühl und mein Gefühl des "Alleinseins", das ich eigentlich permanent habe, egal, mit wem ich zusammen bin.
Die Dastellung der Therapeutin hat mich sehr überzeugt: sie führt dieses Alleinseinsgefühl und "Verlassenheitsgefphl" u. a. darauf zurück, dass ich quasi oft als eine Art "Unperson" gesehen werde: damit ist gemeint, dass ich für viele Menschen eher eine Funktion als eine Person darstelle: meistens bin ich in der Funktion des Zuhörers, nur wenige nehmen meinen Bedürfnisse wahr - einschließlich ich selbst nicht (ich fröne - wie man ja in anderen Threads sieht - sogar fast eine Art "Bedürfnislosigkeitskult", möchte auf keinen Fall von irgendjemandem abhängig werden, auf keinen Fall zu viele Ansprüche haben, mich auf keinen Fall an irgendjemanden zu eng binden).

Daraus resultiert letztendlich ein Gefühl der Leere: ich nehme mich selbst nicht wahr (bin quasi manchmal "eigenschaftslos"), sondern "fungiere" nur für bestimmte Zwecke: dafür, zuzuhören, dafür, zu arbeiten, dafür, das Leben sukzessiv als eine Aneinanderreihung von Problemen und Pflichten "abzuhaken" - sogar Freunde zu treffen betrachte ich meist als Pflicht, für sie da zu sein und ihnen etwas zu "bieten" - und das bis zu einem Punkt völliger Erschöpfung, weil ich mir nicht eingesehen kann, wo die Grenzen sind, wann man ausgenutzt wird und wann nicht.

Die Therapeutin hat meinen Wunsch, den ich oft habe, den Wunsch, nicht mehr da zu sein und einfach "weg" zu sein, übersetzt als den Wunschen, von einer Unperson zu einer Person zu avancieren unter der Voraussetzung, trotzdem noch anerkannt zu werden bzw wohl eher: wirklich anerkannt zu werden.
Damit ist gemeint: Ich möchte nicht mehr als eigenschaftslose "Rolle" existieren, sondern mehr von mir zeigen, überhaupt etwas von mir zeigen, mich nicht mehr verstecken, nicht mehr immer so tun, als wäre ich nach außen hin stark, obwohl ich nach innen hin total schwach bin.

Es ist schon etwas beängstigend, dass ich eigentlich meine Kindheit und auch die weiteren Jahre als eine Art Silhouette gelebt habe oder eine Hülle, die von anderen Menschen beliebig aufzufüllen ist.

Trotzdem: ich Moment freue ich mich eher, freue mich, mich selbst mehr wahrzunehmen und auch so das erste Mal nach so langer Zeit das Gefühl zu haben, von anderen wirklich wahrgenommen zu werden. Gestern hat eine Freundin bei mir übernachtet, ich habe ihr mehr erzählt, als ich sonst jemals jemandem, der mich kennt, erzählen würde, weil ich dann ein schlechtes Gewissen hätte - und ich habe gemerkt, dass sie sich dadurch gar nicht belastet gegühlt hat, im Gegenteil, sie hat sich über das Vertrauen gefreut und mich verstanden.

Mein nächstes Problem ist nun: Ich habe auch durch die Therapie jetzt das zwingende Bedürfnis (!) zu einer Person zu werden, über mich zu reden, mein Leben anzunehmen und zu mögen, ich möchte es mögen, nicht mehr ablehnen.
Nun stehe ich aber vor dem Problem, dass man nicht von einem Tag zum anderen zu einer festen Persönlichkeit wird, die sich selbst akzeptiert und vor anderen so zeigt wie sie ist...

Liebe Grüße
Marvin

Luka
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Beitragvon Luka » Mo 20. Aug 2007, 19:47

Hallo Marvin,

ich finde, Du hast schon einen riesigen Schritt gemacht, indem Du mittlerweilen den Wunsch hast, diese Bedürfnislosigkeit abzuschütteln, und Dich selbst als eigenständige und selbstbestimmte Persönlichkeit zu entdecken.
Verständlich, daß es Dich nun drängt, all dies auf einmal nachzuholen, was Dir gefehlt hat. Von heut auf morgen wird das sicherlich nicht gehen können, wenn man eine so lange Zeit ein völlig gegensätzliches Leben geführt und sich mit der Bedürfnislosigkeit eingerichtet hat. Es wird sicher ein längerer Lernprozess werden, könnte ich mir vorstellen, der vor Dir liegt.

Ein damaliger Kommunikationslehre-Professor von mir sagte dazu einmal, "man könne erst etwas bekommen, wenn man zuvor etwas anderes losgelassen hat". Damit man Platz hat für das Neue, mit dem man sein Leben füllen möchte.

Ich wünsche Dir viel Erfolg und alles Gute beim Loslassen alter Gewohnheiten und eingefahrenen Handlungs- und Denkmustern und viele schöne und tolle Erfahrungen beim Erkennen Deiner Persönlichkeit und Deines Selbstbewustseins.

Alles Liebe,

Luka

Jackie
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HI ROD

Beitragvon Jackie » Di 21. Aug 2007, 08:17

Rod, Du bist einsame Spitze. Ich bin sehr stolz auf Dich!!! :lol: Du machst das sehr gut.

Bis bald, viele Grüße - Jackie :D

MarvinS
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...

Beitragvon MarvinS » Di 21. Aug 2007, 15:17

Hallo Luka und Roddik...

ja, im Moment ist es wirklich eine Art "Durchbruch" und so erstaunlich, dass das nur durch eine einzige Therapiestunde so gekommen ist... so genau verstehe ich selbst noch nicht.

Im Moment schwanke ich von dem einen Extrem ins andere: so lange habe ich nur gearbeitet und gearbeitet und gearbeitet, bin vor mir selbst weggelaufen wegen dieses ständigen Strebens nach Bedürfnislosigkeit...
Ich denke sogar darüber nach meinen Hilfskraftsjob an der Uni aufzugeben, weil das totale Ausnutzerei ist: über 12 Stunden arbeiten, dann noch viel dafür lesen und nur für 8 Stunden bezahlt werden, als ob ich zum Spaß arbeiten würde oder zu viel Zeit hätte (denn was ich da mache, interessiert mich nichtmals wirklich) ... ich hätt gern mehr Zeit, um einfach mal was Positives für sich zu tun.
"man könne erst etwas bekommen, wenn man zuvor etwas anderes losgelassen hat".
Mmh, da ist was dran, man muss alte Gewohnheiten loslassen, um sich dem Neuen zuzuwenden und nicht mehr immer wieder zurückgezogen zu werden oder um nicht auf der Stelle zu treten.

Gruß
Marvin

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Laura
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Beitragvon Laura » Mi 22. Aug 2007, 15:52

Hi Marvin!

Herzlichen Glückwunsch! Du bist sicher auf dem richtigen Weg. Die erste Hürde wäre geschafft und die ist ja gemeinhin die schwierigste. Du wirst Deine Erkenntnis sicher nach und nach umsetzen können!

Liebe Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

MarvinS
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...

Beitragvon MarvinS » Do 23. Aug 2007, 14:31

Hallo Laura, hi Wolfgang

@Laura: Danke für deine Wünsche, meine anfängliche Euphorie hat sich zwar schon wieder etwas verflüchtigt, ich glaube dennoch auch, dass ich eine ziemlich große Hürde überwunden habe.

