neuer Facharztvertrag zu psych. u. neurol. Erkrankungen

Misa
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neuer Facharztvertrag zu psych. u. neurol. Erkrankungen

Beitragvon Misa » Mo 15. Aug 2011, 20:08

Stuttgart – In Baden-Württemberg haben sich Ärzte und Krankenkassen auf einen ambulanten Facharztvertrag zur Versorgung in den Bereichen Neurologie, Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie geeinigt. Ziel ist, Patienten eine schnelle, strukturierte und individuelle Behandlung zu ermöglichen.

Ärztliche Vertragspartner sind Medi Baden-Württemberg, der Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN), die Deutsche Psychotherapeuten-Vereinigung (DPtV) sowie die Freie Liste der Psychotherapeuten. Die AOK Baden-Württemberg und die Bosch BKK sind als Kassenpartner mit im Boot. Im September soll die Einschreibung der Ärzte beginnen.

„Wir haben bundesweit erstmals eine strukturierte und versorgungsbezogene Behandlung mit konkreten patientenbezogenen Zielen festgelegt“, sagte Christopher Hermann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg.

Im Vertrag wurde festgelegt, dass Patienten mit psychischen oder neurologischen Leiden innerhalb weniger Tage einen Termin bei dem entsprechenden Facharzt oder Psychotherapeuten erhalten. Die Behandlung soll sich an Versorgungspfaden auf Basis medizinischer Leitlinien orientieren.

„Grundsätzlich entfallen aufwendige Antrags- wie Gutachterverfahren zur Klärung der Kostenübernahme durch die Krankenkassen, so dass die Therapie ohne Verzögerung beginnen kann und den Therapeuten mehr Zeit für ihre Patienten bleibt“, so Hermann.

Werner Baumgärtner, Vorsitzender von Medi Baden-Württemberg, hob hervor, dass der Vertrag die Vergütungsanreize an der richtigen Stelle setze: „Dadurch werden Patienten mit schwerwiegenden und aufwendigen Krankheitsbildern wesentlich besser berücksichtigt als im Kollektivsystem“, stellte er fest. Teilnehmende Ärzte könnten mit einem bis zu 30 Prozent höheren Fallwert gegenüber dem Kollektivvertragssystem rechnen.
© hil/aerzteblatt.de - 02.08.11

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Re: neuer Facharztvertrag zu psych. u. neurol. Erkrankungen

Beitragvon Remedias » Di 16. Aug 2011, 17:07

Hallo Misa,
das klingt ja gut; ich stolpere aber trotzdem über einige Formulierungen.
Bedeutet das auch, dass Patienten noch schneller als jetzt mit Psychopharmaka vollgestopft werden?
Ist die Therapie frei, oder vorgeschrieben in der Richtung, dass es wieder um Medikamente geht?
liebe Grüße Remedias

Misa
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Re: neuer Facharztvertrag zu psych. u. neurol. Erkrankungen

Beitragvon Misa » Mi 17. Aug 2011, 15:25

Hallo Remedias, keine Ahnung, ich habe das auch nur aus diesem Ärzteblatt, fand es aber wert, hier reinzusetzen. Wäre natürlich interessant, wie Therapeuten das so sehen. Aber da kommt man halt nicht dran. Über welche Formulieren stolperst du denn? Ich find auch, ist so ausgedrückt, dass man da nicht unbedingt durchblickt. Dass die Ärzte nicht so viel mit Formularen zu tun habe und mehr Zeit für Patienten wäre gut. Sind wir so, dass wir immer nach einem Haken fragen?
lg misa

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Re: neuer Facharztvertrag zu psych. u. neurol. Erkrankungen

Beitragvon Remedias » Mi 17. Aug 2011, 15:47

Die Behandlung soll sich an Versorgungspfaden auf Basis medizinischer Leitlinien orientieren.


Das hört sich doch schon ziemlich nach Psychopharmaka an.

liebe Grüße Remedias

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Re: neuer Facharztvertrag zu psych. u. neurol. Erkrankungen

Beitragvon Mirjam » Mi 17. Aug 2011, 18:17

Hallo Remedias !

