Bleiben oder gehen? Therapie in Frankreich oder Deutschland?

Hier können Sie sich austauschen, Tips geben und Fragen stellen zu allen seelischen Problemen, Lebenskrisen und Erkrankungen, zu Medikamenten, Psychotherapie, anderen Therapien, Therapeuten, Kliniken etc.
ferner_Stern
Beiträge: 2
Registriert: Fr 3. Okt 2008, 12:08

Bleiben oder gehen? Therapie in Frankreich oder Deutschland?

Beitragvon ferner_Stern » Fr 3. Okt 2008, 12:29

Hallo!

Ich bin ganz neu hier im Forum...

Ich bin fast 30 und lebe seit 4 Jahren in Frankreich. Eigentlich bin ich damals auf Anraten meiner Psychotherapeutin nach Frankreich gegangen, und das auch etwas überstürzt, denn die Therapie war noch gar nicht richtig zu Ende gebracht. Ich muss im Nachhinein auch sagen, dass die Therapeutin echt etwas zu "streng" für mich war und mich nur zum Weinen gebracht hat. Geholfen hatte sie mir überhaupt nicht, mein damaliger Zustand hatte sie nur verschlimmert. Das einzig richtige was sie mir damals geraten hatte, war nach Frankreich zu gehen. Ich war damals sehr depressiv und hatte ein Drogenproblem (alle "Partydrogen", besonders Kokain). In Frankreich konnte ich davon endlich Abstand gewinnen und zur Ruhe kommen...

Das erste Jahr in Frankreich war klasse. Ich lebte in einer WG in einem Haus in den Bergen, hatte einen Vollzeitjob und mir ging es gut.

Später zog ich dann mit meinem französischen Freund zusammen. Er ist total lieb, will am liebsten für immer mit mir zusammen bleiben, Kinder kriegen, eine Wohnung kaufen usw... Aber manchmal denke ich, wir passen nicht so gut zusammen, da wir nicht viel gemeinsam haben....
Nachdem ich vor 2 Jahren 5 Wochen mit ihm in Deutschland verbracht habe (und vorher meinen Job gekündigt hatte), hatte ich so starkes Heimweh, dass ich nur noch geweint hatte, immer unglücklicher in meiner Beziehung wurde (da mein Freund damit nichts anfangen konnte, dass ich nur weinte)und sogar Angstzustände hatte...
Glücklicherweise machte ich dann noch eine Therapie bei einer deutschen Psychologin, die mich etwas aufgepeppelt hat und einen neuen Job habe ich seitdem auch wieder.

Nun aber, nach 4 Jahren in Frankreich, bin ich fast wieder im gleichen Stadium wie damals vor 2 Jahren, als ich die deutsche Psychologin hier aufsuchte. Ich will wieder nach Deutschland!!! Und obwohl mein Freund ganz lieb ist, bin ich doch irgendwie unglücklich... So richtig können wir nicht reden, der Sex befriedigt mich nicht, und wir haben immer noch nicht viel gemeinsam... Aber ich liebe ihn...
Außerdem weine ich wieder so oft und viel...

Als ich meinen Freundinnen hier in Frankreich erzählte, dass ich wieder nach Deutschland will, behauptete eine sehr gute Freundin von mir (die übrigens oft an schweren Depressionen litt und auch in Therapie war), dass das doch nur eine FLUCHT sei, und ich in Frankreich eine Therapie machen sollte...

Ich habe jetzt die Telefonnummer einer französischen Therapeutin bekommen, aber ich muss nur weinen und etwas in mir sträubt sich so sehr dagegen, die anzurufen!!
Ich will allerdings wenn ich wieder nach Deutschland komme auf jeden Fall eine Therapie machen..
Aber meine Freundin sagt, das sei alles nur eine Flucht.. Sie verunsichert mich total...

Soll ich nun doch noch in Frankreich bleiben oder wieder zurück ins vertraute Deutschland????
Und soll ich meine Therapie in Frankreich machen, auch wenn sich alles dagegen irgendwie in mir sträubt? Oder sollte ich grade deshalb eine Therapie hier und nicht in Deutschland machen?
Ich weinen grade nur und fühle mich total überfordert... :cry:

Viele Grüsse aus Frankreich...

Benutzeravatar
Angelita
Beiträge: 305
Registriert: Di 7. Jan 2003, 10:11

Beitragvon Angelita » Fr 3. Okt 2008, 13:41

Hallo ferner Stern
Das erste Jahr in Frankreich war klasse. Ich lebte in einer WG in einem Haus in den Bergen, hatte einen Vollzeitjob und mir ging es gut.
Soll ich nun doch noch in Frankreich bleiben oder wieder zurück ins vertraute Deutschland????
Was ich nicht verstanden habe; haben Sie sich in den vier Jahren in Frankreich eingelebt? Ist Ihnen Frankreich und die Franzosen vertraut, oder nicht?

Mir scheint dies die entscheidende Überlegung. Ich lebte auch vier Jahre auf einem anderen Kontinent. Nach diesen vier (schon vorher) Jahren waren mir Land u. Leute weitgehend vertraut - schon nicht ganz alles, aber das meiste.
Gruss Angelita

“Man muss im Ganzen an jemanden glauben, um ihm im Einzelnen wahrhaft Zutrauen zu schenken.” H. v. Hofmannsthal

ferner_Stern
Beiträge: 2
Registriert: Fr 3. Okt 2008, 12:08

Beitragvon ferner_Stern » Fr 3. Okt 2008, 16:20

Vielen Dank für die schnelle Antwort!

Ich spreche fließend französisch und bin mit Land und Leuten (mittlerweile) vertraut.
Allerdings muss ich zugeben, dass ich manchmal nicht so ganz mit der Mentalität hier im Süden Frankreichs klar komme (vielleicht bin ich doch etwas "zu deutsch"? Obwohl ich mich doch immer für so offen usw. gehalten habe..). Was mich auch sehr stört, ist mein deutscher Akzent, den zwar viele als charmant empfinden, mit dem ich mich aber meist nicht sehr ernst genommen gefühlt fühle und aufgrund dessen auch oft gefragt wird, ob ich denn überhaupt französisch sprechen kann... Das empfinde ich schon als sehr störend...

Hmm, also "zu Hause" fühle mich mich hier nicht so richtig, muss ich sagen...

Benutzeravatar
deepnight
Beiträge: 998
Registriert: Di 2. Dez 2003, 17:27
Wohnort: 71272 Renningen
Kontaktdaten:

Beitragvon deepnight » Fr 3. Okt 2008, 21:06

Hallo ferner_Stern,

fühlst du dich in Frankreich unwohl, weil du ein inneres Problem hast, dem du entfliehen möchtest, das du aber dann nach Deutschland mitnehmen würdest? Ist das die Argumentation deiner Freundin, die dich verunsichert?

Vielleicht ist Deutschland für dein Problem aber die günstigere Umgebung. Frag dich doch mal, was du brauchst, um möglichst gut an deinem Problem arbeiten zu können. Welche Umgebung, welche Freunde, welche Therapie.... Das allein sollte zählen.

Gruß, Helene
Jetzt und Hier


Zurück zu „Zu allen Fragen der Psychiatrie und Psychotherapie“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste