Kann man die Störung/Krankheit des Autors an der Art sich zu artikulieren erkennen?

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WARSCHAU67
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Kann man die Störung/Krankheit des Autors an der Art sich zu artikulieren erkennen?

Beitragvon WARSCHAU67 » Mo 16. Apr 2018, 12:57

Ich gebe euch Teile eines Textes bekannt. Könnt Ihr schon an der Formulierung, den Wörtern, etc erkennen, um welche Krankheit des Autors es sich handeln könnte?

... im Hintergrund schrien die Kinder fürchterlich... er hatte einen verrückten Gesichtsausdruck... sie wirkten panisch auf mich. Er grinste auf eine gruselige Art. Sie verhielten sich total verstört... sie waren total verstört... sie brauchten mich jetzt... Ich musste handeln... ich wollte nicht aber ich musste ihn jetzt fragen. Vorher war er ein "guter" Mann... Er hatte sich so verändert.
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Laura
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Re: Kann man die Störung/Krankheit an der Art sich zu artikulieren erkennen?

Beitragvon Laura » Mo 16. Apr 2018, 13:37

Hallo Warschau!

Ich nehme an, die Frage zielt auf die mögliche Erkrankung einer der Figuren, bzw. der des Familienvaters (?), ab und soll nicht dazu einladen, aus den schriftstellerischen Formulierungen etwas über den Gemütszustand des Autors auszusagen. Das eben von mir Geschriebene könnte natürlich provokant ankommen, wenn Du selber der Autor wärst, Warschau, aber ich kann ja nicht ausschließen, das der Text aus anderer Feder stammt und z. B. der Text eines psychisch erkrankten Autors ist, dessen Diagnose zu erraten wäre. Du hast in dieser Hinsicht keine näheren Angaben gemacht, ob nun die Figur der Geschichte oder der Autor zu analysieren wäre und die Fragestellung im thread-Titel hätte mich eher auf letzteres gelenkt.

Also nein, ein "verrrückter Gesichtsausdruck" ist z. B. schriftstellerisch unpräzise, weil nicht klar ist, was das Verrückte an diesem Gesichtsausdruck sein soll. Es soll zwar klar werden, dass der Familienvater "verrückt" ist und dass es seinem Gesichtsausdruck abzulesen ist, dass er verrückt ist, aber was da eigentlich vor sich geht und ob der Familienvater eher wütend oder eher selber panisch ist, ist dem Text nicht zu entnehmen, noch weniger, was der Familienvater nun genau für eine psychische Erkrankung haben soll oder ob er z. B. ein Mensch ist, der öfter jähzornig ist oder öfter "auf eine gruselige Art grinst", aber an sich nicht krank ist, jedenfalls nicht im psychiatrischen Sinne. Im Englischen gibt es die rhetorische Frage "Mad or bad". Der obige Text soll wohl auf ein "mad and bad" hinauslaufen. In forensischen Fragen bin ich nicht sehr bewandert.

Viele Grüße

Laura
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Re: Kann man die Störung/Krankheit des Autors an der Art sich zu artikulieren erkennen?

Beitragvon mamschgerl » Mo 16. Apr 2018, 18:41

Hallo warschau,
...ich nehme mal an, daß der Text von dir selbst stammt, weil du von "bekanntgeben" sprichst. Hätte ein anderer ihn geschrieben, wärst du entweder sein Lektor oder sein Verleger, aber ich denke, in dem Fall würdest du vorher die Zustimmung benötigen und das wäre wohl etwas zuviel Aufhebens um das Ganze...
Ich persönlich könnte vom Text her nicht auf eine psychische Krankheit schließen, dafür ist er nicht aussagekräftig genug und, wie Laura schon bemerkte, einfach zu oberflächlich in der Beschreibung des Gemütszustands.
Könnte man vielleicht mehr Text bekommen?
L.G. mamschgerl

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Laura
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Re: Kann man die Störung/Krankheit des Autors an der Art sich zu artikulieren erkennen?

Beitragvon Laura » Di 17. Apr 2018, 11:14

Oha, wie konnte ich nur so im Zweifel darüber sein, ob es wirklich um die Erkrankung des Autors geht, bzw. habe ich ja glatt den Schwerpunkt auf die Erkrankung einer der Figuren gelegt? Das steht ja im thread-Titel ziemlich deutlich da, dass es um den Autor geht. Ist mir beim gestrigen Lesen wohl doch schnell aus dem Blick geraten.

Also, der Text lässt nicht auf ein "plem-plem"-Sein des Autors schließen. Auch würde ich die bedrohliche "verrückte" Figur, die darin beschrieben wird, nicht als autobiografisches Element des Autors bewerten. Bei "Jane Eyre" habe ich die gefährliche geisteskranke Ehefrau, die im Dachgeschoss versteckt wird, auch nicht mit der Autorin Charlotte Bronte gleichgesetzt.

Nach der Erzählqualität des Textes, bzw. der schriftstellerischen Kompetenz war ja nicht gefragt. Ich sag trotzdem so viel: Der Autor muss sich stilistisch erst noch üben. Ich lese keine Geschichten, die schlecht geschrieben sind. Dafür gibt es auf dem Buchmarkt zu viele Geschichten, die gut geschrieben sind und die dann Vorrang haben. Ich hab mir z. B. die Autobiografie von Eric Clapton nicht gekauft, obwohl ich sie für schlappe zwei Euro im Original hätte erstehen können. Der Inhalt hätte mich interessiert, aber den Stil fand ich einfach nur grottenschlecht. Bei gefloppten Büchern wird anscheinend auch die Buchpreisbindung gelockert. Und so sehr hat mich das bewegte Leben von Eric Clapton dann auch nicht interessiert, ich bin ja nicht einmal ein so großer Fan seiner Musik.
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Re: Kann man die Störung/Krankheit des Autors an der Art sich zu artikulieren erkennen?

Beitragvon mamschgerl » Di 17. Apr 2018, 11:34

....abgesehen von dem Klischee, daß alle Künstler einen an der Waffel haben ( von van Gogh bis Stephen King ), ist nicht jeder mit dem Gestalteten gleichzusetzen oder davon auszugehen, daß derjenige damit im realen Leben tatsächlich in Kontakt getreten ist; nur aufgrund der im Bild oder schriftlich festgehaltenen Phantasie auf den Geisteszustand des Malers / Autors Rückschlüsse zu ziehen, halte ich ohnehin für sehr bedenklich.
Würde man an einem Stilleben erkennen können, daß der Maler in der geschlossenen psychiatrischen Klinik sitzt aufgrund unheilbarer Wahnvorstellungen und eventuell verübter Morde? Andersherum ist es keinesfalls sicher, daß der Autor gewalttätiger Horrorgeschichten im Geheimen tatsächlich im Keller Gräueltaten verübt.
Also, wie der Gestalter wirklich tickt, ist nicht wirklich an seinen Werken zu erkennen, meine Meinung.
L.G. mamschgerl


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