was soll ich tun (Ausweg, Patientenrecht usw)

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eraserhead
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was soll ich tun (Ausweg, Patientenrecht usw)

Beitragvon eraserhead » Fr 23. Jan 2015, 16:49

Hallo

bevor ich nun anfange zu tippen möchte ich gerne vorausschicken, dass ich hier keine Werturteile wünsche, sondern im Idealfall objektiv-sachliche Antworten.

Also los geht's...zunächnst ein paar Worte zu mir: Ich werde dieses Jahr 30, bin seit meinem 15. Lebensjahr suchtkrank, habe so ziemlich alles durch an Drogen und seit meinem 20. Lebensjahr opioidabhängig (i.v. Heroin, Oxycodon, Fentanyl usw), zzt bin ich im Methadonprogramm und habe keinen Beikonsum, nicht mal Alk. Zeitweise hatte ich Benzo-, Kokain-, und GBL-Beikonsum. Habe einen Hochschlabschluss (BSc. Physik), und zuletzt war ich in der Softwareentwicklung tätig. Seit Ende November 2014 bin ich ohne Beschäftigung, Versicherungen udgl. zahle ich (noch) aus meinem bis dato ersparten, aus Scham traue ich mich aber nicht mit meinem PSB-Betreuer darüber zu sprechen oder gar zur ARGE zu gehen. Und ich weiß nicht wie ich den nächsten Monat finanziell überdauern soll (laufende Kosten, Versicherungen, Hypotheken....). Ich habe absolut keine Kraft mehr und möchte eine Therapie machen (eine Langzeittherapie)

Es war schon so, dass es zeitweise mit meinem Leben bergauf ging, ich studieren konnte, nebenher jobben konnte und ich i.A. Energie und Willenskraft hatte - beides zzt nicht gegeben und es wird Tag für Tag schlimmer. Dann kam jedoch eine vernichtende Beziehung zu einer (vermutlich) Borderlinerin, die mich massiv psychisch u. körperlich (Rückfall i.v. Abusus -> Pneumonie) geschädigt hat. Aufgrund eigener Inkonsequenz und Angst vor dem Alleinsein habe ich mich lange Zeit nicht getraut einen Schlussstrich zu ziehen (ebenfalls 11/14)
Zwar bin ich mittlerweile wieder "stabil" in der Substi, jedoch vollkommen kraftlos und in einer Situation großer Verzweiflung, ich bin ernsthaft am überlegen eine Psychiatrie aufzusuchen. Aufgrund vergangener extrem traumatisierender Erlebnisse in einer Psychiatrie in die ich seinerzeit freiwillig (!) ging und in einem desolaten seelischen Zustand wieder verlassen habe, habe ich jedoch große Vorbehalte. Zu berichten, was sich damals [vor 10 Jahren] dort im einzelnen ereignet hat würde wohl den Rahmen des Postings sprengen. Kurz gesagt: Es handelte sich um einen sexuellen Missbrauch seitens eines Pflegers, der mir nicht geglaubt wurde und eine Ereigniskette in Gang setzte, die mich seelisch komplett zermahlen hat.

Aus diesem Grund möchte ich mich gerne per Patientenverfügung absichern, und zwar gegen jegliche Zwangsmaßnahmen (Fixierung, Zwangsmedikation udgl.)
Der springende Punkt dabei ist die "Entscheidungsfähigkeit": Sollte mir mein freier Wille ("Pat. nicht entscheidungsfähig") erneut abgesprochen werden, sollte diese Verfügung automatisch eine Verlegung in die Schweiz und dort Einleitung einer Euthanasie durch Dignitas triggern. Dies ist nicht als Suiziddrohung zu verstehen, sondern als eine Art jur. "doppelten Boden". Ich möchte nicht sterben, aber lieber das, als nochmal durch die selben Mühlen zu geraten, wie damals. Wäre soetwas prinzipiell in DE juristisch möglich, und wenn ja, was sollte ichi beachten? (Über die Kosten von Dignitas bin ich mir im Klaren, im Fall des Falles würde ich mein Auto verkaufen und meine belastete Immobilie versteigern lassen, deren Hypothek ich ohnehin nicht merh bedienen kann), gibt es Fachanwälte, die sich mit soetwas befassen?
Das Geld käme auf ein gesondertes Konto, das von einer Vertrauensperson verwaltet würde (selbige ist ohnehin meiner bisherigen Pat.Verf. als Bezugsperson genannt).
Eine Therapie direkt anzugehen, ohne den Umweg Psychiatrie, ist leider nicht möglich, da ich mit dem Methadon sehr hoch dosiert bin, und erstmal einen Entzug davon machen muss. Und für diesen muss ich zwangsläufig in eine Psychiatrie. Aber auch, weil ich gerade einfach mit nichts mehr klarkomme...

