Gibt es psychiatrisch sowas wie Meinungsschwankungen?

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gert85
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Gibt es psychiatrisch sowas wie Meinungsschwankungen?

Beitragvon gert85 » Fr 4. Okt 2019, 18:38

Ich frage für einen Freund, der den Namen eines Phänomens braucht um weiter zu recherchieren.

Als er damals den Film Matrix gesehen hat, fiel ihm auf, dass er in einer Art Meinungshamsterad steckt.

Morgens um 10 dachte er: Vielleicht stecken wir tatsächlich in einer Matrix.
Mittags um 12 dachte er: Nein, es gibt einen Gott, Matrix ist Quatsch.
Nachmittags gegen 16 Uhr dachte er: Nein, es gibt keine Matrix und keinen Gott, es ist einfach wie es ist.
Abend um 18 Uhr dachte er: Eigentlich habe ich gar keine Meinung dazu

Das ganze wiederholte sich immer wieder, tagtäglich. Es war durchaus schon eine Art Grübelzwang: Jeden Tag das gleiche Prozedere mit den gleichen wechselnden Ansichten zu den gleichen Zeiten. Wir haben ähnlichen Phänomene unter dem Stichwort "Multiple Persönlichkeit" gefunden, dort steht aber, dass sich Persönlichkeit B nicht an Persönlichkeit A und deren Gedächtnis erinnert und er hat ja ein durchgehendes lückenloses Gedächtrnis. Deshalb also die Frage: Gibt es dafür einen Namen, ein fachwort, analog zu Stimmungschwankung vielleicht Meinungsschwankung?

mamschgerl
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Re: Gibt es psychiatrisch sowas wie Meinungsschwankungen?

Beitragvon mamschgerl » Sa 5. Okt 2019, 08:29

Hallo gert,
ich denke, daß die Meinung an sich etwas sehr subjektives und schon von daher Schwankungen unterlegen ist, also insofern noch nicht mal im Ursprung an den jeweiligen psychischen Störungen festgemacht werden kann.
Zur Meinungsbildung gehört nun mal, Erfahrungen zu sammeln, pro und contra abzuwägen und dann natürlich seine eigene Empfindung bei dem jeweiligen Thema auszumachen, so daß am Ende eine Menge Faktoren zusammenspielen, die dann die eigene Meinung bilden.
Wenn man nun dazu noch die jeweilige Tagesstimmung dazukommt, kann es durchaus vorkommen, daß sich eine andere Meinung herauskristallisiert, für die man vorher noch nicht offen war.
Aber all das hat bis dahin noch nichts mit einer psychischen Störung zu tun, es ist ein einfaches Nachdenken über das jeweilige Thema, je mehr Hintergrundwissen, je mehr Erfahrung, je mehr fundiertes Wissen und dann dazu die eigene Wahrnehmung, das kann und muß zwangsläufig zur Änderung der vorher gefassten Meinung führen.
Nimmt man jetzt psychische Störungen dazu, also Depressionen, Angstattacken und so weiter und so fort, dann ändern sich persönliche Ansichten mitunter mehrmals täglich, weil die eigene Wahrnehmung gestört ist und man sich selbst stellenweise nicht mehr findet. Wie also sollte man unter diesen Voraussetzungen eine eigene Meinung bilden können? Hier handelt es sich dann wohl eher um Stimmungswiedergaben, zu denen diese Meinung passt, aber nicht um eigene, personenbezogene und auf wirklichen Erfahrungen und Überlegungen heraus gebildete Meinung.
Tja, was soll ich sagen?
Das ist meine Meinung :mrgreen:
Grüße, mamschgerl

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Laura
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Re: Gibt es psychiatrisch sowas wie Meinungsschwankungen?

Beitragvon Laura » Mi 9. Okt 2019, 14:00

Hallo gert!

Zu meinem Gottesglauben gehört, dass sogar Gott Schonung und Selbstschutz braucht und sich nicht auf jede theologische Diskussion einlassen kann.

Heutzutage leuchtet es vielen Menschen aber eher ein, dass die Natur an menschlichem Handeln zugrunde gehen könnte, also haben wir jetzt eine Art Öko-Boom, auch in geschäftlichem Sinne, der zu Meinungsverschiedenheiten und Meinungsschwankungen führt.

Zu Deiner eigentlichen Frage:

Existenzielle Unsicherheit kann man auch empfinden, ohne ein Fall für die Psychiatrie zu sein. Insofern ist "Matrix" nur eine von vielen Kultgeschichten, die diese Unsicherheit verschlimmern oder seltenerweise auch erstmalig auslösen können. Es gibt eine Welt um einen herum und selbst wenn man der Meinung ist, man befände sich gerade in einer künstlichen Welt, so muss man immer noch aufpassen und darf sich nicht einfach so austoben. Und was all diese Geschichten angeht, deren Reiz in ihrer Rätselhaftigkeit besteht (oftmals aus den Genres Fantasy oder Science-Fiction), dazu fällt mir nur das "Allerweltswort" ein, dass man schon aufpassen muss, sich nicht in ein Thema oder auch in seine Ängste hineinzusteigern.

Ich hab mir neulich den Film "Verschollen" (also "Cast Away") angeguckt, den ich auch nur als eine Art verfilmten Albtraum bewerten möchte, obwohl die Filmhandlung nicht zeigt, dass der Protagonist aus seinem Albtraum wieder aufwacht. Da könnte ich soooo viel hineininterpretieren und es würde doch nur von meinen Ängsten zeugen. Nur so viel, für den Protagonisten ist Zeitdruck etwas sehr Schlimmes und etwas, wofür er nichts kann, aber wenn er selber vom Zeitdruck profitieren kann, indem er ihn gegen seine Mitarbeiter anwendet (und letztlich auch gegen seine Freundin), dann fühlt er sich sogleich viel sicherer. Während seiner Robinsonade erhebt er wieder schwere Vorwürfe gegen "die Zeit", einfach weil er gerettet werden will.

Technik spielt da auch eine Rolle, nämlich in Form eines Flugzeugabsturzes. Wenn ich sowas sehe, denke ich "Hoffentlich lässt Gott so etwas nicht zu". Die Filmhandlung lässt alles so erscheinen, dass der Flugzeugabsturz nicht so schlimm war wie die lange Zeit auf der winzigen, einsamen Insel. Aber auch zu diesem Teil der Handlung fällt mir nur ein zu hoffen, dass Gott so eine Erfahrung niemandem zumutet, es sein denn, in Form eines Albtraums, um z. B. einen Hektiker zu bremsen.

Was mir nicht behagt, ist die Einstellung: Wenn's schlimm verläuft, dann steckt ein schlimmer Gott dahinter und wenn's gut verläuft, dann hat sich ein beteiligter Mensch als Genie entpuppt und Gottes Vorleistungen interessieren dann nicht mehr...

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.


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