Brauche ich eine Psychotherapie ?

Hier können Sie sich austauschen, Tips geben und Fragen stellen zu allen seelischen Problemen, Lebenskrisen und Erkrankungen, zu Medikamenten, Psychotherapie, anderen Therapien, Therapeuten, Kliniken etc.
Engelfrau64
Beiträge: 7
Registriert: Fr 8. Apr 2011, 18:58

Brauche ich eine Psychotherapie ?

Beitragvon Engelfrau64 » Fr 24. Feb 2012, 10:18

Sehr geehrtes Forums-Team,
Sehr geehrte Foren-Nutzer,

Meine Mutter (79) kommt nicht damit klar, dass ich (48) ein familienunabhängiges und vor allem von ihr unabhängiges Leben führe d. h., dass sie sehr klammert und mich inzwischen sogar vielfach beschimpft.

Aus beruflichen Gründen habe ich eine eigene Wohnung in einer anderen Stadt.

Ich bin jedoch bis vor kurzem noch jedes Wochenende zu ihr gefahren.

Aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigungen sowie zeitweise zusätzlich aufgetretener akuter Krankheitsphasen, wo ich nicht selbstständig handeln konnte, haben meine Mutter und ich ein sehr enges Verhältnis.

Durch sehr gute medikamentöse Einstellung kann ich jedoch inzwischen ein selbstständiges und von jedem unabhängiges Leben führen.

Inzwischen fahre ich nicht mehr jedes Wochenende zu meiner Mutter, da die beruflichen Anforderungen an meinem Arbeitsplatz sehr gestiegen sind und ich gemerkt habe, dass die wöchentliche Fahrerei nur meiner Gesundheit schadet.

Ich habe eine anfallsfreie Epilepsie.

Ich arbeite als Verwaltungsangestellte im öffentlichen Dienst.

Ich kann alleine und selbstständig einen Haushalt führen.

Ich habe eine sichere Arbeit.

Ich habe keine Schulden, keine sonstigen Probleme wie Suchtkrankheiten oder gar Konflikte mit der Justiz/Polizei.

Ich kann selber mein Konto führen und Geldgeschäfte erledigen sowie sämtliche Angelegenheiten mit meinem Vermieter und mit meinem Arbeitgeber.

Doch, je selbstständiger und freiheitsliebender ich werde, umso schwerer fällt es meiner Mutter, damit umzugehen.

Zudem habe ich mein Freizeitverhalten auch dahingehend geändert, dass ich durch ein ehrenamtliches Projekt, was ich mit anderen gegründet habe, dadurch soziale Kontakte auch für mein Freizeitverhalten gefunden habe. Im Rahmen dieses Projektes verreise ich außerdem manchmal..

Ich habe noch 2 Schwestern und einen Bruder.

Mein Vater lebt nicht mehr.

Er hat mich und meine Schwestern enorm traumatisiert.

Doch wir sind trotz dieser schwerwiegenden Erfahrungen, die uns psychisch alle Drei mal mehr, mal weniger belasten, erwerbstätig.

Bei mir kommen bei der Geburt entstandene gesundheitliche Beeinträchtigungen hinzu, die damals noch nicht therapiert werden konnten. Aber ich BIN DOCH TROTZDEM EIN MENSCH und ICH HABE DAMIT GELERNT ZU LEBEN UND DAS LEBEN ZU MEISTERN.

Meine beiden Schwestern sind Musik- und Ergotherapeutin und haben auch jahrelang an mir herum kritisiert und mir ständig vorgehalten, was ich doch an Therapien machen soll, UM MICH ZU BESSERN.

Dieses Verhalten meiner Schwestern hat meine Mutter immer abgelehnt, weil bei mir doch alles in Ordnung ist.

Doch seit längerem fängt auch sie an, auf eine sehr belastende Art und Weise Einfluss auf mich zu nehmen und sagt ständig, dass ICH ZU SENSIBEL SEI GEGENÜBER DER FAMILIE UND DASS ICH DESHALB DOCH DRINGEND EINE PSYCHOTHERAPIE machen soll. :roll:

Gestern hatten wir wieder ein entsprechendes Telefongespräch.
Sie hat mich auf der Arbeit angerufen und ich musste deshalb länger machen, um noch was fertig zu machen, da ich Freitags aus Teilzeitgründen nicht arbeite.
Ich bin 60 % schwerbehindert.
Ich arbeite von Montags bis Donnerstags Vollzeit, wöchentlich 39 Stunden.

Meiner Mutter geht es zudem selbst psychisch seit längerem nicht gut, was sie dann auch an mir auslässt, weil sie gegenüber mir keine Hemmungen hat, dieses raus zu lassen.

Sie kann dann enorm aggressiv sein und mich beschimpfen.

Da ich selber in neurologischer Behandlung bin, habe ich meinen Arzt in meiner Verzweiflung um Rat gebeten.
Er meint, dass es sich bei meiner Mutter um eine beginnende Alzheimer-Demenz handelt.

Meine Geschwister traue ich mich nicht, diesbezüglich darauf anzusprechen, da (vor allem auch meine Schwestern) mich aufgrund meiner gesundheitlichen Situation wahrscheinlich eher nicht ernst nehmen würden und mich auch noch mehr als nicht zurechnungsfähig erklären würden.

Meine ältere Schwester betreut als Musiktherapeutin schwerst Demenzkranke alte Menschen in Altenheimen.

Über Weihnachten war sie zu Besuch und als sie mal bei mir und meiner Mutter war (meine ältere Schwester hat bei meiner anderen Schwester geschlafen), kam es zu folgender Szene: Meine Mutter hat in der dunklen Jahreszeit immer Festbeleuchtung in ihrer Wohnung. Das habe ich mal dahingehend erwähnt, dass das ja wohl "kein Geld kostet". Meine Mutter hat darauf nicht reagiert oder konnte nicht darauf reagieren. Meine ältere Schwester sagte dann mit einem gewissen Gesichtsausdruck, dass für Menschen mit Depressionen viel Licht im Winter sehr, sehr wichtig sei. Meine Mutter war ganz nah dabei, als sie dieses sagte, aber sie hat darauf überhaupt nicht reagiert. Wirkte wie NICHT GANZ BEI DER SACHE in diesem Augenblick.

Meine beiden Schwestern haben das schwierige Verhalten meiner Mutter auch schon erlebt aber nicht so wie ich, da meine Mutter sich (noch nicht) traut, sie anzuschimpfen.

Meine Mutter betreut jedoch einmal pro Woche bzw. je nach Bedarf den Sohn meiner anderen Schwester und macht auch noch einige andere Sachen, wo man sich fragt, wie sie das schafft in Bezug auf ihre angegriffene Psyche, die sie mich besonders spüren lässt.
Wenn ich mit meiner Mutter zusammen Auto fahre, habe ich Angst.

Da meine Geschwister ihr eigenes Leben mit Beziehung, Beruf und Haushalt haben, können sie die unangenehmen Verhaltensweisen meiner Mutter kurzfristig belastend in ihr Leben einfließen lassen bzw. Hauptsache, Mutter funktioniert noch so einigermaßen, wie man selbst die eigenen Ansprüche darauf stützen lassen kann.
DANN INTERESSIERT ES ABER NICHT WEITER.

Wenn ich nicht meine eigene Wohnung hätte und nicht in einer anderen Stadt wohnen würde, ich wüsste nicht, was bis jetzt aufgrund des äußerst schwierigen Verhaltens meiner Mutter mir gegenüber inzwischen aus mir geworden wäre.

Ich bin ein sehr ängstlicher und schüchterner Mensch und nicht schlagfertig.

Ich habe häusliche Gewalt erlebt und war im Frauenhaus.

Meine Mutter, eine sehr inkonsequente Ehefrau.
Sie hätte auch zugeguckt, wenn Schlimmeres passiert wäre.

Als Geschwister hat man kein normales Vertrauen zueinander, weil jeder nur an sich denkt aufgrund der besagten traumatischen Vergangenheitsbewältigung.

Meinen Schwestern geht es zudem phasenweise sehr schlecht.
Dann sind sie auch sehr aggressiv zu mir.

Ich bin noch stiller als sonst, wenn es mir schlecht geht.

