nebenwirkungen von psychotherapie ?

sky
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nebenwirkungen von psychotherapie ?

Beitragvon sky » Di 23. Mär 2010, 19:20

hallo,

es ist noch gar nicht so lange her, daß ich mit einem arzt über die nebenwirkungen eines medikamentes sprach - und er plötzlich meinte, die nebenwirkungen von psychotherapien seien dagegen noch kaum erforscht. erst langsam finge man an, darüber nachzudenken.

den gedanken finde ich interessant - nicht unter dem aspekt psychotherapien nur in ein schlechtes licht zu rücken und auch im bewußtsein, daß die nebenwirkungen hier wesentlich schwieriger zu erforschen sind.
aber ich finde, es ist durchaus eine interessante überlegung und mich würden noch ein paar meinungen mehr (gerne auch von kompetenter seite) dazu interessieren.

viele grüße, sky
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fluuu
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Re: nebenwirkungen von psychotherapie ?

Beitragvon fluuu » Mi 24. Mär 2010, 12:21

Hallo sky,

da sprichst Du einen negativen Umstand an mit dem Begriff 'Nebenwirkungen'.
Darunter werden allgemein Effekte verstanden die nicht erwünscht sind, negative Wirkung zeigen
aber sich auf Grund des Haupteffektes nicht vermeiden lassen.
Bei Medikamenten sind Nebenwirkungen im Stoffwechsel gut beschrieben, es handelt sich um
messbare biochemische Vorgänge. Jedoch ist der Begriff Nebenwirkung zu stark belastet.

Bei einer Psychotherapie würde ich nur von Wirkungen sprechen da es sich um eine
zwischenmenschliche therapeutische Beziehung handelt. Wie in allen Beziehungen gibt es
Wechselwirkungen die einen bestimmten Stellenwert haben mit gleicher Bedeutung und
Wertigkeit.
Es gibt bei Beziehungen meiner Ansicht nach Wirkungen, Wechselwirkungen aber keine Nebenwirkungen.
Alle Wirkungen ob positiv oder negativ haben gleichen Einfluss auf die seelische Verfassung.
Niemand würde bei einer Mutter-Kind-Beziehung oder bei der Beziehung eines jungen Pärchens
von schlechten Nebenwirkungen sprechen wenn der Hausfriede mal schief hängt.
So gibt es bei der therapeutischen Beziehung in der Psychotherapie auch Konflikte und
unangenehme Wirkungen aber das ist doch völlig o.k. oder?

In der Kunst wird die Beziehung zwischen Werk und Betrachter als kreative Krise bezeichnet.
Wenn man sich wirklich mit einem Werk auseinandersetzt erlebt man kreativ eine Veränderung im
Bewusstsein, es ist eine Krise und sie führt zu neuen Sichtweisen auf alte Dinge.
Bei diesem kreativen Prozess gibt es nur Wirkung und Wechselwirkung aber keine Nebenwirkung.

Wünsche mir in der therapeutischen Beziehung die Bereitschaft vom Klienten zu so einer
kreativen Krise im Umgang miteinander um Neues entstehen zu lassen in der Psychotherapie
mit Wirkungen, Wechselwirkungen ohne Nebenwirkungen.
gruß fluuu

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Laura
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Re: nebenwirkungen von psychotherapie ?

Beitragvon Laura » Mi 24. Mär 2010, 15:43

Hallo sky!

Interessante Fragestellung. Vielleicht hängen die ominösen Nebenwirkungen einer Psychotherapie mit eben dem Grund zusammen, warum der Beruf des Psychotherapeuten überhaupt entstanden ist und heute so viel Zulauf findet. Mancher Klient mag ja jemand Fremdes zum Besprechen seiner Probleme bevorzugen, aber oft geht man doch nur deswegen zum Therapeuten, weil man privat niemanden hat, der bereit ist, sich die psychischen Probleme eines anderen in ihrer ganzen "Breitseite" anzuhören. Aber wenn es so menschlich ist, sich ungern mit den Problemen anderer zu belasten, warum sollte es dem "homo therapeuticus" dann ausgerechnet Freude bereiten, dies zu tun? Wie auch immer, es wird etwas vorgegaukelt, ein persönliches Interesse an den Schwächen und man kann als Klient leicht in die Falle tappen, dieses aufgesetzte, professionelle und an finanzielles Kalkül gebundene Interesse für etwas zu halten, das in zwischenmenschlichen Beziehungen stets so sein sollte. Man kann wohl leicht darin verfallen, die privaten Bekanntschaften mit der Helferperson zu vergleichen und somit den Helfer für den "wertvolleren" Menschen zu halten, an den Normalsterbliche nicht heranreichen können. Die normalen Beziehungen laufen Gefahr im Vergleich zur therapeutischen Beziehung zu verblassen, manchmal sogar vernachlässigt zu werden. Aus dieser Bereitschaft, etwas zu tun, was heutzutage kaum jemand gerne tun würde, nämlich sich mit den seelischen Abgründen eines anderen zu belasten, ergibt sich sicher auch das große Prestige, das mit dem Therapeutenberuf einhergeht. Dabei sind es summa summarum eine Dienstleistung und Spezialisierung, die sich aus einer Art Marktlücke ergeben. Offiziell geht es ums Helfen und Problemebewältigen, inoffiziell geht es um Zuwendung und emotionale Wärme, aber wie lässt sich letzteres mit einer bezahlten Dienstleistung vereinbaren? Die offizielle Version lautet, ein Therapeut dürfe schon aus Professionaliätsgründen die Probleme der Klienten nicht zu nah an sich heranlassen, weil er sonst nämlich genauso handlungsunfähig werden würde wie die privaten Beziehungen. Aber was ist das dann für ein seltsamer Beruf? Als Klient soll man bereit sein, sich beim "Waschen lassen" "nass machen zu lassen", aber was ist eigentlich der Einsatz des Therapeuten? Als reiner Laberberuf ist der Therapeutenberuf ja auch nicht angedacht.

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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Angelita
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Re: nebenwirkungen von psychotherapie ?

Beitragvon Angelita » Mi 24. Mär 2010, 20:41

Hallo sky

ich finde das ein hoch interessante Frage! Gerade bei den Psychopharmaka gibt es meist unerwünschte aber auch erwünschte NW. Beispiel: ein AD hat als NW extreme Müdigkeit. Ist der Patient schlaflos, dann macht man sich diese NW zu nutze. Hier wäre sie eine erwünschte NW. Sind wir uns so weit einig?
hallo,

es ist noch gar nicht so lange her, daß ich mit einem arzt über die nebenwirkungen eines medikamentes sprach - und er plötzlich meinte, die nebenwirkungen von psychotherapien seien dagegen noch kaum erforscht. erst langsam finge man an, darüber nachzudenken.

den gedanken finde ich interessant - nicht unter dem aspekt psychotherapien nur in ein schlechtes licht zu rücken und auch im bewußtsein, daß die nebenwirkungen hier wesentlich schwieriger zu erforschen sind.
aber ich finde, es ist durchaus eine interessante überlegung und mich würden noch ein paar meinungen mehr (gerne auch von kompetenter seite) dazu interessieren.
In der Psychotherapie gibt es eine Richtung, da macht der Therapeut extra sehr mit provokanten Äusserungen mit der Absicht o. eben auch als NW, dass der Patient z. B. aussichheraus kommt, dass er zurückgibt, dass er neue Denkwege geht u. ev. seine Denkmuster überdenkt, hinterfragt, verändert. Paul Watzlawick wird den Systemischen Ansätzen angesiedelt. Er hat lange Zeit am MIR in Palo Alto (Californien) mit Beavin u. Jackson zusammen die menschliche Kommunikation erforscht - auch was sie für eine Bedeutung hat im Setting. Sprache ist nicht nur das (gesprochene) Wort sondern auch Tonfal, Betonung, Modulation, Geschwindigkeit, Pausen, Lachen, u. Mimik, Gestik, Körperhaltung. Daher auch seine Aussage "Man kann nicht nicht kommunizieren". Provokante Aussagen sind gewollt bei ihm. Bei Watzlawick sind vielleicht Wut, Ärger, Verletztung gewollt, damit man wieder darüber sprechen kann.