Unter http://www.medi-verbund.de/219.html steht:

...Er setzt konsequent an den Hauptproblemen der kollektivvertraglichen Regelversorgung an, wie der unzureichenden Vernetzung zwischen Haus- und Fachärzten und der daraus resultierenden mangelnden Therapieabstimmung zwischen den Versorgungsbereichen für die Patienten und dem hohem Zeitdruck im Praxisalltag.
„Wir haben bundesweit erstmals eine strukturierte und versorgungsbezogene Behandlung mit konkreten patientenbezogenen Zielen festgelegt“, lobte Dr. Hermann die Vereinbarung. Patienten mit psychischen oder neurologischen Leiden erhalten innerhalb weniger Tage einen Termin bei dem entsprechenden Facharzt oder Psychotherapeuten. Die Behandlung orientiert sich an Versorgungspfaden auf Basis medizinischer Leitlinien, wobei der Patient eng in die Therapieentscheidung eingebunden ist. Grundsätzlich entfallen aufwendige Antrags- wie Gutachterverfahren zur Klärung der Kostenübernahme durch die Krankenkassen, sodass die Therapie auch deshalb ohne Verzögerung beginnen kann und den Therapeuten mehr Zeit für ihre Patienten bleibt. Strukturierte Arztbriefe stellen die Kommunikation des Hausarztes mit beteiligten Psychotherapeuten und Fachärzten sicher und erlauben einen abgestimmten Therapieplan. „Der neue 73c-Vertrag ist ein Quantensprung in der Versorgung psychisch und neurologisch kranker Menschen“, ist Dr. Werner Baumgärtner, Vorsitzender von MEDI Baden-Württemberg, überzeugt.
„Gründe für den BVDN in Baden-Württemberg an dem Vertrag teilzunehmen, waren die Schaffung einer besseren Verorgung für unsere psychiatrischen und neurologischen Patienten“, betonte der Vorsitzende Dr. Falk von Zitzewitz. Ein schnellerer Zugang zu einer qualifizierten fachärztlichen Diagnose und Therapie bietet viele Vorteile, unter anderem auch eine Verkürzung der Krankheitsdauer. „Der Vertragsabschluss direkt mit Krankenkassen wird die freien und unabhängigen Arztpraxen in ihrer Existenz stärken“, sagte Professor Dr. Klaus Westphal, 2. Vorsitzender des BVDN.
LG
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Re: neuer Facharztvertrag zu psych. u. neurol. Erkrankungen

Beitragvon Mirjam » So 13. Mai 2012, 10:50

Bild H a l l o !

Die Zeit vergeht und ich möchte diesen Thread etwas auffrischen.
…. unzureichenden Vernetzung zwischen Haus- und Fachärzten und der daraus resultierenden mangelnden Therapieabstimmung zwischen den Versorgungsbereichen für die Patienten und dem hohem Zeitdruck im Praxisalltag.
Resultiert daraus, dass ein Psychotherapeut sich in bezug von Therapieabstimmung mit dem Hausarzt in Verbindung (Vernetzung) setzen muss? Wäre das nicht ziemlich entmündigend für einen Therapeuten? Und das würde Therapeut und Hausarzt zeitlich entlasten?

Die Behandlung orientiert sich an Versorgungspfaden auf Basis medizinischer Leitlinien, wobei der Patient eng in die Therapieentscheidung eingebunden ist.
Versorungspfade auf Basis medizinischer Leitlinien... Könnte man auch sagen: Tippe in Computer Stichwort „Denkstörung“ ein …. Computer spukt Leitlinie aus: „Kopfwäsche“. Den Satz "der Patient ist eng in die Therapieentscheidung eingebunden" könnte man auch in der Reihenfolge: Der Patient ist in die Therapieentscheidung eng eingebunden (sprich: ihm bleiben nicht viele Abweichmöglichkeiten)?

Strukturierte Arztbriefe stellen die Kommunikation des Hausarztes mit beteiligten Psychotherapeuten und Fachärzten sicher und erlauben einen abgestimmten Therapieplan.
Strukturierter Arztbrief = Vordruck? Beispiel: :sad: geht zum Hausarzt, weil er depressiv ist (er muss erst zum Hausarzt, wenn er mit ihm Vertrag hat). Dieser druckt Vordruck „Depression“ aus (strukturierter Arztbrief?) und überweist ihn an einen Therapeuten (mit Facharztvertrag, denn nur mit einem solchen darf er kommunizieren). Der Therapeut freut(?) sich über den Vordruck, auf dem bereits ein Therapieplan steht und die Sache kann losgehen. Oder ruft er erst noch beim Hausarzt an und kommuniziert mit ihm über die von ihm (bzw von der Krankenkasse bzw dem Computerprogramm) vorgeschlagene Therapie? Wie goldig!

