Neid-Ablehnung- Hass!!!!!

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Neid-Ablehnung- Hass!!!!!

Beitragvon cake » Di 6. Jul 2010, 19:28

Im Moment frage ich mich gerade, was steckt hinter einem Menschen, der einem anderen Mensch alles neidet.
Gut, dass es ein höchst unzufriedener Mensch sein muß-kann ich nachvollziehen.
Es ist irgendwie alles zu wenig-alles zu ungerecht und trostlos.
Lenkt vermutlich vom eigenen Selbstwert erkennen ab, und trägt zu eben diesen unguten Gedanken bei.
Kann man diese Gefühle stoppen, wenn ja-wie?
Ein Kompromiß, das ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, daß jeder meint, er habe das größte Stück bekommen. (Ludwig Erhard)

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Re: Neid-Ablehnung- Hass!!!!!

Beitragvon cake » Do 8. Jul 2010, 07:41

Nun, ich bin nicht neidisch.
Ich möchte aber begreifen lernen. Und vielleicht kann ich dann mehr Verständnis aufbringen. :wink:
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Re: Neid-Ablehnung- Hass!!!!!

Beitragvon cake » Do 8. Jul 2010, 16:23

Ja, aber der Neidende wird vor Neid irgendwann zerfressen.
Das bedeutet für mich, dass er dann ganz ungut anfängt zu hassen. Dann wird es für die Umwelt schwierig.
Bevor der Neidende dann anfängt, die gefühlte Ungerechtigkeit so richtig umzusetzen und eventuell zwanghaft zu versuchen -den in seinen Augen glücklichen -zu terrorisieren, müßte/sollte man doch eingreifen oder?
Wäre sicher für beide Parteien besser.
Klar kann man sich aus dem weg gehen, wenn die situation verfahren ist, das ist sicher das rezept.
Aber wie könnte ich den Neid im Vorfeld schon in Ansätzen erkennen, und das bei der betreffenden Person als Absurdum aufklären.
Wann sollte ich mich rechtfertigen, und ab wann dann eher nicht. :-k
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Re: Neid-Ablehnung- Hass!!!!!

Beitragvon Laura » Do 8. Jul 2010, 21:44

Hallo cake!

Gütig wären wir ja wohl alle gerne. Aber jeder sollte trotzdem wissen, wie gütig er sein kann und wie viel er an (unverschämten) Reaktionen von Unsympathen, die das Helfersyndrom in einem wecken, einstecken kann, gerade dann wenn man sich so gütig auf sie einlassen will. Man könnte das gemeinerweise auch so umdeuten, dass man Leute, gegen die man nicht ankommt, weil man sich für Aggressionen zu "schade" ist oder auch zu ängstlich, dann halt mit den zur Verfügung stehenden Mitteln ändern will, also mit den leiseren Tönen. Damit kann man aber gerade von Großmäulern leicht in die Tasche gesteckt werden, denn die respektieren oft nur Leute, die genauso krass auftreten wie sie selbst. Man muss erstmal eine gewisse Glaubwürdigkeit haben, um sich Gehör zu verschaffen. Auf schüchterne Menschen hören aber auch nettere Menschen nicht unbedingt. Ich glaube, am besten kann man mit Unsympathen klarkommen, wenn man ihre Unzulänglichkeiten mit einem gewissen Augenzwinkern sehen kann. Ich persönlich bin dafür einfach zu depressiv und zum Katastrophisieren neigend.

Es ist schon eine hohe Kunst, jemanden so in seine Schranken zu weisen, dass er es versteht und auch akzeptieren kann. Man sollte ihm wohl die Möglichkeit geben, dennoch das Gesicht wahren zu können. Und auf was für eine Sprache er dann hört, das ist dann individuell ganz verschieden. Mit pseudotherapeutischem Gebahren und psychologischer Sprache macht man sich privat eher lächerlich.

Und gerade ein sehr leidender und hassverstrickter Mensch würde einem eventuell damit kommen: Wenn Du mir wirklich helfen willst, dann laber nicht nur, sondern tu was. Verschaff mir Geld, verschaff mir dies, verschaff mir jenes...heirate oder adoptiere mich.

Oder damit: Hilf Dir erstmal selbst, bevor Du mich hier umerziehen willst.

Ich kenne einige, die ziemlich neidzerfressen , dafür aber noch einigermaßen umgänglich sind. Die schwätzen einem immer wieder ihre Kindheit auf die Backe und stellen sich dar, als seien sie besonders schlau, indem sie erkannt hätten, wie schlecht die Welt doch ist. Ist man lieb und geduldig zu ihnen, halten sie einen irgendwann für doof. Sagt man ihnen etwas "Erzieherisches", blocken sie gleich ab. Das letzte, was jemand mit Opfermentalität hören will, ist, dass er genauso fehlbar wie andere Menschen ist, auch wenn es wahrscheinlich gerade das ist, was ihn auf den richtigen Weg bringen würde. Aber dafür braucht es halt den richtigen Zeitpunkt und die richtige Wortwahl. Soweit ich höre, scheint es in Gefängnissen nur so vor Leuten mit Opfermentalität zu wimmeln.

Hm, also als Kind war mir die alte Hollywoodverfilmung der "Drei Musketiere" eine Warnung. Hat vielleicht meine Paranoia verstärkt und im rl würde ich nicht gleich davon ausgehen, dass um jeder Ecke jemand lauert, der meine Hilfsbereitschaft mit einem Mord an mir quittieren würde, aber tatsächlich muss ich immer wieder an die Szene gegen Ende denken, wo die gute Traumfrau dem bösen Luder helfen will und selbst dabei drauf geht. Ist es nicht einfach ehrlich und menschlich, zu sehen, dass man bei manchen Leuten mit den sanften Mitteln nicht weiterkommt? Und wenn man dann eben keine harten Mittel anwenden kann oder möchte und wenn man nicht so werden will wie die, dann kann man ihnen immer noch aus dem Weg gehen. Für welchen Preis ein Held sein wollen?

Mir fällt gerade ein schönes Beispiel aus der Literatur ein, wie ein schicksalsgeplagter, hasserfüllter junger Mensch schließlich doch noch die Kurve kriegt. Nicht durch Mahnungen, höflicher zu werden, denn da denkt er nur: Die hat gut reden, die steckt ja nicht in meinem Scheißleben. Nein, es geschieht mal wieder nur durch einen Zufall und das zufallsbedingte Erwachen der Hilfsbereitschaft des bösen Jungen, dass er seinem Sadismus abschwört und dann auch noch bereit ist, Höflichkeit aufzubringen, um das zu bekommen, was er möchte. Ich spreche hier von der Erzählung "Krambambuli" von Marie von Ebner-Eschenbach. Sie ist, wie andere Geschichten von ihr, sehr herzzerreißend und immer wieder lernt da der Mensch von einem Tier, wobei irgend ein Tier immer wieder dank menschlicher Bösartigkeit draufgeht. Nimmt man mal all dieses Herzzerreißende, Emotionale raus aus dieser Geschichte, so bleibt eine ebenso nüchterne wie hilfreiche Erkenntnis. Jeder Mensch ist lernfähig und was man ihm selbst nicht geben kann oder worin man sich selbst nicht durchsetzen kann, das geschieht dafür an anderer Stelle. Und wenn man dann nicht zu harsch mit dem "bösen Jungen" verfahren ist, dann kommt er eines Tages zurück.

Manche Leute können gut Grenzen setzen, weil sie die Gegenreaktionen gut einstecken können. Und das können sie, weil sie es sich gestatten, sich nicht so viele Gedanken zu machen. Ich habe diese Sache, die mir - drastisch gesprochen geradezu kaltblütig vorkommen kann - mal als sehr nützlich empfunden, als ich nur mal meinen Vater rechtzeitig besuchen wollte, als er schon schwer krank war und ungewiss war, wie lange er noch leben würde. Mein Psychiater hat mir da mit dem Stichwort des "Katastrophisierens" einen nützlichen Hinweis gegeben und so schaltete ich alle sorgenvollen Gedanken ab, in was für einem Zustand ich meinen Vater vorfinden würde, um wenigstens die lange Reise zu ihm zu schaffen. Und das war gut so. So konnte ich meinen Vater ein letztes Mal vor seinem Tod sehen, was für ihn sicher auch angenehmer war, als wenn ich mich in sorgenvollen Gedanken verrannt hätte, dafür aber untätig ferngeblieben wäre.

Es gibt einen ganz einfachen Spruch: Verstehen kann am Handeln hindern. Wenn dieser Spruch einem zu hart erscheint, kann man ihn ja individuell für sich maßschneidern.

Liebe Grüße

Laura

edit: Korrektur: Die Erzählung von Marie von Ebner-Eschenbach, die ich meinte, ist "Die Spitzin". Ein interessantes Gleichnis, wodurch Hass entstehen und wodurch er sich wieder legen kann.
Zuletzt geändert von Laura am Sa 10. Jul 2010, 00:16, insgesamt 1-mal geändert.
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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Re: Neid-Ablehnung- Hass!!!!!

Beitragvon cake » Fr 9. Jul 2010, 08:26

Laura- Das war ein klasse Beitrag von Dir. Super-ein großes Lob. :wink: :wink: :wink: :wink:

Smilla- allen geht ja auch nicht :wink:
Aber begreifen möchte ich schon können. :-k :wink:
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Re: Neid-Ablehnung- Hass!!!!!

