Musik, Literatur, Malerei etc.

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Laura
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Beitragvon Laura » Di 12. Mär 2019, 15:38

Kleiner Austausch über die kleinen Freuden und Trostpflaster, die einem die Dinge der Bildung verschaffen können? Bildung: Ohne die Frage, wer der oder die Gebildetste aller Gebildeten sei. Ein gebildeter Mensch ist im ursprünglichen Sinne ein gereifter Mensch, mit guten Manieren und guten Ansichten, aber eigentlich meint man doch eher, dass gute Bücher etc. einem bei der Charakterreifung unter die Arme greifen können, so werden "feine Leute" gemacht. Aber wie auch immer, einfach nur um mir die Zeit zu vertreiben, bevorzuge ich oft das "Künstliche" (unwahre Geschichten) und das "Sinnliche" aus zweiter Hand (lieber schöne Musik hören als immer nur dem Straßenlärm zu lauschen, lieber ein schönes Bild anschauen, als immer nur das eigene halbhässliche Wohnviertel vor dem geistigen Auge zu haben). Es ist auch immer wieder "schwere Kost" dabei, besonders dann, wenn ich merke, dass mich eine schöne Vorstellung - in ein Kunstwerk umgesetzt - in einem bestimmten Moment eher frustrieren würde, so wie wenn man einem Hund die Wurst vor die Schnauze hält und gleich wieder wegzieht.

In den letzten Jahren war ich wieder weniger bildungsbeflissen. Habe meine Kapazitäten mehr fürs Kochen verwendet (dafür langen die vier weiblichen Gehirnzellen ja auch noch gerade, also für gerade vier Kochplatten...:-), jetzt ist Kochen nicht mehr angesagt und ich mache wieder mehr Streifzüge durch die Künste, so reduziert, wie es meine abermals verringerten Kräfte erlauben. Bin aber froh, wenn ich auf einen guten Film rund ums Kochen stoße. "Madame Dingsbums und der Duft von Curry" ist wirklich ein schöner Film (über Haute Cuisine, Konkurrenz in der Gastronomie, Rassismus und zwei Liebespaare, die trotz dieser Gräben doch noch zusammenfinden, außerdem schöne Bilder von Frankreich) und für mich umso interessanter, weil ich eineinhalb Jahre lang verschiedene indische Gerichte gekocht habe und ganz happy damit war, wie genial die indische Küche einem kleinen Geldbeutel entgegenkommt.

Zuhause schalte ich im Moment das Radio nicht ein, gucke auch keine DVDs, dafür spiele ich immer wieder dieselben Cat Stevens-Lieder auf CD ab. "Morning has broken" tut mir im Moment wirklich sehr gut. Ich möchte mich nicht damit befassen, was es in den 80ern für einen Skandal um Cat Stevens gab im Zusammenhang mit Salman Rushdie. In den Zeitungen kann auch viel Unwahres stehen und ich habe auch nicht jeden Film mit Tom Cruise boykottiert, nur weil er in Zusammenhang mit Scientology skandalisiert wurde.

In der letzten Zeit war ich dreimal im Kunstmuseum (per emäßigtem Eintritt). Eine Lotte Laserstein-Ausstellung (diese Malerin hatte ich zuvor nicht gekannt) gefiel mir sehr gut, viel besser als die derzeitige Sonderausstellung um Tizian und anderen Renaissance-Malern (weitaus stärker beworben als die "kleine" Lotte Laserstein, es gab aber nunmal auch schon immer gute Malerinnen, wenn auch weniger berühmt und erfolgreich als die Maler.

Ich husche eigentlich recht flott von Bild zu Bild, lese aber auch Erläuterungen, von denen ich aber das meiste wieder schnell vergesse. Ich bin sogar froh, dass ich so viel Distanz zu Bildern habe. Es genügt, dass sich Geschichten und Musik mehr in mein Gemüt einschleichen können, als mir lieb ist. In dem Ausstellungsraum für Moderne Kunst, in den ich nicht so oft gehe, hat es mir ein Bild sehr angetan, nämlich "Die Horde" von Daniel Richter. Ein ätzendes und beängstigendes Bild. Ich wende aber auch nicht viel Zeit auf, um zu versuchen, es mir in etwas Positives umzudeuten. Es ist ein Gemälde aus den 90ern, aber mich erinnert es an den 80er-Stil, um Ätzendes auszudrücken. Die 80er haben mir in meiner Teeniezeit auch viele Würste vor die Nase gehalten (natülich nicht mit Ätzendem, sondern mit Schönem) und immer wieder weggezogen...insgesamt gut, dass wir nicht mehr in den 80ern leben und ich kein Teenie mehr bin.
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Re: Musik, Literatur, Malerei etc.

Beitragvon Laura » Fr 22. Mär 2019, 13:54

Und jetzt tut mir "Wonderful land" von Mike Oldfield gut. Zwischendurch ließ ich mal meinen Sozialarbeiter eine CD auswählen und er wählte eine von den Pogues aus. Die Pogues habe ich bis in die frühen Nullerjahre ganz gerne gehört, ab und zu wenigstens. Aber im Moment habe ich auf diese Sauf-und-Rauf-Texte echt keinen Bock. Irische Alkoholprobleme sind ja auch nicht die besseren Alkoholprobleme, nur weil Irland gerne überromantisiert wird.

Ich habe jetzt mindestens ein halbes Jahr lang nicht mehr selber ein Bild gemalt (gekleckert eher). Hab Schulmalsachen da. Ich male nicht übermäßig gerne, weil ich mit meinen Bildern oftmals unzufrieden bin. Manchmal kleckere ich mit Wasserfarben aus purer Selbstbeschäftigerei auf dem Papier herum. Immer noch besser als auf der Straße oder im Supermarkt Leute anzupöbeln. Andere haben es mit ihren Selbstbeschäftigungsstrategien eher mit Stricken oder Basteln und Heimwerkeln.

Aus nicht nur therapeutischen Gründen muss ich bald wieder Wäsche waschen und noch anderes.

Aber das ist ja hier nicht der Haushaltsthread, also zurück zu den schönen Künsten.

Einer meiner Lieblingsromane ist auf jeden Fall "Jane Eyre". Doof nur, dass da eine gemeingefährliche Wahnerkrankte drin vorkommt. Es gibt halt kaum 'ne Suppe ohne ein Haar.

Ein Spruch, der mir jemand in mein Poesie-Album in der Grundschule geschrieben hat. Klingt zwar ein wenig altbacken und schwererdig, stimmt aber durchaus für Leute mit langem Lebensleiden:

Ein Mensch bemerkt mit bitter'm Zorn, dass keine Rose ohne Dorn. Doch muss ihn noch viel mehr erbosen, dass sehr viel Dornen ohne Rosen!

Wuäääääh, wie selbsmitleidig von mir!!!! Die Rolling Stones haben das geschickter formuliert: "I can't get no satisfaction". Man mag ja auch nicht immerzu zu den Klängen von "Yesterday" von den Beatles schluchzen! Otto Waalkes hat mal eine sehr witzige Persiflage daraus germacht "Gesterntag". Vor ein paar Monaten war er Studiogast bei einem Radiosender, diese Persiflage wurde gespielt und der Moderator meinte mit einem gewissen Schmunzeln in der Stimme zu Otto Waalkes: "Dir ist auch gar nichts heilig!" Klar, er hat ja auch die "99 Luftballons" von Nena durch den Kakao gezogen! 99 Pfefferkuchen haben ihre Nebenwirkungen!

