In der Psychiatrie - wie vorgehen?

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saleela
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In der Psychiatrie - wie vorgehen?

Beitragvon saleela » Mo 10. Nov 2014, 16:20

Liebes Forum,

ich habe bisher mit dem Thema Psychiatrie keine Erfahrungen gemacht. Jetzt bin ich damit konfrontiert und tue mich mit vielem schwer und hoffe daher auf Erfahrungen und Tipps von Betroffenen.

Mein Freund hat vor ca. 10 Jahren beim ersten psychotischen Schub die Diagnose Schizophrenie erhalten. Er war einige Wochen in der Psychiatrie, bevor er gegangen ist. Er wollte die Erkrankung nicht haben und hat auch entsprechend nichts getan (Neuroleptika abgesetzt, keine Psychotherapie gemacht), auch nicht nach dem 2. Schub einige Jahre später. Er hat enge Freunde, einen guten Job und ist sehr unternehmungsfreudig.

Nun hat er in seinem 3. Schub einen Suizidversuch unternommen, er wurde glücklicherweise jedoch gerettet. Noch im Krankenhaus bekam er Neuroleptika und wurde nach der körperlichen Genesung freiwillig in die Psychiatrie verlegt. Er hat endlich eingesehen, dass er was tun muss, um die Traumen in seinem Leben zu verarbeiten.

So sinnvoll der Entschluss, so unmöglich offenbar die Umsetzung und ich steh nur da und bin fassungslos: in der Psychiatrie wird überhaupt nichts in die Richtung gemacht. Er bekommt kaum Einzelgespräche und kann sich letztlich nur mit Malen, Basteln und Karten spielen die Zeit totschlagen. Auf seine Nachfragen, wie denn nun die Planung (auch zwecks Entlassung) aussieht, heißt es nur, er müsse sich gedulden.
Er bekommt weiterhin eine (laut Internetrecherche) relativ hohe Dosis Neuroleptika, die sie nicht bereit sind zu reduzieren. Begründung: es sei eine niedrige Dosis (!!!) und andere Patienten bekämen wesentlich mehr! Er hat Nebenwirkungen wie Schlaflosigkeit, Verdauungsprobleme, Sprach- und Erinnerungsprobleme, Antriebslosigkeit.

Ich kann mir dieses reine Verwahren und mit Medikamenten vollstopfen kaum mehr ansehen. Er ist zu antriebslos um sich zu wehren und ich zu unerfahren und habe Angst, ihm was Falsches zu raten. Als Außenstehenden erträgt man diesen ständigen „Zwang“ ja wirklich kaum.

Er war kurz nach seinem Suizidversuch wieder klar und ist es seitdem. Sollte man da angesichts der Nebenwirkungen keine Medikamentenreduktion machen? Muss er diese so hochdosiert nehmen oder kann er eine Reduktion verlangen?

Ich habe Bedenken, ob sie ihn bei einem Entlassungswunsch zwangseinweisen würden. Allerdings darf er alleine raus und übers Wochenende heim. Könnten so die Ärzte überhaupt eine Eigen- oder Fremdgefährdung glaubhaft machen?

Wie kooperativ sollte man denn sein um möglichst schnell voranzukommen?!

Danke für eure Hilfe!

PS: Es geht mir nicht darum, ihn dort rauszuholen, wenn es das Richtige für ihn ist, aber als unerfahrener Mensch kann man diese Methoden ja kaum nachvollziehen...

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fluuu
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Re: In der Psychiatrie - wie vorgehen?

Beitragvon fluuu » Mi 12. Nov 2014, 10:17

Wie sollte denn Deiner Meinung nach die Methode einen lebensmüden Menschen von der Selbsttötung abzuhalten aussehen?
Den ganzen Tag streicheln und liebkosen? Wenn Du einen Moment aufhörst ist er womöglich tot...
Die Selbstheilungskräfte bei einem lebensmüden Menschen wecken damit er selbstständig lebensfähig ist bleibt verdammt schwierig.
Die Ärzte und Therapeuten wissen um seine persönliche Problematik im Charakter, an der muss er arbeiten.
Das Auflösen von Traumatisierungen ist noch viel schwieriger, es kann ein Leben lang dauern, viele schaffen es nie
denn jede Annäherung an den Konflikt kann neue Symptome und Ängste auslösen so, das neue Suizidgefahr besteht.
Es wird nicht in der Psychiatrie von einem lebensmüden Menschen der sein Leben lang bisher Fehler erlebte zu einem
gesunden und frohen Menschen umgewandelt der nur noch lieb und herzlich ist.
Die psychische Störung hat sich ein Leben lang ins Gehirn gegraben, Schizophrenie ist besonders pathologisch in den
seelischen Empfindungen, das lässt sich durch lieb gucken allein nicht aus der Welt schaffen.
Das Entscheidende bei allen Krankheiten und so auch bei psychischen Störungen sind die Selbstheilungskräfte
und so wie Du hier den Aufenthalt Deines Freundes beschreibst werden sie nicht aktiviert, im Gegenteil,
sich wehren gegen den Weg der Gesundung wird eher deutlich. Nicht die Psychiatrie ist der Feind sondern die
pathologischen Prozesse im Gehirn Deines Freundes, um sie zu bekämpfen ist Medikation und Therapie in Form von
Beschäftigung notwendig, es gibt kein Wundermittel zur Heilung, es ist ein langwieriger Prozess über Jahre.
gruß fluuu

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Remedias
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Re: In der Psychiatrie - wie vorgehen?

Beitragvon Remedias » Mo 17. Nov 2014, 20:14

Hi, Saleela,

dein Freund hat das Problem relativ vieler intelligenter Menschen - sie sind schlicht unterfordert auf einer Akutstation eines psychiatrischen Krankenhauses. Therapeutisch wird da nicht gearbeitet, ist auch nicht der Sinn des Aufenthaltes.
Darf ich ihm was raten?
- zu allem Ja und Amen sagen, auch hohe Dosen Neuroleptika akzeptieren und auf eine baldige Entlassung hinarbeiten, in dem er kooperativ ist.
Die Schizo ist eine schwierige Erkrankung. Wenn er es jetzt schleifen lässt, landet er bald wieder da, wo er jetzt ist.
Wenn er wieder draußen ist:
- Wiedereingliederung in Arbeit "Hamburger Modell" und Reha beantragen
- ambulanten Psychiater suchen und mit dem zusammen allmählich die Medikamente auf ein erträgliches Maß reduzieren. NICHT
alleine dran drehen, das geht ohne profunde Kenntnisse - die hat dein Freund nicht, weil er sich nicht darum gekümmert hat - sehr oft nach hinten los.
- ambulante Psychotherapie suchen, auf Dringlichkeit hinweisen.
- Fachliteratur suchen und lesen , gibt es teilweise auch im Internet.Informieren! Informieren!Informieren! Auch das Material vom PBE ist sehr gut.

Vom ignorieren geht die Schizo nicht weg, er muss den Kampf jetzt aufnehmen.
Ich wünsche euch viel Glück.

liebe Grüße Remedias

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Re: In der Psychiatrie - wie vorgehen?

Beitragvon Awinah » Mo 24. Nov 2014, 11:05

:-$
Zuletzt geändert von Awinah am Sa 27. Dez 2014, 23:42, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: In der Psychiatrie - wie vorgehen?

Beitragvon fluuu » Do 27. Nov 2014, 09:52

Leben wollen oder auch nicht kann man nur selbst, das kann die beste Therapie nicht vermitteln.
Wie auch immer die Umstände sind, jeder Mensch hat seine Geschichte, den Sinn zu leben kann man nur selber finden,
der ist weder käuflich, noch übertragbar und auch als Dienstleistung nicht vermittelbar.
Wer eine Prägung hat, diese für sich als falsch empfindet und trotzdem daran fest hält und nicht los lässt,
dem kann man von außen kaum helfen. Es ist ein innerer Prozess um den es geht und weniger um äußere Anpassung.
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Re: In der Psychiatrie - wie vorgehen?

Beitragvon Awinah » So 30. Nov 2014, 12:05

#-o
Zuletzt geändert von Awinah am Sa 27. Dez 2014, 23:43, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: In der Psychiatrie - wie vorgehen?