Und mir geht es zudem gesundheitlich und psychisch sehr schlecht, wenn ich so rum schimpfen und mich aufregen würde.

Meine Mutter hat mich daher schon mal als "Authist" bezeichnet.

Meine Mutter redet dahingehend auf mich ein, DASS ICH ZU SENSIBEL GEGENÜBER ALLEM, WAS AUS DER FAMILIE KOMMT SEI UND DASS ICH "DESHALB" EINE PSYCHOTHERAPIE MACHEN SOLL.

Bezüglich "zu sensibel" möchte ich aus meinem beruflichen Alltag schreiben, wo ich Berichte von Folter- und Vergewaltigungsopfern in eine elektronische Akte einfügen muss:

Vorsicht, es wird heftig :

"Chilipulver auf die Vagina streuen"
"Männer werden von hinten vergewaltigt"
"Männer und Frauen werden Kopfüber an die Decke gehängt und mit Stöcken geschlagen"
"Männer müssen zusehen, wie ihre Frauen misshandelt werden"
"Kinder müssen mitansehen, wie auf der Flucht Elternteile von Bomben in Stücke gerissen werden"
"Auf der Flucht werden Familien voneinander getrennt"

So etwas gehört zu meinem beruflichen Alltag und meine Mutter beschreibt mich als "ZU SENSIBEL".

Dieses und noch anderes habe ich ihr gestern in einer SMS geschrieben.

Ich bin jetzt mehrere Wochenenden nicht mehr bei ihr gewesen.

Übernächstes Wochenende bin ich bei einer Freundin zum Geburtstag eingeladen.

Wenn ich dieses Wochenende (morgen) auch nicht komme, ist dieses für meine Mutter psyichisch fast kaum zu bewältigen und reagiert mit noch mehr Vorwürfen und Eifersucht.
Wenn ich unterwegs bin, dann soll ich mich außerdem öfter per SMS bei ihr melden.
und das Hotel angeben, wo ich übernachte.
Ich fühle mich dann überwacht.
Hab letztens diesbezüglich gegenüber meiner Mutter einen emotionalen Ausraster gehabt.
Sie lässt danach Tage nichts von sich hören bzw. schreibt vielleicht mal eine vorwurfsvolle SMS.
Ich bin ein erwachsener Mensch und kann selbst auf mich aufpassen.
Und wenn etwas passiert, lässt sich dieses nicht verhindern.

Meine Mutter hat schließlich auch dafür gesorgt, dass sie einen Mann zum Vater ihrer Kinder gemacht hat, der ihre Töchter für immer enorm traumatisiert hat und sie hat NICHT DAFÜR GESORGT, sie frühst möglichst aus der Gefahrenzone zu nehmen bzw. war sie dazu nicht in der Lage.

Wovor soll ich da bitte noch Angst haben?

Ich habe jetzt Angst vor weiteren Kontaktaufnahmen seitens meiner Mutter.

Und möchte Euren Rat, was eine Psychotherapie betrifft.

Meine beiden Schwestern haben bereits einige gemacht, aber wenn es ihnen so richtig schlecht geht, kann man davon nichts merken, weil sie dann unausstehlich sind.
Meine Mutter meint aber, dass eine Psychotherapie meinen Schwestern schon ungeheuer viel geholfen hat und ich, DAS SCHWARZE SCHAF, soll auch eine machen, um WEISS UND ANGEPASSTER ZU WERDEN.

Ich habe selber auch schon Psychotherapien gemacht, aber unter Druck von außen, die mir aber nicht geholfen haben.

Mein von mir gegründetes Projekt befasst sich mit eine der beiden großen christlichen Konfessionen.
Dort erfahre ich etwas, an Freundschaften und an Menschlichkeit, was der totale und krasse Gegensatz ist mit der anderen Welt, in der ich lebe, was mich zusätzlich in ein schwarzes Loch reisst.

Jahrelang ist Druck auf mich ausgeübt worden, dass ich doch auch seitens meines Freizeitlebens endlich etwas Eigenes und Unabhängiges von meiner Mutter machen soll.

Jetzt mache ich was und meine Mutter kommt nicht damit klar.
Von meinen beiden Schwestern sind auch schon ähnliche diesbezügliche Eifersuchtsszenen gekommen.

Wer hier ist bitte schön behandlungsbedürftiger?
Ich, meine Mutter, meine Schwestern?

Vielfach, aus der Familie (weitläufigere Verwandtschaft, aber auch mein Bruder), Arbeitsplatz, Freundeskreis, kommt die ständige Rückmeldung, dass mit mir und meinem Leben doch alles in Ordnung ist und ein Teil meiner "neuen Freunde", wie meine Mutter sie nennt, reagiert schon gar nicht mehr auf meine diesbezüglichen "Problemschriften", wenn es gerade mal wieder mit meiner Mutter kriselt, was mich wiederum ängstigt und mir Sorgen macht.

Meine Mutter verbohrt sich seit einiger Zeit vehement in jedem Wort von mir, was ich von mir gebe.
Vor allem in Wörtern, die sie als negativ empfindet.
Gegenüber sich und der Familie.

Und das gibt sie mir dann auch unverblümt zum Ausdruck.

Wie auch dieses "dass sie nicht mehr jedem nur nach dem Mund redet bzw. nicht mehr Honig ums Maul schmiert"

und dieses:

Dass sie früher "all meine Launen hat durchgehen lassen ohne was zu sagen".

Das empfinde ich teilweise als persönliche Beleidiguung und Bedrohung und macht mir Angst.

Und fühle mich zudem als pädagogisches Forschungsobjekt von einer alt werdenden Mutter.

Und fühle mich außerdem wie ein Ungeheuer, dass ich früher mal gewesen sein muss.

Ich habe Angst, durch diese festgefahrene Situation zwischen mir und meiner Mutter auf Dauer wirklich verrückt zu werden.

DANKE FÜR DIESES FORUM UND FÜR EUER ZUHÖREN SOWIE FÜR ETWAIGE ANTWORTEN.

Mit freundlichen Grüßen

Engelfrau64

Benutzeravatar
fluuu
Beiträge: 2544
Registriert: Di 13. Sep 2005, 13:32
Kontaktdaten:

Re: Brauche ich wirklich eine Psychotherapie ?

Beitragvon fluuu » Fr 24. Feb 2012, 12:36

Hallo,
da Du alles sauber, chronologisch und sachlich aufschreiben konntest hier im Netz und so
Veröffentlichen ist somit der größte Gewinn für Dich erzielt um sich ein Stück aus dieser
familiären Situation zu befreien und Dich selbst für Deine Eigenständigkeit zu emanzipieren.
Es geht nicht darum wer am meisten krank ist und Behandlung braucht, sicher Deine Mutter ist alt
und baut ab, sie braucht demnächst pflegende Zuwendung aber das sollte bei vier Kindern
möglich sein und ob Du dafür am besten geeignet bist ist fraglich.
Du müsstest selbstbewusst Deine Mutter pflegen, ihr widersprechen oder Äußerungen aus der
Demenz ignorieren können, nicht sie ist für Dich da sondern Du für sie.
Dafür ist eine gefestigte Persönlichkeit notwendig um geben zu können ohne Zweifel.
So wie Du es hier schilderst ist es jedoch möglich, dass es Dich überfordern könnte und Deine
Geschwister mit Beruf im sozialen Bereich sich wesentlich leichter tun.
Ich höre aus Deinen ganzen Schilderungen ein wenig raus, dass Du Therapie machen sollst
damit Du fit wirst die Pflege Deiner Mutter zu leisten, nun liegt es an Dir ob Du das willst.
Wenn Du die Beziehung zu Deiner Mutter aufrecht erhalten willst wäre ein Kurs in
Altenpflege und besonders im Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen nicht schlecht.
Oder Du kümmerst Dich um Dein Leben, das ist auch schon viel und sagst der Familie ab,
dann ist jedoch der Kontakt zur Mutter nur noch ganz selten an besonderen Tagen möglich.
Ein regelmäßiger Kontakt mit Mama ohne Fähigkeit auf ihre Demenz eingehen zu können
ist in der Tat zu hinterfragen.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

Engelfrau64
Beiträge: 7
Registriert: Fr 8. Apr 2011, 18:58

Re: Brauche ich eine Psychotherapie ?

Beitragvon Engelfrau64 » Fr 24. Feb 2012, 13:02

Meine Mutter wohnt in einer anderen Stadt.
Ich fahre nicht Auto.
Ich bin Verwaltungsangestellte im öffentlichen Dienst.
Möchte mir nicht täglich die Fahrerei mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit und zurück zumuten.
Aus Rücksicht auf meine eigene bereits schon angegriffene Gesundheit.
Ich möchte mir auch nicht die Pflege meiner an Demenz erkrankten Mutter zumuten.
Auch aus Rücksicht auf meine bereits schon angegriffene Gesundheit.
Ich hatte gestern die Befürchtung aufgrund nach einem sehr anstrengenden und belastenden Telefonat mit meiner Mutter nach langer Zeit mal wieder einen epileptischen Anfall zu bekommen.
Zudem hatte ich sehr starkes Herzrasen.
Und mein Blutdruck war sicher auch bedenklich.
Gut geschlafen habe ich auch nicht.
Bis jetzt habe ich noch nichts gegessen.
So gesehen leide ich schon jetzt nicht unwesentlich unter der dementiellen Verfassung meiner Mutter.
Ich muss irgendwas Schlimmes in einem früheren Leben getan haben, dass ich dieses Alles ertragen muss.

Klaus W
Beiträge: 448
Registriert: Sa 9. Jul 2011, 18:23

Re: Brauche ich eine Psychotherapie ?

Beitragvon Klaus W » Fr 24. Feb 2012, 13:04

Kann es sein, daß die Frage ob Du Therapie brauchst gar nicht die eigentlich wichtige ist. Eine Psychotherapie kann jeder brauchen, der sie WILL, aber wenn, dann nach eigenem Gusto und nicht, weil es einen von irgendjemandem gesagt wurde.

Kann es sein daß Deine Beziehung zu Deiner Mutter der eigentlich problematische Teil ist. Für mich klingt es so als würdest Du Dich vor ihr rechtfertigen, mit ihr argumentieren, ihre Anerkennung, Bestätigung wollen, auch böse werden.

Also, ok, wäre jetzt eben so, aber auf Dauer wäre es vermutlich besser für Dich, den Kontakt zu ihr zu reduzieren, und vor allem, internale Mitteilungen über Deine Befindlichkeit und Erklärungen, Rechtfertigungen, gänzlich zu lassen, und dann auch die Vorwürfe, die deswegen unweigerlich kommen werden, könnte man fest mit rechnen, auszuhalten. Du kannst von ihr keine Zustimmung erwarten, sie wird Dich immer kritisieren, wird an Dir immer etwas auszusetzen haben, ganz unabhängig davon wie Du Dich verhältst. Niemand könnte es ihr recht machen, mit nichts. Ist nicht möglich.

Dazu würde auch gehören, sie bei sich zu belassen, sprich, bei ihren Marotten und Fehlern nichts zu sagen. Es ist ja nun ihre Sache, wie viel Licht sie anhat. Genauso, was sie nun über Dich denkt, ist genauso ihre Sache. Wer bist Du, darauf zu reagieren. So auf der Schiene.

Das ist schwierig, es wird einem wenn es dadurch zum Konflikt kommt, zwangsläufig schlecht gehen, das müßte man für sich aushalten, dürfte deswegen nicht in Vorwürfe kommen.

Unliebsame SMS beantwortet man nicht, Fragen, die einem nicht gefallen, überhört man, ignoriert man, beantwortet sie nicht, wechselt das Thema. Was soll sie dann machen, nichts kann sie machen. Klar, gefallen wird es ihr nicht, sie wird Dir vielleicht eine Psychotherapie bescheinigen, weil Du nicht die Antworten gibst die sie gerne hätte. So eine BÖSE Tochter aber auch, macht nicht was man ihr sagt :)
Mit den richtigen Worten kann man alles sagen, mit den falschen Worten nichts.

Engelfrau64
Beiträge: 7
Registriert: Fr 8. Apr 2011, 18:58

Re: Brauche ich eine Psychotherapie ?

