Brauche ich eine Therapie?

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patrik_0224
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Brauche ich eine Therapie?

Beitragvon patrik_0224 » So 24. Dez 2006, 00:59

Guten Tag zusammen!

Mein Name ist Patrik und ich habe mich hier im Forum neu registriert um ein Anliegen zu erfragen das mir schon lange auf dem Herzen liegt.

Ich weiss nicht wie weit die Leser in die Probleme der Leute hier interessiert sind, darum beschreibe ich kurz meine Situation:

Ich bin eine sehr introvertierte Person (soweit ich das beurteilen kann, glaube ich das zumindest), sprich, ich rede nicht viel bis rein gar nichts, habe starke Probleme neue Freundschaften zu knüpfen und bin irgendwie eine lahme Person. Ich bin, was ich noch vergessen habe zu erwähnen, erst 18 Jahre alt und ein bisschen verwirrt über die Tatsachen die an mir vorbeiziehen. Während alle in meinem Alter an Partys gehen und Spass haben bleibe ich an Wochenenden immer zuhause und habe auch gar keine Lust an Partys oder derartiges zu gehen, ich scheue solche Plätze. Meistens sitze ich in meinem Zimmer und denke, zeichne oder höre Musik. Langsam bekomme ich das Gefühl, dass ich krank bin, denn meine Mutter redet mir ständig ein ich solle mehr rausgehen, mit Freunden (eigentlich habe ich gar keine Freunde mehr) ausgehen oder mir eine Freundin suchen.
Das Thema Freundin spielt dabei auch so eine Rolle; ich bin nicht im Stande zu wissen (wenn ich so die Menschen und Jugendliche in meinem Alter anschaue wovon jeder einen Partner hat) ob das bloss einen Gruppenzwang ist oder wahre Liebe. Ich habe mich schon lange nicht mehr verliebt in jemanden. Ich sehe manchmal Mädchen in der Schule in die ich mich sofort verlieben könnte, es dann aber anhält sobald ich ihr Benehmen oder Art sehe. Und die wenigen Mädchen die ich wirklich einst geliebt habe waren alle 10-15 Jahre älter als ich.

Erst seit kurzem habe ich den Drang in mir dagegen etwas zu unternehmen, denn seit ich die Lehrstelle begonnen habe kommt es oft vor, dass wenn ich ganz alleine zu Hause bin, einen ganzen Tag lang nur an meinem Schreibtisch sitzen und aus dem Fenster schauen kann, ohne dabei einen einzigen Muskel zu bewegen oder etwas zu sagen. Die realisation dieser Tatsache macht mir selber ganz grosse Angst! Zudem kommt noch diese totale Absenz von Motivation und das schwimmen in traurigen Gefühlen.

Nun kennen Sie meine Situation bereits ein wenig. Meine Frage lautet nun ob für mich eine Therapie wirklich in Frage käme oder ob ich das Problem auch ^von mir aus lösen könnte.. ?
Falls nein, gibt es in Luzern eine vertrauenswürdige Psychiaterin/Psychiater den ich besuchen könnte ohne, dass meine Eltern etwas davon erfahren?
Ich weiss auch gar nicht ob das bloss eine Phase im Erwachsenwerden ist oder ob bei mir wirklich ein psycher Schaden sich verbreitet.

Für jene Hilfe wäre ich Ihnen wirklich dankbar!!

Lieber Gruss Patrick

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Papaya
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Beitragvon Papaya » So 24. Dez 2006, 09:25

Integration ist zumeist eine schwierige Angelegenheit.
Ich bin auch erst ein Jahr älter als du, und deine Situation kann ich recht gut nachempfinden. Ich verbringe meine Wochenende auch nie auf irgendwelchen Parties. Ganz einfach, weil ich es nicht mag, wenn sich alle betrinken, nur um betrunken zu sein, und ich am Ende als einzige Nüchterne zwischen dutzenden von hackevollen Leuten sitze und mich teilweise fragen muss: Geht's noch?
Ich empfinde das aber nicht als Krankheit, so wie du sagst.
Ich hab dafür eben andere Freunde, mit denen ich andere Dinge mache. Mal eine Woche bei ihnen übernachten zum Beispiel, oder Videoabende, oder einfach mal gemeinsam backen oder sowas.
Allerdings finde ich es schon ein wenig bedenklich, wie du deine freie Zeit dann verbringst.
Aber wenn du d och irgendwas selber tun willst:
Hast du noch nie probiert, übers Internet Freunde zu finden? Mir zum Beispiel fällt es übers Internet manchmal viel leichter, mit Personen zu sprechen. Wegen der gewissen Anonymität, die man da hat. Und man findet da teilweise wirklich Freunde fürs Leben.
Achja und wegen der Sache mit der Liebe:
Die Liebe ist komisch. Besonders in unserem Alter. Ich hatte dahingehend zwar bisher gute, aber nie lang anhaltende Erfahrungen. Und es geht mir oft genau so, dass ich einen Jungen sehe und kennen lerne, der mir gut gefällt, aber wenn dann der Charakter nicht stimmt ist die Enttäuschung meist groß. (Erst letztens wieder so geschehen.)
Ich glaube das ist ganz normal. Darüber würde ich mir keine allzu großen Gedanken machen.
De facto will ich sagen:
Dieses Alter um die 18 rum empfinde ich als schwierig. Man ist irgendwie kein Kind mehr, aber irgendwie auch noch nicht richtig erwachsen.
Einerseits behandeln einen manche noch immer wie ein Kind, andererseits erwarten sie plötzlich von einem, dass man sich erwachsen benimmt. Das ist verwirrend. Aber normal, schätze ich.
"Our prime purpose in this life is to help others. And if you can't help them, at least don't hurt them."
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moni
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Beitragvon moni » So 24. Dez 2006, 16:31

Hallo Patrick

Ich sehe es ähnlich wie Papaya: Es ist nicht notwendigerweise ein Zeichen von Krankheit, wenn man nicht "mit dem Strom schwimmt" und sich so verhält und so lebt wie die Mehrzahl der Menschen oder Altersgenossen um einen herum. Die Frage ist vielmehr, ob, und wenn ja, inwiefern und wie sehr du darunter leidest. Was du von dir schreibst, klingt für mich schon nach ziemlich viel Leidensdruck:
... seit ich die Lehrstelle begonnen habe kommt es oft vor, dass wenn ich ganz alleine zu Hause bin, einen ganzen Tag lang nur an meinem Schreibtisch sitzen und aus dem Fenster schauen kann, ohne dabei einen einzigen Muskel zu bewegen oder etwas zu sagen. Die realisation dieser Tatsache macht mir selber ganz grosse Angst! Zudem kommt noch diese totale Absenz von Motivation und das schwimmen in traurigen Gefühlen.
Und du ziehst für dich bereits selber einen Schluss daraus:
... seit kurzem habe ich den Drang in mir dagegen etwas zu unternehmen
Wenn ich mir vorstelle, dass du stundenlang wie gelähmt an deinem Schreibtisch sitzt, eingetaucht in traurige Gefühle, dann finde auch ich es gut, wenn du etwas unternimmst, um zu verstehen, was bei dir los ist, und um deine Situation zu verbessern. Ja, ich denke schon, dass dir dabei auch eine Therapie eine Hilfe sein könnte. Es gibt viele Wege - vielleicht probierst du einfach mal ein paar aus? Du könntest z.B. zu deinem Hausarzt gehen und ihn um Rat fragen - vielleicht kennt er eine(n) guten Therapeuten/-in oder Psychiater in deiner Stadt. Wegen den Eltern - bist du denn noch über sie krankenversichert? Oder laufen die Rechnungen über deinen Namen, da du ja volljährig bist? Vielleicht kennst du auch die zwei Sites www.147.ch und www.tschau.ch für Jugendliche - dort gibt es ebenfalls viele Links zu verschiedenen Themen und auch Adressen nach Kantonen sortiert, und auch dort sind Fachleute, die dir weiterhelfen können - anonym und gratis.

Viel Glück und alles Gute!