LG
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HarleyQuinn
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Re: was soll ich tun (Ausweg, Patientenrecht usw)

Beitragvon HarleyQuinn » Mo 26. Jan 2015, 21:08

Hey,

Ich bezweifel doch stark, dass dieser Plan in Deutschland umsetzbar ist und du dich per gesetzlicher Verfügung vor Zwangsmaßnahmen mit einer sofortigen Verlegung in die Schweiz zum sterben schützen kannst.
Von einem stationären Entzug in der Psychiatrie rate ich dir ab. Um Psychiatrie als hilfreich und Stütze (nicht zusätzlich Last)zu empfinden müsstest du zunächst deine schlechten Erfahrungen in der Psychiatrie ver-/ aufarbeiten. Dann ist die Situation in vielen psych.Stationen Katastrophe, zuviele Klienten auf zu wenig Raum für zuwenig Personal. Da wird schnell zu Medikamenten gegriffen um die Leute handzahm zu bekommen. Fixierungen sind, Medis sei Dank, kaum noch Mittel der Wahl. Die seelische Unterstützung die du bräuchtest würdest du dort nicht erhalten.
Wenn man ein wenig zum Thema Methadon absetzen googelt findet man weitere Möglichkeiten, so geht dies auch ambulant oder unter Narkose wird auf einen Rutsch das gesamte Methadon "ausgeschlichen"(das ist nicht in allen Städten möglich).
Es gibt Projekte/Träger die für Substis die Möglichkeit bieten in Gemeinschaft (zB Wohnheim)und unter ärztlicher Betreuung das Methadon langsam auszuschleichen.
Ein Beispiel dafür findest du hier: http://www.synanon-aktuell.de/news-read ... ierte.html
Wenn du dich seelisch nicht mehr in der Lage fühlst mit deinem aktuellen Betreuungsstatus so weiter zu leben, leg ich dir nahe mehr Hilfe in Anspruch zu nehmen, vielleicht zeitweise in eine betreute Wohnform wie einem Wohnheim wechseln. Dort ist rund um die Uhr jemand da und du kannst dich besser auf dich konzentrieren wenn du nicht zusätzlich Sachen wie Miete,Schulden etc permanent als Sorge/Anstrengung hast.
Diesbezüglich kannst du dich vielleicht bei örtlichen (Drogen-)Beratungsstellen oder deinem Arzt informieren.
Die meisten psychiatrischen Wohnheime sind als Übergangslösung gedacht, dein Auszug nach ausreichender Stabiliserung ist allgemeines Ziel.
So schwer wie dein Leben dir jetzt scheint war es nicht immer und dein Wunsch nach Therapie zeugt für mich von einem durchaus noch vorhandenen Lebenswillen und einer gewissen Kampfbereitschaft. Verschwende deine Kraft nicht für Angst+Unsicherheit bezüglich des stationären Aufenthalts.
Lieben Gruß
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Re: was soll ich tun (Ausweg, Patientenrecht usw)

Beitragvon fluuu » Di 27. Jan 2015, 10:10

Weniger die Erfahrungen in der Psychiatrie während der akuten Fase sind aufzuarbeiten sondern die biographische Entwicklung die zu so starker psychischer Störung führte.
Dagegen hilft weder eine Patientenverfügung noch die Versicherung des Todes, mit sich selber Kontakt aufnehmen und das eigene innere Grauen bereinigen ist die Aufgabe.
Natürlich kann man immer versuchen die Flucht abzusichern aber erwarte von Menschen die Leben wollen und können keine Hilfe dabei, das kannst Du nur ganz alleine lösen.
gruß fluuu

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eraserhead
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Re: was soll ich tun (Ausweg, Patientenrecht usw)

Beitragvon eraserhead » Mi 28. Jan 2015, 09:35

Irgendwo hänge ich auch viel zu sehr am Leben, als dass ich das ernsthaft so festsetzen will, nur weil ich wieder Pech mit einer Klinik habe, aber irgendein Escape-Plan scheint mir besser als keiner. Und unter einigen Umständen, wie etwa den irreversiblen Verlust meiner geistigen Integrität, würde ich dadurch zuvorkommen, denn ich will nicht so enden wie meine Oma nach der Aneurysma-Ruptur. Gibt es Länder in denen (unabhängig von den Facetten der Sterbehilfe) der Wille des Patienten grdstzl. an erster Stelle in der med. Ethik steht?

@HarleyQuinn: ich bezweifel ja irgendwo stark, dass ich die Kraft aufbringe um zuverlässig ambulant zu entgiften. Ich habe mir jetzt eine Übergangseinrichtung rausgesucht, wo man noch mit einer niedrigen Dosis aufgenommen werden kann, um sie dann in einem nicht-klinischen, aber therapeutischen, Setting ganz auszuschleichen.
Das eigentliche Problem wird sein, mit meinem Sozialarbeiter in der PSB zu sprechen. Traue mich nicht, schäme mich, indirekt bestätige ich, was er mir schon vor Jahren prophezeit hab, als ich mich zum Studium eingeschrieben hab, statt eine Therapie zu machen. Keine Ahnung, ob es was gebracht hätte, damals war der Wille bzw. die Verzweiflung nicht in der Form gegeben.