Beitragvon Engelfrau64 » Fr 24. Feb 2012, 13:43

Je mehr meine Mutter dementiell bedingt abbaut, umso mehr behandelt sie mich wie ein großes Baby.

Aufgrund meiner seit der Geburt bestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen hat sie auch früher schon mir nichts Wesentliches zugetraut.

Im Zuge der sich immer wiederholenden Diskussionen um ihr Lieblingsthema, dass ich doch so dringend irgendwelche Hilfe brauche, kommen wir immer wieder am Ende darauf zurück, dass in meinem Leben doch alles in Ordnung ist.

Wozu dann diese vorherige anstrengende Diskussion?

Mit meinen Geschwistern würde sie nicht so umgehen.

Mein Bruder ist Diplom Ingenieur, meine Schwestern Diplom usw. .

Die können in ihrem Leben falsch machen, was sie wollen.

Es wird höchstens hinter vorgehaltener Hand kritisiert.

Bei mir dagegen "kann man" mit offenen Karten spielen.

Deswegen habe ich immer so das Bedürfnis, mich rechtfertigen zu wollen bzw. zu müssen.

Klaus W
Beiträge: 448
Registriert: Sa 9. Jul 2011, 18:23

Re: Brauche ich eine Psychotherapie ?

Beitragvon Klaus W » Fr 24. Feb 2012, 19:04

Ja, es kann anstrengend sein. Aber sie wird sich nicht ändern. Du hast im Grunde nur die Chance, abzublocken. Diese Gespräche kannst Du nicht gewinnen. Du wirst nie ihre Anerkennung erhalten, so wie Du es Dir eigentlich vorstellst und wünschst.
Mit den richtigen Worten kann man alles sagen, mit den falschen Worten nichts.

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4111
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Re: Brauche ich eine Psychotherapie ?

Beitragvon Remedias » Fr 24. Feb 2012, 21:29

Hallo Engelfrau,
wenn du keine Psychotherapie machen möchtest, mach keine!
Außerdem kann niemand außer dir dafür die ziele festlegen.

das Problem ist die Mutter. Sie klammert sehr; und du in deinem Alter (ich bin so alt wie du) hast es zwar geschafft, dir ein eigenständiges Leben aufzubauen, aber nicht, dich bisher abzunabeln. Und jetzt wird es noch schwieriger, weil deine Mutter dement und pflegebedürftig wird.

Wie ist es bei euch beiden mit Partnern? Hast du einen Partner? Hat deine Mutter noch jemanden außer dir?

Wenn Eltern alt werden - das ist ein ganz schwieriges Thema.

Ich kann jetzt nur von mir sagen; ich wohne weit von meiner Mutter fort, aber meine Schwester, die in der Nähe wohnt, besucht sie keinesfalls jede Woche.

liebe grüße remedias

Engelfrau64
Beiträge: 7
Registriert: Fr 8. Apr 2011, 18:58

Re: Brauche ich eine Psychotherapie ?

Beitragvon Engelfrau64 » Sa 25. Feb 2012, 06:03

Hallo, Remedias !

Wenn ich übernächste Woche eine Psychotherapie anfangen könnte, würde ich es ja machen. :mrgreen:

Aber der Genehmigungsmarathon bzw. Spießrutenlauf bei der Krankenkasse finde ich abschreckend und gesundheitsschädlich :roll: , weshalb ich auch davon agehalten werde.

Meine Mutter hat keinen Partner.

Sie ist aber in verschiedenen Chören und privaten Singekreisen.

Da gibt es schon Freundsschaften, aber nur Freundschaften.

Bei meiner Mutter besteht außerdem noch der Umstand, dass sie im vergangenen Jahr ein künstliches Kniegelenk bekommen hat und unter chronischen Schmerzen leidet. Auch schon vorher. Und das linke Knie soll auch operiert werden, aber erst, wenn sie mit dem bereits operierten wieder Treppe steigen kann.
Gegen die Schmerzen nimmt sie Medikamente, was sie auch abstreitet mit "der" Behauptung, dass sie so wenig wie möglich Schmerzmittel nehmen will. Das stimmt aber nicht. Dass sie wenig Medikamente nimmt.

