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Kann man zu krank sein, für die Psychiatrie?

Verfasst: Di 4. Feb 2020, 22:43
von Meik.B.
Hallo an Alle
Ich stelle mich mal vor.
Meik nennt man mich, bin 50j. und habe schon das ein oder andere an Therapien durch.
Genauso viele Diagnosen, die aber nicht immer gepasst haben.

Bis zum 6. 05. 2018 hatte ich die Diagnosen: kPTBS, Angsterkrankung, Panikattaken, Depressionen, soziale Phobie, Klinefelter Syndrom.

Doch dann kam der sechste Mai zweitausend achtzehn, 16:40h, danach hatte ich dann noch andere Diagnosen dazu bekommen: Hirnstamm Infarkt, PFO Verschluss, Stork Unit Depression, Aortenaneurysma und Schlafapnoe-Syndrom (SAS)
meine psychischen Vorerkrankungen habe ich trotzdem noch.

Durch den einen oder anderen Klinikaufenhalt weiß ich, dass ich meine Themen was die kPTBS angeht, nie in eine Gruppentherapie sagen darf, da es die Gruppe sprengen wurde. Den jede/r hat sein Päckchen zutragen.

Jetzt mit den Zusatz, sind meine Gedanken und Grübel Einheiten anders. Da ich noch nicht weiß, ob meinn Aortenaneurysma operiert werden kann (die Lage ist sehr schlecht) Sind meine Gedanken eine Mischung aus Leben, Sterben und der Tod. Früher wollte ich wenn es alles zuviel wurde sterben. Doch heute ist es anders, da will ich leben!!

Weil durch meinen Hirnstamm Infarkt musste ich vieles neu lernen, bzw es begleitet mich auch heute noch sehr stark im Alltag, was mich teilweise an Haus fesselt oder gar nur flachliegen läßt.

Mein Mann und ich gehen normal mit den Themen um, manchmal auch mit viel schwarzen Humor, da man sonst verrückt wird. Zukunftspläne haben wir, auch wenn diese sehr eingeschränkt sind, durch meine Krankheiten. Wir reden viel mit einander, ob es die Krankheiten sind, oder auch Alltägliches was das Leben ausmacht, wir lachen viel und Streiten tuen wir auch. Da wir uns die Zeit für alles das nehmen und so jeder von uns über den Anderen erfährt was los ist und nicht was der andere meinen könnte.

Vor wie auch nach meinen Hirnstamm Infarkt und den ganzen anderen Diagnosen hatte ich einige Kliniken wie auch Tageskliniken angerufen und nach einer Behandlung gefragt, aber irgendwie immer eine Absage bekommen. Ich solle erst einmal die neurologischen Ausfälle bzw das Aneurysma behandeln lassen und mich dann wieder melden.

Wollte dieses Jahr noch mal versuchen eine psychosomatische Reha zu machen. Um mal hier raus zukommen.

Re: Kann man zu krank sein, für die Psychiatrie?

Verfasst: Mi 5. Feb 2020, 10:08
von mamschgerl
Hallo,
erstmal finde ich es total gut, wie du und dein Mann mit allem umgehen und denke, daß man so auch ohne alle seelischen und körperlichen Einschränkungen miteinander umgehen sollte, eben ganz normal und ehrlich.
Wenn dann noch schwarzer Humor entwickelt werden kann, um dem Ganzen die Spitze zu nehmen, finde ich das - aus persönlicher Sicht und dementsprechendem Umgang mit eigenen Störungen - am besten.

Auf die Frage hin, ob man körperlich zu krank sein kann, um in einer psychiatrischen Klinik aufgenommen zu werden, möchte ich - rein subjektiv - zu bedenken geben, daß eben in der psychiatrischen Klinik allenfalls auf psychosomatische Erkrankungen Rücksicht genommen werden kann, weil diese oft einen Teil der eigentlichen psychischen Erkrankung darstellen.
Die einzige Mischform hinsichtlich organischer und körperlicher Erkrankung habe ich in der Klinik erlebt, in der ich mich aufgehalten habe.
Neben der psychosomatischen, psychiatrischen und Trauma - Abteilung im 3. und 4. Stockwerk befanden sich in der 1. Etage die Kardiologie und in der 2. die Onkologie.
Ansonsten sind diese Kliniken nicht darauf ausgerichtet, andere als psychiatrische Krankheitsbilder zu behandeln. Mein andauernder Husten ( der sich bei Rückkehr nachhause als Symptom einer Krebsvorstufe bei meinen Stimmlippen entpuppte ) hätte auch außerhalb der Klinik abgeklärt werden müssen.

Ich verstehe daher also schon irgendwie, daß man sich zumindest körperlich in einigermaßen stabilen Zustand befinden sollte, bevor man sich in der psychiatrischen Klinik stationär aufnehmen lassen kann, denn der Focus liegt nun mal auf der Psyche des Patienten.

Also daher: ja, man kann körperlich zu krank sein für die Psychiatrische Klinik.

L.G. mamschgerl

Re: Kann man zu krank sein, für die Psychiatrie?

Verfasst: Mi 5. Feb 2020, 10:17
von mamschgerl
P.S. Begleitend wäre vielleicht eine ambulante Psychotherapie möglich als Alternative, also nicht unbedingt eine Klinik, sondern einfach nur in der Praxis des/der Therapeuten/Therapeutin, um mit der psychischen Belastung durch deine körperlichen Erkrankungen besser umgehen zu können.
So wird es übrigens auch in dieser Klinik gehändelt bei den Patienten der Kardiologie und natürlich der Onkologie, deren Zukunftsprognosen alles andere als rosig aussahen...
Es funktioniert also nur in der Richtung, daß ein körperlich Erkrankter zwar psychischen Beistand, aber ein psychisch Erkrankter keine Unterstützung bzw Behandlung bei körperlichen Erkrankungen erhalten kann.

Re: Kann man zu krank sein, für die Psychiatrie?

Verfasst: Do 6. Feb 2020, 17:17
von Meik.B.
Hallo Mamschgerl,
Danke erst einmal für deine Antwort.
Ich war vor 3 Jahren mal zu einer Notfall Sprechstunde beim Therapeuten. Doch die Dame hatte mir, wie auch meiner Krankenkasse mitgeteilt, dass ich erst eine stationäre Trauma Therapie machen sollte und dann ambulant bei einen Therapeuten.

Durch Erkundigungen gibt es in Deutschland nur wenige Kliniken für männlichen Traumakliniken und 2 Kliniken (Stand 2017) die Männer in mein Alter aufnehmen, zu den Thema sexuellen Missbrauch und Gewalt. Bei mir kam das mit den Missbrauch erst mit 30 Jahren heraus, da mein Unterbewusstsein es verdrängt hatte.

Doch bin ich auch der Meinung, das die Psyche im Gleichklang sein muss um die körperlichen Erkrankungen besser voran schreiten zu lassen. Deshalb wollte ich mir die Hilfe suchen. Und auch wenn ich das Leben jetzt liebe, gibt es momente die mir Angst machen. Man könnte schon von Zwangsgedanken reden. Weil mir die Diagnosen manchmal zu viel werden. Das ich meinen Mann, meine Autoschlüssel mit gebe, wenn er zur Arbeit fährt.

Dieses warten auf Auswertungen von Untersuchen und die Mischung aus Bangen und Hoffen macht mich fertig, auch wenn ich versuche es mir nicht anmerken zu lassen. Vor 2 Wochen war ein mal wieder zum CT, da man abklären lassen wollte, ob in Leber, Milz, Niere irgendwo ein Tumor ist, zum Glück war da nichts aber dafür im Spinalgang eine Entzündung.
Heute hatte man von der Radiologie noch mal angerufen und ich soll am 14.02. wieder zum CT kommen, da man noch mal was nachschauen muss. Irgendwie geht mir das alles wieder an die Nerven.

Ich muss sehen wie alles weiter geht.

Danke und Gruß

Meik

Re: Kann man zu krank sein, für die Psychiatrie?