@Wolfgang
Ich mag deine dummen Sätze übrigens sehr gerne, denn ich finde, du hast mich total verstanden :)
Daß du dein Herz bei deiner Freundin ausgeschüttet hast wäre sozusagen ein plus auf dieser Skala und wie man zu einer „Person“ wird sollte man glaube ich genau solche „Übungsaufgaben“ machen. Sag ich mal so. Vieleicht sollte man im Leben wirklich so auftreten: „Ich rede von meinen Gefühlen zuerst und dann bist du erst dran.“ Kennt man ja den Slogan: „Die Kunst ein Egoist zu sein“. Bei solchen Sätzen läuft bei mir immer „brainstorming“ im Kopf ab und wie wärs wenn du bei der Therapeutin das nächste mal die Füße auf den Tisch legst und sie fragst ob sie eine Zigarette hat. Ich glaub da liegt der Punkt.
Ja, genau da liegt auch der Punkt. Ich kann unheimlich schlecht ausdrücken, was ich mir wünsche, auch wenn ich es oft weiß - ich kann mir selbst dieses Recht noch nicht nehmen. Ich denke innerlich oft "Ich ertrage das schon, egal, was ist" und es ist irgendwie total neu, dass ich von meiner Seite aus die Initiative ergreife und sage: ich MÖCHTE dies oder ich MÖCHTE das.
Im Moment ist es eher in einem Stadium des "Experimentierens" .Zum Beispiel am Dienstag: eine Freundin hat mir den Rücken massiert und mir gefiel das einfach nicht - ich habe es ihr einfach so gesagt, was ich sonst niemals tun würde. Sie fand es völlig ok, hat es akzeptiert und ich hab mich dann einfach so an sie angelehnt, was genauso schön auch für sie war - und vor allem wirklich schön, weil ich es auch wollte - und das war wiederum ein neues Gefühl.

Ich muss nur aufpassen, dass ich mich nicht abrupt zu sehr verändere, denn das könnte unglaubwürdig wirken, wenn ich mich von einem TAg zum anderen von einem "Jemand" zu einer wirklichen Persönlichkeit entfalte (was auch unmöglich ist, dafür "weiß" ich zu wenig, was ich will) Dennoch ist dadurch einiges von meinem Verhalten mittlerweile fast undenkbar: mit manchen Leuten werde ich mich wohl nicht mehr /seltener treffen, weil ich für sie sowieso nur eine Rolle spiele und als solche schlichtweg ersetzbar und nich wichtig bin: wenn ich es nicht wäre, wäre es irgendjemand anderers, denn sie kennen mich nicht.
Keine Ahnung ob daß was ich schreibe Blödsinn ist, weil einer der immer von sich spricht wird ja als Egoist abgetan, aber hier gilt es ja erst einmal zu er-lernen sich überhaupt zu er-wähnen
Ja genau, es geht darum, sich selbst das Recht zu geben, da zu sein und Bedürfnisse zu haben.
„eine Persönlichkeit hat man, wenn man nicht zuhause aufräumt, obwohl Frau Saubermann zu Besuch kommt“. Mehr stand da nicht und mehr mußte da auch nicht stehen um zu verstehen worum es bei Persönlichkeit geht. Das heißt du wärst in dem Fall keine Unperson wenn du nicht aufräumst sondern eine Person die ihr ICH zeigt! Beim dritten Termin beim Psychologen habe ich ihm übrigens Prospekt von Saunas mitgebracht und seine Praxis vermessen. Derweil hat er irgendwas auf Zettel notiert (wahrscheinlich schizoide Psychose) worauf ich ihm sagte daß sobald die Sauna steht
Deine Selbstironie ist manchmal bemerkenswert und die Idee mit der Sauna ist gut, ich werd meine Therapeutin diesbezüglich auch mal fragen... vielleicht auch noch ein Swimmingpool im Vorgarten :)
Ich denke: eine Persönlichkeit hat man dann, sobald man es schafft, mit seinem Umfeld zu interagieren ansatt "mitgeschwemmt" zu werden, wenn man in einem Meer ist und das Gefühl hat, auf den Wellen gleiten zu können,aber zugleich auch noch Boden unter den Füßen zu spüren. Ich glaub, ich bin im Moment in der Phase, dass ich gemerkt habe, dass es überhaupt so etwas wie einen Boden geben könnte :)

Viele Grüße

Marvin

MarvinS
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Beitragvon MarvinS » Mo 27. Aug 2007, 21:15