Als ich meine Mutter letztes Jahr in der Reha dann besucht habe, empfing sie mich mit den Worten:

"Deine Jacke stinkt". :puppydogeyes:

So hätte sie meine Geschwister nicht empfangen.

Mir gegenüber hat meine Mutter Null Hemmschwelle an allem Möglichen an Kritik.

Bei Demenz verändert sich der Geruchssinn der Betroffenen, habe ich gelesen.

------------------------
Ich habe auch keinen Partner, da ich dafür nicht gemacht bin.

Aber durch dass von mir in eine der großen christlichen Konfessionen gegründete Privatprojekt habe ich viele Menschen kennengelernt und dadurch Freundschaften gefunden, nach denen ich jahrzehntelang vergebens gesucht habe.
Die wohnen jedoch alle im ganzen Land verstreut, von Süd nach Nord, von West nach Ost.
Gelegentlich sehen wir uns, wenn wir an anderen Projekten (Kongressen) teilnehmen.
Oder aufgrund unserer Vereinsstruktur Kraft Gesetzes uns ab und zu treffen (müssen) wegen Festlegung neuerer Umstände in der Vereinsstruktur (Mitgliederversammlung).
Das ist für mich ein ganz neues Leben und gibt mir sehr viel.
Wenn nicht solche Termine anstehen, dann mailen wir uns oder rufen uns an.

Ich habe trotz des schwierigen und aggressiven Verhaltens meiner Mutter mir gegenüber dann auch noch das Problem, dass ich trotzdem ein schlechtes Gewissen habe und meine, ich müsse sie häufiger besuchen im Hinblick auf die "übliche" Belohnungsreaktion bezüglich "Freu mich, dass Du kommst". Meine Mutter sagt zwar diese Worte, aber an positiven Gefühlen kommt dann trotzdem nix von ihr rüber. Sie will mich halt damit locken. Wenn ich dann bei ihr bin, geht es dann bald los mit unschönen Szenen zwischen uns.
DAS IST HALT DER DANK, WENN ICH MEINEM SCHLECHTEN GEWISSEN FOLGE, um es damit scheinbar ruhig zu stellen.

Liebe Grüße, Engelfrau64

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4111
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Re: Brauche ich eine Psychotherapie ?

Beitragvon Remedias » Sa 25. Feb 2012, 16:23

Hallo Engelfrau,

also ich finde, du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben, du machst genug.

liebe Grüße Remedias

Engelfrau64
Beiträge: 7
Registriert: Fr 8. Apr 2011, 18:58

Re: Brauche ich eine Psychotherapie ?

Beitragvon Engelfrau64 » Sa 25. Feb 2012, 16:40

Hallo, Remedias !

Das schlechte Gewissen meine ich in Bezug speziell auf meine Mutter.

Dass ich für sie allein verantwortlich bin.

Ich habe das Gefühl, dass dieses nun voraus gesetzt wird.

Von meiner Familie und von der Gesellschaft.

Aber ich schaff es einfach nicht.

Ich wohne in einer anderen Stadt und fahre nicht Auto.

Bin berufstätig und 60 % schwerbehindert.

Gruss, Engelfrau64

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4111
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Re: Brauche ich eine Psychotherapie ?

Beitragvon Remedias » Sa 25. Feb 2012, 17:07

Hallo Engelfrau,
Engelfrau64 hat geschrieben:Das schlechte Gewissen meine ich in Bezug speziell auf meine Mutter.

Dass ich für sie allein verantwortlich bin.

Ich habe das Gefühl, dass dieses nun voraus gesetzt wird.

Von meiner Familie und von der Gesellschaft.

Aber ich schaff es einfach nicht.

Ich wohne in einer anderen Stadt und fahre nicht Auto.

Bin berufstätig und 60 % schwerbehindert.
genau das meinte ich.

liebe Grüße remedias

Engelfrau64
Beiträge: 7
Registriert: Fr 8. Apr 2011, 18:58

Re: Brauche ich eine Psychotherapie ?

Beitragvon Engelfrau64 » Sa 25. Feb 2012, 17:48

Ach so. :oops: :mrgreen:


Zurück zu „Zu allen Fragen der Psychiatrie und Psychotherapie“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste