Bin ich die Mama?

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suem
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Bin ich die Mama?

Beitragvon suem » So 13. Jan 2008, 12:03

Ich habe meinen Lebensgefährten vor knapp 2 Jahren kennengelernt. Es ist für uns beide die große Liebe und wir wussten gleich, dass wir unsere Zukunft miteinander bestreiten wollen. Mein Partner ist verwitwet und hat ein damals 4 jähriges Kind mit in unsere Beziehung gebracht. Das Kind hat seine leibliche Mutter wegen schwerer Krankheit nicht richtig erleben dürfen. Sie starb als die Kleine 3 war. Die Kleine und ich sind zwischenzeitlich unzertrennlich. Bereits nach ca. 3Monaten hast sie mich gefragt, ob sie Mama zu mir sagen darf. Ich war total erstaunt u. habe mich auch riesig gefreut. Denn für mich war das ein wunderbares Kompliment und ein Vertrauensbeweis. Mitlerweile bin ich für sie ihre Mama und ihr ein und alles. Auch ich stehe dazu und zeige ihr dies auch. Aber sie weiß auch, dass sie im Himmel noch die Mama hat, die sie geboren hat. Seit einiger Zeit nennt sie diese auch nicht mehr Mama, sondern nennt sie die beim Vornamen. Wir gehen auch zusammen auf den Friedhof und wir sprechen dann mit der Mama die im Himmel ist. Was ich damit sagen will ist, dass unser Kind weiß, dass es da oben eine Mama gibt, die sie geboren hat u. die leider nach langer Krankheit gestorben ist.
Unser Kind ist zwischenzeitlich 6 1/2 Jahre alt und super gut drauf und vor allem glücklich, dass auch sie jetzt wieder eine Mama hat.

Jetzt hat mich etwas total aus der Bahn geschmissen. Mein Partner hat die Tage mit jemand über unsere Familiensituation gesprochen, der auch in so einer Situation war (er hatte allerdings 3 Kinder, die etwas älter waren). Er ist der Meinung, dass wir unser Kind belügen, weil ich nicht ihre Mama bin. Ich könnte eine Freundin sein, aber ihre richtige Mama ist gestorben. Er ist auch der Meinung, dass sie nicht Mama zu mir sagen sollte.
Ich bin deswegen ziemlich durcheinander und Ratlos. Denn ich bin der Meinung, dass wir unser Kind in keinem Fall belügen. Denn sie weiß, dass es ihre Mama gibt, die sie auf die Welt gebracht hat (kindgerecht haben wir ihr nach und nach das erzählt was sie wissenn wollte).
Sie hat gestrahlt übers ganze Gesicht als ich ihre Frage, ob sie Mama zu mir sagen darf, mit JA beantwortet habe. Sie ist stolz wenn IHRE MAMA in den Kindergarten kommt, wenn IHRE MAMA sie schön anzieht.

Haben wir wirklich was falsch gemacht?

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Laura
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Beitragvon Laura » So 13. Jan 2008, 14:50

Hallo suem!

Ich habe selbst auch keine Kinder. Aber ich denke auch, dass Du richtig handelst, indem Du Dich von Deiner Stieftochter Mama nennen lässt. Die leibliche Mutter ist gestorben, der wird also nichts weggenommen. Und kleine Kinder brauchen jemanden, den sie Mama oder Papa nennen können. Wenn die Kleine Dich nicht schon als Dreijährige ins Herz geschlossen hätte, hätte sie Dich sicher nicht gefragt, ob sie Dich Mama nennen darf. Hättest Du sie zurückgewiesen und ihre Frage mit nein beantwortet, wäre das sicher schlimm für sie gewesen.

Was dieser Bekannte über die Sache denkt, kann Dir doch wurscht sein. Vielleicht ist er sehr verkopft, vielleicht sogar ein wenig unsensibel und herzlos. Deine Stieftochter hat Dich zu ihrer Mama erwählt, nicht Du hast es ihr aufgedrängt, dass sie Dich Mama nennt. Sie weiß ja trotzdem, dass Du nicht ihre leibliche Mutter bist. Aber wenn man nur die leibliche Mutter Mama nennen sollte, was sollten dann z. B. Adoptivmütter machen? Irgendwie läuft das Denken dieses Bekannten für mich darauf hinaus, dass nur die leibliche Mutter eine gute Mutter sein kann. Das sehe ich aber anders.

