Es gibt auch gute Tage...

Hier gehört all das hinein, was sonst keinen Platz hat.
mamschgerl
Beiträge: 1135
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 06:53

Es gibt auch gute Tage...

Beitragvon mamschgerl » Di 29. Okt 2019, 21:27

...und daher denke ich, schreibe ich auch mal darüber.
Ja, bis auf den obligatorischen Tiefpunkt nach dem Aufwachen, der sich mal mehr, mal weniger, bis zum Spätvormittag hinzieht, war heute ein ruhiger, seelisch entspannter Tag.
Es herbstelt, aber das macht mir nix, denn die melancholische Stimmung, wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt, war schon immer mehr meins und der Regen stört mich also nicht weiter.
Ich habe den Tag mit Lesen verbracht, auch ein wenig ferngesehen und auch ein wenig auf meiner Couch gedöst, wobei sich meine Katzen an mich herankuschelten und ich fühlte mich ausgeglichen, ohne diffuse Angstgefühle oder nennenswerten, depressiven Tiefs und konnte auch meine schöne, saubere Wohnung genießen und mich wieder darüber wundern, daß ich es bis hierher geschafft habe, zwar nicht ohne Hilfe, aber dennoch.
Im Grunde fehlt mir nichts, es geht mir heute einigermaßen gut und ich fühle mich einigermaßen sicher und ja, auch geborgen, was bei mir eine Seltenheit ist, denn ich habe es ja schon anderweitig erwähnt, ich kenne dieses Gefühl nicht wirklich und den ersten Anflug davon hatte ich eben in dieser Wohnung.
Es tut so gut, sich in den eigenen vier Wänden entfalten zu können, ohne sich erst mit jemanden auseinandersetzen und am Ende wieder Kompromisse hinsichtlich der Einrichtung oder sonstigem schließen zu müssen.
Ja, ich fühle mich freier als jemals in meinem Leben und erlebe immer mehr den Frieden, den ich mir schon so lange ersehnt habe.
Davon wollte ich schreiben und davon, daß man trotz der allgegenwärtigen Depression und den stetig latenten Symptomen dieser nicht einen Platz einräumen sollte, den sie nicht verdient.
Ich weigere mich, ihr eine Vormachtstellung zu überlassen, von mir aus kann sie immer zu Gast bleiben, aber mehr wird sie nicht werden als ein Dauergast, der zwar nervt, aber ansonsten nichts zu melden hat und vor allem lasse ich mir von ihr nicht die wenigen Lichtblicke im Leben verderben.
Ich bin gerne allein und habe mich noch nie einsam gefühlt, ich war schon immer allein, auch unter vielen Menschen oder in fast jeder Partnerschaft, also geht es mir so viel besser, denn ich muß mich niemandem erklären.
Auch Körperlichkeit konnte ich nüchtern noch nie ertragen, also fehlt sie mir nicht, im Gegenteil.
Also kann ich es jetzt langsam sehen, das einzige, wonach mir immer war und ich glaube, so langsam ( und natürlich vorsichtig und voller Mißtrauen, so ganz komm' ich nicht aus meiner Haut ) erlaube ich mir, es auch zu fühlen und zu genießen.
Ja, es gibt ein Leben mit komplexer PTBS, Depressionen, Angst- und Panikattacken, Dissoziationen und Depersonalitation und Derealisation etc etc etc, es ist anders, aber es geht trotzdem.
In diesem Sinne gewinnt jede Tasse guten Kaffees, jeder Moment mit einer guten Zutat eine große Bedeutung und ein hohes Gewicht, welche allen schlechten Empfindungen trotzen.
Ist das nicht toll?
Also, lasst es euch auch mal gutgehen und zeigt der Depression den M....finger, man kann auch unter Tränen lachen.

Zurück zu „Sonstiges“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste