Welche Therapie braucht man wenn man frei Assozieren möchte?

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spiriphysiks
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Welche Therapie braucht man wenn man frei Assozieren möchte?

Beitragvon spiriphysiks » Sa 22. Mai 2010, 04:12

Durch meine Erfahrungen mit Psychotherapie, weiß ich, dass die Methode des "freien Assozierens" der beste Weg für mich wäre, mich von meinen emotionalen Problemen befreien zu können. Die Suche nach einem Therapeuten ist mir bisher schwer gefallen. Obwohl ich davon augehe, das freies Assozieren in den Bereich der Psychoanalyse gehört, wurde ich bisher von allen Tiefenpsychologen/ Psychoanalytikern abgelehnt.
Es hieß meißtens, man müsse (!?!) in solch einer Therapie über die Kindheit reden, und das wäre in meinem Zustand gefährlich. Wobei ich zustimme, das es sicher nicht nützlich sei, wenn einen jemand mit Fragen über seine Kindheit überschüttet.

Eingreifende/Manipulative Gespräche sind bei emotionalen Problemen natürlich riskant, aber sind Sie das nicht letztlich bei Jedem? Selbst ich als Laie verstehe, das man an versteckte/unbewusste Gedanken, Erinnerungen, usw., nicht durch Fragen kommt. Bei einer Psychoanalyse, sollte man echt und frei sein dürfen. Nur so kann sich die Seele öffnen. Es heißt ja wohl aus gutem Grund freie und nicht Zwangsassoziation.
Wenn Ich einem Therapeuten sage, dass ich in einer Therapie über aktuelle Themen assoziierenn möchte, heißt es, dies funktioniere nicht.
Fühle mich von den der Therapeutengemeinschaft ganz schön verarscht, und zweifel mittlerweile ihre Kompetenz an. Anscheinend glauben an ihre paar Regeln, und alles andere ist falsch.
Zudem kommt noch, das mich die meißten Therapeuten an einen Psychiater verweisen, aber Tabletten helfen mir überhaupt nicht weiter, verschlimmern eher meinen Zustand. Trotzdem werde ich immer wieder dazu gedrängt Medi´s zu nehmen (obwohl ich sage das Sie nicht helfen), was mich mittlerweile auch unheimlich nervt. Habe auch den Eindruck, mich zu einem anderen Arzt hin zu überweisen, bedeutet, dass die Therapeuten überfordert sind, oder keine Lust haben, sich mit etwas auseinanderzusetzen.

Wie ich jetzt bei meiner Suche nach einem Terapeuten/in weiter vorgehen sollte, ist mir nicht ganz klar.
Vielleicht weiß ja jemand, wie mir da weiterzuhelfen wäre. Über Feedbacks würde ich mich freuen.

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fluuu
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Re: Welche Therapie braucht man wenn man frei Assozieren möchte?

Beitragvon fluuu » Sa 22. Mai 2010, 17:32

Hallo,
bei "freiem Assoziieren" fallen mir sofort die gestalterischen Therapien ein wie z.B. Kunsttherapie oder
bin selbst dabei in Anlehnung eine Fotografietherapie zu entwickeln. Es wird nicht mit Worten sondern
mit Bildern assoziiert, aus meiner Sicht eine Modernisierung der Methode von Freud.
Weder Psychoanalyse noch reine Gesprächstherapien sind für freies Assoziieren in unserer heutigen
Zeit optimal, also kein Wunder wenn jeder dieser Therapeuten ablehnt.
Beim künstlerischen Ausdruck jedoch ist dieses freie Assoziieren immer der entscheidende Vorgang
um kreativ schöpferisch gestalten zu können. Vielleicht wäre das mal eine Überlegung...
gruß fluuu

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Re: Welche Therapie braucht man wenn man frei Assozieren möchte?

Beitragvon spiriphysiks » Sa 22. Mai 2010, 23:33

Ertsmal vielen Dank für ihre Antworten.

Zuerstmal zu dir, fluu,
natürlich ist freie Assoziation ein weiter Begriff. Assozieren kann man mit vielen Dingen (Informationen) und das auf viele verschiedenen Arten. Ich sprach eher vom "traditionellen" Assoziieren: Man erzählt einem Therapeuten ganz offen, was einen Geistig/Seelisch beschäftigt, und der Therapeut geht auf einen ein (positives feedback). Ich bin gerne kreativ. Suche aber nach den Hintergründen meines Problems und nicht nach einer neuen Methode Bilder zu malen. Vielleicht habe ich dich da aber auch mißverstanden?!.
Zu deinem zweiten Thema. Ich bin zwar nicht genau darüber informiert, ob "diese" Art der freien Assoziation noch üblich ist. Klar, Sie ist historisch gesehen zwar alt, fast 100 Jahre, aber auch Antibiotika gibt es schon seit den 50er Jahren und sie werden dennoch heute noch erfolgreich angewandt (Neue Formen, aber sogar noch die älteren!). Und beim Assoziieren kann man keine Immunität entwickeln. Das man eine so gute Therapieform einfach in die Schublade wegpacken sollte, erscheint mir nicht sinnvoll. Sie eignet sich sehr gut damit, verdrängte Informationen (ob Wünsche, Gefühle,...), die "hinter" emotionalen Problemen liegen, bewusst zu machen. Da muss ihr ertsmal eine andere Therapie das Wasser reichen können. Sollte es aber stimmen, das diese Therapieform, bzw. Therapie (Die anderen Methoden der Psychoanalyse sind fast nutzlos ohne das Assoziieren, Sie ist das Grundfundament), ausgemustert wurde, bin/werde ich zutiefst erschüttert sein. Werde versuchen mich da schlau zu machen.

Zu 111 kleinbuchstabe:
Ich leide an neurotischem Selbsthass, der zwar in der Regel nicht sehr stark ist (obwohl er das auch sein kann, und dann sehr zermürbend ist!), aber eher unter den Folgen auf Geist, Seele und Körper. Er blockiert teilweise sehr stark meine Persönlichkeit (Gefühlsleere, es fällt schwer zu denken, Alpträume) und kann sich auch "verkörperlichen", wandert sozusagen weiter in den Körper, was sich in leichten Muskelverkrampfungen, inneren Druckschmerzen im Oberkörper und Antriebslosigkeit äußert.

Zu deiner zweiten Frage, natürlich ist es weise, Probleme zu akzeptieren, welche man nicht lösen kann. Meins ist aber (Gott Sei Dank) lösbar. Ein lösbares Problem, das vor allem meine Lebensqualität stark verringert, könnte ich niemals ignorieren, da müsste ich schon eine Gehirnwäsche machen/bekommen;-). Damit kein Mißverständnis entsteht: Natürlich versuche ich so gut wie möglich mit meinen Problemen zu leben, so gut wie eben möglich.

Geh zu Igor? Ist das ein Insiderwitz, oder sollte ich mich an ihn wenden und wenn ja, wieso? Ist er hier auch Mitglied?

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Re: Welche Therapie braucht man wenn man frei Assozieren möchte?

Beitragvon Angelita » Mo 24. Mai 2010, 15:04

Hallo spiriphysiks
Wie ich jetzt bei meiner Suche nach einem Terapeuten/in weiter vorgehen sollte, ist mir nicht ganz klar.
Hat die Krankenkasse keine speziellen Listen von Therapeuten, welche Analytiker sind? Wie sieht es aus mit Homepages vom Freud-Institut o. Jung? Die sollten auch Listen von ihren Mitgliedern haben.
Wenn Ich einem Therapeuten sage, dass ich in einer Therapie über aktuelle Themen assoziierenn möchte, heißt es, dies funktioniere nicht.
Wer hat das gesagt? Waren das Analytiker? Aus meiner Erfahrung geht das sehr wohl. Zudem ist auch der Analytiker in der Verantwortung zum Analysand, d.h. er muss sehr wohl eingreifen, wenn das Gespräch u./o. die Assoziation eine Richtung einnimmt, die für den Analysand noch nicht wegbar ist o. zu verarbeiten ist. Auch in der Analyse stellt der Therapeut ab u. zu Fragen. Es ist schon richtig, dass das weniger vorkommt, wie in einer systemischen o. Verhaltenstherapie.

Ich nehme an, Sie kommen aus Deutschland, oder? In der Schweiz wollen die Krankenkassen am liebsten die Verhaltenstherapien zahlen. Denn bekanntlicherweise, sind Analysen langwierig u. das ist nicht im Interesse der KK. Aber auch hier gibt es noch Freudianer u. Jungianer. Bei diesen Therapeuten kann man schon noch eine Analyse machen, aber eben nicht klassisch. Die KK zahlt keine vier o. fünf Sitzungen pro Woche. Also wenn man Glück hat, bekommt man in Krisenzeiten zwei Sitzungen bezahlt u. sonst wie halt bei andern Therapien auch, eine.

Suchen Sie weiter! Fragen Sie bei renommierten Instituten nach! Sie sollten schon die Therapieform ausprobieren, von der Sie überzeugt sind.

Aber auch bei den Analytikern ist es wie bei andern Therapeuten - es kommt auf die Sympathie an u. das Vertrauen. Von diesem Grundsatz betrachtet, ist die "Schule" (Therapierichtung) nicht so entscheidend.

Trotzdem, geben Sie nicht auf.
Gruss Angelita

“Man muss im Ganzen an jemanden glauben, um ihm im Einzelnen wahrhaft Zutrauen zu schenken.” H. v. Hofmannsthal

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Re: Welche Therapie braucht man wenn man frei Assozieren möchte?

Beitragvon fluuu » Di 25. Mai 2010, 11:58

Hallo spiriphysiks,

Du hast mich falsch verstanden, heute klagt der Patient in der Psychotherapie nicht sein Leid
oder erzählt die von Grausamkeiten durchwachsene Kindheit und der Therapeut assoziiert
darauf liebe Worte zum Trost, sondern heute wird der Patient dazu animiert auf kreative
Art und Weise selbst Lösungsansätze für sein Problem zu entwickeln und der Therapeut
begleitet dabei nur. Deshalb ist diese Methode des freien Assoziieren von Freud entwickelt
nicht mehr zeitgemäß, sie macht zwischen Klient und Therapeut was die therapeutische
Beziehung angeht abhängig.
Möchte keine Methode anwenden die den Klienten so sehr an mich bindet, dass er keinen
Gedanken ohne mich ausführt und zu jeder Entscheidung den Therapeuten braucht.
In den heutigen Methoden der Psychotherapie wie z.B. in den gestalterischen Therapien
kann der Patient kreativ eigene Lösungen für seine Situation entwickeln und macht sich
dabei nicht abhängig.
Es ist ein gutes Zeichen und spricht für die Therapeuten, dass sie Deinen Wunsch ablehnen,
denn sie würden sich eine abhängige Klienten in der Praxis heranziehen.
gruß fluuu

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Re: Welche Therapie braucht man wenn man frei Assozieren möchte?

Beitragvon spiriphysiks » Sa 29. Mai 2010, 16:19

zu fluu:

Es scheint so, als sind sie sehr überzeugt von ihrer kreativen Psychotherapie (möchte ihren Wert nicht herabsetzen, sie hat ganz sicher ihre Rechtfertigung), lassen aber keinen Platz für eine andere Alternative. Es ist auch sehr deutlich, das Sie von Psychoanalyse im weitesten Sinne nicht viel verstehen, und anscheinend nur negative Vorurteile darüber kennen. Das ist sehr schade.

zu Angelita:

Erstmal Dank für ihre Antwort. Klar gibt es Listen, wo es eine Einteilung gibt. Ist aber meißtens sehr eng gefaßt, Analytiker, Verhaltenstherapeuten und noch ein paar andere. Ich finde, das man da schwer mit weiterkommt. Alleine die Psychoanalyse hat schon so viele Untergruppen.
Ist zwar blöde, aber ich muss wohl einfach weitersuchen, auch wenn ich mir dabei wie ein blinder Maulwurf vorkomme.
Wegen ihrer anderen Frage, ging die Reihe durch: Psychiater, Psychologen, Psychtherapeuten. Schon ein wenig seltsam.
Bin übrigens aus Deutschland.
Kenne Sie sich gut aus mit Psychotherapie und interessiert es Sie?


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