Über den Sinn und Unsinn...

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mamschgerl
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Über den Sinn und Unsinn...

Beitragvon mamschgerl » Mi 10. Apr 2019, 06:04

...von manchen Behandlungsmethoden habe ich mich anderweitig schon ausgelassen.
Mittlerweile gibt es doch tatsächlich Bestrebungen, die Behandlungsmethoden gezielt dem individuellen Patienten anzupassen; daß ich das noch erleben darf...obwohl, ich bezweifle, daß ich persönlich in den Genuss kommen werde, denn das Umdenken nach erfolgten Studien in Kliniken und der ambulanten Therapien passiert natürlich gaaanz laaangsam.
Einerseits ist es schon ziemlich traurig, daß man jetzt erst dahinterkommt bzw es mal zugibt, daß zB die Konfrontationstherapie vielleicht doch nicht immer der Weisheit letzter Schluss ist und es nicht bei jedem hilft, sich das Trauma immer und immer wieder in Gedächtnis zu rufen, sondern genau das Gegenteil bewirkt und den Betroffenen in einen Zustand permanenter Panik versetzt.
Man beginnt zu verstehen, daß Gruppentherapien ebenfalls nicht für jeden geeignet sind und sich einige völlig überfordert eher ausgeliefert fühlen.
Es gibt noch einige Beispiele, aber ist es nicht im Grunde eine Frechheit, daß erst ein Arzt kommen muß, der das ( bei Patienten längst bekannte ) Übel benennt, daß es eben keine pauschale Behandlungsmethode gibt und man diese an den Patienten anpassen müsste, um überhaupt sich dem Ziel, daß der Betroffene mit den Symptomen leben kann, anzunähern.
Welch Wunder, wer hätte das gedacht, bei dem Patienten handelt es sich um einen Menschen, ein Individuum, der kann sogar denken...
Hier wird wieder einmal überdeutlich, daß man als Patient völlig machtlos dem gegenübersteht, was gerade an "Heilungsmöglichkeiten" angesagt ist.
Ja, es bedeutet Arbeit, Einfühlungsvermögen, Zuhören, Hinschauen, Erkennen und die wichtigste Voraussetzung: den Patienten als eigenständigen Menschen wahrzunehmen, der sich nicht aufgrund seiner Diagnose in eine Schublade drängen und mit der dafür vorgesehenen Behandlungsmethode x heilen lässt.
Eigentlich sollte man bei Ärzten einen gesunden Menschenverstand erwarten können, aber irgendwie ist Flexibilität nicht deren Stärke. Einerseits von Betroffenen zu erwarten, festgefahrene Wege zu verlassen, Verhaltensweisen zu ändern, Neues zuzulassen, aber selbst starr und eisern an Behandlungsmethoden festhalten, auch wenn es offensichtlich dadurch zu Verschlechterungen des Gesamtzustands führt.
Schön, daß man sich als Betroffener nun endlich bestätigt fühlen darf und nicht mehr an sich selbst zweifeln muß, wenn alle Therapien gescheitert sind.
Für viele kommt diese Einsicht zu spät und die falschen Behandlungen haben bereits irreversiblen Schaden angerichtet.
Mich macht es wütend, daß meine Bitten nicht erhört wurden, ich als unkooperativ, austherapiert bzw therapieresistent abgestempelt und zusätzlich mit weiteren Diagnosen behaftet wurde.
Das Gefühl, hinter einer Glasscheibe zu stehen, winkend, rufend, schreiend, aber nicht gehört zu werden, hat mich weder in der ambulanten Therapie noch in der Klinik verlassen, im Gegenteil, es wurde verstärkt.
Aber als Patient wird man nur erhört, wenn man brav sein Fingerchen hebt und vermeldet, daß es einem schon viel besser gehe...

mamschgerl
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Re: Über den Sinn und Unsinn...