Im Prinzip könnte es darauf hinauslaufen, dass Haus- und Fachärzte in Zukunft so entmündigt werden, dass in den Praxen Versicherungsfachangestellte Bild sitzen, die über Computerdiagnose Therapiepläne ausdrucken und Rabattvertrags-Medikamente auslesen.

Oder in noch späterer Zukunft: Im Supermarkt steht ein Gesundheits- (oder Krankheits-?) terminal: Man steckt seine neue E-Gesundheitskarte ein, die einen bildlich erfasst zwecks Identifikation (Sinn und Zweck des Passbildes mitunter: dass man keine Hausärzte mehr braucht, die einen identifizieren). Man gibt Symptome ein und der Computer spuckt dann einen Rabattvertrags-Medikamente-Bon aus, mit dem man gleich im Supermarkt seine Medis holen kann, bzw in schlimmen Diagnosefällen bekommt man einen strukturierten Vordruck (Terminalbrief) mit einer Überweisung zu einem nur noch seltenen Exemplar von leiblich praktizierenden Facharzt, oder man bekommt einen mit dem Gesundheitsterminal abgestimmten Do-it-your-self-Therapieplan ausgedruckt Bild.

Aber das sind wohl Zukunftsgespinste und nur meine ganz eigenen.


Reel Bild und in naher Zukunft wird trotzdem einiges Kuddelmuddel auf Patienten, Fach- und Hausärzte zukommen. Es gibt da einen Link, der das auf den Punkt bringt und einen dazu noch zum Schmunzeln bringt (so ernst die Sache auch ist!): http://www.aerzteblatt.de/archiv/117032?src=toc

lg
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Re: neuer Facharztvertrag zu psych. u. neurol. Erkrankungen

Beitragvon Remedias » So 13. Mai 2012, 17:14

Das Positive wäre in der Tat ein Termin innerhalb von 3 Tagen. Aber wie soll das gehen? Gibt es dann soviele Psychotherapeuten, dass die Versorgung betragen der Patienten so schnell sicher gestellt ist? Bei uns am Ort betragen die Wartezeiten 6 Monate bis ein Jahr -
das führt dazu, dass sich das Problem entweder von alleine erledigt oder so eskaliert, dass die Leute ins KH eingewiesen werden.

liebe Grüße Remedias

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Re: neuer Facharztvertrag zu psych. u. neurol. Erkrankungen

Beitragvon fluuu » Mo 14. Mai 2012, 11:29

Das Interessante an dem Phänomen ist, dass sich anscheinend die Therapeutendichte nicht auf die Wartezeit auswirkt.
Es gibt Städte mit sehr vielen niedergelassenen Psychotherapeuten wie Hamburg z.B. und trotzdem ist die Wartezeit extrem lang.
Vermute, dass es zwischen Therapie und Wartezeit eine Wechselwirkung gibt die sich mit bisherigen Methoden nicht erforschen lässt.
Andere berichten, was habt ihr alle nur, habe sofort eine Therapie bekommen.
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Re: neuer Facharztvertrag zu psych. u. neurol. Erkrankungen