Hallo zusammen,

danke erst mal für eure Antworten :-) ... ich weiß, das klingt etwas paradox: aber wann immer sich jemand mit mir und meinen Gedanken auseinandersetzt, bekomme ich so ein schlechtes Gewissen, dass ich mir am liebsten 100 Stunden dessen Probleme anhören würde oder mich am liebsten bedanken würde und dann denjenigen nicht mehr wiedersehen, um nicht das Gefühl zu haben, zu viel zu "bekommen"... schon ein ziemlich abwegiges Denken... aber ich arbeite im Moment an meinen Schuldgefühlen im Sinne von "Excuse me for living", wie Laura einmal meinte - denn das ist genau das, was ich so oft fühle - und deshalb antworte ich jetzt einfach besonders ausführlich, und zwar schon nach kurzer Zeit - weil ich mich manchmal fast über die Schuldgefühle ärgere -... ich glaube, in der Psychologie nennt man das "Reaktanz".

@Wolfgang
meiner hatte übrigens einen Swimmingpool im Garten darum verstand ich ja auch nicht warum nicht noch ne Sauna da war. Es gibt ja auch Winter und deinen „Sonnen-Slogan“ sehe ich ja jetzt erst!!!! Ich laß meinen löschen weil meiner ist ja viel zu „klinisch“ und erinnert vor allem an diesen Watzlawick und eben nicht an Sonne. Nach wie vor liebe ich ja „symbolische Sprache“ (thats my job) und diese Bilder im Kopf (Frau Saubermann) machen Dinge ja verständlicher als von Unpersonen und Personen zu reden.
Ich mag auch sehr gerne symbolische oder metaphorische Sprache, vor allem poetische Sprache... leider wird man durch ein wissenschaftliches Studium da aber schon sehr "gebremst". Wolfgang, wenn du mal ein richtig schönes, psychologisches Buch lesen möchtest, dann suche vor allem bei amerikanischen Psychologen, zum Beispiel Aronson "Sozialpsychologie" - das ist so leicht verständlich, berührend und bewegend geschrieben und alles andere als trocken. Forschungsberichte sind aber leider immer zwangsweise "trocken", hängt wohl vor allem mit dem wissenschaftlichen Gütekriterien der Einfachheit, Objektivität, intersubjektiven Vergleichbarkeit usw. zusammen.

Aber Vorsicht (!) in der Geschichte der Kündigungen: „vieleicht teilst du dir bei deinen Freunden deine Rolle ja selbst zu???“. Das ist so ein Punkt generell, was wie gesagt mit diesen „Spiegelungen“ zu tun hat. Dabei geht es weniger darum daß du eine „Rolle“ denen vorspielst - sondern darum daß du selbst eine Rolle spielst - wo sozusagen in der Interaktion die anderen evtl. dann mitspielen können. Anm: „Oh Herrgott gib mir tausend Seiten um das zu erklären.“
Ich glaube, ich weiß genau, was du meinst. Eine Rolle ist nicht immer etwas, in das man "hineingedrängt" wird, oft "begibt" man sich in diese Rolle, ob man es will oder nicht, ob es einem bewusst ist oder nicht, vielleicht ist es oft sogar eine Art "Automatismus", jedenfalls trägt man selbst dazu bei.
Im Moment sehe ich mein eigenes Verhalten ein bisschen in Analogie zum wissenschaftlichen Experiment, um mal ein bisschen die Grenzen zwischen Wissenschaft und Leben zu sprengen :-) Ich versuche bewusst, die unabhängigen Variablen, also mein eigenes Verhalten, zu variieren und schaue, was als abhängige Variable (wie komme ich bei anderen dann an? ) ankommt. Störvariablen werden aber nicht kontrolliert :-)
Nein, im Ernst: da ich ja keine wirkliche Persönlichkeit habe, teste ich im Moment aus, wie ich mich wann und mit welchem Verhalten fühle und wie es auf andere "wirkt", d. h. ich selbst versuche schon aktiv etwas dazu beizutragen, wie meine "Rolle" aussieht, auch wenn ich mich manchmal dabei erwische, wie automatisch eher nur andere "verstehen" zu wollen als wirklich selbst irgendetwas überhaupt zu wollen, am liebsten würde ich mich dann in Luft auflösen, weil ich denke, das wäre eine Wohltat für die Menschheit. Vielleicht kommen daher auch die "Existenzschuldgefühle", wenn man sich selbst nicht erlaubt, etwas zu wollen, erlaubt man sich selbst nicht zu existieren - wenn man vor sich selbst etwas wollen darf, dann darf man auch sein. Mal sehen, vielleicht erlaub ich mir in der nächsten Zeit das "Wollen" wirklich so lange, bis ich Flügel habe und mir alles um mich herum egal ist.

[Soviel zur Theorie der „Malbouro-Schachtel“ weil steht man nicht fest, sieht nicht weit und handelt nicht, kann (!) ja keiner „mitgehen“. Hah... und mein Psychiater wollte einfach nicht mit in die Sauna!!!! Das heißt ich wollte handeln aber der wollte nicht „mitspielen“ obwohl er ja selbst am besten weis daß die Neuronen im Gehirn da besser entspannen als auf so einem „Verhörstuhl“
Aber was macht man, wenn die anderen nicht mitspielen? Ich denke, es ist ja auch erst einmal eine Barriere da: wenn man sich immer chamäleonartig angepasst hat, wird das von anderen auch "eingeplant" und sie müssen erst umdisponieren und überhaupt einplanen, dass man selbst auch irgendetwas wollen könnte.

„Wo kannst du dir vorstellen daß du etwas „spiegelst“ worin du dich erkennst?“ Das ist der Punkt und der Punkt betrifft jeden von uns! Deswegen finde ich deinen Slogan ja so genial!
Ich weiß nicht, ob ich das wirklich verstehe... was glaubst du, spiegle ich denn? Würde mich interessieren :-)
Symbolsprache muß Fonagy übrigens noch lernen: „auf den Wellen gleiten und den Boden spüren!“ Wo hast du daß denn her????? Sorry wenns jetzt doch länger wird aber du weist ja „brainstorming“. Auf dem Buch „Cognitiv Dissonanz“ liegt ein Junge im Schwimmbad auf dem 10 Meter Brett und schaut ängstlich in die Tiefe: „soll ich oder soll ich nicht springen“.
Weiß nicht, woher ichs habe, irgendwie finde ich den Vergleich Fluss-Leben generell so schön und kann mich besonders damit identifizieren, weil ich allzu lang immer das Gefühl hatte, immer nur mit der Strömung mittreiben zu wollen: ich wollte Harmonie, Frieden und vor allem, dass alle glücklich sind... und habe erst jetzt zunehmend gemerkt, wie sehr man sich selbst dadurch verlieren kann... wie in einem Wellenspiel - bis man selbst nicht mehr weiß, wer man ist und wo der eigene Weg hinführen könnte.
Leben üben..... sag ich da nur... und man muß ja nicht gleich vom 10 Meter Brett springen! Die Sonne scheint ja auch weiter unten! Hah... und wieso lehnst du eigentlich eine Massage ab?


Mmh, ich hab keinen Grund, ich mach halt einfach, was ich möchte :-)

@Lina
manchmal sind wir Menschen wie diese Computer. Alles mögliche wird auf der Festplatte gespeichert.
Irgendwann merken wir, sie ist übervoll und unser Compi sagt, es kann nichts Neues mehr gespeichert werden. Allso fangen wir an zu suchen, was weg kann
Ja, ich denke nur, vor der Löschung muss man sich trotzdem noch einmal mit den gespeicherten Inhalten auseinandersetzen, auch wenn`s schwer ist.

