Erfahrungsbericht: Paranoide Schizophrenie (3114 Worte)

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total_schizo
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Registriert: Sa 28. Jul 2007, 22:58

Erfahrungsbericht: Paranoide Schizophrenie (3114 Worte)

Beitragvon total_schizo » Sa 28. Jul 2007, 23:14

Das ganze begann an meinem Studienort, mehrere hundert Kilometer von Zuhause. Ich hatte wohl schon länger Angst davor gehabt, beobachtet zu werden: Meine Wohnung verliess ich nur sehr ungern und ich hatte meine Zimmer mit Leintüchern verklebt, weil sich gegenüber meiner Wohnung ein Taxi-Parkplatz befand - ein Umstand der mir jahrelang keine Sorgen gemacht hatte.

Aus irgendwelchen Gründen kam ich auf die Idee, dass ein allein lebender Mensch ein prima Spielzeug abgeben würde, könnte man ihn mit irgendwie überwachen (Kameras, Infrarot, Trojaner) und in seiner Schlafenszeit Drogen in sein Essen mischen. Ich überlegte verschiedene Abwehrmassnahmen gegen eine solche potentielle Gefahr, unter anderem eine eigene Webcam zu installieren. Ich hatte schon seit geraumer Zeit meinen Nachbar im Verdacht, krumme Dinger zu drehen. Ich hörte ein Heulen, oft mitten in der Nacht, das genausogut eine mechanische Anlage sein hätte können, oder ein Geräusch meines Computer. Ich vermutete, dass er sein Kind missbrauchen, und möglicherweise daraus Gewinn schöpfen würde (Kinderprositution/-pornographie). Ich hatte mich schon eine Weile lang mit Pädophilie und verwandten Themen beschäftigt, weil mich die Anrüchigkeit und das Verbotene reizte. Insbesondere schöpfte ich Verdacht, weil ich den Eindruck hatte, der Nachbar hätte in einer Nacht die Wohnung isoliert, und seitdem wäre das Schreien leiser geworden.

Letztlich entschied ich mich dafür, meine Wohnungstüren von innen mit Tesa-Film zu verkleben, und in meiner Abwesenheit alle Toilettenartikel etc. mitzunehmen. Dies tat ich für etwa eine Woche. Dann kam das Schlüsselerlebnis: Ich überhörte ein Gespräch meines Wohnungsnachbaren, und hatte den Eindruck es würde über mich und meine Abwehrmassnahmen gesprochen. Ich drehte mich darauf in die Richtung der trennenden Wand, um besser hören zu können, und hatte den Eindruck, dass Gespräch würde unwillkürlich abgebrochen und ich vernahm fluchen: Mein Nachbar konnte mich also sehen, und wusste dass ich ihn gehört hatte. Er wusste nicht wie viel ich gehört hatte von seinen illegalen Aktivitäten. Am nächsten Tag hörte ich das Hämmern von Isolierungsarbeiten in der Wohnung nebenan. Ich fuhr mit dem Fahrrad durch die Umgebung um vom Nachbar weg zu sein und einen klaren Kopf zu bekommen. Ich sah überdurchschnittlich viele Autos mit 666 und ähnlichen Nummernschildern, Autos vom Typ schwarzer/silberner BMW oder Benz, die neben mir herfuhren und neben mir anhielten. Die Nachbaren waren also Teil einer satanistischen Vereinigung und sie versuchten mich einzuschüchtern bzw. mit mir zu reden.