@fluuu: Was meinst du mit akute Phase? Ich war damals zwar depressiv und suchtkrank, und deshalb sicherlich in der Entwicklung ein paar Jahre meinem biologischen Alter hintehrer, aber weder quantitativ noch qualitativ so geschädigt wie jetzt. Die Aktion von dem ehemaligen Pfleger bzw. das was danach folgte [man redete mir ein ich sei Opfer sexueller Gewalt in der Kindheit gewesen und hätte irgendwelche traumatischen Belastungsstörungen davon, anstatt auch nur in Betracht zu ziehen, dass er mich tatsächlich angefasst hat, anschließend wurde ich unter der Nötigung man würde mich sonst fixieren mit Medikamenten plattgemacht und wenige Tage später mitten in der Nacht rausgeschmissen] hat mich um weitere Jahre zurückgeworfen, und hat zur Verschlechterung meines damaligen Zustandes nachhaltig beigetragen. Jetzt habe ich womöglich eine Traumatisierung, aber sicher nicht aus meiner Kindheit...

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HarleyQuinn
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Re: was soll ich tun (Ausweg, Patientenrecht usw)

Beitragvon HarleyQuinn » Mi 28. Jan 2015, 13:40

Hey,

Freut mich zu lesen,dass du eine Alternative zur Klinik gefunden hast.
In der akuten Phase tritt die Störung relativ plötzlich und heftig auf. Krise kann man das auch nennen. Und in solchen Krisen ist es sehr schwierig den Klienten zu erreichen, bei Schizophrenie stehen dann Halluzinationen im Vordergrund.
Der Sozialarbeiter ist für dich da, nicht du um ihn zufrieden zu stellen. Wenn er schon länger im Job ist wird er gewisse Erfahrungswerte haben und hat dir dementsprechend diesen Rat gegeben. Dennoch hat er damals deine Entscheidung akzeptiert, und jede Entscheidung birgt das Risiko falsch gelegen zu haben. Schämen solltest du dich auf keinen Fall, Fehler zeigen dass du es zumindest überhaupt versucht hast. Für viele ist schon der Versuch zu viel. Aufregen sollte sich der Sozialarbeiter darüber nicht.

Lieben Gruß
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Re: was soll ich tun (Ausweg, Patientenrecht usw)

Beitragvon eraserhead » Do 29. Jan 2015, 11:49

Nee aufregen wird er sich nicht. höchstens ala "hab ich doch gleich gesagt". Hallus oder Schizophrenie habe/hatte ich zum Glück nicht. Damals in der Klinik wurde afair eine dissoziative Störung diagnostiziert, weiss aber dem genauen Wortlaut nicht mehr. Habe da jedoch eh meine Zweifel was diese Diagnose betrifft.

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HarleyQuinn
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Re: was soll ich tun (Ausweg, Patientenrecht usw)

Beitragvon HarleyQuinn » Do 29. Jan 2015, 16:48

Wenn die Diagnose darauf beruht,dass sie dir nicht geglaubt haben und dein Pfleger-Vorfall in ein Kindheits-Vorfall genommen haben. Nach einem Traume den Teil seiner Person abspalten und als dieser hat man Flashbacks. Kann sich als das andere Ich nicht daran erinnern. Das wäre dissoziative Persönlichkeitsstörung. Und die ist selten, zum Glück da sie oft das Resultat schwerster mehrfacher Traumatisierung ist. Versteh auch nicht weshalb diese Diagnose so leichtfertig gestellt wurde.
Für eine fundierte Diagnose ist es notwendig die Biographie der Person miteinzubeziehen, so wie fluuu es geschrieben hat. In der Gegenwart bist du die Summe deiner gemachten Erfahrungen. Von daher sollte die Biographie aufgearbeitet werden. Dazu gehören ua. sachliche Beschreibungen der eigenen Kindheit und Jugend, die Zeit vor dem Suchtmittelkonsum. Vielleicht findet man ein paar Ereignisse die gesammelt auf das Problem hinausliefen. Dafür muss man sich Zeit für den Menschen nehmen. Tut nur leider kaum jemand. In der Praxis können viele Störungen zusammen auftreten, und da ist es gerade bei Suchtmittelkonsum schwierig Ursache und Wirkung festzustellen.
Hol dir ruhig mehrere Meinungen ein. Im Internet findet man am ehesten Psychiater/Psychologen die was taugen. Wenn man an sich arbeiten möchte sollte man die Diagnose als gerechtfertigt empfinden.
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