Liebe Grüße an euch und ein bisschen Sonne :-)

Marvin

MarvinS
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Hi Roddick,

Beitragvon MarvinS » Mo 3. Sep 2007, 12:03

für mich ist eine "Unperson" jemand, der ausschließlich in irgendeiner (zum Beispiel sozialen) Funktion ist und dort nicht als Mensch mit Eigenschaften und Gedanken wahrgenommen wird. Ein Beispiel: Wenn du zu einem Therapeuten gehst, gehst du nicht dort hin, weil du an ihm als Individuum interessiert bist, sondern weil du Hilfe brauchst /jemanden zum Reden brauchst - im Prinzip irgendjemanden.

Und genauso fühle ich mich oft, ich bin "jemand zum Reden" oder "Zuhörer" aber nicht wirklich ein Mensch, auf den man eingeht usw... das Wort Unperson könnte man also ganz gut durch "Irgendjemand" ersetzen.

Hoffe, es ist klar, was ich meine :-)

Liebe Grüße
Marvin

hotspot1932
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Beitragvon hotspot1932 » Mo 3. Sep 2007, 22:07

Hallo Marvin,

Habe Deinen Thread etwas überflogen, finde es aber sehr gut, was Du geschafft hast. Nun wollte ich auch noch meinen Senf dazu geben.

Besonders am Ende hat mich Deine Beschreibung der "Unperson" ins Auge gestochen. Du wolltest bis jetzt eventuellen Konflikten aus dem Weg gehen und hast deshalb ganz genau hingehört, wie Du Dich zu verhalten hast, damit der Frieden in einer Gruppe erhalten bleibt. Darauf hin hast Du Dich verloren und konntest gar nicht mehr spüren, was Du eigentlich möchtest.

Das tue ich auch sehr oft so, aber ich habe bemerkt, dass ein großer Teil von meinem Gefühl falsch ist. Also Ich fühle mich sehr als Unperson, die anderen aber nehmen mich trotzdem als Persönlichkeit wahr. Nur aus meiner Angst, ich könne den Frieden stören nehme ich mich sehr zurück und nehme mich selbst als uninteressant wahr. Die anderen nicht unbedingt. Mir hat mal ein jüngerer Kollege, als ich noch in der Arbeit war auf meinen Spruch hin, dass ich nicht so interessant sei oder so etwas ähnliches, gesagt: "Warum? Du bist doch ganz cool". Ich dachte lange, dass er mich verarschen wollte. Aber Nein! so war es nicht. Er fand mich wirklich ganz cool! Das habe ich erst verstanden, als ich schon lange nicht mehr auf dieser Arbeitsstelle war.

Ich glaube, dass ist eine Mine in der Du auch schürfen kannst: Nämlich, was brauche ich an mir nicht zu verändern (im zwischenmenschlichen Miteinander)? Was nehme nur ich als zu angepasst wahr, die anderen aber durchaus als Persönlichkeit mit eigenem Profil?

Tja, das wollte ich noch zum Besten geben.

Nochmal:
es freut mich für Dich Marvin, Du hast mit Sicherheit einen Schlacht für Dich entschieden.

liebe Grüße

hotspot

MarvinS
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Beitragvon MarvinS » Mi 5. Sep 2007, 15:56

Das tue ich auch sehr oft so, aber ich habe bemerkt, dass ein großer Teil von meinem Gefühl falsch ist. Also Ich fühle mich sehr als Unperson, die anderen aber nehmen mich trotzdem als Persönlichkeit wahr. Nur aus meiner Angst, ich könne den Frieden stören nehme ich mich sehr zurück und nehme mich selbst als uninteressant wahr. Die anderen nicht unbedingt. Mir hat mal ein jüngerer Kollege, als ich noch in der Arbeit war auf meinen Spruch hin, dass ich nicht so interessant sei oder so etwas ähnliches, gesagt: "Warum? Du bist doch ganz cool".
Ja, das ist durchaus vergleichbar - ich war auch nie unbeliebt - was aber vor allem daran liegt, dass ich mich eben immer darum bemühe, dass jeder sich irgendwie "verstanden" fühlt - der einzige, den ich dann letztendlich überhaupt nicht verstehen kann, bin dann meistens ich ...
Es bin also nicht ich, der von anderen gemocht und akzeptiert wird, sondern derjenige, den andere in mir sehen und den ich vorgebe zu sein.

Ein Beispiel: ein Freund von mir ist Alkoholiker, ich habe ihm zig mal gesagt, er solle mich nicht besuchen, wenn er betrunken ist... aber letzztendlich tat er mir am Ende immer leid, er hat sogar schon total betrunken auf meinem Boden geschlafen, weil ich es nicht hinbekommen habe, Grenzen zu setzen und ihn konsequent rauszuwerfen.

Natürlich hat er "mich" gemocht, denn ich lasse ja mit mir machen, was er möchte... letztendlich war ihm aber völlig egal, wie es mir dabei ging... ich war in dem Moment für ihn irgendjemand, bei dem er seine Traurigkeit und Enttäuschung und was auch immer rauslässt.

Ich denke, man braucht da einfach mehr Ausgeglichenheit, gegenseitiges Entgegenkommen... das möchte ich und das erreiche ich nur, wenn ich noch vehementer zu dem stehe, was ich denke und möchte, meine Bedürfnisse erst einmal richtig wahrnehme, mir ein- und zugestehe...

LG
Marvin

Luka
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Beitragvon Luka » Mi 5. Sep 2007, 17:14

Hallo Marvin,

viele Gedankengänge von Dir kann ich wirklich nachvollziehen - wie z.B., daß es Dir schwer fällt, Deine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und auszudrücken ...

Aber woran ich mich in Deinen Posts, wie Deinem letzten stoße ist, der unbeirrbare Glaube daran, daß Du von anderen nur beachtet und wertgeschätzt wirst, wenn Du Dich für sie aufopferst.

Ich bezweifle, daß Du nur deswegen beliebt bist/warst, weil Du ein "Ja-Sager", also jemand bist, mit dem man alles machen kann, und von dem man alles fordern kann.
Dazu, jemanden zu mögen, gehört doch noch sehr viel mehr.

Vielleicht hast Du ja einen so guten Freund/Freundin, den/die Du einfach mal direkt fragen kannst: "Was magst Du eigentlich an mir, daß Du Dich mit mir abgibst?" Ich schätze, da kommt natürlich auch etwas, wie "Du bist ein toller Zuhörer... sensibel... etc" aber ich denke, es kommt auch noch mehr dabei heraus.

Meinst Du nicht?

Luka

MarvinS
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Beitragvon MarvinS » Do 6. Sep 2007, 20:18

Hallo Luka,

mich hat das schon etwas nachdenklich gemacht, was du geschrieben hast und um ehrlich zu sein, mir fällt echt nichts ein, was meine Freunde an mir schätzen außer eben, dass ich gut zuhören kann und sie so gut verstehen kann.

Vielleicht lasse ich sie doch noch zu wenig an mich heran - ich weiß es nicht. Mir kommt es aber auch meist so vor, dass die meisten Menschen ohnehin lieber über sich selbst reden möchten - was ja auch nichts Schlimmes und meistens sehr interessant ist, es ist eben nur schwer, wenn man dadurch gar nicht mehr weiß, wo man selbst steht.

Ich denke, ich frag echt einmal eine Freundin von mir - und der nächste Schritt wäre dann, wirklich zu glauben, was sie sagt :-)

LG
Marvin

hotspot1932
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noch mal nachgelegt

Beitragvon hotspot1932 » Mo 10. Sep 2007, 14:55

hallo marvin,

möchte ein wenig in die Kerbe von Luka schlagen. Ich habe an mir bemerkt, dass das "Ja-sagen" ein teil von mir ist, der mich beliebt macht und an und für sich nicht so gut für mich ist.

