Ist jede Suizidabsicht immer auch eine Krankheit?

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Mike01
Beiträge: 1
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Ist jede Suizidabsicht immer auch eine Krankheit?

Beitragvon Mike01 » So 25. Jan 2015, 18:04

Hallo,

ich bin derzeit mit einer Suizidabsicht eines älteren Mannes (>90 Jahre) beschäftigt.

Der Mann leidet seit vielen Jahren darunter, dass sein Körper so weit abgebaut hat, dass es sein Leben nicht mehr so führen kann, wie er dies möchte. Er war bis ins hohe Alter sehr sportlich, hat sogar noch mit über siebzig an Marathon-Läufen teilgenommen. Jetzt sitzt er im Rollstuhl, kann sich kaum noch ohne Schmerzen bewegen und lebt im Altenheim.
Dazu kommt nun auch noch der Tod seiner geliebten Frau, die vor Kurzem an Krebs gestorben ist.
Der ältere Herr will einfach nicht mehr leben!

Nun habe ich erfahren, dass der ältere Herr mit Hilfe eines Arztes, der im bestimmte Medikamente übergeben will, gezielt seinem Leben ein Ende bereiten möchte.

Der Mann ist bei klarem Verstand! Ich kann auch nicht sagen, dass er seine Lage bejammert oder laufend von der guten alten Zeit redet. Von einer unüberlegten, spontanen Absicht, ohne genau darüber nachgedacht haben, ist nichts zu erkennen. - Zumindest für mich als Laie.

Ist eine Person, die Suizid begeht oder plant, eigentlich immer im medizinischen Sinne krank?
Ist es notwendig, dass solche Menschen zwangsweise in Kliniken festgehalten werden?

Ich weiß, dass der Suizid im Alter und bei Krankheit ein sehr schwieriges Thema ist. Ethik und gesellschaftliche Normen treffen auf Moral, Recht und medizinische Diagnosen. Mich interessiert hier zunächst die rein medizinische Sicht.

Wer möcht/kann mir hier eine Orientierung geben?

eraserhead
Beiträge: 16
Registriert: Fr 23. Jan 2015, 16:16

Re: Ist jede Suizidabsicht immer auch eine Krankheit?

Beitragvon eraserhead » Mo 26. Jan 2015, 10:49

Ist eine Person, die Suizid begeht oder plant, eigentlich immer im medizinischen Sinne krank?
Ist es notwendig, dass solche Menschen zwangsweise in Kliniken festgehalten werden?
Nein, nein, nein. Ein solches Vorgehen wäre respektlos und abartig.
Dieser Mensch ist offenbar krank, alt und hat sein Leben gelebt.

Das ist auf gar keinen Fall als Suizid zu bezeichnen.

Sein Wunsch zu sterben sollte respektiert werden, Sterbehilfe sollte geleistet werden.

So denke ich zu diesem Thema...

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HarleyQuinn
Beiträge: 25
Registriert: Mi 27. Aug 2014, 17:52

Re: Ist jede Suizidabsicht immer auch eine Krankheit?

Beitragvon HarleyQuinn » Mo 26. Jan 2015, 19:53

Hej,

Die Absicht zum Suizid ist nie eine Krankheit, eher schon eine Folge einer Krankheit. Suizid erscheint manchen als einziger/letzter Ausweg aus ihren wie auch immer gearteten Problemen. In deinem Fall würde ich nicht von Suizid sondern vom selbstbestimmten Sterben reden, ein Wunsch vieler Menschen der endlich politisch und rechtlich Anklang finden sollte. Der Herr hat alles was für ihn das Leben lebenswert machte gehabt und verloren, sein Leben gelebt und anscheinend seinen Frieden mit sich und der Welt gemacht. So etwas geht nur bei klarem Verstand. Menschen die mit ihrem Leben (friedlich)abgeschlossen haben sind nicht automatisch schlechter Stimmung. Gerade wenn das Leben ""gezählt" ist gibt es keinen Grund die letzten Tage meckernd/jammernd zu verbringen.
Körperliche Funktionsfähigkeit sollte nicht alles sein, was den Menschen am Leben erhält.
Ein medizinischer Notfall bezüglich Suizid(absichten) liegt bei Menschen vor die nicht bei klarem Verstand sind, zum Beispiel der psychisch Erkrankte der seine quälenden Stimmen durch Suizid loswerden will oder auf ihren Befehl hin diesen begeht. In so einem Fall droht Selbstgefährdung und somit bedarf es zeitweise Schutz vor sich Selbst.
Was sollen die auf einer geschlossenen Station denn mit ihm machen? Mit Psychopharmaka und Gesprächstherapie seine Freude am Leben zwangsweise aufrechterhalten? Darüberhinaus ist das sicher nicht der richtige Ort um den Mann vom Wert des Lebens zu überzeugen. Ganz abgesehen davon, dass der Wert/Sinn des Lebens individuell gewählt ist.
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fluuu
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Re: Ist jede Suizidabsicht immer auch eine Krankheit?

Beitragvon fluuu » Di 27. Jan 2015, 10:27

Dass ein Suizidwunsch nie krankhaft ist würde ich jetzt nicht behaupten, es gibt viele Wahnformen die Suzidgedanken beinhalten
aber die Selbsttötung muss nicht automatisch krankhaft begründet sein.
Meiner Haltung nach hat jeder Mensch die Möglichkeit seinem Leben eine Ende zu setzen ohne die Menschenwürde zu verlieren.
Er muss es nicht begründen, schon gar nicht mit Krankheit, jeder darf sterben wenn es der bewusste Wille ist und aktiv dafür sorgen.
Biologisch ist eine Hemmschwelle eingebaut aber wer die mit Kraft und Energie überwinden kann hat besondere Fähigkeiten.
Wem diese Hemmschwelle jedoch durch Krankheit lahm gelegt ist und er sterben möchte, dem kann man meistens mit der
entsprechenden Therapie helfen.
Bei einem Menschen der sein Leben hinter sich hat sollte das alles gar kein Thema sein, ihn zu zwingen wartend dahinzusiechen
bis Gott sich entschlossen hat ihn zu erlösen entspricht doch nicht der Menschenwürde unserer Zeit.
gruß fluuu

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