Aber ich kann mich auch mit furchtbar ernsten Dingen aus der Bildungswelt beschäftigen. Gute Verfilmungen von Shakespeare-Stücken sind 'ne prima Sache. Also, "King Lear" ist schon ein hochinteressantes Stück darüber, wie ein alter König, der abdankt, all seine Ungerechtigkeit zurückserviert bekommt. Die Helden sterben darin, die Bösen sterben darin und zum Schluss überleben diejenigen, die in leisen Tönen immer wieder aufgemuckt hatten, aber übergangen worden waren, mehr oder weniger die passiven Guten, die sich ihrer Ängste, aber auch der Bedrohlichkeit der Lage bewusst waren. Aber was all diese Blutvergießerei in Shakespeares brutaleren Stücken Ist auch nicht schlimmer als das, was einem im "Schweigen der Lämmer" vor die Augen gesetzt wird. Spannende Geschichten brauchen Spannung!

Und man kann so herrlich an erfundenen Literaturfiguren herumpsychologisieren! Warum wollte Pinocchio denn einfach nicht auf Gepetto und auf die gute Fee hören? Weil er jung und dumm war! Erst seine Sorge um seinen "Erschaffer" hat ihn klüger und hilfsbereiter gemacht. Und dann durfte er endlich ein Junge aus Fleisch und Blut sein.
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Re: Musik, Literatur, Malerei etc.

Beitragvon mamschgerl » Fr 22. Mär 2019, 15:43

...zu deinen Gedanken, Malereien und den Dornen an der Rose sende ich ein Bildchen, das mir am passendsten dazu erscheint...
Leider musste ich feststellen, nachdem ich mir gestern Pink Floyd als Musikvideo angeschaut/angehört hatte, daß ich wohl unterbewusst sehr stark von den Animationen beeinflusst wurde, vielleicht war es aber auch seinerzeit Dali oder andere Künstler mit surrealen Gestaltungsideen, was weiß ich?
Schließlich bin ich mit African Reggae, Deja vu und Am Fenster sowie mit Pink Floyd, Zappa, Iron Maiden und Led Zeppelin etc etc etc ( nicht zu vergessen: Bob Marley ) um damit nur die allseits bekannten Interpreten zu benennen, aufgewachsen, nicht ohne zu erwähnen, daß auch Klassik mein Herz berührt, doch sie muß melancholisch sein, schwer, keine Operetten, die mag ich in der Regel nicht, auch leichtes frühlingshaftes Flötenspiel ist nicht so meins, wobei die Querflöte und das Fagott wiederum eine Ausnahme bilden, aber egal...
Trotzdem ist das hier von mir und daher sehr persönlich...

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Re: Musik, Literatur, Malerei etc.

Beitragvon mamschgerl » Fr 22. Mär 2019, 15:46

...tja, war wohl nix, schade, Datei zu groß...

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Re: Musik, Literatur, Malerei etc.

Beitragvon Laura » Mo 25. Mär 2019, 14:12

Ja, seltenerweise lege ich auch mal Klassik auf und meine CD-Kollektion bietet in dieser Hinsicht auch immerhin Auswahl an ganz bekannten Stücken und Komponisten und auch an weniger bekannten. Querflöte habe ich schon immer gemocht und vermutlich ist "Badinerie" von Bach mein Lieblingsstück von Bach, einfach weil es weniger streng klingt. Auf der Querflöte gespielt machen die hohen Töne der Querflöte das Stück von vorneherein fröhlicher.

Von Pink Floyd habe ich wenig mitbekommen. Ich weiß nur, wie ich mir in den 90ern im Sommerprogramm eines Kinos eeeeendlich mal "The Wall", also den Film, zu Gemüte führen wollte und etwa ab der Hälfte nur so rausgestürmt bin aus dem Kino. Ich fand das Ganze einfach nur geschmacklos gemacht. Mehr Schockiereffekte als sonstwas. Die Hits "Another brick in the wall" und "Run like hell" haben mir aber schon gut gefallen, als sie aktuell waren. Nun ja, die message "we don't need no education" ist wohl auf einen äußerst üblen Lehrer gemünzt. Es kann ja wohl nicht sein, dass wir gar keine Schulen mehr bräuchten, denn sonst würden immer nur Eltern sich diese Parolen von ihren Kindern anhören müssen...

Von Bob Marley fand ich schon immer "Could you be loved" superklasse, tue ich auch heute noch.

Hab mir gestern "I saved the world today" von den Eurythmics auf YouTube angeguckt, also mit dem Originalvideo. Die Eurythmics gehören zu der Musik, mit denen ich als Teenager aufgewachsen bin. Einige Zeit später, also 1999 bringen sie dieses wunderschöne Lied heraus und im Video achte ich ganz genau auf die Mimik von Annie Lennox. Ich sehe in diesem Video, was ich sehen will. Auf jeden Fall brauchte Annie Lennox sogar noch mit 45 Jahren wenig Make up und sonstwas, um nur mit ihrem Gesicht, ihrer Ausstrahlung und ihrer Mimik vor der Kamera zu brillieren. Eine sehr gute Sängerin war/ist sie ja sowieso. Mit ihrem Image..was weiß ich... abgebrüht, emanzipiert, tough, unkonventionell, androgyn hat sie doch immer eine sehr sanfte Stimme gehabt, auch wenn sie diese auch mal in messerscharf modulieren konnte. Auf jeden Fall ist das Video nicht so zuckersüß wie das Lied an sich. Erst laue Jubelstimmung, dann starke Jubelstimmung (erst rettet sie die Welt, dann anscheinend sich selbst, in dem sie einen Knebelvertrag ungültig macht, sie kippt das Tintenfass drüber) und am Ende guckt sie doch wieder ganz ernst in die Kamera. Ist wohl noch nicht ganz übern Berg.
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Re: Musik, Literatur, Malerei etc.

Beitragvon mamschgerl » Mo 25. Mär 2019, 15:05

"The Wall" ist heftig, zweifelsohne. Den Film wollte ich völlig zugekifft im Kino anschauen und bin nach den ersten Animationen geflüchtet, dann habe ich ihn mir Jahre später nüchtern angeschaut und er hat mich immer noch stark getriggert, was aber natürlich meinen persönlichen Erfahrungen geschuldet ist...ja, der Film ist heftig und ich spreche auch von Pink Floyd aus den früheren Jahren, wobei auch hier anzumerken ist, daß die Animationen wie auch andere Filmchen zur Musik immer schon sehr eigen und sehr anstrengend waren...für mich leider jedoch immer deswegen, weil sie mich ganz tief drinnen berührt haben.
Das ist auch mein Problem mit meiner Malerei...male ich so, wie es mir gerade in den Sinn kommt, entstehen mitunter wirklich üble Sachen, die ich niemandem zeigen würde, selbst die abgeschwächten überfordern manchen Betrachter und so wird das wahrscheinlich nix mit meiner Karriere :lol:
Jethro tull ( hab ich das jetzt richtig geschrieben? ) hat mir immer sehr gut gefallen, ein Meister auf der Querflöte und die Musik war sowieso einfach gut...

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Re: Musik, Literatur, Malerei etc.

Beitragvon Laura » Mo 25. Mär 2019, 15:23

Der Flötist von Jethro Tull, Ian Anderson?, hat in den späten 80ern eins meiner absoluten Lieblingslieder wunderschön mit der Querflöte untermalt, nämlich "On Tuesday" von Men Without Hats. Lange Zeit war im Radio nach der großen Zeit von Jethro Tull immer nur "Locomotive Breath" abgedudelt worden, was ich nicht so toll fand, aber irgendwann sah ich im Fernsehen eine alten Studioauftritt von Jethro Tull, bei dem Ian Anderson mal die Lead-Stimme hatte, "Living in the past" ist ein cooles Lied und abseits von diesen Rockklischees der 70er.

In meiner ganzen CD-Sammlung gibt es aus den 70ern und 60ern recht wenig, also im Vergleich zum Rest, der sich aus 80ies, 90ies, Nullies und ein wenig aus den aktuellen Zehner-Jahren zusammensetzt. Interessanterweise spiele ich im Moment aber am liebsten 70er-Mucke ab, aus meinen CD-Beständen. Neulich Cat Stevens, jetzt Mike Oldfield und dann auch immer wieder Abba übers Jahr verteilt, manchmal auch David Bowie.