Am selben Tage packte ich meinen Rucksack und verliess kurzentschlossen meine Wohnung um mit einem Vollpreis-Ticket mit dem Zug zu meinen Eltern in Sicherheit zu fahren. Die Logik war, dass je mehr Verwandte über meine Probleme mit meinem Nachbarn wussten, desto weniger würde es möglich sein, mich unauffällig verschwinden zu lassen. Am ersten Zwischenhalt rief ich zuhause und bei einem Verwandten an, um unverbindlich und scheinbar nebenbei auf Probleme mit meinem Nachbarn hinzuweisen, falls ich unterwegs zu Tode kommen sollte. Als ich das Telefonat am Bahnhof machen wollte, fragte mich eine junge Frau, ob ich wüsste ob hier überhaupt nur noch Telefonkarten funktionieren würden - im Nachhinein interpretierte ich dies als einen Versuch, mir die Telefonkarte zu entwenden und mich von einem Telefonat abzubringen. Ich ging vor dem Kölner Dom spazieren, eine Gruppe Jugendlicher rief etwas (mir zu?), was sich für mich nach "Tod!" anhörte - ein weiterer Einschüchterungsversuch der Satanisten. Ich lies mich dadurch allerdings nicht aus der Ruhe bringen, denn ich hatte ja vorgesorgt.

Nach Köln setze sich eine Frau neben mich, die anscheinend nach Urin roch: Ein Zeichen von der parmanenten Angst, die die unteren Mitglieder einer satanistischen Vereinigung auszeichnet. Sie hatte ein Buch dabei "Gewaltfreie Kommunikation" - ein möglicher Wink mit dem Zaunpfahl, ich solle mich zu einem klärenden Gespräch bereit erklären. Ich versuchte unverbindlich ein Gespräch über das Thema "Gewaltfreie Kommunikation" anzufangen, was allerdings misslang. Dies war das erste Mal, dass ich die Sprache anwendete, über die ich später noch mehr schreiben werde: eine Sprache in der alles eine Zweitbedeutung hat und sich mehr oder weniger auf mich bezieht. Auf dem letzten Teilstück stand ein auffällig gekleidetes Paar im Zug, das in meine Richtung schaute und (hämisch?) lächelte. Ich war also zur satanistischen Touristenattraktion geworden: Ich versuchte mich möglichst cool und unauffällig zu geben. Das Paar war nicht nur mir aufgefallen - das Mädchen neben dem Paar drehte sich nach ihnen um als sie den Zug verliessen.

In meiner Heimatstadt nahm ich ein Taxi, um einem unauffälligen Tod durch einen Raub oder Verkehrsunfall vorzubeugen. Ich sagte der Taxifahrerin, ich sei bei einem Beinahunfall mit einem Lastwagen fast ums Leben gekommen, und sie solle deshalb die grossen Strassen meiden. Nach einigem Überreden lenkte sie ein, und ich überquerte nur an einer Stelle die Hauptstrasse. Zu Hause angekommen erzählte ich meinen Eltern ausführlich über meine Erlebnisse mit dem Nachbarn - ein weiterer Zug zur Selbstsicherung - die nächsten Tage auch weiteren Verwandten und Bekannten. Den meisten kamen meine Geschichten zumindest fragwürdig vor.

Ich bewegte mich extrem vorsichtig ausserhalb des Hauses - ich hatte den Eindruck meine Widersacher hatten meine Jacke verwanzt um meine Position zu bestimmen und versuchten nun einen Verkehrunfall zu inszenieren. Auf dem Weg in die Stadt versperrten Fahrzeuge den Fussgängerweg an gefährlichen Stellen, ich liess extreme Vorsicht walten, jedes Mal wenn ich die Strasse überquerte.

Nachdem ich den Eindruck hatte, genug Leuten von den Vorkommnissen berichtet zu haben, verliess ich das Haus um mich im Wald an einen uneinsichtigen Punkt zu stellen, und darauf zu warten von "der Organisation" angesprochen zu werden. Ich versuchte dies zweimal und war enttäuscht nicht angesprochen zu werden. Anscheinend hatte sich mein Gegner darauf verständigt, mir keine weiteren Anhaltspunkte zu geben, damit ich mir einredete ich hätte mir alles nur eingebildet.

