Fragen über fragen

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juliagausa
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Fragen über fragen

Beitragvon juliagausa » Mi 23. Aug 2017, 15:55

Guten tag ihr Lieben,

nach sehr langer Zeit habe ich mich entschieden eine stationäre Therapie zu machen.
Grund für diesen recht schnellen Entschluss war, dass ich immer mehr gemerkt habe wie mich alles was ich erlebt habe belastet, so das ich meinen Job letztendlich verloren habe.
Werden alle Themen bei einer Therapie auf einmal "bearbeitet" oder nacheinander`? Leider habe ich ziemlich viele "Baustellen "bzw Themen die mich sehr stark belasten, nur wo fängt man an?? Ist es vielleicht sogar so, dass man nochmal wieder kommen muss??
Ich habe jedoch Angst, dass ich bei der Therapie noch mehr einbreche und es mir wesentlich schlechter geht als vorher, bzw das die Therapeuten vielleicht zu früh der Meinung sind, dass es mir besser geht und mich entlassen.
Ich habe zuletzt Suizidgedanken gehabt (was eventuell von meinen Medikamenten kommen kann).
Leider hat mich in der Notaufnahme der Psychologe nicht wirklich ernst genommen und mich nicht aufgenommen.
Nun wurde ich in der Klinik in Bonn vorstellig und endlich habe ich jemanden gefunden, der meine Problematik sieht und diese ernst nimmt.
Ich habe jedoch Angst mich jemanden zu öffnen, will aber endlich mit allem erlebten abschließen und fühle mich eigentlich auch bereit dazu, jedoch habe ich Sorge, dass die Therapeuten/Psychologen das Zeil zu schnell erreichen wollen, leider habe ich keine Erfahrung bis jetzt.
Bestimmen die Psychologen das Tempo oder hat man selbst die "Macht" darüber?Kann man sich in der Klinik einen Psychologen aussuchen oder wird das nach Gefühl der Psychologen entschieden??
Ich bin einfach unsicher ob ich das richtige getan habe und was danach sein wird
Kann mir jemand eventuell berichten der eine stationäre Therapie schon gemacht hat oder vielleicht vor sich hat, damit man sich austauschen kann?
Sry für den Langen Text
Ich freue mich auf eure Antworten und den Austausch

mamschgerl
Beiträge: 1105
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Re: Fragen über fragen

Beitragvon mamschgerl » Do 24. Aug 2017, 02:50

Hallo,
ich habe Erfahrungen in stationärer und ambulanter Therapie.
Was ich nicht sagen kann: daß mit Bestimmtheit alles wunderbar wird.
In der Klinik gibt es mehrere Therapeuten, Co-Therapeuten, Ärzte, sie alle kümmern sich um dich, sprechen mit dir, gehen mehrere Fragen durch und versuchen so, genauer zu verstehen, was genau deine Störungen verursacht bzw. dadurch Diagnosen zu stellen und dann gezielt eine Therapieform anzuwenden.
Das heißt also, in den ersten ein bis zwei Wochen wirst du erstmal "durchleuchtet", dein Aufenthalt dauert in der Regel sechs bis acht Wochen und in dieser Zeit wirst du an Einzelgesprächen und Gruppentherapien teilnehmen.
Ob und wie dir das hilft, wirst du erst feststellen können, wenn es soweit ist.
In der Regel wirst du dich gut aufgehoben fühlen, weil du wirklich zu jeder Zeit Ansprechpartner hast, wenn es dir mies geht, du die ganze Zeit etwas zu tun hast, womit du dich selbst und deine Störungen besser zu verstehen lernst und, wenn du offen bist für die Behandlungsmethoden, vielleicht gute Wege findest, mit deinen Diagnosen auch leben zu lernen.
Ich sagte zu Anfang, daß bestimmt nicht alles wunderbar wird. Das bezieht sich auf die Gespräche, die Therapien und die damit verbundene Arbeit mit sich selbst. Die Therapeuten müssen viel über dich erfahren, damit sie auf dich persönlich eingehen können. So wie du z.B. Schmerzen im Unterleib beschreiben musst, damit die Ärzte zwischen Blinddarmreizung und Blähungen unterscheiden können, so musst du hier ebenso genau beschreiben, was dir psychisch zu schaffen macht, damit die richtigen Diagnosen gestellt und die richtigen Therapien angewandt werden können.
Eine ambulante Therapie im Anschluss an den Klinikaufenthalt unterstützt dich weiterhin, der Therapeut wird festlegen, wie oft er dich sehen will, also wöchentlich, monatlich, vielleicht auch mal mehrmals in der Woche, je nach deinem aktuellen Befinden.