Wen ich in den 80ern gerne gehört habe und der auch schon in den 70ern zu den Kultsängern gehört hat, aber von dem ich irgendwann einfach abgerückt bin, obwohl ich mal auf einem Live-Konzert von ihm war, ist Peter Gabriel.

Hab Anfang des Jahres viel Geld ausgegeben, um eine sehr geliebte B-Seite der Simple Minds endlich auf CD zu haben. War's mir wert. Ich liebe dieses Instrumentalstück nach wie vor.

Hab mir gerade eine Notenschrift eines Frülingslieds ausgedruckt, um es zuhause nach sehr langer Zeit wieder auf der Blockflöte zu spielen, bzw. wieder einzuüben. "Nun will der Lenz uns grüßen", sozusagen die Popmusik der früheren Epochen...
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Re: Musik, Literatur, Malerei etc.

Beitragvon Laura » Di 7. Mai 2019, 14:23

War am Ostersonntag einmal auf einer Ausstellung von Djuberg und Berg und einmal auf einer von Ernst Kahl. Hatte ich alles vorher nicht gekannt. Ein paar farbenfrohe Flamingo-Skulputern und ähnliche Skulpturen von Nathalie (heißt die so? kann hier nicht gleichzeitig googeln und im Forum bleiben) Djuberg fand ich schon klasse. Alles was schockieren sollte, insbesondere auf Frauenfeindlichkeit hinweisen sollte, da gestattete ich mir, das nicht so genau zu betrachten. Mir geht es ja auch so schon schlecht genug. Die Satire-Bilder von Ernst Kahl fand ich ganz okay, aber nicht so richtig pointiert. Es war eher zuviel der hohen Malkunst für Satire-Bilder, wie sie auch in "Titanic" zu finden sind.

Nachdem ich mir tagelang immer und immer wieder den Abspann von "Fluch der Karibik 1" im Abspann abgedudelt habe ("He's a pirate" in seiner Vollversion), liegt nun "The unforgettable fire" von U2 im CD-Spieler. Diese CD erinnert mich an eine sehr depressive Zeit in meiner Jugend, eigentlich die letzten Monate vor meiner ersten Psychose. Da war diese CD, also damals als Schallplatte, gerade aktuell und ich fuhr voll auf sie ab. Es kommen fast noch die gleichen Bilder in mir hoch wie damals. Nur verblasster, ich tauche nicht mehr so darin ein und ich kann Abstand davon nehmen, dass mich diese süß-melancholische Musik allzu sehr an die Gemütszustände erinnern kann aus der Zeit als ich 15 war. Es ist nach wie vor eine schöne CD. Auf sanfte Weise rockig, auf melodische Weise melancholisch und alles in allem noch sehr bodenständig klingend, was in den 80ern ziemlich untypisch war!

Hab auch nach dem Songtext eines alten Kate Bush-Lieds gegoogelt, aber ich möchte gar nicht an diesem Text herumanalysieren, um mir davon "was fürs Leben" rausziehen zu können. Wie psychotisch wäre das! Der Text erzählt nämlich eine beängstigende Geschichte! Mir gefiel immerhin die Stelle "we won't be there to be blamed".
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Re: Musik, Literatur, Malerei etc.