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

suem
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Hallo Laura

Beitragvon suem » So 13. Jan 2008, 16:14

DANKE für Deine Antwort. Das hilft mir schon etwas. Denn ich war völlig hin un hergerissen. Denn ich liebe meine Tochter über alles. Du siehst, ich sage "meine Tochter"! Dieser Bekannte hat sogar mit dem Gebiet "Psychotherapie" zu tun. Ich war total schockiert, als mein Mann mir erzählte, dass wir angeblich unserer Tochter was vorlügen.
Ich denke auch, dass sie selbst entschieden hat welche Stellung ich bei ihr habe. Das hat ihr niemand aufgedrängt. Wie waren damals total überrascht, als dieser Satz kam "darf ich Mama zu Dir sagen". Ich hätte sie fressen können.... denn mit so einem Vertrauensbeweis hatte ich nicht gerechnet. DANKE Laura

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Angelita
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Beitragvon Angelita » So 13. Jan 2008, 19:51

Hallo suem

Ich schliesse mich Laura u. Triangel an. Sie haben das wunderbar mit "Ihrer" Tochter gemacht, von belügen keine Spur.

Wir haben zwei Adoptivtöchter, die inzwischen erwachsen sind. Genau so, wie Sies gemacht haben, haben wirs auch gemacht; von Anfang an, d.h. immer wieder haben wir mit unseren Töchtern über ihre leiblichen Müttern gesprochen, das was wir wussten u. als Infos zur Verfügung hatten auch ihnen weiter gegeben. Wir haben unsere beiden Kinder als Säuglinge in Obhut bekommen. Als sie anfingen zu sprechen habe wir auch Fremden gegenüber grad im Beisein der Kinder gesagt, dass sie unsere Adoptivtöcher seien. Ich wollte nicht, dass da ein Geheimnis draus gemacht wurde, ich wollte nicht, dass auf einmal im Kindergarten die andern zu ihnen sagen konnten "das ist gar nicht dein richtiges Mami".

Diese Offenheit hat sich bewährt, war richtig u. gut - das bestätigen mir heute meine/unsere Kinder. Es war auch immer "normal", dass ich ihr Mami bin. Die eine Mutter hat sie unter dem Herzen getragen u. zur Welt gebracht u. ich habe ihnen Liebe, Fürsorge u. Wärme gegeben.

Das ist ja keine Kompetition, die eine Mutter ist nicht besser als die andere. Jede hat ihren Teil zum Wohl des Kindes beigetragen. Wichtig ist doch, dass man dem Kind die Freiheit lässt Liebe einzufordern wo es ihm danach ist. Und es hat sich für Sie entschieden. Mit drei Jahren sind Kinder Gott sei Dank meist noch authentisch, merken wo Zuneigung echt gemeint ist.

Es ist doch ein wunderbares Geschenk, dass Sie u. Tochter es so gut miteinander haben. Das ist auch ein Glück für die Partnerbeziehung, für den Vater u. vor allem für die Tochter, welche noch viele Jahre eine stabile, zugewandt Bezugsperson braucht.

Warum Ihr Bekannter so missgünstig reagiert, kann ich nicht beurteilen. Manchmal ist das Glück der andern ein grosser Schmerz...

Ich freue mich, dass es Ihnen mit Ihrer Tochter so gut geht. Ich freue mich, dass da ein Menschenkind eine zweite Mutter gefunden hat.
Gruss Angelita

“Man muss im Ganzen an jemanden glauben, um ihm im Einzelnen wahrhaft Zutrauen zu schenken.” H. v. Hofmannsthal

suem
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Vielen Dank Angelita

Beitragvon suem » Mo 21. Jan 2008, 09:07

Hallo Angelita, das hat mir sehr geholfen. Denn ich war hin und hergerissen. Ich war auch bislang der Meinung, dass es richtig ist, wie wir es machen. Da sieht man mal, wie ein Mensch einen völlig aus der Bahn werfen kann. Aber Eure Meinung hat mir sehr geholfen und dafür ein DICKES DANKESCHOEN !

hildegard
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Mama

Beitragvon hildegard » Mi 14. Okt 2009, 17:19

Hallo eben habe ich Deinen Beitrag gelesen. Ich bin eine ältere Frau und Grossmutter. Auch wenn Du dieses Kind nicht selbst geboren hast, jetzt bist Du seine Mama. Welch ein Glück und Geschenk für Euch beide! Lass die Menschen sprechen. Und geniesse Deine Tochter. Dann dürfte ja ein adoptiertes Kind auch nicht Mama sagen...........so ein Blödsinn! Viel Freude Euch Dreien......


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