postpsychotische Depression

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deepnight
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postpsychotische Depression

Beitragvon deepnight » So 7. Nov 2004, 16:40

Hallo,
irgendwie werden meine Stimmungstiefs immer schlimmer. Ich habe einen Haufen negativer Gedanken, fühle mich wertlos wegen meiner Schizophrenie, habe das Gefühl, total überfordert mit Haushalt, Hunden und krankem Sohn zu sein... Wie komme ich da wieder raus? Vor der Psychose im Sommer hatte ich so viel Power und wenn der Garten nicht ganz ordentlich war, wars mir eben wurscht. Wie lange dauert so eine postpsychotische Depression? Geht sie von alleine wieder weg? Mein Arzt gibt mir kein Antidepressivum, weil er meint, meine Stimmung sei in Ordnung. Ich wirke nach außen nicht depressiv. Aber innen zerreißts mich. Wenn ich male, fallen die Gespenster der Selbstzweifel über mich her und ich kann mich auch nicht mehr an den Bildern freuen. In meinem Kopf tönt es bloß "Du bist nichts, kannst nichts und bist außerdem noch schizophren, unwertes Leben, behindert..."
Helene, recht verzweifelt
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rhapsodie
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Beitragvon rhapsodie » So 7. Nov 2004, 21:34

Hallo Deepnight,
ich weiss leider nicht wie lange sowas anhalten kann. Deinen Arzt kann ich nicht verstehen. Wenns danach ginge ob mir jemand (einschliesslich meines Therapeuten )was anmerkt dann wäre ich topgesund. Bisher hat nur mein mittlerweileEx was bemerkt. Alle engen Freunde denen ich davon erzählt habe sind aus allen Wolken gefallen. Viele von denen sehen mich täglich für mehrere Stunden. Ich kann sogar manchmal mich selber täuschen.
Ich habe akzeptiert dass ich grade mal nicht so kann wie ich will und ich war vor der Depression auch DIE Powerfrau. Es ist nicht leicht sich damit abzufinden und ein wenig gesunder Egoismus gehört dazu und manchmal werde auch ich rückfällig.
Meine Medis helfen mir ziemlich gut und ich werd auch wieder aktiver.

Vielleicht brauchst du auch einfach mal ne Auszeit?
Mist, ich weiss einfach nicht genau was ich dir gescheites sagen soll ohne dass es Mist rüberkommt. Mir gehts oft genau wie dir.

Weisst du ich kenn viele Menschen mit dauerhaften geistigen und körperlichen Handicaps und jeder hat seine Fähigkeiten und und seine Daseinsberechtigung. Daran denke ich immer wenn es mir so schlecht geht und meine ich bin nichts mehr wert.

Ich sach jetzt nix von wegen Kopf hoch oder so aber ich schick dir ein bisschen Kraft die ich im Moment überhab.

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Laura
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Beitragvon Laura » So 7. Nov 2004, 23:58

Liebe Helene,

Du hast doch schon so viel bewältigt und bist dadurch so lebensklug geworden. Diese dunkle Phase wirst Du auch durchstehen. Das mit den Selbstzweifeln beim Malen scheint mir ein typisches Künstlersyndrom zu sein, Künstler sind ja oft unzufrieden mit ihren Werken, auch wenn alle Welt sie toll findet.

Vielleicht bist Du auch deswegen so niedergeschlagen, weil Du immerhin zehn Jahre lang stabil warst und vielleicht gedacht hattest, Du hättest es jetzt gepackt. Der Rückfall muss Dir ja wie eine Niederlage vorkommen und als ob alles, was Du in der Zwischenzeit erreicht, erlebt und wozu Du herangereift bist, für die Füße gewesen sei. Aber Schizophrenie ist nun mal eine tückische Krankheit und für Deine Schlaflosigkeit wegen der Knieschmerzen, die sie ausgelöst kannst Du doch überhaupt und null nichts. Die zehn Jahre davor waren doch sicher dennoch eine wichtige und wertvolle Zeit.

Na, und dass man als Schizophrener noch lange nicht wertlos bist, das weißt Du doch im Grunde genommen selbst. Wer sollte Dich da verurteilen? Höchstens einer, der zwar nicht selbst psychisch krank ist, aber strohdoof und sozial verkorkst ist. Das ist doch unter Deinem Niveau, da stehst Du doch eigentlich drüber!

Vielleicht kannst Du bei der Krankenkasse eine Haushaltshilfe beantragen für die Zeit, in der es Dir noch so schlecht geht. Dann wärst Du um einen Batzen entlastet und müsstest Dich nicht gedrängt fühlen, auch noch für andere da sein zu müssen.

Also ganz liebe Grüße und viel Mut und Kraft. Du schaffst auch das, da bin ich mir bei Dir ganz sicher!