Beitragvon mamschgerl » Do 11. Apr 2019, 07:54

...ich habe mich gerade an ein Gespräch mit einer ( für meine Begriffe ) zu jungen Therapeutin während meines zweiten Klinikaufenthaltes erinnert.
Ich dachte daran, wie aussichtslos und unergiebig dieses Gespräch war, denn diese gerade mal Mittzwanzigerin hatte außer einer behüteten Kindheit, ihrer Schule, der Uni, ihrem Freund, ihrem bisherigen Leben also, nichts erlebt, was außerhalb ihrer eingeschlagenen Route außergewöhnliche oder nennenswerte Eindrücke bei ihr hinterlassen hätte.
Es war leicht für mich, das Frage-Antwort Spiel herumzudrehen und am Ende war sie es, die mir erzählte, was sie so antreibt und ich fand sie langweilig, unbedarft, naiv, lebensfremd.
Für mich war völlig klar, daß sie außer ihren Lehrgängen und Seminaren nichts vorzuweisen hatte, keinerlei Lebenserfahrung, kein irgendwie gearteter Umstand im Leben, bei dem sie sich auch nur annähernd in einer Ausnahmesituation befunden hätte...
Ist es verwunderlich, daß ich mir dachte, daß ich eher für sie eine Ratgeberin hätte sein können, als umgekehrt?
Ist es nicht hier schon im Ansatz völlig daneben, mir jemanden für Einzelgespräche zur Seite zu stellen, die überhaupt nicht verstehen kann, was in so einem Kopf ( wie eben den meinigen ) vor sich geht?
Ein Mensch, der aufgewachsen ist in einer Zeit, in der das Thema meines Traumas nicht mehr tabuisiert wird, in der es Anlaufstellen gibt, an die man sich als Betroffener wenden kann, in der Lehrkräfte und Ärzte aufmerksamer sind und Vorkommnisse, die darauf hinweisen, melden...ein solcher Mensch soll verstehen oder nachvollziehen können, wie es früher war oder sogar Wege aufzeigen können, wie man damit umgehen kann?
Ich denke, daß sie aufgrund ihrer Anteilnahme vielleicht einmal irgendwann eine mittelmäßige Psychotherapeutin sein könnte, wenn sie es solange durchhält, denn die Balance zwischen besagter Anteilnahme und Distanz hat sie noch nicht gefunden.
Bei Steetworkern weiß man, daß diese in der Regel selbst den Weg gegangen sind wie diejenigen, denen sie helfen wollen; daher wissen sie genau, von was sie reden bzw was die Betroffenen durchmachen.
Meine Schwester war nur so gut als Sozialpädagogin für Kinder und Jugendliche aus schwierigen Elternhäusern, weil sie eben genau wusste, wie es sich auf die Betroffenen auswirkt und daher auch nützliche Hilfen anbieten konnte und kein leeres und sinnloses Gerede vom Stapel ließ, nachgeplappert und auswendiggelernt.
Sicher, sie hat mit Mitte 50 aufgehört, weil sie nicht mehr konnte und wahrscheinlich hat sie mit ihrer Arbeit, während der sie sich wohl auch selbst "heilte", irgendwann auch mal genug des Guten getan.
Die Kehrseite ist nun mal, daß man nur gut sein kann, wenn man weiß, was Sache ist, aber andererseits ist das auch derselbe Grund, weswegen man das irgendwann nicht mehr ertragen kann.
Ich denke, daß ich mich lieber mit einem Menschen austausche, der genügend Lebenserfahrung hinter sich gebracht und auch schon Pferde kotzen gesehen hat, der weiß, daß es Monster und Dämonen in dieser Welt gibt und sich hinter einem Lächeln ein krankes Hirn verbergen kann.
Von einem solchen Menschen fühle ich mich verstanden, dem muß ich mich oder die Umstände vor fast 50 Jahren nicht erklären, aber einen solchen Therapeuten oder Psychiater habe ich bisher noch nicht getroffen.
Bis auf den Chefarzt der psychosomatischen Abteilung während meines ersten Klinikaufenthaltes, der zumindest mit Lebenserfahrung und einem Burnout ( das weiterhin unterschwellig anklopfte ) aufwarten konnte; dieser Mensch strahlte auch dementsprechende Kompetenz aus.
Erwarte ich zuviel?

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Laura
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Re: Über den Sinn und Unsinn...

Beitragvon Laura » Do 18. Apr 2019, 14:12

Hallo mamschgerl!