Beitragvon Mirjam » Mo 14. Mai 2012, 14:53

In der Anfangsphase mag das mit einem frühen Termin vielleicht hinhaun, denn das betrifft erst ein paar Krankenkassen und vermutlich nur eine Handvoll Patienten und eben nicht alle Psys. Das heißt, diejenigen Klienten, die nicht in soetwas drin sind, werden von diesem Vertragspsy auf noch noch später vertröstet (eben auf ewig weiter nach hinten geschoben...). Ich seh ihn schon vor mir, den Tumult im Hausarztwartezimmer, wenn alle auf ihre zwanzig-Minuten-Wartezeit und in-drei-Tagen-Erstgespräche bestehen. Das mit der Wartezeit bei Hausärzten ist doch genauso Kokulorus. Was ist denn, wenn ein Notfall dazwischen kommt? Dann gehts im Wartezimmer los, die Diskussion "sind sie im Vertrag? Nein? Na dann komm ich vor Ihnen dran." Und 18 Minuten vorher latschen die ins Arztzimmer und der 'Notfall ohne Vertrag' muss warten, notfalls das Zeitliche segnen.
Mal angenommen, alle Psys und alle Krankenkassen und alle Patienten wären vertraglich festgenagelt, dann wäre es doch das gleiche Dilemma in grün. Es sei denn, die Psys würden rund um die Uhr arbeiten, aber dann stirbt diese Berufsgruppe bald aus. Oder die Krankenkassen selber bieten Erstgespräche an. Frau Mustermann von der Allgemeinen Gesundheits GmbH (mit beschränkter Haftung...), seither dritte Etage Abteilung Reklame-ein-Kuvertierung, oder die vielen Mustermänner und -frauen, die momentan mit Passbild-Einholung zu tun haben (die müssen ja auch irgendwie weiterbeschäftigt werden)... Jedenfalls wird Frau/Herr Mustermann auf einen zweiwöchigen Lehrgang geschickt und hat dann mindestens alle Fähigkeiten eines jahrelang studierten Dr Dr Psy und kann in der Empfangshalle der Versicherung zum Gespräch zur Verfügung stehen. Vielleicht läuft die Koordination auch über mehrere hundert Kilometer. Jemand aus Hamburg müsste vielleicht zum Erstgespräch in den Bayrischen Wald fahren oder andersrum. Ne, ohne Witz, ich find es riecht danach, das unsere Ungesundheit immer mehr in staatliche Hand verlegt wird, so nach und nach und ganz scheinheilig.
LG
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Re: neuer Facharztvertrag zu psych. u. neurol. Erkrankungen

Beitragvon fluuu » Fr 18. Mai 2012, 09:56

Das sind alles vorstellbare Szenarien und sicherlich auch praktisch möglich jedoch aus meiner Sicht hat das Warten auf Behandlung einen Sinn.
In Deutschland geht man jetzt schon viel zu häufig zum Arzt, dieser Gang ist ein Ritual für alle Lebensbelange, fast ein Kult.
Da ist Aufklärung nötig um nicht jede Fragestellung im Leben mit einem Arztbesuch zu beantworten und das Versprechen eine
schnellere Behandlung zu ermöglichen mit weniger Wartezeit würde den Besuch noch häufiger machen.
Besser ist es sich im Leben in verschiedene Richtungen zu orientieren um das eigene Leid selbstständig und unabhängig lindern zu können.
Da gibt es neben Apparate-Medizin und Psychopharmake noch viele andere Methoden auf der Welt, besonders zu erwähnen die mentale Form
der Selbstheilung. Soziale Kontakte, Beziehungen, Hand auflegen oder Streicheleinheiten sind wichtig aber muss es denn in Form von Heilung passieren?
Ist es nicht viel besser und angenehmer wenn das Miteinander auf Grund von Freude am Teilen möglich wird weil eigentlich alles da ist?
Miteinander in Austausch treten weil man etwas hat und weniger Arzt und Kasse bemüht weil etwas fehlt?
gruß fluuu

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Re: neuer Facharztvertrag zu psych. u. neurol. Erkrankungen

Beitragvon Remedias » Mi 23. Mai 2012, 19:37

Ja, aber trotzdem sollte es nicht so sein, dass man eher eine Einweisung in eine geschlossene Psychiatrie bekommt als ein Erstgespräch bei einem Psychotherapeuten.
Für jedes medizinische Problem gilt ja:
- es erledigt sich von selbst ( Besserung, Suizid)
- es wird schlimmer ( Psychiatrie)

Aber warum sollte man ein Problem eskalieren lassen, wenn die Behandlungsnotwendigkeit schon festgestellt wurde?

liebe Grüße remedias

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Re: neuer Facharztvertrag zu psych. u. neurol. Erkrankungen

Beitragvon Mirjam » Do 24. Mai 2012, 17:32

http://www.swp.de/goeppingen/lokales/go ... 83,1473584

Schneller zum Psychotherapeuten

Kreis Göppingen. Die AOK im Bezirk Neckar-Fils setzt jetzt auch bei der Psychotherapie einen Facharztvertrag um. Das soll lange Wartezeiten für Patienten verhindern.