Verfasst: Do 6. Feb 2020, 20:15
von mamschgerl
Hallo Meik,
in der Klinik, in der ich zwei mal zur Behandlung war - beim zweiten Aufenthalt in der Trauma-Abteilung - waren die Patienten von 20 bis 70 Jahre alt, Männlein und Weiblein und alle hatten ihre eigene, sexuelle Orientierung ( wie man so schön sagt ) und wenn wir uns zur eigenen Gruppentherapie im Rauchereck getroffen haben, konnten wir alles ansprechen, wenn wir wollten oder auch einfach den Mund halten und nur zuhören.
Von der eigentlichen Gruppentherapie halte ich nichts, weil sie mir außer Beklemmungen und Panikattacken nichts bringt, doch für alles Wichtige gab es drei bis vier Einzelgespräche die Woche.
Wie man mit den Behandlungsmethoden klarkommt ( die sich nicht von anderen Kliniken unterscheiden ), liegt natürlich bei jedem selbst, doch ich fand die Klinik aufgrund ihrer Einzelzimmer mit Balkon und der damit verbundenen Privatsphäre, fast direkt am Chiemsee, wo man sehr schön die Seele baumeln lassen kann, im Großen und Ganzen okay.
Was ich nicht ganz nachvollziehen kann ist, daß du begleitend oder auch bis zur Aufnahme in einer Klinik keine ambulante Therapie machen kannst.
Bis zur Erstaufnahme war ich in Therapie bei einer Ärztin, die ich in der psychiatrischen Notaufnahme kennengelernt habe. Bis zu meinem ersten Termin bei einer Psychiaterin, die zudem für die Medis zuständig war, musste ich cm 2 Monate warten, in die Klinik kam ich relativ schnell, also nach ca einem halben Jahr. Bis zum zweiten Mal musste ich gute zwei Jahre warten, aber die Aufnahme in der Trauma-Abteilung läuft a bisserl anders als in der psychosomatischen.
Die Ursachen für meinen Zusammenbruch kamen auch erst spät zutage, nämlich Ende 2013, da war ich 48.
Wie es sich anfühlt, nicht zu wissen, was mit dem Körper los ist, kann ich nachempfinden, da ich bereits drei OPs hinter mir habe, die mit Krebs zu tun haben, aber die Zeit zwischen der Biopsie bis zur Diagnose, der OP und bis zur Nachuntersuchung ist fürchterlich.
Der eigene Tod hat mich nie beschäftigt, nur die Todesart und darüber denkt man in den Zeiten der Ungewissheit extrem verstärkt nach.
Da bekamen die Gespräche mit der Therapeutin eine ganz andere Qualität, daher sollte der nächste Hausarzt aufgrund deiner bereits gesicherten Diagnosen erst recht eine Überweisung zur Psychotherapie ausstellen.
Wenn man eh schon psychisch derart angeknackst ist, kommen körperliche Sachen ganz schlecht und damit umzugehen, fällt "normalen" Menschen schon nicht leicht...
Ach ja, die Klinik, in der ich war, heißt St.Irmingard und befindet sich in Prien am Chiemsee.
Schau doch mal im Internet...
L.G.
mamschgerl

Re: Kann man zu krank sein, für die Psychiatrie?

Verfasst: Do 6. Feb 2020, 20:15
von Meik.B.
Hallo Mamschgerl,

hatte ich vergessen zu erwähnen.
Gute Besserung.

Gruß Meik

Re: Kann man zu krank sein, für die Psychiatrie?

Verfasst: Do 6. Feb 2020, 20:18
von mamschgerl
....Ähm, den verstehe ich jetzt nicht?

Re: Kann man zu krank sein, für die Psychiatrie?

Verfasst: Fr 7. Feb 2020, 12:15
von Meik.B.
Hallo,
Danke für deine Antwort und die Benennung der Klinik.

Mit der guten Besserung, meinte ich dein Krebs.

Später mehr

Gruß Meik

Re: Kann man zu krank sein, für die Psychiatrie?

Verfasst: Fr 7. Feb 2020, 18:58
von mamschgerl
...ah so, nein, nein, ich habe keinen Krebs mehr...alle OPs sind rechtzeitig durchgeführt worden und Metastasen haben sich keine gebildet.
Trotzdem danke für die Besserungswünsche, die ich einfach mal so annehme und sie einfach für meine psychischen Übelkeiten verwende :mrgreen:
L.G. mamschgerl