Lassen wir mal Erwartungen beiseite (es sei denn, man konfrontiere die schlechteren Psychohelfer damit, was sie denn erwarten, was da an Hilfe für Hilfsbedürftige rausspringen soll, wenn sie (die inkompetenten unter den Helfern) einerseits selber nicht so recht wissen, was zu tun ist, aber dann doch meinen, sie wüssten es stets wenigstens immer noch besser als jeder Hilfsbedürftige. Und um sich ganz individuell auf einen Patienten einzulassen, das ist - sachlich betrachtet - eher was für den ambulanten Bereich. Immerhin müssen Psychotherapeuten, die diesen Titel verdient haben wollen, in ihrer (postgraduierten) Weiterbildung zum Psychotherapeuten noch die Hürde nehmen, in dieser Weiterbildung gegenüber dem Lehrtherapeuten die Rolle des Patienten einzunehmen und ein guter Lehrtherapeut darf sich nicht scheuen, den angehenden Therapeuten auch die Schattenseiten einer Therapie spüren zu lassen, wenn er in dieser halb authentischen, halb simulierten Trockenübung also auch mal ein Beispiel für schlechtes therapeutisches Verhalten vorspielt. Ich finde, es geht ganz häufig um Dinge, bei denen einem Freunde oder Bekannte nicht zuhören wollen, weil sie einen eben überempfindlich finden. Doof, wenn so ein Helfer dann auch "sensationelle" Probleme erwartet, damit er als "besonders guter" Helfer glänzen kann. Geläufigere Probleme bedeutet für manche Helferohren ja doch nur, da würde sich jemand ja nur langweilen.

Muss jetzt leider für heute abbrechen.

LG

Laura
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Re: Über den Sinn und Unsinn...

Beitragvon mamschgerl » Do 2. Mai 2019, 18:28

...möchte hier an dieser Stelle mal wieder erzählen, wie leichtfertig und schnell Ärzte bei der Verschreibung von ADs sind...
Ich war heute wegen eines neuen Rezeptes für meine Ibuprofen 800mg, die ich für akut auftretende Bandscheibenschmerzen brauche, bei meiner Hausärztin, einer Internistin.
Wir unterhielten uns natürlich auch über mein sonstiges Befinden, wobei ich erwähnte, daß ich außer besagtem Schmerzmittel in der Not nichts anderes mehr einnehmen würde, mein Gewicht schon um einiges reduziert habe, mindestens 2 1/2 Bus 3 Liter Wasser pro Tag trinke ( ich war zuletzt Oktober 2016 bei ihr, seit Dez. 2016 nehme ich keine ADs mehr ) und sie meinte sofort, ob es denn nicht klüger wäre, wieder ADs zu nehmen, es gäbe doch mittlerweile gute, neue Medikamente, die nicht unter anderem die Nebenwirkung der Gewichtszunahme hätten...wie gesagt, sie ist Internistin, keine Psychiaterin, trotzdem will sie mir ADs aufschwatzen, warum? Ich sitze da und erzähle stolz, daß ich von allem weg bin, das meine Psyche beeinflusst und mein Wesen verändert und sie will mir trotzdem das Zeug verschreiben und das auch noch mit dem Hinweis auf das Körpergewicht, als ob das ein Grund wäre, dieses Zeug zu schlucken.
Ich habe wirklich andere Sorgen als die, wie es um meine Figur bestellt ist...aber irgendwie habe ich den Eindruck gewonnen, daß Ärzte sich einfach, und sei es nur in der Sprechstunde, sich nicht mit psychisch angeknacksten Leuten auseinandersetzen wollen; es ist ja auch viel einfacher, einen teilsedierten und widerspruchslosen Patienten zu behandeln als einen, der zwar unter Emotionskontrolle leidet, aber unbequemerweise mit wachem Verstand alles hinterfragt oder gar in Frage stellt ( ganz abgesehen davon, welche Vorgaben man - hinsichtlich der Menge der Rezepte, die man für ein neues Mittelchen auf dem Markt auszustellen hat - vom Pharmavertreter erhalten hat ).
Aber...ich konnte mich zusammenreißen und habe lediglich mehrmals mein deutliches und klares 'Nein, danke' wiederholt, bis sie es dann doch aufgegeben hat und im Nachhinein kann ich ganz zufrieden mit mir sein, denn ich konnte keine unangemessene Reaktion bei mir feststellen, nicht mal geheult habe ich :mrgreen:
Das wäre mir unter Medikamenteneinfluß nicht so gut geglückt, aber das hätte sie wohl auch nicht verstanden.

Ich denke, wenn sich manche Ärzte einfach nur mal ihren Eid zu Herzen nehmen und nicht ohne eigene Recherchen irgendein angeblich neues, tolles, bahnbrechendes Mittel verschreiben würden, ihren Job und ihre Patienten ernst nehmen und nicht derart hinter Bonis, Vergünstigungen oder überhaupt dem schnöden Mammon hinterherhecheln würden, gäbe es diese Weltmacht Pharmaindustrie nicht mehr lange und eine Vielzahl an psychisch Kranken, die tatsächlich mit ihrer Krankheit zu leben lernen und nicht zusätzlich an den Nebenwirkungen der rosa Pillen zugrunde gehen würden.

Ach ja, man wird auch mal träumen dürfen, oder?