Es ist Arbeit, die dich erwartet, der Klinikaufenthalt dauert mehrere Wochen, aber es wird intensiv und durchstrukturiert behandelt.
Die ambulante Therapie ist natürlich genauso intensiv, aber man hat da eher die Möglichkeit, sich Zeit zu lassen und nimmt zwischen den Stunden am üblichen Leben teil, kann also das Besprochene gleich umsetzen.
Beides hat Vor- und Nachteile, aber gerade die sehen für jeden anders aus und am Ende musst du selbst entscheiden, was dir hilft oder vielleicht sogar eher schadet.
Meiner Meinung nach solltest du einfach offen bleiben für alles und alle Behandlungsmethoden so unvoreingenommen wie möglich betrachten, nur so kannst du das für dich geeignetste finden.

Die Frage, wo man anfangen sollte, brauchst du dir nicht zu stellen, das ergibt sich von allein. Es ist meistens so, daß sich vieles im Leben angestaut hat, bis es soweit kommt, daß man dadurch die Arbeit verliert. Die Ärzte wissen das und von daher brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Wichtig ist natürlich, daß du dir bewusst machen solltest, daß nicht alles vorbei sein wird nach dem Klinikaufenthalt und du Schritt für Schritt deine Probleme angehen musst, wie gesagt, es kommt Arbeit auf dich zu.

Ich drücke dir die Daumen.
L.G. mamschgerl

thx
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Registriert: So 29. Jan 2017, 09:15

Re: Fragen über fragen

Beitragvon thx » Fr 25. Aug 2017, 07:52

Guten Morgen,
Guten tag ihr Lieben,

nach sehr langer Zeit habe ich mich entschieden eine stationäre Therapie zu machen.
Grund für diesen recht schnellen Entschluss war, dass ich immer mehr gemerkt habe wie mich alles was ich erlebt habe belastet, so das ich meinen Job letztendlich verloren habe.
Werden alle Themen bei einer Therapie auf einmal "bearbeitet" oder nacheinander`? Leider habe ich ziemlich viele "Baustellen "bzw Themen die mich sehr stark belasten, nur wo fängt man an?? Ist es vielleicht sogar so, dass man nochmal wieder kommen muss??
Oft werden bei Beginn der Behandlung Ziele formuliert. Wenn nicht, dann folge erstmal dem Procedere.. versuch alles mitzumachen und dann wird es sich entwickeln. Letztendlich steuerst Du durch deine Mitarbeit, wie die Therapie verläuft. Auf was für eine Station kommst Du denn?
Ich habe jedoch Angst, dass ich bei der Therapie noch mehr einbreche und es mir wesentlich schlechter geht als vorher, bzw das die Therapeuten vielleicht zu früh der Meinung sind, dass es mir besser geht und mich entlassen.
Einfach ausprobieren. Meistens ist das bei mir gutgegangen. Ein stationäres Setting ist schonmal die halbe Miete wenn Du dich noch nicht so belastbar fühlst.
Ich habe zuletzt Suizidgedanken gehabt (was eventuell von meinen Medikamenten kommen kann).
Leider hat mich in der Notaufnahme der Psychologe nicht wirklich ernst genommen und mich nicht aufgenommen.
Naja, ich will das nicht verallgemeinern. Aber Suizidgedanken sind meistens eine Folge der Symptomatik und eher selten durch die Medikamente verursacht. Wenn es nicht extrem akut war, dann sieh auch die Positiven Aspekte: auf einer geschützen Station sein zu müssen ist nicht gerade sehr erbauend.
Ich habe jedoch Angst mich jemanden zu öffnen, will aber endlich mit allem erlebten abschließen und fühle mich eigentlich auch bereit dazu, jedoch habe ich Sorge, dass die Therapeuten/Psychologen das Zeil zu schnell erreichen wollen, leider habe ich keine Erfahrung bis jetzt.
Bestimmen die Psychologen das Tempo oder hat man selbst die "Macht" darüber?Kann man sich in der Klinik einen Psychologen aussuchen oder wird das nach Gefühl der Psychologen entschieden??
Versuch dich darauf einzustellen, dass die Therapie nicht ewig andauert. Meist entscheidet dass ganze Team dort wer dich ärztlich und psychologisch betreut oder es gibt eine Einteilung in Gruppen die dann betreut werden. Wenn es nicht so klappt mit der Bildung eines Vertrauens- und Arbeitsverhältnis dann kannst Du immernoch intervenieren.
Ich bin einfach unsicher ob ich das richtige getan habe und was danach sein wird
Das ist auf jeden Fall richtig und ich finde es sehr mutig von Dir! Es hilft wenn Du dich erstmal auf die nächsten Wochen konzentrierst.

