Film 'Das Fremde in mir'

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Mirjam
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Film 'Das Fremde in mir'

Beitragvon Mirjam » Mi 26. Jan 2011, 13:15

Hallo !

Hat von euch kürzlich jemand den Film 'Das Fremde in mir' gesehen?
http://www.dasfremdeinmir.de/filminfo.html
LG
Mirjam

elmsfeuer
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Re: Film 'Das Fremde in mir'

Beitragvon elmsfeuer » Mi 26. Jan 2011, 16:02

hallo Mirjam,
ich hab den Film gesehen. Ich hab zwar selber keine Kinder, aber ich konnte trotzdem recht gut nachvollziehen, wie's der jungen Frau gegangen ist, vor allem mit dem ganzen Unverständnis, dass sie erfahren hat. Das geht ja den meisten psychisch erkrankten Menschen ähnlich. Fand ich relativ gut gemacht und ich fand auch dass der Film nicht überzogen wirkte oder auf die Tränendüse gedrückt hat. Denke aber, das jemand, der selber betroffen ist von post-partaler? Depression (heißt es so) das natürlich viel besser beurteilen kann. Was mich sehr berührt hat, die Szene, als sie mit ihrer Tochter einfach nur ganz normal spazieren ging und der Mann rief die Cops, weil er sonstwas befürchtete. Dieses grundlegende Misstrauen, nur weil sie psychisch erkrankt ist... Ist ja tatsächlich oft so, dass man weniger vertrauen entgegengebracht bekommt als psychisch kranker Mensch als ein "Gesunder". Und dass tatsächlich in der Bevölkerung immer noch die Bedenken kursieren, psychisch kranke könnten gefährlich sein.
(Grad bei uns in der Gegend so geschehen: Es gab eine Bürgerinitiative gegen den Bau eines Wohnheims für psychisch erkrankte Menschen- keine Forensik, kein geschlossenes Heim, einfach eine ganz normale Wohneinrichtung. Wollte man nicht haben weil man dann ja die Kinder nicht mehr allein spielen lassen könne!!!! Ist jetzt zwar anderes Thema, aber irgendwie hats ja auch mit der allgemeinen Sicht auf psychisch Erkrankte Menschen zu tun, deshalb fiel mir das grade ein).
Wie hast Du den Film erlebt und bist bzw warst Du Betroffene, wenn ich das mal so indiskret fragen darf?
lg elmsfeuer

Mirjam
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Re: Film 'Das Fremde in mir'

Beitragvon Mirjam » Mi 26. Jan 2011, 17:34

elmsfeuer hat geschrieben:Was mich sehr berührt hat, die Szene, als sie mit ihrer Tochter einfach nur ganz normal spazieren ging und der Mann rief die Cops, weil er sonstwas befürchtete. Dieses grundlegende Misstrauen, nur weil sie psychisch erkrankt ist... Ist ja tatsächlich oft so, dass man weniger vertrauen entgegengebracht bekommt als psychisch kranker Mensch als ein "Gesunder".
Hallo Elmsfeuer !

Genau auf diese Szene wollt ich raus.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sie ja ihr Problem mit viel und guter therapeutischer Arbeit überwunden.
Sie hätte Anerkennung gebraucht, Freude darüber, dass sie sich diesen Spaziergang zugetraut hat und das Gefühl, mit ihrem Baby allein draußen sein zu wollen, zugelassen hat. Stattdessen diese knallharte Szene, die sie so völlig allein, regelrecht in sich abgekapselt, stehen ließ.
Das griff wirklich die Problematik der Menschen auf, die aus der Psychiatrie entlassen werden. Die ja entlassen werden, weil sie gelernt haben, damit umzugehen, aber von ihren Mitmenschen wie Monster betrachtet werden.

Was das Betroffensein angeht. Ich war damals verzweifelt, weil sie bei meinem Baby in der Kinderklinik Mist gemacht haben und ich das angemuckt habe. Ich war durch einige Zwischenfälle mit meinen Nerven völlig am Ende und fühlte mich nicht mehr in der Lage, mein Baby zu besuchen. Das hat damals niemanden interessiert. Hieß nur: Stell dich nicht so an. Aber dieser Spruch ist ja vielen bekannt...

Das was du über die Bürgerinitiative schreibst. Ja, das ist leider immer noch ein Problem in der Bevölkerung. Das hab ich in einer Zeitung vor einiger Zeit auch gelesen, dass man mit einem Krankenhausbau. War wohl erst als allgemeinmedizinisch geplant, mit Ausweichmöglichkeit für psychisch, dann aber als psychischer Bau letztlich fertiggebaut. In der Zeitung stand: Man hätte die Psychiatrie der Bevölkerung "untergejubelt".
LG
Mirjam

elmsfeuer
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Re: Film 'Das Fremde in mir'

Beitragvon elmsfeuer » Do 27. Jan 2011, 09:03

Hallo Mirjam,
Zu diesem Zeitpunkt hatte sie ja ihr Problem mit viel und guter therapeutischer Arbeit überwunden.
Sie hätte Anerkennung gebraucht, Freude darüber, dass sie sich diesen Spaziergang zugetraut hat und das Gefühl, mit ihrem Baby allein draußen sein zu wollen, zugelassen hat. Stattdessen diese knallharte Szene, die sie so völlig allein, regelrecht in sich abgekapselt, stehen ließ.
Das griff wirklich die Problematik der Menschen auf, die aus der Psychiatrie entlassen werden. Die ja entlassen werden, weil sie gelernt haben, damit umzugehen, aber von ihren Mitmenschen wie Monster betrachtet werden.
Genau mit Deinen Worten sprichst Du mir aus der Seele. Man bemüht sich, mit seiner Erkrankung umzugehen, lernt etwas darüber (immer Vorrausgesetzt man bekommt vernünftige Unterstützung in der Klinik), dann kommt man "raus", denkt, alles wird nun besser... und muss sich mit diesen ganzen Vorurteilen auseinandersetzen, wird abgestempelt, misstrauisch beäugt...
Natürlich muss es nicht immer so sein, ich hab auch positive Erfahrungen gemacht, habe Menschen getroffen, die mir ganz unvoreingenommen begegneten, oft Menschen, von denen ich das gar nicht erwartet hätte...
Aber diese Situation, die der Film zeigt, kommt leider auch immer noch viel zu oft vor. Bleibt nur zu hoffen, dass der ein oder andere darüber vielleicht mal nachdenkt...
lg elmsfeuer

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Re: Film 'Das Fremde in mir'

Beitragvon Mirjam » Fr 28. Jan 2011, 12:14

elmsfeuer hat geschrieben: .... ich hab auch positive Erfahrungen gemacht, habe Menschen getroffen, die mir ganz unvoreingenommen begegneten, oft Menschen, von denen ich das gar nicht erwartet hätte...
lg elmsfeuer
Hallo Elmsfeuer !

Vielleicht waren diese Menschen deshalb unvoreingenommen, weil sie dementsprechend auch schon Erfahrung machten?? :wink:
LG
Mirjam

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Re: Film 'Das Fremde in mir'

Beitragvon elmsfeuer » Sa 29. Jan 2011, 07:43

Hallo Mirjam,

das ist natürlich möglich, denn dieses "Vorverurteiltwerden" betrifft ja nicht nur Psychiatrieerfahrene, sondern kann jeden Menschen treffen, der in irgendeiner Weise als anders wahrgenommen wird...
Mir selber haben diese Erfahrungen, glaub ich, geholfen, toleranter zu werden. Ich bemühe mich, nicht so vorschnell zu urteilen und mir erst ein eigenes Bild von einem Menschen zu machen. Immer gelingt das nicht, das ist wohl auch menschlich. Es gibt Menschen, wo ich sage: Die oder denjenigem muss ich nicht kennenlernen, find ich auch ok, ist ja meine Entscheidung. Aber dann geh ich eben weiter meines Weges, ohne den anderen zu kränken oder herablssend zu behandeln etc.
lg elmsfeuer

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Re: Film 'Das Fremde in mir'

Beitragvon Mirjam » Sa 29. Jan 2011, 18:34

elmsfeuer hat geschrieben:Es gibt Menschen, wo ich sage: Die oder denjenigem muss ich nicht kennenlernen, find ich auch ok, ist ja meine Entscheidung.
genau. eckt man zwar auch oft an. aber voll richtig.
LG
Mirjam

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Re: Film 'Das Fremde in mir'

Beitragvon Mirjam » Sa 29. Jan 2011, 18:35

ich mein das jetzt zum beispiel wenn man jemand in einer gemeinsamen 'gesellschaft' kennenlernt, wo man dann sagt, brauch ich nicht kennenlernen
LG
Mirjam

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Re: Film 'Das Fremde in mir'

Beitragvon elmsfeuer » So 30. Jan 2011, 10:30

Hallo Mirjam,

oh, genau. Da eckt man dann wirklich manchmal an. Grad wenns innerhalb des Bekanntenkreises ist. Ich habe eine Nachbarin, bei der ich ab und an mal nen Kaffee trink oder einen Schnack halte, wenn mir die Decke auf den Kopf fällt. Nichts tiefergehendes, aber doch ein netter Kontakt. Sie wiederum hat einen Bekannten, dem ich vom ersten Augenblick an nicht, aber auch gar nicht aufs Fell gucken konnte. Dieser Mensch hat z.B. eine Einstellung gegenüber Frauen, das geht gar nicht. Und ich mach da auch keinen Hehl drauß, dass ich den nicht mag. Ich sage guten Tag und auf Wiedersehen, und das wars. Ansonsten ignoriere ich den stumpf. Meine Nachbarin hat das von Anfang an akzeptiert, sie ist da echt cool drauf. Aber andere Bekannte konnten das gar nicht verstehen. Da kam dann sowas wie: "Kannst Du doch nicht machen, den so ignorieren, wenn Du bei Nachbarin zu Besuch bist und der ist auch da... das gehört sich nicht....bla bla bla." Ich kann! Und ich werde! :mrgreen: Das zumindest hab ich hinter mir.... ich mach mich nicht mehr klein oder verbiege mich weil es sich "so gehört" oder weil es andere Leute von mir erwarten oder es unbequem finden. Wer damit nicht klarkommt...Pech gehabt.
Solang ich mich mit dem nicht an die Köppe krieg ist es für Nachbarin wie gesagt ok. Und klar, wenn ich sehe, der ist da, dann geh ich auch nicht rüber. War in letzter zeit nur einmal auf ihrem geburtstag, wo sich die Begegnung eben nicht vermeiden ließ. Er wird ignoriert und gut. Solange ich nicht die Stimmung damit verderbe hab ich damit kein Problem, und das war auch nicht so. Unterhält man sich eben mit wem anders und gut.
Mit dieser Art des "Aneckens" kann ich mittlerweile gut Leben und mach mir da kein Horn mehr drüber :)
Schönen Sonntag noch wünscht Dir elmsfeuer

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Re: Film 'Das Fremde in mir'

Beitragvon Mirjam » Mo 31. Jan 2011, 12:11

elmsfeuer hat geschrieben: Mit dieser Art des "Aneckens" kann ich mittlerweile gut Leben und mach mir da kein Horn mehr drüber :)
:lol:

Hallo Elmsfeuer!

Oder wenn Bekannte der Meinung sind, man müsse unbedingt deren Bekannte kennenlernen und wenn das dann auch bei dem einem Mal bleibt, weil man die sowieso nicht mehr sieht. Das will ich einfach nicht mehr. Ich fühl mich da so, wie wenn es ein Allmosen wäre, dass ich endlich mal wieder unter Leute komm.
LG
Mirjam

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Re: Film 'Das Fremde in mir'

Beitragvon elmsfeuer » Mo 31. Jan 2011, 18:36

Hej Mirjam,

boah, ja, das kenn ich auch. Aktuell hab ich zum Glück da keinen mehr in meinem Bekanntenkreis, der mich irgendwo hinschleppt oder "unter die Leute" bringen will. Aber ich kenn das auch und dann hatte ich hinterher sogar noch das Gefühl, ich müsste dankbar dafür sein, dass sich jemand "um mich kümmert" oder mich "mal mitnimmt"... :evil: kam mir ganz oft so vor als haben manche dass gemacht um nach außen zu zeigen "Hej, guckt mal was ich doch tolerant bin, ich geb mich sogar mit der xy ab, die hat ja sonst keinen, die muss ja auch mal raus..." sowas in der art, bwohls so deutlich niemand gesagt hat.
ich kann das generell nicht leiden wenn sich jemand "um mich kümmern" will...dieses Pseudo-Gehelfe und vollgelabere, "mach mal dies, und jenes würde dir aber auch mal gut tun..."
Nix gegen etwas Unterstützung wo sie angebracht ist, aber dieses Getue macht mich echt wahnsinnig und hat leider in den meisten Fällen nichts mit wirklich ernstgemeinter Hilfe zu tun. Sondern die Leute brauchen oft einen, den sie bevormunden können, wo sie ihre Helfersyndrome dran ausleben können...die lieb ich ja besonders.... um von ihren problemen abzulenken oder sich stark zu fühlen oder was weiß denn ich aus welchen Motiven. So wie Du, glaube ich, in einem anderen Thread auch schon geschrieben hattest. Man wird manchmal echt für blöd gehalten, nur weil man etwas anders ist als das Gros der bevölkerung.
gruß elmsfeuer


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