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Re: Über den Sinn und Unsinn...

Beitragvon Laura » Do 2. Mai 2019, 21:20

mamschgerl, ich habe bei anderen Fachärzten manchmal den Eindruck bekommen, dass sie sich gerne als "Hobby-Psychiater" betätigen wollen, wenn sich eine Gelegenheit zu bieten scheint. Denen ist ein Patient mit psychischen Problemen vermutlich eine interessante Abwechslung. Dass Deine Hausärztin ADs vorgeschlagen hat, kann ja immer noch mit dem Hintergedanken geschehen sein, dass Du dafür eigens einen Psychiater konsultierst. ....??? Wer hat Dir denn bisher Deine Psychopharmaka verschrieben, mamschgerl? Sorry, nach so langer Zeit, wie ich Deine Beiträge nun verfolge, hab ich's dennoch gerade nicht auf dem Schirm, von welchem Arzt Du all die Zeit Deine Psychopharmaka verschrieben bekommen hast. Von einem Psychiater, bzw. Neurologen oder doch von dieser Hausärztin?

Aber wie auch immer, wenn Du Dich auch ohne ADs stabil genug fühlst, dann ist weniger Chemie doch nur ein Plus sowohl für die seelische als auch die körperliche Gesundheit. Nach 16 Jahren regelmäßiger Einnahme von Neuroleptika, und zwischendurch auch mal das ein oder andere AD und ab und zu ein Benzochen habe ich nämlich Darmprobleme bekommen. Steht ja fast schon jeder Verkehrsampel geschrieben, dass damit nicht zu spaßen ist.
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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Re: Über den Sinn und Unsinn...

Beitragvon mamschgerl » Fr 3. Mai 2019, 09:46

Hallo Laura,
also kurz zusammengefasst:
Ende 2013 Nervenzusammenbruch, nach Besuch bei Notfallpsychiatrie ambulante Therapie bei Psychotherapeutin, gleichzeitig ambulante Therapie bei Psychiaterin - die hat mir die Medis verschrieben - zwischendurch 2014 für 6 Wochen Klinik und 2016 für 3 Wochen, weil ich abgebrochen hatte.
Citalopram, Venlafaxin, Seroquel, Mirtazapin und am Ende Elontril. Währenddessen knappe 50 kg zugenommen! Bewegungsunfähig, denkunfähig, gefühllos, cholerisch, abgestumpft...um nur einige Nebenwirkungen zu nennen, Mitte 2017 Abbruch der ambulanten Dauertherapie.

Stabil bin ich keineswegs, wie gesagt habe ich alle Symptome weiterhin, nur erlebe ich sie bewusstseinsklar. Der Vorteil für mich liegt darin, daß ich wesentlich besser reflektieren, meine Launenhaftigkeit erkenne und gegensteuern kann und daß mir Panikattacken, diffuse Angstzustände oder besser, die kompletten psychischen Störungen mit allem drum und dran mich nicht noch zusätzlich verzweifeln lassen, das war nämlich unter Medikamenteneinfluß der Fall.
Für mich war es das Schlimmste, nicht mehr unterscheiden zu können, was durch diesen Einfluß oder durch meinen eigenen Willen passierte. Wenn einem dann auch noch Ärzte erzählen, daß das völlig normal sei und einem zudem noch jede persönliche Note ( Eigenheiten wird man ja wohl noch haben dürfen? ) als Bestandteil der jeweiligen Störung und somit als nicht erwünscht deklariert, die man mit Wechsel der Medikamente in den Griff bekommen sollte, dann gerate ich wirklich in Panik und komme mir vor wie in einem schlechten Horrorfilm.

Ich habe erhebliche Probleme, im Alltag mit Menschen klarzukommen. Hätte ich nicht so früh ( Beginn dieser Karriere mit 12 / 13 Jahren ) schon mit Drogen und Alkohol all das verdrängt, damit ich es locker überspielen kann, wäre ich vielleicht schon früher mit der Psychiatrie in Verbindung getreten ( obwohl, so sicher bin ich mir da auch nicht... ). Das sind alles Spekulationen, denn die Probleme traten ja schon erheblich früher auf und kein Mensch hatte sich damals mit so etwas auseinandergesetzt oder die möglichen Hintergründe dafür erahnt.
Zu der Zeit war ich eben einfach ein 'Problemkind'...