Die Zahl der psychischen Erkrankungen steigt - und die AOK hat Konsequenzen gezogen. Zum 1. Juli hat sie mit 45 Psychotherapeuten im Landkreis einen Facharztvertrag geschlossen, wie er für andere Fachrichtungen schon besteht. Der neuen Vertrag soll für die Patienten einen schnelleren Zugang zu einer psychotherapeutischen Behandlung eröffnen, erklärte Thomas Schneider, stellvertretender AOK-Geschäftsführer.
Innerhalb von 14 Tagen sollen sie einen Termin bekommen. Erreicht werden soll das damit, dass die beteiligten Psychotherapeuten für die Erstbehandlungen besser vergütet werden sollen als für die Therapiestunden bei einer längerfristigen Behandlung, erklärt Otto Bauer, der Chef des AOK Arztpartnerservice. Weiterer Vorteil für Patienten ist, dass sie mit einer Überweisung direkt zum Facharzt gehen können, ohne weitere Genehmigung von der Kasse. Mit der Zahl von 45 Fachärzten im Kreis sei zwar schon eine flächendeckende Versorgung gewährleistet, sodass das Angebot auch zum 1. Juli starten könne.
..............

Die Zahl der Fehltage, die Berufstätige wegen psychischer Krankheiten aufweisen, haben sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt. Die Krankenkasse erhofft sich von dem neuen Vertrag auch, dass die schnelle Versorgung psychischer Krankheiten in vielen Fällen verhindern kann, dass ein solches Leiden chronisch wird. Darin sieht die AOK auch einen Beitrag zu ihrem Ziel, die Versorgung der Patienten weiter zu verbessern.
...............
Hallo !

Wenn die mitmachenden Therapeuten mehr Geld für Erstbehandlungen bekommen, sind die Leittragenden also die, die eine längerfristige Therapie brauchen.

Oder seh ich das falsch?

Gestiegene Anzahl Berufstätiger... Also Druck von der Industrie, anstatt Arbeitsbedinungen zu verbessern?
LG
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Re: neuer Facharztvertrag zu psych. u. neurol. Erkrankungen

Beitragvon Mirjam » Mo 11. Jun 2012, 10:59

Ich möchte hier kurz nochmal einen Ausschnitt reinsetzen aus der Südwestpresse vom 23.05.2012
http://www.swp.de/goeppingen/lokales/go ... 83,1473584
...und die AOK hat Konsequenzen gezogen. Zum 1. Juli hat sie mit 45 Psychotherapeuten im Landkreis einen Facharztvertrag geschlossen, wie er für andere Fachrichtungen schon besteht. Der neuen Vertrag soll für die Patienten einen schnelleren Zugang zu einer psychotherapeutischen Behandlung eröffnen, erklärte Thomas Schneider, stellvertretender AOK-Geschäftsführer.
...Mit der Zahl von 45 Fachärzten im Kreis sei zwar schon eine flächendeckende Versorgung gewährleistet, sodass das Angebot auch zum 1. Juli starten könne. Dennoch freue sich die AOK über jeden weiteren Mediziner, der aufspringt
und einen Ausschnitte aus der Südwestpresse vom 02.06.2012
http://www.swp.de/geislingen/lokales/ge ... 73,1485685
Im Raum Göppingen werde sich "nur eine Minderheit der etwa 40 Psychotherapeuten an diesem Vertrag beteiligen", teilt der Verein mit. "Die Vertragsbedingungen erscheinen schlicht nicht praktikabel", heißt es in der Pressemitteilung, die von den Vorstandsmitgliedern Senta Fricke, Irmgard Baudis und Dr. Renate Weidle unterzeichnet ist.
Also, sind da nun nach der Informationsveranstaltung von den 45 Therapeuten, die einen Facharztvertrag abgeschlossen haben, wieder so viele abgesprungen, dass nur noch eine Minderheit der etwa 40 Therapeuten übrig blieb, die sich daran beteiligen wollen?

Das Informationswesen spielt manchmal schon etwas verrückt. Glaube man nun was man wolle. :-k Gut, dass das hier ein Forum für Psychiatrie und Psychotherapie ist. Therapie ist immer noch möglich.
:B-fly:



Und hier noch der vollständige Artikel vom 02.06.:
http://www.swp.de/geislingen/lokales/ge ... 73,1485685
Kreis Göppingen. Der Verein der Psychotherapeutenschaft bezweifelt, dass der von der AOK angestrebte Facharztvertrag Abhilfe bei zu langen Wartezeiten schafft.

Mehrwöchige Wartezeiten für einen Termin beim Psychotherapeuten sind auch im Landkreis Göppingen angesichts stetig wachsender Fallzahlen bei den Erkrankten keine Seltenheit. Das bestätigt der "Verein der Psychotherapeutenschaft im Kreis Göppingen" in einer Pressemitteilung. Kritik übt der Verband an dem Versprechen der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK), den Patienten mit- hilfe eines Facharztvertrages innerhalb weniger Tage einen Termin bei einem Therapeuten zu verschaffen. Die in dem Verein zusammengeschlossenen Kassen-Psychotherapeuten bezweifeln, dass das funktioniert. Im Raum Göppingen werde sich "nur eine Minderheit der etwa 40 Psychotherapeuten an diesem Vertrag beteiligen", teilt der Verein mit. "Die Vertragsbedingungen erscheinen schlicht nicht praktikabel", heißt es in der Pressemitteilung, die von den Vorstandsmitgliedern Senta Fricke, Irmgard Baudis und Dr. Renate Weidle unterzeichnet ist. Eine psychotherapeutische Praxis sei anders strukturiert als andere Facharztpraxen. Ein Psychotherapeut arbeite in der Regel in einer Einzelpraxis und betreue pro Woche maximal 30 Patienten. Eine Therapiestunde dauere 50 Minuten zuzüglich Verwaltungs- und Vorbereitungszeit. Therapietermine blieben monate-, oft sogar jahrelang belegt. Kurzfristige Termingarantien, wie das der Facharztvertrag für Psychotherapie, Neurologie und Psychiatrie verspreche, sei dehalb höchstens in Praxen mit Assistenten realisierbar.

Für den Patienten sei mit dem Facharztvertrag auch die Auswahl eingeschränkt. Das nennt der Psychotherapeutenverein "besonders problematisch". Zwischen Therapeut und Patient herrsche ein besonderes Vertrauensverhältnis. Außerdem müssen Betroffene mit längeren Anfahrtswegen rechnen.

Eine Lösung des Wartezeiten-Problems sei damit jedenfalls nicht verbunden. "Die einzig wirkliche Lösung besteht aus unserer Sicht in der Lockerung der Niederlassungssperre für Psychotherapeuten durch die Kassenärztliche Vereinigung."

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Re: neuer Facharztvertrag zu psych. u. neurol. Erkrankungen

Beitragvon fluuu » Di 12. Jun 2012, 14:48

Kann es nur wiederholen, auch Zeitungen gehören zu den Massenmedien und sie tragen eher zur Verdummung
als zur Aufklärung bei. Auf jeden Fall leisten sie nur selten einen Beitrag um Ungerechtigkeiten aus der Welt zu schaffen,
eher schüren sie den skandalösen Umgang mit alltäglichen Dingen.
Besser ist es Informationen überall zu sammeln und sich dann eine eigene flexible Position zu bilden die auch die
Ansicht anderer Leute zulässt.
Das Thema Therapietermin ist nicht neu, vielleicht hat der Bedarf zugenommen aber meine Beobachtung ist, dass beim
Betreffenden die Hemmschwelle eine Therapie zu machen so hoch ist, dass das Argument kein Therapieplatz frei gerne
angenommen wird. Das sollte bei der Anklage wegen zu wenig Angebot berücksichtigt werden.
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Re: neuer Facharztvertrag zu psych. u. neurol. Erkrankungen

Beitragvon Mirjam » Di 12. Jun 2012, 15:45

Kann es nur wiederholen, auch Zeitungen gehören zu den Massenmedien und sie tragen eher zur Verdummung
als zur Aufklärung bei. Auf jeden Fall leisten sie nur selten einen Beitrag um Ungerechtigkeiten aus der Welt zu schaffen,
eher schüren sie den skandalösen Umgang mit alltäglichen Dingen.
Kommt drauf an, von wo ein Reporter so eine Information hat..


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