Liebe Grüsse

moni
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Hermann Hesse

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Papaya
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Beitragvon Papaya » So 24. Dez 2006, 18:27

Allerdings:
Beim Finden von Freunden und Entfliehen aus deiner Einsamkeit wird dir auch der beste Psychologe nicht helfen können.
Ich für meinen Teil denke, dass DAS das großes Problem ist und du deswegen auch so traurig bist. Stell dir mal vor: Wenn du Freunde hättest und eine Beziehung, ginge es dir dann besser? Wenn ja, würde ich mir an deiner Stelle den Gang zum Psychologen sparen, sondern lieber selber aktiv werden und versuchen, Freunde zu finden.
So schwer ist es nämlich gar nicht.
Gibt es an deiner Schule irgendwelche Projekte, die regelmäßig statt finden? Irgendwelche Wahlfächer, die du belegen kannst?
Wenn nicht: Probier es doch mit einem Hobby, bei dem du viele andere Menschen triffst! =)
Ich kann dir sagen, dass ich früher auch ein wenig so war wie du. Ich hatte auch keinen großen sozialen Anschluss. Ich war gedulded, aber nicht akzeptiert. Dann hab ich begonnen, alle paar Wochen ehremamtlich im Krankenhaus vorbei zu sehen, hab mich in dieses Projekt in der Schule integriert.
(Wir sind eine Schülerfirma, die sich wöchentlich trifft.)
Und es hat toll geholfen!
Ich will damit nur sagen: Vielleicht wäre es falsch, wenn du zum Psychater gehst. Vielleicht solltest du dein Problem an der Wurzel bekämpfen, und die ist scheinbar deine Einsamkeit.
Wenn du eh schon Lust hast, etwas dagegen zu tun: Nutze die Energie, die dieser Entschluss nach sich zieht! =)
Steig irgendwo ein, mach irgendwas, investiere ein klein wenig Zeit und Energie.
Und ich wette, dass sich all deine Probleme dann recht schnell in Luft auflösen werden.
Du bist doch ein netter, kluger Typ. Du findest bestimmt leicht Anschluss, wenn du dich nur mal zum ersten Schritt überwunden hast. Bestimmt bist du ein guter, loyaler Freund. Und glaub mir: Wenn du erstmal die erste Hürde genommen und ein paar Freunde gefunden hast, erledigen sich die Probleme mit den einsamen Wochenenden ganz von allein.
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patrik_0224
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Beitragvon patrik_0224 » So 14. Jan 2007, 15:42

hallo!

vielen dank für eure antworten! ja wenn ich darüber nachdenke fehlen mir am meisten die Freunde und doch wiederum ist gerade dies der grund warum ich mich in die eimsamkeit flüchtete. Ich war es satt mit freunden immer wieder zu verkehren und vernachlässigte die wenigen Kontakte die ich hatte. Und wenn ich heute zur schule gehe und immer diesen Smalltalk höre vergeht mir jede Lust nach neuen Bekanntschaften. Ich weiss nicht ob das auch als bekloppt gilt aber mich nervt das so sehr dass ich gar keine Motivation habe irgendwelche Kontakte zu knüpfen.

Ps: jemand hat mir eine PN geschickt stand in einer Mail aber als ich in mein fach schaute war nichts mehr drin. Am 6ten Januar empfing ich sie. Kann mir jemand helfen oder diejenige person mir die nachricht nochmal schicken?

Danke!

LG

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Papaya
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Beitragvon Papaya » So 14. Jan 2007, 16:00

Hallo,

Schön, mal wieder von dir zu hören.
Ich war derjenige damals ;)
Hab dir nochmal ne PN geschickt.

Alles Liebe,
Papaya
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bea
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Beitragvon bea » Mo 15. Jan 2007, 01:40

Hallo ihr zwei,

das ist definitiv falsch. Ein Psychotherapeut kann Euch sehr wohl dabei helfen, das ihr wieder Freunde findet und Anschluß an das Leben.
Die Therapieart die sich solcher Probleme annimmt ist die Verhaltenstherapie.
Gruß Bea

Jonas
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Beitragvon Jonas » Di 16. Jan 2007, 11:59

Hallo Patrik,

was ist für Dich der Kern des Problems?

- Einsamkeit

oder

- dass Du anders bist, als die anderen?

Hättest Du also gerne Freunde, weil Du Dich einsam fühlst - oder weil "man" Freunde, den Erwartungen der Gesellschaft/Deiner Umwelt zufolge, haben muss?

Gruß,

Jonas
http://www.eigener-planet.de/


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