Ach ja, diese Hausärztin weiß nur, daß ich in dauerhafter ambulanter Behandlung inkl. Klinikaufenthalten war, aber von dem Absetzen der Psychopharmaka hatte sie bis gestern nichts gewusst, weil ich seit Oktober 2016 nicht mehr zur Untersuchung erschienen bin...damals war ich - neben der Kontrolluntersuchung meines Blutbildes - auch wegen meiner Adipositas dort, um eventuell einen Appetitzügler oder eine adäquate Behandlung zu bekommen, aber darauf ist sie nicht eingestiegen.
Hätte eh keinen Sinn gemacht, weil ich zwar wahrgenommen hatte, daß ich immer fetter werde, es mir aber letztlich sch...egal war, eben bedingt durch die ADs.

Das Schlimme ist ja auch, daß nicht nur die psychischen Nebenwirkungen äußerst gravierend waren...wenn ich bedenke, daß ich durch den jahrzehntelangen Alkoholgenuß und durch die erhebliche Gewichtszunahme eine nicht zu verachtende Fettleber entwickelt hatte, die durch die Einnahme der ADs auch nicht besser wurde und sich mein Blutbild erheblich verschlechterte, so muß ich doch eigentlich davon ausgehen, daß sie mir einen Orden hätte verleihen müssen, statt mir erneut ADs aufschwatzen zu wollen.

Aber mit einem hast du recht, einige scheinen sich tatsächlich hobbypsychologisch betätigen zu wollen, so kam es mir wenigstens vor, als mein Sohn zum Arzt ging und diese Dame - ihres Zeichens auch Internistin - die just kurz vorher ein entsprechendes Seminar besuchte und wohl auch durch anwesende Pharmavertreter eine "Aufklärung" neuer ADs genossen hatte, bereits nach wenigen Minuten eine schwere Depression diagnostizierte und gleich Citalopram verschrieb.
Es war ein Kampf, meinen Sohn davon wieder wegzubekommen, die Wesensveränderungen waren gravierend und das Ausschleichen extrem schwierig.
Mein Sohn ist depressiv, aber er ist wieder er selbst. Die Medis rufen neue Probleme hervor und helfen nicht bei den ursächlichen, sondern verkleistern sie nur.

Oh je, ich rede mich schon wieder in Rage, also genug davon, ist ja auch alles nur als persönliche Erfahrung anzusehen und die daraus resultierende Entscheidung gegen Medis ebenso eine rein persönliche.

L.G. mamschgerl

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Re: Über den Sinn und Unsinn...

Beitragvon Laura » Di 7. Mai 2019, 13:31

Stabil bin ich keineswegs, wie gesagt habe ich alle Symptome weiterhin, nur erlebe ich sie bewusstseinsklar. Der Vorteil für mich liegt darin, daß ich wesentlich besser reflektieren, meine Launenhaftigkeit erkenne und gegensteuern kann
Liebes mamschgerl,

mit "stabil" meinte ich ja auch nicht "vollkommen gesund und glücklich", sondern - ganz dem psychiatrischen Jargon entsprechend - dass es gerade ebenso geht und auch konstant gerade ebenso geht, ohne dass gleich wieder Akutzustände irgendwelcher Art auftreten würden, die dann doch wieder Hilfe von außen erfordern würden. Also dieses "Kopf über Wasser halten", was an sich schon anstrengend genug ist, aber demgegenüber man auch schon schlimmere Zustände kennen gelernt hat.

An mir merke ich auch, dass, nachdem ich die NL so lange Zeit genommen habe und nun seit einigen Jahren nicht mehr oder nur noch phasenweise, dass ich dennoch psychosefrei bleibe, jedenfalls nicht mehr das habe, was man eine "Psychose im Vollbild" nennt. Mit allen anderen, schwächeren Symptomen kann ich ohne NL immer noch besser leben als mit ihnen und ja, das Reflektieren, dass eigene Innehalten, die eigenen "psychotherapeutischen inneren Dialoge" klappen ohne NL auch besser. Wenn selbst "Grübeleien" immer noch Psychosen fernhalten können, was wäre dann gegen "Grübeln" einzuwenden? Höchstens die Annahme, dass ein Übermaß an Grübeleien in einen Akutzustand führen können. Aber ich denke, ich habe mit der Zeit irgendwie gelernt, bei allzu vielem Grübeln selber gegenzulenken. Manchmal gestatte ich mir einfach den "Luxus", einen Gedankengang nicht weiterzugehen, einfach weil mir dieser Gedankengang nicht gefällt. Für die Ablenkung und für den Halt habe ich im Alltag ja immer noch die Tagesstätte, meinen CD-Spieler, meinen DVD-Spieler und mein Radio und andere solcher "Kleinigkeiten".

LG

Laura
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