@mamschgerl: Finde deinen Text sehr gut! :)
Grüße
thx

mamschgerl
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Registriert: Mi 27. Apr 2016, 06:53

Re: Fragen über fragen

Beitragvon mamschgerl » Fr 25. Aug 2017, 17:43

@thx
Merci, aber das sind nur meine Eindrücke des Klinikablaufs, die aus objektiver Sicht heraus wirklich in Ordnung waren, wobei ich meine ganz persönlichen Erfahrungen, die sich eben nur auf meine Empfindungen beziehen, nicht eingebracht habe, denn die gehören hier nicht hin.
Was ich wirklich gut gefunden habe, war die Aufnahme und ich habe inzwischen von diversen Stellen gehört, daß es überall so gehandhabt wird.
Daher hier auch nochmal @juliagausa, es verhält sich hier einfach nicht wie in einer "normalen" Klinik, daß man unter Umständen erstmal die Anmeldung passieren und dann ewig lange auf einen Arzt warten muss und nicht weiß, wohin man soll oder ob man vergessen wurde.
In der Regel wird einem das Zimmer gezeigt, es gibt jemanden, der einen durch das Haus führt, die Ansprechpartner auf der Station stellen sich vor, es gibt einen "point", an den man sich Tag und Nacht auf der Station wenden kann, am Anreistag gibt es je nach Uhrzeit ein Mittagessen, wenn nicht, lernt man sich beim Abendessen kennen. Auf keinen Fall fühlt man sich alleine gelassen oder überfordert, alles läuft in Ruhe und mit viel Rücksichtnahme und Verständnis ab. Wichtig vor allem, man fühlt sich auch sonst nicht mehr alleine, denn alle in dieser Klinik haben Probleme und ein Weinen oder sich Zurückziehen zieht keine Reaktionen wie im Alltag nach sich.
Eines möchte ich noch erwähnen: mein erster Tag beim ersten Klinikaufenthalt war überwältigend hinsichtlich des Umgangs mit den Patienten, also auch mit mir. Ich fühlte mich zum ersten Mal seit Auftretens der Symptome nicht mehr unsicher damit oder in Erklärungsnot. Die Co-Therapeuten und die Mitpatienten gaben mir von Anfang an das Gefühl, mich nicht verstellen zu müssen.
Du wirst es erleben und ich hoffe, du wirst dich dort gut aufgehoben fühlen.
Grüße
mamschgerl


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