Laura

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deepnight
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Beitragvon deepnight » Mo 8. Nov 2004, 09:50

Danke Laura und Rhapsodie für eure aufmunternden Worte. Ich werde nochmal mit meinem Arzt sprechen und ihm klarmachen, daß ich mich wirklich durch den Tag quäle. So wie es ist, kann es nicht bleiben.
Gruß, Helene
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Franz Engels
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Beitragvon Franz Engels » Mo 8. Nov 2004, 13:11

Hallo deepnight,

es tut mir sehr leid, dass es Ihnen im Moment so schlecht geht. Vielleicht ist das der richtige Zeitpunkt, Ihnen für Ihre differenzierten Beiträge, Ihre Übersicht und natürlich Ihre tollen Bilder zu danken? Sie sind mit wenigen Beiträge zu einer wichtigen Säule hier im Forum geworden und, so wie ich es wahrnehme, auch für ein Vorbild für viele andere Betroffene. Ich bin auch überzeugt, dass Sie aus dem Tief wieder herauskommen und wünsche Ihnen dazu viel Kraft!

Ich möchte Ihnen auch eine Antwort auf Ihre Frage geben. Ich tue das, indem ich einen Auszug aus der ICD-10 zitiere, weil gerade der Begriff "postschizophrene Depression" nicht so einfach ist. Es gibt ja viele Gründe, warum man ein Tief haben kann:
ICD-10 hat geschrieben:"Eine unter Umständen länger anhaltende depressive Episode, die im Anschluß an eine schizophrene Erkrankung auftritt. Einige schizophrene Symptome müssen noch vorhanden sein, beherrschen aber nicht mehr das klinische Bild. Diese anhaltenden schizophrenen Symptome können "positiv" oder "negativ" sein, die letztgenannten sind häufiger. Es ist unerheblich für die Diagnose, inwieweit die depressiven Symptome durch das Verschwinden der vorher bestehenden psychotischen Symptome nur aufgedeckt wurden, ohne daß es sich um eine neue Entwicklung handelt, ferner inwieweit der Zustand wesentlicher Teil der Schizophrenie und nicht etwa nur eine psychische Reaktion auf die Erkrankung ist. Die Symptome sind selten schwer und umfassend genug, um eine schwere depressive Episode (F32.2 und F32.3) diagnostizieren zu können. Oft schwierig zu entscheiden ist es, welche Symptome zur Depression gehören, welche auf die neuroleptische Medikation zurückgehen oder welche auf der Antriebsminderung und der Affektverflachung der schizophrenen Erkrknaung selbst beruhen."
Sie sehen, da herrschen einige Abgrenzungsschwierigkeiten. Und niemand wird Ihnen sicher sagen können, wie lange das Tief andauert. Sicher ist, dass Sie diese negativen Stimmungen ernst nehmen und dies mit Ihrem Arzt besprechen sollten.

Gute Genesung und herzliche Grüsse

Franz Engels (Webmaster)
Das Gegenteil ist nur die Rückseite derselben Medaille.

Isa
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Beitragvon Isa » Mo 8. Nov 2004, 14:28

Hallo Helene,
du hast so wunderbare Bilder geschaffen, du hast mir so viel Mut gemacht, du hast deine Krankheit so gut im Griff, du hast so tolle Bücher geschrieben und sicher gibt es noch eine ganze Menge anderer Dinge die du gut gemacht hast. Sieh´ dich nicht als unwert an, du hast so viel Talente. Jetzt bist du gerade in einem Tief, aber nach einem Tief gibt es auch wieder ein Hoch, ich spreche da aus eigener Erfahrung. Ich war wochenlang in einem Tief nach der Psychose und meine Arbeit hat mir überhaupt keine Freude mehr gemacht, es war alles nur anstrengend und ich habe mich durch die Tage gequält. Da hat mir jemand gesagt, du brauchst mal eine Portion "Wurschigkeit". Seitdem ist es nicht mehr ganz so schlimm, ich versuche die Geschehnissse auf mich zukommen zu lassen und hab´nicht schon Panik für Wochen im Vorraus. Diese Portion "Wurschigkeit" wünsche ich Dir auch.

Alles Liebe für Dich!
Grüße, Isa
Oh Mensch lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel nichts mit dir anzufangen.
Augustinus

Biene
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Beitragvon Biene » Mo 8. Nov 2004, 15:13

Liebe Helene,

auch ich bin über Deinen Bericht sehr erschrocken. Ich habe Dich hier in diesem Forum als starke Frau kennen gelernt, die schon sehr viel in ihrem Leben erreicht hat.
Du schreibst Bücher und hattest in letzter Zeit auch großen Erfolg mit Deinen Bildern .Darauf kannst Du wirklich sehr stolz sein .Vor allem wenn man bedenkt, das Du ein krankes Kind hast, das Du täglich betreust.
Ich bin selber nicht psych. Krank, habe aber einen Sohn der psych. krank ist und weiss wie viel Kraft und Nerven der Umgang mit ihnen kostet.
Auch ich habe Phasen in denen ich denke das nichts mehr geht .Es ist manchmal nicht leicht allen Anforderungen gerecht zu werden, das kann sehr schnell zur Überforderung führen.
Wichtig ist, dass man gerade in diesen Erschöpfungszuständen sein eigenes Wohlbefinden nicht aus den Augen verliert.
Versuche eine Möglichkeit zu finden Dich zu entspannen und abzuschalten. Ich denke, Du wirst mit Unterstützung Deiner Familie und des behandelnden Arztes auch diese Krise meistern.

Ich wünsche Dir dafür viel Kraft und Mut.

Du bist etwas Besonderes…glaube an Dich!!!!!!!

Liebe Grüße
Biene

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deepnight
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Beitragvon deepnight » Mo 8. Nov 2004, 17:08

Hallo FE, Isa und Biene,
ich bin ganz baff über so viel Zuspruch. Das tut mir jetzt sehr gut. Ich denke, ich hätte nach der Psychose einfach noch mehr Erholung gebraucht, bin aber wieder voll in meinen Alltag reingeschmissen worden. Und der ist ziemlich belastend. Irgendwie habe ich noch nicht meine alte Kraft wieder und das macht mich ganz fertig, weil ich denke, ich schaffe das alles nicht mehr. Aber ihr habt recht, das wird wieder, ich muß nur Geduld haben. Zur Zeit bin ich über jeden Tag froh, den ich bewältigt habe und ich denke auch, mit jedem Tag kommt ein wenig die Kraft zurück.
Grüßle, Helene
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Wie geht es Dir Helene ????

Beitragvon Biene » Fr 19. Nov 2004, 16:34

Hallochen Helene,

nach Deinem Bericht hier im Forum ,hast Du nicht mehr viel von Dir hören lassen,ich mache mir ernsthaft Sorgen um Dich !!!
Vieleicht liegt es ja auch nur an der zeitweise etwas verwirrenden Gesprächsführung hier ?!

Gib bitte mal ein Lebenszeichen von Dir !!!!!!!!!!!!

Liebe Grüße und alles Gute
Biene

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deepnight
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Beitragvon deepnight » Fr 19. Nov 2004, 16:45

Hallo Biene,
das ist lieb, daß du an mich denkst :) .
Mein Arzt meinte, ich soll, bevor er ein Antidepressivum einsetzen würde, was beim Abilify ja nicht so einfach ist, erstmal die Zusatzmedis ausschleichen. Ich nehme jetzt noch etwas Truxal zur Nacht und habe das Zopiclon seit 2 Nächten ganz weggelassen. Stimmungsmäßig geht es etwas besser, aber ich schlafe unruhig. Ich hatte zum Schluß aber nur noch eine viertel Tablette Zopiclon, so daß ich hoffe, daß sich das mit dem Schlafen bald einpendelt. Also insgesamt sieht es schon wieder besser aus :D .
Grüßle, Helene
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Beitragvon hannah » Mi 24. Nov 2004, 12:53

Hallo Helene!

Wieso ist es nicht so einfach neben dem Abilify ein Antidepressivum zu nehmen? Mir geht es jetzt so wie Dir es Anfang November gegangen ist. Im KNS hab ich gelesen, dass es Dir wieder besser geht. Das freut mich sehr!

Ich nehme neben dem Abilify das Antidepressivum Trittico. Wie hast Du das gemeint, dass es nicht so einfach ist ein Antidepressivum neben Abilify zu nehmen?

lg

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deepnight
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Beitragvon deepnight » Mi 24. Nov 2004, 13:23

Hallo Hannah,
soviel ich weiß, sollte man kein Antidepressivum nehmen, das auf das seretonerge System wirkt, wie z.B. Zoloft. Was hat dein Antidepressivum denn für einen Wirkmechanismus? Mein Arzt sagte mir halt, daß es schwierig sei, zu Abilify ein passendes AD zu finden. Wie bist du mit deinem zufrieden?
Mir geht es jetzt wesentlich besser, seit ich kein Schlafmittel mehr brauche.
Viele Grüße, Helene
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hannah
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Beitragvon hannah » Mi 24. Nov 2004, 19:02

Hallo Helene!

Ich nehme Trittico als AD. Ich weiß nicht, welches Wirksystem es hat, aber es hilft jedenfalls sowieso leider nicht. Und was kann passieren, wenn sich das nicht zusammen verträgt? Ich bin jetzt etwas verunsichert, weil meine Ärztin kennt sich mit diesem Medikament eigentlich nicht aus. Sie hat es mir nur verschrieben, weil ich es gerne nehmen möchte.

lg

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Beitragvon deepnight » Mi 24. Nov 2004, 19:18

Hallo Hannah,
da Abilify auf das seretonerge System wirkt, beeinflussen sich damit die Wirkungen von vielen ADs, die man dazu geben könnte. Was genau passieren kann, weiß ich aber nicht. Mir hat es sehr geholfen, alles Zusätzliche -das waren bei mir Truxal und Zopiclon- auszuschleichen, also alle zusätzlichen Medis, die dämpfend wirken wegzulassen. Ein AD nehme ich (noch) nicht.
Frag doch mal bei der Firma von Abilify nach, was die für ein AD empfehlen würden.
Grüßle, Helene
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hannah
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Beitragvon hannah » Mi 24. Nov 2004, 21:15

Hi Helene!

Wie lange hat es eigentlich gedauert, bis bei Dir das Abilify angefangen hat zu wirken? Und wie viel mg nimmst Du? Wirkt das Abilify bei Dir auch gegen Depressionen und Antriebslosigkeit?

lg


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