Ich denke NWen der Therapie sind dann spürbar, wenn der Hilfesuchende Verletzungen davon trägt, wenn er sich vom Therapeut abwendet, wenn er sich nicht verstanden fühlt.

Die Wirkung sollte doch sein, dass Patient beim Therapeuten vertrauen findet, sich öffnen kann, so wie er das mit Laien nicht kann. Der Therapeut hat sich an Ethik u. Moral u. Schweigepflicht zu halten, es soll sein Ziel sein, dem Patienten zu helfen. Diese Hilfe muss individuell sein - nicht jeder braucht das gleiche. Der Professionelle steht in der Pflicht dem Patienten mitzuteilen, wenn er nicht in der Lage ist zu helfen, so dass der Pat. sich jemand neuen suchen kann.

In allen Therapien macht der Ton die Musik. Das gilt für Therapeuten als auch für Patienten.

Ob man die therapeutische Wirkung u. Nebenwirkung erfassen kann..? Tatsache ist:
  • jeder Mensch ist einzigartig
    jeder Mensch hat etwas anderes erlebt
    auch wenn zwei/mehreren Menschen das selbe erfahren haben, wird jeder für sich es anders erleben u. verarbeiten u. ein anderes Fazit draus ziehen
    Sprache ist individuell, es können 10 Therapeuten einem Klienten das selbe sagen/vermitteln, doch der Klient wird vermutlich nur beiden wenigsten erreicht, so dass er das Gehörte auch wirklich erfahren kann
    Geduld ist auf beiden Seiten gefragt - wie misst man Geduld?
Wie wollte Therapie studieren u. letztlich in einer Studie veröffentlichen wollen?
Klient u. Therapeut sind täglich Veränderungen an sich u. der Welt unterworfen
Tagesform
Fragenkatalog - Therapie richtet sich nicht nach normierten Fragebögen

Vielleicht kommt mir später noch etwas in den Sinn....
Gruss Angelita

“Man muss im Ganzen an jemanden glauben, um ihm im Einzelnen wahrhaft Zutrauen zu schenken.” H. v. Hofmannsthal

Jenny Doe
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Re: nebenwirkungen von psychotherapie ?

Beitragvon Jenny Doe » Fr 26. Mär 2010, 21:00

Diesbezüglich läuft gerade eine Studie:

Nebenwirkungen von Psychotherapie - Formen von Missbrauch durch Therapeuten untersucht
http://www.pressemitteilungen-online.de ... mment-8278
(...)
“Während Nebenwirkungen von Medikamenten genau untersucht und in der Packungsbeilage beschrieben werden, gibt es zu möglichen Schäden durch Psychotherapie noch nicht einmal Definitionen, geschweige denn systematische Forschungen”, so Leitner. Berichte über unterschiedlichste Formen von Missbrauch durch Therapeuten und durch die Therapie hervorgerufene Schäden zeigen jedoch, dass eine fundierte Erforschung von negativen Nebenwirkungen zur Qualitätssicherung in der Psychotherapie nötig ist.
(...)
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sky
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Re: nebenwirkungen von psychotherapie ?

Beitragvon sky » Sa 27. Mär 2010, 15:36

hallo,

finde interessant, was ihr mit nebenwirkungen assoziiert habt.

wie angelita auch schon schrieb, gibt es nicht nur unerwünschte (negative) nebenwirkungen, sondern durchaus auch erwünschte (positive) nebenwirkungen.
Niemand würde bei einer Mutter-Kind-Beziehung oder bei der Beziehung eines jungen Pärchens von schlechten Nebenwirkungen sprechen wenn der Hausfriede mal schief hängt.
ob es niemand tun würde, weiß ich nicht, immerhin bist du auf die idee gekommen - ergo ist die wahrscheinlichkeit groß, daß auch noch andere auf diese idee kommen.
gibt es bei der therapeutischen Beziehung in der Psychotherapie auch Konflikte und unangenehme Wirkungen aber das ist doch völlig o.k. oder?
in einer psychotherapie kann es vielerlei konflikte geben, vieles kann unangenehm sein, und ja, trotzdem kann es ok oder sogar notwendig und gut sein. deshalb aber nicht jedem konflikt und jeder wirkung den freibrief "ok" geben würde.


laura, vielleicht stehe ich auf der leitung, keine ahnung, der bezug deiner gedanken zu den nebenwirkungen ist mir jedenfalls nicht so klar.
aber oft geht man doch nur deswegen zum Therapeuten, weil man privat niemanden hat, der bereit ist, sich die psychischen Probleme eines anderen in ihrer ganzen "Breitseite" anzuhören.
glaube ich weniger, daß das der häufigste grund ist. oft stellt sich gar nicht die frage, ob ein bekannter bereitschaft zeigt, weil der betroffene sich bekannten gar nicht öffnen will. probleme sind teilweise sehr mit scham besetzt und oft geht es auch nicht nur um ein problem, sondern um krankheit.
viel entscheidender finde ich, daß therapeuten in gewissen dingen schlicht kompetenter sind. es gibt verstimmungen und probleme, da mag es ausreichen, mal 1,2 streicheleinheiten von einem bekannten zu bekommen, etwas trost und aufmunterung. aber es gibt auch recht schwerwiegende probleme und krankheiten, wo es schon am zugang zum betroffenen klemmt, wo fachwissen gefragt ist und wo ein gespräch weit über das hinaus geht, was ein laie meist leisten kann und will.
Wie auch immer, es wird etwas vorgegaukelt, ein persönliches Interesse an den Schwächen und man kann als Klient leicht in die Falle tappen, dieses aufgesetzte, professionelle und an finanzielles Kalkül gebundene Interesse für etwas zu halten, das in zwischenmenschlichen Beziehungen stets so sein sollte.
in dem fall geht man mmn von falschen voraussetzungen aus. die klärung einer therapeutischen beziehung kann/sollte am anfang einer therapie stehen und kann auch während der therapie immer mal wieder zum thema werden, so daß kein schaden dadurch entsteht, daß der klient sich aus welchen gründen auch immer falsche vorstellungen macht.
abgesehen davon aber auch die frage, ob es wirklich so schlimm wäre, wenn ein patient mit diesem irrtum seine therapie oder einen teil davon macht. könnte mir vorstellen, daß es phasen in einer therapie gibt, in denen dieser irrtum hilfreich ist. nichtsdestotrotz ist ein therapeut mmn gefordert, es klarzustellen, wenn nötig, und den klienten nicht mit einer großen enttäuschung gehen zu lassen.
Man kann wohl leicht darin verfallen, die privaten Bekanntschaften mit der Helferperson zu vergleichen und somit den Helfer für den "wertvolleren" Menschen zu halten, an den Normalsterbliche nicht heranreichen können. Die normalen Beziehungen laufen Gefahr im Vergleich zur therapeutischen Beziehung zu verblassen, manchmal sogar vernachlässigt zu werden.
zwar möglich, aber für genauso unsinnig halte, wie wenn ich einen klempner für eine reparatur kommen lasse und anschließend meine, nun müssten alle menschen klempner und handwerklich begabt sein.
Aus dieser Bereitschaft, etwas zu tun, was heutzutage kaum jemand gerne tun würde, nämlich sich mit den seelischen Abgründen eines anderen zu belasten, ergibt sich sicher auch das große Prestige, das mit dem Therapeutenberuf einhergeht.
habe nicht das gefühl, daß das zutrifft. habe eher den eindruck, therapeuten werden oft mit betroffenen in einen topf geworfen, es wird über sie geschmunzelt, usw – nicht zuletzt wohl auch aus dem wunsch heraus, sich von ihnen und den betroffenen zu distanzieren.
für deine überlegung aber auch genug andere gegenbeispiele gibt. zb die müllmänner und putzfrauen aufführen könnte, sie zeigen auch eine bereitschaft, etwas zu tun, was heutzutage kaum jemand gerne macht. sie räumen jeden tag den müll anderer weg und von einem hohen prestige kann da wohl auch nicht die rede sein.
Offiziell geht es ums Helfen und Problemebewältigen, inoffiziell geht es um Zuwendung und emotionale Wärme, aber wie lässt sich letzteres mit einer bezahlten Dienstleistung vereinbaren?
denke, das sieht jeder ein wenig anders. abgesehen davon lebt zb die prostitution schon sehr lange und 'gut' davon, genau dies miteinander zu verbinden.
Als Klient soll man bereit sein, sich beim "Waschen lassen" "nass machen zu lassen", aber was ist eigentlich der Einsatz des Therapeuten?
es ist ja auch der klient, der etwas vom therapeuten will und nicht umgekehrt.
von einem orthopäden erwartest du auch nicht, daß er sich sein bein operieren läßt, nur weil deins gebrochen ist.
oder von einem bademeister erwartest du auch nicht, daß er mit dir schwimmt, nur weil du gerade lust zum schwimmen hast, oder ? seine aufgabe ist, dafür zu sorgen, daß das becken voll wasser ist, das wasser sauber ist, die pumpen laufen, etc – aber mit dir schwimmen gehen muß er deshalb nicht.


ja, angelita, da sind wir uns einig, es gibt unerwünschte und erwünschte nebenwirkungen.
In der Psychotherapie gibt es eine Richtung, da macht der Therapeut extra sehr mit provokanten Äusserungen mit der Absicht o. eben auch als NW, dass der Patient z. B. aussichheraus kommt, dass er zurückgibt, dass er neue Denkwege geht u. ev. seine Denkmuster überdenkt, hinterfragt, verändert.
das würde ich zb noch gar nicht als nebenwirkung ansehen, da der therapeut mit seinen provokationen ja genau auf diese wirkung abzielt.
Sprache ist nicht nur das (gesprochene) Wort sondern auch Tonfal, Betonung, Modulation, Geschwindigkeit, Pausen, Lachen, u. Mimik, Gestik, Körperhaltung. Daher auch seine Aussage "Man kann nicht nicht kommunizieren".
ja, sehe ich auch so.
Bei Watzlawick sind vielleicht Wut, Ärger, Verletztung gewollt, damit man wieder darüber sprechen kann.
dann auch das nicht als nebenwirkung ansehen würde.
Ob man die therapeutische Wirkung u. Nebenwirkung erfassen kann..?
es ist sicher nicht so einfach. glaube sogar, daß es nicht immer möglich ist, aber denke, daß es manchmal vielleicht möglich wäre, wenn man mehr darüber wüßte und somit auch darauf achten könnte.
Klient u. Therapeut sind täglich Veränderungen an sich u. der Welt unterworfen
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genau der punkt macht mmn das messen von evtl nebenwirkungen schwierig : es gibt sehr viele faktoren, es kann noch ein anderer einfluß zu dem führen, was man als nebenwirkung deuten könnte.
dennoch finde ich gerade die überlegung spannend, ob man quasi mittels der reduzierung vieler faktoren nicht doch eine art fragebogen erstellen könnte, der sich auf das wesentliche konzentriert.
Berichte über unterschiedlichste Formen von Missbrauch durch Therapeuten und durch die Therapie hervorgerufene Schäden zeigen jedoch, dass eine fundierte Erforschung von negativen Nebenwirkungen zur Qualitätssicherung in der Psychotherapie nötig ist.
in meinen augen eing roßer unterschied :
einen mißbrauch durch einen therapeuten sehe ich nicht als nebenwirkung an.
schäden durch eine therapie könnten dagegen schon eine nebenwirkung sein.


möchte mal ein beispiel geben, was noch unter einer nebenwirkung verstanden werden könnte (bzw für mich ein zutreffendes beispiel wäre) :
eine verheiratete frau kommt wegen depressionen zu einem therapeuten. die therapie hat das ziel, daß die depressionen besser werden.
nebenwirkung : die frau läßt sich scheiden.

natürlich kann man nun spekulieren.
ohne therapie wäre die depression vielleicht geblieben oder wäre wieder verschwunden - und die frau vielleicht noch verheiratet.
vielleicht hätte sie sich dennoch scheiden lassen, nur später ?

ob/daß die scheidung eine nebenwirkung der therapie war, läßt sich nun schwer messen. man weiß auch nicht, was ohne therapie passiert wäre - der ablauf ist einmalig.
aber genauso könnte man bei medikamenten auch manchmal sagen, man hätte später auch zb nierenprobleme bekommen.
ob/was nun der auslöser ist, weiß man nicht.

einen nachweis solch einer nebenwirkung könnte ich mir zb nur ungefähr so vorstellen, daß man zb die therapien von verheirateten depressiven ehefrauen mal systematisch protokolliert (plus vergleichsgruppe) - wobei der therapeut aufgrund seiner einflußmöglichkeiten natürlich nicht wissen sollte, um was es geht.

das messen ist nicht so einfach, aber interessant finde ich die überlegung, wie man nebenwirkungen besser erkennen könnte, schon.

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Re: nebenwirkungen von psychotherapie ?

Beitragvon fluuu » Mo 29. Mär 2010, 00:12

Natürlich ist ein Psychotherapeut kein Medikament welches einen bestimmten Stoffwechsel im Gehirn beeinflusst
sondern er ermöglicht in der therapeutischen Beziehung mit dem Klienten zusammen einen ganzen Komplex von
Prozessen um den Stoffwechsel im Gehirn zu beeinflussen und zwar auf ganz natürliche aber bewusste Art und Weise.
Das ist der Unterschied zu Beziehungen mit Bekannten oder Freunden, da passiert der Einfluss eher unbewusst.
Gibt es jedoch eine psychische Störung ist es sinnvoll darauf ganz gezielt mit einer therapeutischen Methode zu reagieren
und den Umgang mit dieser Methode sollte man gelernt und erprobt haben.
Aber als Nebenwirkungen würde ich bei diesem Vorgang eventuelle Effekte nicht benennen sondern eher als z.B.
fehlende Sympathie, menschliche Schwächen oder mangelnde Bereitschaft destruktive Angewohnheiten los zu lassen.
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Re: nebenwirkungen von psychotherapie ?

Beitragvon Telephium » Mo 29. Mär 2010, 12:47

Über einen bestimmten Wirkstoff in einem Medikament kann (und darf) eine genaue Analyse erstellt werden, wie dieser auf unterschiedliche Patienten wirkt. Es wird auch ein Ziel vorgegeben, was dieser Wirkstoff bewirken soll.

Das ist bei einer Psychotherapie nicht so. Da das verschriebene Heilmittel (Therapie wird ja auch verschrieben) ein Mensch ist - der Therapeut.

Zum einen ist es nur begrenzt erlaubt öffentlich diesen Psychotherapeuten zu bewerten. Hierbei hat man schnell eine Verleumdungsklage am Hals.

Man weiss also niemals ob es ein "wirksamer Therapeut" ist oder nicht, den man sich nun ausgesucht hat... Ob er einen schadet oder nicht. Der Patient soll vertrauen aber weiss nicht worauf...

Gut, es kann sich über Therapiemethoden informiert werden, aber ob der Therapeut, dem man zugewiesen wird (z.B. in einer Klinik) oder den man sich blind ausgesucht hat, diese auch so anwendet, wie man sich informiert hat, ist für die meisten Patienten nicht durchschaubar.

Zudem geht es bei vielen Therapiemethoden, wie Fluu schon sagt, auch um die Beziehung zwischen Therapeuten und Patienten, ob die Therapie "positiv" für den Patienten verläuft.

Wobei ich der Meinung bin, der Patient hat niemals schuld daran, wenn diese Beziehung nicht funktioniert. Dass eine Therapie, die auf eine Beziehung basiert, funktioniert, dafür trägt einzig und allein der Therapeut die Verantwortung.

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Lydia
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Re: nebenwirkungen von psychotherapie ?

Beitragvon Lydia » Mo 29. Mär 2010, 14:15

Hallo zusammen,
Man weiss also niemals ob es ein "wirksamer Therapeut" ist oder nicht, den man sich nun ausgesucht hat... Ob er einen schadet oder nicht.
Andere werden in der Tat schwerlich beurteilen können, ob eine Therapie oder der Therapeut für mich hilfreich ist. Aber ich denke, dass ich als Klient selber spüre, ob die Therapie hilft oder nicht und auch, ob sie mir schadet oder nicht.
Der Patient soll vertrauen aber weiss nicht worauf...
Doch, als Klient wüsste ich, dass ich zunächst mal meinem Gefühl vertrauen sollte. Stimmt das Gefühl nicht, hätte eine Therapie für mich eh wenig Sinn.
Wobei ich der Meinung bin, der Patient hat niemals schuld daran, wenn diese Beziehung nicht funktioniert. Dass eine Therapie, die auf eine Beziehung basiert, funktioniert, dafür trägt einzig und allein der Therapeut die Verantwortung.
Dass ein Klient niemals Schuld an einer nicht funktionierenden Beziehung zwischen Therapeut und Klient hat, sehe ich auch so. Allerdings hat der Therapeut auch nicht immer Schuld daran. Manchmal ist es einfach so, dass die Chemie nicht stimmt, ohne dass jemand Schuld daran hat. U. a. dafür gibt es die probatorischen Sitzungen, in denen man prüfen kann, ob die Chemie stimmt und falls dem nicht so sein sollte, ohne weiteren Aufwand den Therapeuten wechseln kann.

Sollte eine Therapie tatsächlich längere Zeit so verlaufen, dass sie dem Klienten nicht weiterhilft oder ihm gar schadet, der Klient dies aber nicht bemerkt, weil z. B. ein schädliches Abhängigkeitsverhältnis entstanden ist oder der Klient aufgrund der psych. Krankheit/Belastung nicht in der Lage ist, seinem Gefühl zu vertrauen, sehe ich die Verantwortung für diese Entwicklung allerdings auch voll bei dem Therapeuten. Er ist dafür zuständig, rechtzeitig, also bevor eine Therapie dem Klienten schadet, entsprechend zu reagieren.


Ich denke schon, dass es neben der Wirkung auch zu Nebenwirkungen durch eine Psychotherapie kommen kann. Als Beispiele, wo sich Wirkung und Nebenwirkung direkt gegenüber stehen können, würden mir dazu einfallen:

Wirkung: Man erhält ungeteilte Aufmerksamkeit und Zuwendung und dadurch Steigerung des Selbstwertgefühls
Mögliche Nebenwirkung: psychische Abhängigkeit von Therapie oder Therapeut

Wirkung: Man stellt sich Situationen, die bisher unaushaltbar waren, lernt Gefühle zu spüren und zu äußern
Mögliche Nebenwirkung: Müdigkeit und Unkonzentriertheit nach den Therapiestunden, evtl. auch Verstärkung depressiver Stimmungen

Wirkung: Persönliche Weiterentwicklung und Erhöhung des Selbstbewusstseins
Mögliche Nebenwirkung: Probleme mit Partnern und Familie, durch das veränderte Auftreten.

Berichte über unterschiedlichste Formen von Missbrauch durch Therapeuten und durch die Therapie hervorgerufene Schäden zeigen jedoch, dass eine fundierte Erforschung von negativen Nebenwirkungen zur Qualitätssicherung in der Psychotherapie nötig ist.
Als Nebenwirkung würde ich hier nicht den Missbrauch durch den Therapeuten sehen, sondern die Abhängigkeit, die als Nebenwirkung auftreten kann. Sollten Therapeuten diese Abhängigkeit ausnutzen, ist das eine Grenzüberschreitung und (u. U. kriminelles) Fehlverhalten des Therapeuten m. E. jedoch keine Nebenwirkung der ´Psychotherapie.
Vermutlich gibt es ja auch Ärzte, die z. B. mit Medikamenten „dealen“. Hier ist es ja auch Fehlverhalten des Arztes und keine Nebenwirkung des Medikamentes, die auf dem Beipackzettel steht. In beiden Fällen wird die Wirkung/Nebenwirkung durch den Arzt/Therapeuten missbraucht.

Gruß
Lydia
Lebe jeden Tag als wäre es ein neuer Tag!
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