Beitragvon Laura » Sa 10. Jul 2010, 00:39

Hallo cake!

Was Dich mit Deiner Frage umtreibt kann man auch drastisch als eine Frage nach dem Bösen im Menschen umformulieren. Und diese kann einen dann ganz großflächig zu der Frage führen, wo kommt es überhaupt her? Welchen Ursprung hat das Leid in der Welt?

Ja, es gibt die Losung, um etwas zu ändern, muss man es erstmal verstehen. Leute wie Hannah Ahrendt und Rüdiger Safranski haben sich schon damit beschäftigt, wie es kommt, dass manche Leute den "bösen" Weg einschlagen und unter welchen Bedingungen. Die stehen bei mir noch ungelesen im Bücherschrank. Von Hannah Ahrendt weiß ich aber, dass ihr das Verstehen als solches das Wichtigste war, nicht das Wirken.

Na ja, willst Du meinen Senf hören? Ich neige sehr dazu, mich in philosophischen und erkenntnissuchenden Gedankenwelten geradezu zu verlieren. Diese Gedankenwelten sind leider recht grau bei mir. Und wenn ich dann mal zu einer Antwort auf eine hochkalibrige Frage komme, dann ist diese Antwort erstaunlich platt und ich wusste sie theoretisch auch schon vorher, aber eben nur theoretisch. Es gibt Gemeinsamkeiten und doch Unterschiede zwischen Menschen. Der eine geht auf diese Weise mit negativen Erfahrungen um, der andere auf solche. Leute, die beständig Dreck in die Welt setzen, weil sie selber viel davon abbekommen haben, sehen sich selbst nicht als Dreckschleudern. Sie sehen sich vielmehr in der Defensive. Mal ganz vereinfacht ausgedrückt ist es auf der Welt vielleicht so, dass man als Mensch immer wieder vor der Entscheidung steht: Lieber depri oder lieber aggressiv? Aber irgendwie findet man doch immer wieder Gleichgesinnte.

Und die Psychologie als moderne Form, psychisches Leid zu lindern und Aggressionen zu beschwichtigen, hat halt auch ihre Tücken. Teils ist der therapeutische Rahmen tatsächlich ein Schonraum und macht die Welt ein bisschen besser, teils ist er nur ein weiterer Kriegsschauplatz.

Und, well, der Mensch ist nicht nur vernunftbegabt, der Mensch hat auch Bedürfnisse und Begierden. Ich weiß nicht, ob Zufallsgenerator das richtige Wort wäre, um das menschliche Miteinander besser zu verstehen. Das kann man ja sehr pessimistisch auslegen.

Mal eine ganz persönliche Frage, die Du aber nicht persönlich beantworten musst: Deine Frage nach den dunklen Seelenanteilen im Menschen...hast Du Deine eigenen dunklen Seelenanteile noch nicht entdeckt? Selbst wenn Du eine ungewöhnlich friedfertige Zeitgenössin bist, so hast Du im Leben sicher auch schon mal sowas wie z. B. Neidgefühle gehabt, selbst wenn nur in leichterer Form. Welches Kind hat nicht schon mal nach dem tollen Spielzeug von anderen Kindern geschielt?

Liebe Grüße

Laura
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Re: Neid-Ablehnung- Hass!!!!!

Beitragvon cake » Sa 10. Jul 2010, 14:49

Welches Kind hat nicht schon mal nach dem tollen Spielzeug von anderen Kindern geschielt?
richtig, da gabs damals auch mal eins auf die Mütze mit dem Bauklotz Laura. :wink:
Lieber depri oder lieber aggressiv?
Ja, das ist eine gute Frage.- ich wurde depressiv.
Vermutlich kann ich gar nicht so richtig aggresiv werden.
Mal eine ganz persönliche Frage, die Du aber nicht persönlich beantworten musst: Deine Frage nach den dunklen Seelenanteilen im Menschen...hast Du Deine eigenen dunklen Seelenanteile noch nicht entdeckt
Doch, ich fühle Wut. :evil:
Aber das lasse ich mir nicht richtig zu. ich denke ich muß das Gefühl im Keim ersticken, so dass es eben nicht eskaliert.
Denn
teils ist er nur ein weiterer Kriegsschauplatz.
:-k
Leute, die beständig Dreck in die Welt setzen, weil sie selber viel davon abbekommen haben, sehen sich selbst nicht als Dreckschleudern.
Auch ich habe viel Dreck erlebt, aber ist es legitim, andere, die nichts dafür können damit zu bewerfen? Ich denke nein.
Vielleicht richtet sich meine Wut hauptsächlich gegen mich selbst, und deshalb war ich lange Jahre in der Krise. :-k
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