Beitragvon fluuu » Di 2. Dez 2014, 10:30

Es ist weniger das Außen als viel mehr das Innen ein Problem bei seelischen Störungen, das Außen kann einen Rahmen bilden aber der Prozess findet innen statt.
Wer vor diesem Innen flüchten will kommt nicht zur Ruhe und hat kaum eine Chance einen Ort zu finden, schon gar nicht im Außen.
Es gibt keine andere Möglichkeit als sich mit diesem Innen anzufreunden mag es noch so schwer sein. Selbst wenn es grausam ist, es trotzdem zu lieben
gehört zur Kunst des Lebens und zur Akzeptanz des Selbst egal mit welcher Geschichte.
Der Wunsch sich zu töten ist von der Biologie, von der Natur nicht angelegt, es ist ein künstlicher Vorgang menschlichen Bewusstseins.
Es ist ein Form der Flucht aus dem Leben die von der Natur nicht vorgesehen ist, denn sie tut alles für den Fortbestand des Lebens.
Jedoch wenn die Entscheidung gefallen ist und die Selbsttötung erfolgreich durchgeführt wurde sollten sich die Hinterbliebenen damit abfinden können.
Wir kommen in den Bereich selbstbestimmt im Leben und im Tod, ich finde, dass jeder Mensch dafür ein Bewusstsein haben sollte und frei entscheiden.
Wir sind in vielen Bereichen der Biologie an Natur und Evolution nicht mehr gebunden, so auch in der Entscheidung von Leben oder Tod.
Da der Mensch Schöpfer und Gestalter seines Lebens ist, so darf er auch Gestalter seines Todes sein und sich dafür Hilfe holen.
Ein unheilbar kranker Mensch, dazu gehören die meisten psychischen Krankheiten und seelischen Störungen nicht, darf sich bei dem
Wunsch zu sterben helfen lassen.
Psychische Krankheiten sind sehr stark von der Stimmung abhängig und diese schwankt, da gibt es fast immer einen Ausweg in Richtung Leben,
manchmal ist viel Geduld, Beharrlichkeit und Konsequenz nötig aber so ergibt sich fast immer eine Linderung mit der Zeit.
gruß fluuu

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Re: In der Psychiatrie - wie vorgehen?

Beitragvon Awinah » Di 2. Dez 2014, 16:58

[-(

eraserhead
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Re: In der Psychiatrie - wie vorgehen?

Beitragvon eraserhead » Fr 23. Jan 2015, 17:23

Ich bin die Diskussionen zur Sterbehilfe leid, deshalb fasse ich mich kurz:
Jeder soll m.E. frei entscheiden dürfen über Leben und Tod.
Ein unheilbar kranker Mensch, dazu gehören die meisten psychischen Krankheiten und seelischen Störungen nicht, darf sich bei dem
Wunsch zu sterben helfen lassen.
(Für DE ist die Aussage leider nicht richtig)

Du widersprichst dir aber, wenn du sagst, dass sie nicht zu den unheilbaren Krankheiten gehören, denn andererseits forderst du lebenslange Bemühungen um die Erkrankung im Schach zu halten (Schizophrenie, Borderline, usw. seien "nicht heilbar, nur aushaltbar" wie du selbst sagtest), und wenn allein das "Zurechtkommen" mit der psych. Erkrankung zur Lebensaufgabe wird, dann ist es legitim zu fragen, welchen Sinn ein solches Leben macht, und ob es einen überhaupt jemals erfüllen könnte - die Lebenqualität ist aber in jedem Fall eingeschränkt, und zwar ganz massiv. Sterbehilfe nur für körperliche Erkrankungen anzubieten wäre diskriminierend - und gerade diejenigen, die der Meinung sind, dass ernsthafte psych. Leiden wie Schizophrenie nur durch Medikamente "geheilt" werden können vertreten zwangsläufig einen Biologismus, der gerade diese Unterscheidung zw. körperlichen und geistigen Erkrankungen ad absurdum führt.

Wie dem auch sei: Jeder ist letztlich seines Glückes Schmied und ich sehe nichts verwerfliches daran, wenn ein mündiges Individuum bewusst den Tod wählt - oder sich diese Option zumindest offen lässt.

AliRaza08
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Re: In der Psychiatrie - wie vorgehen?

Beitragvon AliRaza08 » Fr 27. Mär 2015, 12:18

die der Meinung sind, dass ernsthafte psych. Leiden wie Schizophrenie nur durch Medikamente "geheilt" werden können vertreten zwangsläufig einen Biologismus,
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