Nur mein geschmälertes Selbstbewusstsein, läßt mich Dinge, die an mir ok sind nicht als solche wahrnehmen und mich auch in den Dingen, die die anderen mir oder über mich Sagen zu meinen Ungunsten interpretieren. Daran ist aber nur mein kleines Selbstbewusstsein schuld und nicht das "Ja-sagen".

Wie Luka sagt dieses ausschließliche "die leute mögen mich wenn ich ja sage" lässt die Dinge, die an Dir auch noch ok sind unter den Tisch fallen.

Allerdings bleibt es wichtig zu lernen sich gegen Dinge, die man nicht möchte oder die man nur aus Konfliktscheue mit sich machen lässt zu wehren. Wahrscheinlich stellt sich mit steigendem Selbstbewusstsein der Blick für die "anderen Dinge", die gut sind und die man bisher nicht so wahrgenommen hat von allein ein.

in diesem Sinne: Viel erfolg

hotspot

MarvinS
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Beitragvon MarvinS » Fr 14. Sep 2007, 15:56

Hi hotspot,
Nur mein geschmälertes Selbstbewusstsein, läßt mich Dinge, die an mir ok sind nicht als solche wahrnehmen und mich auch in den Dingen, die die anderen mir oder über mich Sagen zu meinen Ungunsten interpretieren. Daran ist aber nur mein kleines Selbstbewusstsein schuld und nicht das "Ja-sagen".
Ich bin eigentlich nicht immer nur ein Ja-Sager und gebe allen unreflektiert Recht... ich denke schon nach, wenn mir jemand etwas sagt, allerdings kann ich die Argumente des anderen dann zum Beispiel immer genauso gut nachvollziehen und stelle dann meine eigenen in Frage, dann höre ich noch eine anderen Ansicht und kann diese gleichermaßen nachvollziehen - was aber tatsächlich meine Überzeugung ist, weiß ich nicht - wenn ich eine hätte, würde ich sie wohl auch vertreten.

Ich trau mich aber schon, meine Meinung zu sagen, was ich aber nicht kann, ist, mir selbst Bedürfnisse einzugestehen: ich bin total wütend auf mich selbst, wenn ich einmal weniger arbeite als sonst, mache mir dann total Vorwürfe, bin oft auch wütend auf mich selbst, nachdem ich zu viel gegessen habe, weil mein eigentliches Ziel Freiheit und Bedürfnislosigkeit sind. Gleichzeitig mache ich mir vorwürfe, wenn ich die Bedürfnisse der anderen nicht erfüllen kann, wenn z. B. eine Freundin von mir studenlang über ihre Probleme reden möchte und ich mich selbst sch... fühle, dann denke ich zugleich: "Ich muss das schaffen, ich schaff das schon, Augen zu und durch" und würde mich selbst ablehnen, wenn ich es nicht schaffe.

Vielleicht hab ich eher eine eingeschränkte Selbstwahrnehmung als nur ein schlechtes Selbstbewusstsein, ich weiß es nicht: ich verlange halt so viel von mir selbst.

Lieber Gruß
Marvin

antipsychiatrie!
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Registriert: Mi 14. Nov 2007, 10:58

Im Berufsleben ist es notwendig eine Unperson zu sein

Beitragvon antipsychiatrie! » Do 15. Nov 2007, 15:03

an Marvin:
es ist sehr klug im Berufsleben seine
Person nicht zu zeigen- es sei denn man steht an der Führungsspitze ganz oben.
( Dann gibt es zu denken, denn weshalb wollte man denn da hin ???)
Aus eigenen sehr, sehr schlechten Erfahrungen mit sog. Autoritätspersonen
kann ich nur warnen sein Gesicht zu zeigen.
Wenn man nicht zu deren Ansichten stets "Ja, ja, ja" sagt, "Danke, hat mir sehr geholfen", zerlegen sie einen in Stücke und prügeln einen ihre Ansichten in den Schädel.
Sonne o Sonne - ach wie interessant !
Privat darf man kompensatorisch natürlich nicht egoistisch den anderen mit eigenem
Kram überladen.
Die anderen haben auch Bedürfnisse!!


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