Beitragvon Laura » Di 7. Mai 2019, 14:48

Ach ja, nochwas: Hab neulich einen ganzen Gedichtband von Eugen Roth gefressen. Der hatte lange Zeit unbeachtet in meinem Bücherregal gestanden. Meine Gedichtbände stehen eher als "Anschaffung fürs Leben" da. Ich schaue dann und wann schon hinein, aber dass ich den ganzen Band, in diesem Fall aber ein ganzes Bändchen, lese, das kommt nun wirklich oberstselten vor! Coole Gedichte, schon sehr ironisch, aber nicht allzu bitterböse. Ich find's prima, wenn ein Dichter den Mut hat, Gedichte zu veröffentlichen, die die Aussage haben: "Ganz so eklig wie einige meiner Mitmenschen bin ich nicht!" Haha, wie selbstgerecht! Na ja, das "Selbstkritik"-Gedicht von Wilhelm Busch ist ja auch die ultimative Antwort auf Leute, die einem vorwerfen, man sei ja nur nicht selbstkritisch genug (ich denke dabei an einen möchtegern-autoritären pausbäckigen Larifari-Psychiater aus der früheren PIA, der mich Mores lehren wollte...mit seinem badischen Akzent klang er noch ehrfurchterregender! :mrgreen: ja ja, bin gemein, aber das war er ja immerhin ebenso...)

Googelt mal "Selbstkritik" von Wilhelm Busch. Einfach köstlich, einfach zum Schießen!

Und ein paar DVDs hab ich geguckt. Also "Florence Foster Jenkins" war jetzt nicht sooo der Riesenknüller, aber schon sehenswert und zum Nachdenken anregend (diese millionenschwere alte Mäzenin hörte zwar nicht an sich selbst, dass sie einfach nicht singen konnte und hatte noch ein paar andere leichte Schrullen, aber nett und umgänglich war sie immerhin, sie behandelte niemanden wie den letzten Dreck, auch nicht ihre Bediensteten!)
"Elizabeth-Town" war etwas langatmig, aber dennoch eine nette, gut gelaunte Geschichte. "Immer Drama mit Tamara" war doof. Den schaute ich mir nur zur Hälfte an. "Die fabelhafte Welt der Amelie" kam mal wieder oberstgut. "Mona Lisas Lächeln", hm, weiß nicht. Die Ähnlichkeiten zum "Club der toten Dichter" sind unverkennbar, nur auf ein Frauencollege der 50er gemünzt. Immerhin kommt der Film ohne Selbstmord aus! Und war ansonsten auch nicht soooo der Riesenknüller, aber dennoch sehenswert und zum Nachdenken anregend. Tscha, wenn da z. B.ein Gemälde in schrillen rötlichen Farben ein Kadaver darstellt, künstlerisch schon gekonnt gemalt, aber inhaltlich abtörnend: Ist das jetzt Kunst oder doch nicht? Meine Meinung dazu: Kunst ist es, aber mir geht es auch ohne Anstarren dieses Bildes schon schlecht genug! :evil:
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Re: Musik, Literatur, Malerei etc.

Beitragvon Laura » Di 7. Mai 2019, 16:00

Wilhelm Busch
Die Selbstkritik hat viel für sich


Die Selbstkritik hat viel für sich.
Gesetzt den Fall, ich tadle mich:
So hab ich erstens den Gewinn,
Dass ich so hübsch bescheiden bin;
Zum zweiten denken sich die Leut,
Der Mann ist lauter Redlichkeit;
Auch schnapp ich drittens diesen Bissen
Vorweg den andern Kritiküssen;
Und viertens hoff ich außerdem
Auf Widerspruch, der mir genehm.
So kommt es denn zuletzt heraus,
Dass ich ein ganz famoses Haus.

Hähä, mit hohlen Gesten kann man doch auch hohler Kritik begegnen, oder????
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Re: Musik, Literatur, Malerei etc.

Beitragvon Laura » Fr 24. Mai 2019, 13:56

Die letzten drei Tage habe ich in einer Anthologie englischer Gedichte geschmökert. Da befinden sich Gedichte von Ende des 16. Jahrhunderts bis ins 20. Jh. Manche Dichternamen waren mir im Anglistikstudium schon um die Ohren gehauen worden und das sind dann die Namen, die ich mir immer noch besser merken kann. Aber ich las auch viele Gedichte von "alten" und "jungen" englischen Dichtern, von denen ich noch nie gehört hatte.

Am meisten hat mich noch das Gedicht "Daddy" von Sylvia Plath beeindruckt (die war eigentlich Amerikanerin). Ich hatte von ihr mal "Die Glasglocke" gelesen und dieses Buch ist ein Schnittpunkt zwischen Anglistik/Amerikanistik und Betroffenenliteratur (denn da wird u. a. Psychoseerleben in Romanform beschrieben). "Die Glasglocke" hatte mir nicht übermäßig gefallen, auch Gedichte, die ich von Sylvia Plath gelesen hatte, fand ich nicht überragend. Aber "Daddy" hat sich bei mir eingehämmert und lässt mich fürs erste nicht mehr los. Hab auch schon danach gegoogelt. Übrigens ist es alles andere als ein Heile-Welt-Gedicht, auch keine Hommage an den Vater der Dichterin, ganz im Gegenteil.

Neulich habe ich mir "Der Schuh des Manitu" auf DVD angeguckt. Lustiger Film!

Vielleicht gehe ich morgen ins Museum. Hab von einer interessanten Ausstellung gehört und es ist der letzte Samstag im Monat. Da gibt es in den meisten Frankfurter Museen freien Eintritt für alle. Heute wäre ein schöner Tag, um ins Freibad zu gehen, aber es sind Regenschauer und Gewitter für den Nachmittag angekündigt und der Himmel fängt auch schon an, sich zuzuziehen.
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Re: Musik, Literatur, Malerei etc.

Beitragvon Laura » Sa 25. Mai 2019, 12:49

Hab mir gestern zum ersten Mal seit etwa zwei Monaten wieder einen Schwung DVDs aus der Bibliothek ausgeliehen. Gleich die erste DVD, die ich auflegte, ergab einen Volltreffer für meine Synapsen. Es handelt sich um den Dokumentarfilm über Papst Franziskus, den Wim Wenders in jüngster Zeit gedreht, bzw. gedreht und zusammengestellt hat. Da gibt es einige Interviews mit Papst Franziskus, die wohl eigens für diesen Film gedreht wurden, aber auch verschiedene bereits vormals vorhandene Kamera-Aufnahmen seiner öffentlichen Auftritte.

Was immer der Papst in dieser Dokumentation spricht: Er spricht darin nicht Deutsch und seine Reden (auf Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Englisch) werden im O-Ton beibehalten und anhand von Untertiteln übersetzt. Nur bei einem öffentlichen Auftritt hört man einen Simultan-Übersetzer vom Spanischen ins Englische übersetzen. Was ich damit sagen will: Wir sind es im deutschsprachigen Raum nicht gewohnt, uns Filme anzugucken, die wir nur anhand der Untertitel verstehen können. Wir sind Synchronisationen gewohnt. Insofern könnte dieser Film ermüdend für Zuschauer sein, die nicht wenigstens gut Spanisch können, da dies die am meisten verwendete Sprache in dem Film ist.

Ich bin ja in der glücklichen Lage, gut Spanisch zu können und ich finde es schön, Papst Franziskus in seinen eigenen Worten reden zu hören, denn er ist ein wirklich wunderbarer Redner, der auch ganz komplexe Dinge in einfachen Worten und einfachen Sätzen ausdrücken kann. Ganz bodenständig, ganz unüberheblich, ganz überzeugend. Und wenn man dann noch gleichzeitig seine lebendige Mimik beim Reden sehen kannt: Ja, da ist endlich mal ein Papst, der nicht nur zwischen Gott und den Menschen vermitteln will, sondern schlicht und ergreifend erstmal zwischen den Menschen untereinander vermitteln will und dabei sehr spärlich mit Gottesbezügen umgeht. Es entsteht für mich nicht der Eindruck, als wolle Papst Franziskus betonen, man müsse erst einmal zu Gott finden und erst dann könne ein jeder seinen kleinen Beitrag leisten, um diese Welt zu erhalten und zu verbessern. Nein, was er sagt und indem er lauter kleine Dinge aus dem Alltag benennt, sagt er so, dass man eben nicht superreligiös sein muss, um für sich und andere ein harmonischeres Leben erwirken zu können. Das sagt Papst Franziskus nicht expressis verbis und ganz ohne Verweise auf Jesus und auch den heiligen Franz von Assisi kommt er natürlich nicht aus, aber es ist der Eindruck, der bei mir hängengeblieben ist. Nämlich dass es erstmal ein paar Dinge zu erledigen gibt auf dieser Welt. Man könnte es natürlich auch so deuten, dass indem man etwas für den Erhalt der Welt tut, dass auch dies eine Verbindung zu Gott schafft.