Meine eigenen Eltern wurden mir mehr und mehr suspekt. Sie behandelten mich wie ein Haustier, dass es zu streicheln und zu füttern galt. Sie telefonierten anscheinend über mich, wenn ich mich seltsam (aus heutiger Sicht wahnhaft) verhielt. Meine Eltern waren Aliens. Sie spielten ein Computerspiel, indem die ganze Welt ihre Spielwiese und ich ihr zugeteiltes Wohnungsutensil war. Ich hatte ihnen nicht viel für ihr Geld geboten, als ich mich während meines Studiums kaum gemeldet hatte. Sie telefonierten um sich bei der Spielleitung für ihr verrücktes Haustier zu beschweren, und um eventuell Support anzufordern. Sie gingen ins Bett, und ich hatte darauf zu warten, ob ich von der Spielleitung gelöscht werden würde. Aus den Äusserungen meiner Eltern wurde mir immer klarer, wie die Welt aus ihrer Sicht aussah: Wohnungen, Häuser, Stadtbezirke wurden angemietet und damit hatte der Mieter das Recht über die Objekte innerhalb zu bestimmen. Er konnte dieses Recht allerdings veräussern, und wenn genug Geld von anderen Spielern zusammengekommen war, konnten auch Teile des Hauses gegen den Willen des Besitzers gekauft werden. Es gab verschiedene Spielergemeinden mit verschiedenen Plänen für meine Zukunft. Eines Abends stand ich vom Bett wieder auf um meinen Eltern zu sagen, ich hätte herausgefunden, wie sie der ganzen Welt erklären könnten, wie die Welt für sie aussieht: Nämlich mit einem Computerspiel! Ihre Aussage war "Aber das wollen wir doch gar nicht.".

Eine Spielergruppe waren die Satanisten, genannt "die Zecken". Sie hatten zweimal versagt: Zum einen als sie versäumt hatten ihre teuflischen Party-Aktivitäten vor mir zu verbergen, dann als sie es nicht geschafft hatten, mich unauffällig verschwinden zu lassen. Ich formulierte eine (nach wie vor gültige) Theorie, wie es mir gelungen war zu überleben, und wie sich ein Mensch zu verhalten hat, wenn die Welt sich als Verschwörung herausstellt: "Bei mangelnden Wissen über deine Gegner, verhalte dich so, dass dein Verhalten potentiellen guten Spielern nützt und potentiellen bösen Spielern schadet". Zudem hatten mich die Zecken von vorn herein unterschätzt und ich hatte die Menge des Schadens im Falle meines Verschwindens über die Schmerzgrenze erhöht, bevor jeweils die höhere, bürokratische Instanz eingeschaltet worden war. Der Name "die Zecken", den ich in einem Gespräch über Zecken von meinen Eltern aufgeschnappt hatte, rührte übrigens daher, dass sie Geld von der Spielleitung bekamen dafür, dass sie bewusst-gewordene Menschen beseitigten. Infolgedessen waren sie gut ausgerüstet um z.B. einen Verkehrsunfall zu provozieren. Inzwischen hatten sie sich allerdings weiter spezialisiert, und statt tatsächlichen Unfällen produzierten sie "Unfallchancen". Wenn sie diese nicht nutzten, verlangten sie Geld vom jeweiligen Spieler.

Eine andere Spielergruppe (ich nenne sie hier "die Befreier") hatte den Plan, ich solle die Menschen aus ihrer Spiel-Sklaverei befreien, indem ich ihnen die Wahrheit vor Augen führe (z.B. durch mein Computerspiel). Mein Vater nahm mich zu einem Gottesdienst mit, und der Text der Predigt war auf mich bezogen. Ich solle in die "böse Stadt Nimifee" gehen und den bösen Menschen dort unter anderem sagen, sie sollten aufhören "zu essen was ihnen nicht gut tut". Die Fähigkeit ein Spieler im Weltspiel zu sein, war also bedingt durch eine bestimmte Ernährungsweise, nicht angeboren. Durch die Hostie die ich im Gottesdienst bekam, musste ich gar nichts anderes mehr essen - als Resultat war ich von der Versklavung durch das Essen der "Spiel-Utensilien" befreit. Ich nahm schon vorher alles Essen immer mit im Rucksack mit, liess es auch in der Wohnung nie aus den Augen und schlief mit dem Essen zwischen meinen Beinen. Meine Eltern wollten anscheinend an meinen Rucksack. Warum? Sie wollten z.B. Zugang zu meinem Essen verkaufen um weiterhin ihren Mietvertrag für unser Haus zu halten.

Ein Gottesdienst stand wieder an. Mein Vater sagte "Wenn wir um 2 in den Wald zum Wildschweingehege gehen, können wir um halb 4 nicht in den Gottesdienst". Die "Wildschweine" waren ein anderer Begriff für "die Zecken" - ich erkannte dies noch genau rechtzeitig und drängte meinen Vater zur Umkehr, ging stattdessen in den Gottesdienst. Im Nachhinein wurde mir die Genialität klar, mit der die Befreier gehandelt hatten: Sie hatten mit den Wildschweinen gewettet, dass ich die versteckten Signale nicht verstehen würde. Gleichzeitig hatten sie mich nur für den Fall weiter getragen, in dem ich mich durch Verstehen der Symbolsprache als Messias eignete. Dafür hatten sie sich nun zusätzliches Geld gesichert. In meinem Zimmer lagen Bücher und standen Bücher in den Regalen - mir wurde klar, dass die Titel der Bücher Wetten darüber bedeuteten, wie mein Leben weiter verlaufen würde. Ich räumte Bücher über Tod und Untergang weg bzw. drehte sie um, stellte stattdessen u.a. "Das Buch der 16.000 Überraschungen" her. Als Spieler dürften meine Eltern die Wetten nicht bestimmen - aber ich war nur Spielobjekt, für mich gab es solche Regeln nicht. Ich verursachte gemäss meiner Theorie denen Schaden, die mir böse gesinnt waren - und umgekehrt.

Jetzt werden die zeitlichen Zusammenhänge schwammig. Eines Tages waren alle Bücher in meinem Zimmer weggeräumt, bis auf eines: "Ich erkläre dir die Welt, die Sprache, die Wirtschaft" oder so ähnlich - ein Almanac. Meine Mutter musste umgeräumt haben, sie konnte die Wetten also doch verändern. Was das bedeutete war, dass meine bisherig als sicher geglaubten Regeln nur erfunden waren. Meine Familie war also Teil eines anderen Satanismus: eines Satanismus der sich auf "traditionelle" Gehirnwäsche spezialisiert hatte. Aus einem Preisschild und einem alten Schulorder schloss ich, dass ich bis zu einer bestimmten Urzeit Aufgaben in Geheimsprache lösen musste. Ich sah, dass ich die Aufgaben nicht in der, auf dem Preisschild, angegebenen Zeit lösen konnte und drehte deshalb stattdessen alle Uhren zurück. Ich hatte versagt, meine Chance vertan, in die satanistische Vereinigung aufgenommen zu werden. Eine der Formulierungen, die in der Schulaufgabe vorkamen, war "lösen sie diese Aufgabe in eigenen Worten". Ich hatte also bisher nur per geistiger Kontrolle die Geheimsprache sprechen können. Ein Buch im Schrank war "Flucht per Fahrrad". Schon vorher hatte ich geahnt, meine traditionelle Denkweise, das war "Fahrradfahren", was meine Mutter machte das war "Autofahren". Unbegabte Kinder wurden schon früh von Autofahrern geistig übernommen - bei mir war wohl etwas schiefgegangen, aber alle meine Ideen, mein Verhalten, mein Rückzug, waren nur von meinem "Autofahrer", also meiner Mutter zu dem Zwecke initiiert worden, dass ich letztlich eine bestimmte gesellschaftliche Aufgabe erfüllen konnte - und auch zu Unterhaltungszwecken.

Ich verliess das Haus und bald hatte ich das Gefühl, dass meine Blicke gelenkt werden. Meine Mutter versuchte mir zu vermitteln, dass ich nun ein ferngesteuertes Fahrrad bleiben wurde. Aufgrund meines erhöhten Kenntnisstandes musste ich aber mit der Manipulation bewusst umgehen. Es galten neue Regeln für mich: Ich durfte nur auf Fahrradwegen laufen, Strassenschilder für Vorfahrtsstrassen und Strassennamen bedeuteten besondere Zonen, in denen ich mich als Fahrrad nicht aufhalten durfte. Mein Blick wurde auf ein "Es wird gesucht:" Plakat gelenkt, um mir zu verdeutlichen, dass ich nicht abhauen konnte. Mein Blick wurde auf die Öffnungszeiten der Krankengymnastik gelenkt - ich wusste schon aus einem vorherigen Gespräch mit meinem Bruder, dass dort hingehen musste, wer die Wahrheit nicht mehr für sich behalten konnte u.ä. Hier wurde mir auch zum ersten Mal die Bedeutung des Wortes "Realschule" bewusst - nämlich als der Schule, in der (in Geheimsprache) auf die wirkliche Welt vorbereitet wird. Ferngesteuert sollte ich ein Fahrrad stehlen - aufgrund von Verwirrung mit meinen Instruktionen verhielt ich mich auffällig und wurde entdeckt - "ein Fehler - Oh! Oh!" (1800) stand in Geheimsprache an der Mülltonne. Ich sollte an einem Parkplatz darauf warten, dass ich als defektes Fahrrad von meiner Mutter abgeholt würde.

Als niemand kam, wurde mir klar: Ich hatte mir die Gedankenkontrolle nur eingebildet, ein weiterer Manipulationstrick der satanistischen Vereinigung - sie hatten, nach meiner Entdeckung mit dem Nachbarn, Vater und Mutter ersetzt und mich mit geschickt gemachter Kommunikation in den Wahnsinn getrieben - vermutlich das ganze zu Lehr- und Unterhaltungszwecken auf Video aufgezeichnet. Ich ging zurück nach Hause und eröffnete meinem (angeblichen) Vater, dass ich kampflos abziehen werde, und darüberhinaus sehr an den Videos interessiert sei, würden sie mir diese zur Verfügung stellen. Die Satanisten kommunizierten immernoch in Geheimsprache, und sie waren immer noch eine gewaltige, fast allmächtige Organisation, verwoben mit den Geheimdiensten, aber schon an der Entwicklung der Sprache beteiligt. Die Welt war geteilt in eine Männer- und eine Frauenwelt, in Geheimsprache und traditionelle Sprache. Die Männer bestimmten "was" getan wurde, mit ihrem Wissen über die menschlichen Psyche und ihre Fähigkeit unerkannt zu kommunizieren. Die Frauen bestimmten "wie", mit ihren technischen Fertigkeiten - mit Mathematik. Es war nicht erlaubt, beide Seiten gleichzeitig zu besetzen, ausser man hatte extreme geistige Fähigkeiten und konnte die entsprechenden Tests absolvieren.

An einem der nächsten Tage absolvierte ich dann eben soeinen Test. Angeregt durch eine Äusserung meines Vaters, ich solle Zeitschriften in den Anzeigenteil einer Lokalzeitung stellen, meldete ich mich bei einer Website an, und füllte den Fragenkatalog in Geheimsprache aus. Am Ende erschien die Fehlermeldung "Eingabe konnte nicht gespeichert werden, Cookies sind nicht aktiviert" - zuerst zog ich meine Schuhe, Jacke und Rucksack an, weil doch vielleicht Ortungsgeräte (auch eine Art Cookie) eingebaut sein konnten, dann ass ich alle herumstehenden Kekse. Am Ende kam eine Erfolgsmeldung. Meine Mutter sprach mich auf eine Partyeinladung an. Ich nam das als Zeichen, ich solle nun hinaus gehen. Ich lies mich dort von den künstlich erzeugten Wolken, sowie vom Wind leiten, und erreichte den Wald. Dort folgte ich den Försterzeichen in Geheimsprache und erreichte eine Platz zwischen den Bäumen. Dort lag ein Becher proCult mit einer Art Nussfrucht, eine leere Flasche Löwenbräu, eine Flasche BonAqua mit toten Käfern und eine Dose ehemalige Erdnüsse mit der Bezeichnung "Caca Moerte" (gelesen als "der letzte Scheiss"). Ich stellte die Verbindung des Kults, den normalen Menschen (dem letzten Scheiss) und dem guten Wasser dar. Ich ass die Käfer, die Nüsse, den Rest Erdnussbutter und spie das Resultat in die Löwenbräu Flasche, füllte das ganze mit einer Pfütze (Bon) Aqua auf. Ich erwartete eigentlich, dass dieses Getränk zur Abschlussfeier von den Satanisten getrunken wurde.

Ich folgte den Försterzeichen und erreichte grüne, junge Tannen, darunter eine Flasche "Tannenzäpfchen". Ich war das "Tannenzöpfchen" (ich hatte damals einen Zopf). Ab dort folge ich den Tannen. Ich erreichte einen alten Baum aus dem Scheibenpilze sprossen. Ein Zeichen für die geheime Gemeinschaft mit ihren vielen gesellschaftlichen Auswirkungen. Am Ende war ich nicht erfolgreich: Ich konnte die geheimen Botschaften nicht mehr lesen, verlor den Pfad. Ich kehrte mit einem Vogelhäuschen zurück auf dem 120 ("one to see") stand, und zwar auf dem Jakobus-Weg ("(meine) Jacke ohne (Auto)bus"). Was ich angeblich als einziger gesehen hatte, war, dass die Geheimsprache auch nicht die einzig richtige Art war, die Welt zu sehen.

Da aus meinen fehlgeschlagenen Versuchen sich keine ernsthaften Konsequenzen für mich ergaben, veränderte sich meine Wahnvorstellungen wieder. Diesmal war das "mind-game" das mit mir gespielt wurde eine Art Initiierung in die Welt der Erwachsenen. Ich wurde nach Hause gelockt, und viele in meiner Heimatstadt waren eingeweiht und verfolgten das Geschehen auf Video. Bevor mir dieses von den Spielleitern erlaubt wurde, brach ich in die örtliche Realschule ein und versuchte dort wieder einen Test zu absolvieren - was mir allerdings erneut misslang. Auf dem Weg zurück, kam ich an einer Gruppe Mädchen vorbei, eine rief "Die da liebt dich!". Ich ging nach Hause und kündigte an, zurück zu meinem Studienort fahren zu wollen. Unterwegs zum Bahnhof wurde mir klar, dass die Eingeweihten in diesem Lokalspiel darauf wetteten, was ich als nächstes tun würde - und das Mädchen hatte viel Geld gewonnen durch meine ungewöhnlichen Aktionen.

Unterwegs fiel mir auf, dass viele Autos so taten als würden sie mich überfahren, dies aber nicht taten. Die Welt war wahrscheinlich ein Computerspiel der Wetter, die allerdings die Welt nur so gestalten durften, wie die Bespielten dies für möglich hielten. Da niemand mehr richtig wusste, was ich eigentlich glaubte, durfte ich nicht überfahren werden, weil ich das ja vielleicht gar nicht mehr für möglich hielt. Ich versuchte also auf die Autos einen möglichst coolen Eindruck zu machen. Unterwegs hatte ich den Eindruck, die Welt um mich würde verändert - es waren plötzlich keine Bushaltestellen mehr da. Etwas was ich als Bus wahrgenommen hatte, entpuppte sich als Häuserwand. Mein Vater hatte inzwischen die Polizei geschickt, um nach mir zu suchen. Als sie mich fanden wehrte ich mich gegen sie, weil ich dachte sie wären von der Spielkontrolle um mich zu entfernen. Ich hatte ihnen wohl zu wild gespielt. Die Polizei brachte mich dann auf die geschlossene Psychiatrie.

An die erste Zeit dort kann ich mich fast garnicht erinnern: Es ist wie als wäre ich 2 Wochen nach Einweisung aufgewacht. Ich habe mich dort in der Patientenrunde beschwert, dass ich nicht vorgestellt wurde. Die vorherigen Wahnvorstellungen wiederholten sich mit leichten Variationen. Zeitweise dachte ich, mein Vater würde mir in Geheimsprache mitteilen, wie ich mich vor der Organisation schützen könnte. Zeitweise wurde mir von Verwandten mitgeteilt, dass ich dies und jenes zu tun habe um für die Organisation einen Unterhalt zu haben (z.B. Garten pflegen). Zeitweise dachte ich, ich müsse als Messias die Organisation bekehren. Zeitweise hatte ich die vVermutung, ich solle von der Organisation verspeist werden, wenn ich mein Körpergewicht an Nahrung von der Psychatrie bekommen hatte ("one pound of flesh"). Die Wahnvorstellungen klangen nach 5 Wochen ab, und seitdem sind nur das Wahrnehmen der Geheimsprache in normaler Kommunikation immer wieder aufgetaucht - ich weis diese aber als übermässige Ich-Bezogenheit einzuordnen.

feliksa
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Beitragvon feliksa » So 29. Jul 2007, 13:25

Hallo total_schizo,
respekt vor deiner Geschichte. Ich habe auch vor meine Geschichte mal für mich aufzuschreiben, aber ich denke immer das es total wirr wird.
Aber spätestens wenn man selbst mal psychotisch war, ist deine Geschichte nachvollziehbar.
Mich hat damals auch alles beeinflußt was ich zu der Zeit der akuten Psychose gelesen habe.
Z.B. dachte ich , ich wäre die Reinkarnation von Nietzsche.
Dachte auch, dass mich jemand auf den Strich schicken will und um mich herum die Kinderprostitution Überhand nimmt und ich alle Kinder retten muß. Zurück führen tue ich es auf Paulo Coelhos Elf Minuten.
Des weiteren war ich die Beste Therapeutin der Welt, denn ich mußt mich auf meine Psychologieprüfung vorbereiten. Zeitweise fühlte ich mich auch annährend Göttlich, da ich eine Manie entwickelt hatte.

Zum Glück hatte ich aber noch Vertrauen zu meinen Eltern und engsten Freunden, sonst wäre alles vermutlich nicht so glinmpflich abgelaufen.
Wünsche dir alles Gute
Liebe Grüße feliksa

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Remedias
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Beitragvon Remedias » So 29. Jul 2007, 19:02

Hallo @total schizo, ich bin sehr beeindruckt von deinem Text;
es ist alles sehr eindrücklich.
Liebe Grüße Remedias

Flora
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Beitragvon Flora » So 29. Jul 2007, 19:11

Hallo total schizo,
ich finde deinen Text sehr eindrucksvoll und auch beängstigend.
Viele Grüße
Bis dahin
Flora

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Kratz
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Registriert: Di 23. Mär 2004, 16:44

Beitragvon Kratz » So 29. Jul 2007, 20:02

Hi total schizo,

schöner Bericht über das abgehobene Erleben in der Psychose.
Ein rundes Bild von paranoiden Wahnbildern und halluzinatorischem Erfahren, unzusammenhängende Zusammenhänge zusammenhängend machen , wirre Bilder, Jesuswahn - ach ja wie schön kann die erste Psychose vor dem Absturz sein.
Ich bin ja immer dabei Adolf zu jagen wenns mich mal wieder so richtig erwischt und ich die Kotrolle verliere - was allerdings in den letzten Jahren mir nicht mehr passiert weil ich den Wahn inzwischen allzugut kenne. Von daher macht mir dein Bericht weniger Angst, denn allzuoft findet man sich selbst gespiegelt.

Wie gehts Dir derweil, das wäre meine Frage.

Gruss und Alles Gute
Detlev
Des deutschen Bürgers ehrliches Sicherheitshirn vermag nicht den scheinbaren Sinn einer ausschließlich von der Nützlichkeit der Dinge bestimmten Wertung als Unsinn zu begreifen.

bonnie
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Beitragvon bonnie » Mo 13. Aug 2007, 03:55

Grandioser Text!

bernd12
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Beitragvon bernd12 » Di 21. Aug 2007, 18:13

Hi total-schizo
Ich hatte auch eine paranoide Schizophrenie
möchte jetzt aber nicht alles aufschreiben.
Ich weiß nur noch das mich die Leute alle in die Ecke dränge wollten und sie wollten das ich mich umbringe hab mich dann sehr schlecht gefühlt.
Ich hatte aber manschmal auch sehr aggressive Stimmungen ich wollte mein Nachbarn abstechen weil ich es ihm zu verdanken hatte das alle Leute gegen mich waren. Ich hab das dann meiner Mutter erzählt und der Therapeutein weil das die einzigen waren den ich noch vertrauen konnte.
Mein Therapeutin hatte glaube ich vor mich einzuweisen mein Mutter hat mir einfach gesagt geh mal wieder zur Psychaterin was ich dann auch nach fast 2 wochen ohne schlaf gemacht habe.
Ich wurde also nicht eingewiesen weil ich schon vorher in Behandlung war und die Medikamente haben auch sehr schnell angeschlagen ich konnte am ersten Tag schon wieder schlafen und meine welt hatte sich nach 2-3 Wochen komplett aufgelöst.

Ich hab aber mal eine Frage an dich hast du schon mal drogen genommen? weil ich glaube das es bei mir vielleicht dadurch gekommen ist, ganz besonders das es auch bei mir so ein paranoia war.

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mikesch
Beiträge: 79
Registriert: Mi 22. Sep 2004, 10:31

Beitragvon mikesch » So 2. Sep 2007, 09:28

Grüß dich total-schizo,


klasse Beitrag, ich hatte in meiner ersten Psychose sehr ähnliche Wahngedanken, grade in punkto Kinderpornographie, ein grosser Ring, den ich an die Polizei ausliefern wollte.
Man sieht auch sehr schön wie die Realität zerfällt und immer geringfügigere Ereignisse eine größere Wirkung auf deine Wahnideen haben. Es wird halt zum Schluss hin immer verrückter....ich find es sehr interessant solche Texte zu lesen, weil die Ideen, auf die man im akuten Zustand kommt einfach so abgefahren sind.

gruß mikesch

derdiedas
Beiträge: 2
Registriert: Mo 3. Dez 2007, 16:31

Beitragvon derdiedas » Mo 3. Dez 2007, 16:39

Habe zwar nicht alles gelesen, wollte nur mal fragen wer die Satanisten sind, was sie tun und wie man sie erkennt ?

:twisted:

wurzel
Beiträge: 24
Registriert: Mo 8. Okt 2007, 20:06

Beitragvon wurzel » Do 17. Jan 2008, 10:14

Hi total-schizo,

bin begeistert!!

für alle Bekannten und Verwandten, die keine Ahnung von dieser Krankheit haben wäre dies der ideale Lesestoff!!

wünschte, ich könnte meine Geschichte genauso schreiben wie Du. Ich hab aus dieser Zeit nur noch einige Sachen in Erinnerung, ohne Zusammenhänge, wobei gerade die Zusammenhänge wie ich finde sehr grass sind. Zu was ein menschliches Gehirn doch fähig ist.

Also, ziehe noch mal den nichtvorhandenen Hut :D

Alles Gute
wurzel


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