Alkohol während Psychotherapie

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Josef455
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Alkohol während Psychotherapie

Beitragvon Josef455 » So 5. Mär 2017, 20:54

Hallo!
Ich hätte eine Frage bezüglich der Psychotherapie. Ich leide seit Jahren an Depressionen und Zwängen. Die Zwänge habe ich dank Psychopharmaka gut in Griff, allerdings besteht die Depression bis heute. Vor einiger Zeit wurden mir 45 Stunden Verhaltenstherapie bewilligt. Morgen ist die erste Stunde der Thearapie (die probatorischen Stunden habe ich schon hinter mir), d.h., dass morgen nicht die erste Stunde bei dieser Therapeutin sein wird. Vor ein paar Monaten wurde mir während einem Aufenthalt in der Psychiatrie nahegelegt, dass ich wegen meinen Medikamenten keinen Alkohol trinken sollte. Außerdem habe ich nach dem Alkoholkonsum immer sehr depressive Phasen, welche ein paar Tage lang extrem stark anhalten. Leider habe ich mich nicht an den Ratschlag, weniger Alkohol zu trinken gehalten. Gestern habe ich das letzte mal ordentlich getrunken und mir vorgenommen, nichts mehr zu trinken. Ich werde den festen Willen haben und es durchhalten (hoffe ich zumindest). Jetzt kommt erst die eigentliche Frage: Kann mir die Psychotharapie gestrichen werden, wenn ich weiterhin Alkohol trinke? Soll ich mit meiner Psychotherapeutin über mein kleines Alkoholproblem reden, oder sollte ich lieber schweigen? Ich habe mir fest vorgenommen, nichts mehr zu trinken. Das würde ich auch meiner Therapeutin sagen. Auch mein Psychiater weiß von meinem Problem. Nun habe ich aber wirklich Angst, dass die Kasse nichts mehr bezahlt, weil ich weiterhin viel Alkohol getrunken habe.

Vielen Dank im Voraus.

mamschgerl
Beiträge: 1105
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Re: Alkohol während Psychotherapie

Beitragvon mamschgerl » Mo 6. Mär 2017, 09:34

hallo josef,
das thema alkohol war auch bei meinem ersten klinikaufenthalt ein problem, ich war fast jeden abend in einem nahegelegenen bistro vertreten und habe dort mit anderen mitpatientinnen viel zu viel getrunken.
zum einen ist es natürlich gefährlich, alkohol in verbindung mit medikamenten zu bringen, doch die wirkungen des alkohols gehen ja, wie du selbst auch weißt, darüber hinaus. wie kann man mit einem kater am nächsten tag behandlungen anders annehmen als sie einfach nur über sich ergehen zu lassen? der zustand ist nicht gerade zuträglich für irgendeinen effekt, den therapien vielleicht erzielen könnten, wäre man nüchtern bzw. ohne restalkohol.
die verstärkten depressiven phasen tragen auch nicht gerade dazu bei, den nötigen geisteszustand zu erhalten, um den ansätzen der therapie überhaupt folgen zu können, geschweige denn, daß der therapeut vernünftig einen ansatz finden könnte.
die klinikleitung hat durchaus das recht, sollte man dem alkoholverbot entgegenhandeln, aus genannten gründen den aufenthalt abzubrechen, ich weiß allerdings nicht, ob dann die kk auch dementsprechend die kosten auf dich abwälzt, denn soweit ist es bei mir damals zum glück nicht gekommen.
inzwischen trinke ich seit fast drei jahren keinen tropfen mehr und das ist auch gut so, denn es klingt zwar abgedroschen, aber es ist nun mal fakt, daß alkohol nichts besser macht. ich kenne die nachwehen der gelage, die depressiven phasen, die dann am besten gleich wieder mit alk betäubt wurden.
den schock, den das leben ohne alk und sonstigen drogen bei mir ausgelöst hat, habe ich immer noch nicht überwunden, aber zumindest glaube ich, daß es für mich und meine umwelt wesentlich angenehmer geworden ist.
deinem therapeuten und psychiater das alkoholproblem anzuvertrauen, ist richtig, denn vielleicht lässt sich ein weg finden, wie du davon wegkommen kannst. ich bin der meinung, daß du, wie ich, zu denen gehörst, die kein maß im umgang damit finden können, also bleibt letztendlich nur der vollkommene verzicht.
ich wünsch dir alles gute dabei
grüße mamschgerl


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