Es gibt im Film auch einen unsichtbaren Sprecher im Hintergrund, der gleich am Anfang und dann immer wieder eingestreut Aussagen trifft, die in erster Linie an das geistige Erbe des Franz von Assisi erinnern. Zur Untermalung gibt es Szenen mit Schauspielern, die wortlos Situationen aus dem Leben des Franz von Assisi darstellen.

Die häufigsten Aussagen des Papstes, die im Film zu finden sind, beziehen sich tatsächlich auf die heutige Armut. Er richtet denselben oder einen ganz ähnlichen Appell an die Welt wie sein Vorbild Franz von Assisi , nämlich wenn die Besitzenden ein wenig Verzicht üben, bzw. freiwillig "ein bisschen ärmer" werden, bleibt mehr für die ganz Armen übrig und sie werden somit ein wenig reicher. Bei verschiedenen Besuchen in Armenvierteln ehrt er die Armen mit der Aussage, dass sie ohnehin das wenige, was sie haben, mit ihren Leidensgenossen zu teilen wissen, besonders wenn es ums Essen geht. Über den Papst selbst ist ja auch schon längst bekannt, dass er auf so einigen Luxus verzichtet, der ihm aufgrund seines Status angeboten wird.

Der Film hat bei mir eine Art leisen Gedankensturm ausgelöst, auch was abstrakte Fragen angeht (Liebe und Hass als das zweischneidige Ergebnis der "Freiheit"?). Ich habe ihn mir am selben Abend dreimal hintereinander angeguckt und heute morgen auch gleich nochmal aufgelegt. Nun ja, ein Papst muss möglichst viele Menschen erreichen und sich daher möglichst allgemein ausdrücken. Also, wenn er in seinen Aussagen schon recht konkret wird, hält er sich oftmals immer noch recht allgemein. Dennoch berühren mich seine Worte und der ganze Film hat etwas Inspirierendes für mich. Der Film macht Mut, Lebensmut.

Ha! Und jetzt habe ich auch mitgekriegt, wie die englischsprachige Welt ihn nennt: Für die ist er Pope Francis.

Gegen Ende des Films geht er auf die Frage ein, mit welchen universellen Minimalmitteln man im Alltag für ein besseres Miteinander sorgen kann: Er nennt das Lächeln und den Sinn für Humor!
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Re: Musik, Literatur, Malerei etc.

Beitragvon Laura » Mo 17. Jun 2019, 16:08

Der o. g. "unsichtbare Sprecherd" ist Wim Wenders himself. Hatte ich zwar fast geraten, weil die Stimme für einen Sprecher etwas Unprofessionell, aber sicher konnte ich mir nicht sein. Wim Wenders muss in religiöser Hinsicht auch so seine Slalomfahrt hinter sich haben, scheint aber selber sehr von Papst Franziskus beeindruckt gewesen zu sein. Es lässt sich im Internet natürlich auch viel böses Gerede über den Papst finden. Was soll man nur glauben, da ja bekannt ist, dass niemand perfekt ist? Ich hoffe wenigstens, dass kein Attentat auf ihn verübt wird.

Andere Filme von dem letzten geliehenen Schwung habe ich höchstens zum Teil angeguckt und wieder zurückgebracht. Waren doch nicht so toll, jedenfalls nichts für meinen momentanen Gemütszustand. Manche deutschen oder auch Schweizer Kinofilme sind auch einfach ZU kopflastig. Wie verfilmte Zeitungslektüre! Es darf nicht filmisch sein, es muss auf Biegen und Brechen realistisch sein, und das als fiktive Geschichte!
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