Druck auf Patienten oder der neue Weg zur Drehtürpsychatrie?

Remlock
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Druck auf Patienten oder der neue Weg zur Drehtürpsychatrie?

Beitragvon Remlock » Fr 14. Dez 2007, 07:27

Hallo,

was mir die letzten Wochen immmer wieder auffällt das Patienten in der Psychatrie gesagt wird Ihre Kasse zahlt den Aufenthalt nicht mehr bzw. der MDK könne die nächsten Tage kommen und als Konequenz entlässt man die Leute dann aus der Klinik. Viel zu oft vollgepumt mit Medikamenten und noch gar nicht in der lage "Draussen" zurecht zu kommen.
Auf der einen Seite weiß ich das Krankenkassen ihre MDK's in die Klinik schicken und auch Äger machen wen die Behandlung lange dauert, auf der andren Seite verstehe ich es nicht das 1. Ärzte diesen Druck an Patienten weitergeben 2. Die Leute entlassen mit den Worten wen es nicht geht können sie ja "wiederkommen".oder dies ist eine Entlassung mit Rückfahrschein

Welchen Sinn macht das? Wäre es im Vorfeld den nicht sinnvoll Therapien besser zu gestalten und vor allem auch nach dem Krankheitsbild zu gehen?

Ich habe jetzt erlebt das 6 Patienten die in den letzten 4 Wochen entlassen wurden 4 wieder in der Klinik sind und eine Patientin wartet auf einen "Freien Platz"
Für mich ist das ein schritt zurück zur Drehtürpsychatrie. Wo ist die Qualität? Wo ist der Therapeutische zweck

Remlock

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Kratz
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Beitragvon Kratz » Sa 15. Dez 2007, 11:37

Grüss Dich Remlock,

ich kann Deiner Erfahrung nur beipflichten, auch ich habe bei meinem letzten Aufenthalt festellen müssen, dass der Druck der Krankenkassen auf die Psychiatrie stärker geworden ist. Dürfte dann wohl mit der Budgetierung der Krankheiten zusammenhängen.

Auch ich halte dass für äusserst fragwürdig, weil es wirklich dazu führt dass Druck auf Patienten ausgeübt wird und früher entlassen wird.
Anderrerseits muss ich auch agen, dass sich vieles früher Monate hingezogen hat und das reale Leben sich dadurch auch ziemlich entfernte.

Dass heute aber ein finanzieller Druck ausgeübt wird und dadurch auch eine Gefährdung entsteht, finde ich nicht in Ordnung, und wenn dann zu früh Entlassungen stattfinden ist man schnell wieder bei der alten Drehtürpsychiatrie. Eine gefährliche Entwicklung.

Gleichzeitig sieht man hier dass unsere Gesellschaft zunehmend ihre früher hohen ethischen Ansprüche dem Mammon opfert und sich vielerorts aus der Verantwortung stiehlt.

Gruss
Detlev
Des deutschen Bürgers ehrliches Sicherheitshirn vermag nicht den scheinbaren Sinn einer ausschließlich von der Nützlichkeit der Dinge bestimmten Wertung als Unsinn zu begreifen.

Remlock
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Beitragvon Remlock » So 16. Dez 2007, 07:15

Hallo Detlef
Anderrerseits muss ich auch agen, dass sich vieles früher Monate hingezogen hat und das reale Leben sich dadurch auch ziemlich entfernte.
das ist heute noch so bzw. durch den Drehtür Mechanismus wahrscheinlich noch viel schlimmer.
Da nützt es wenig die Patienten in BU zu schicken weil Wochenenden nicht den Alltag wieder Spiegeln
Mir gehts darum viel früher mit Therapien zu beginnen die auch dem Krankheitsbild entsprechen aber auch mehr Gesprächstherapie Ausser Ergro und Arbeitstherapie wird meist nichts Angeboten und das max. 1 Stunde am Tag.
Meine Erfahrungen waren sehr unterschiedlich innerhalb der selben Einrichtung so hat der Arzt auf der Geschlossenen sehr viel Gesräche geführt auch mit mir als Angehörige sein Therapieziel war es meinen Mann in eine Rehamaßnahme (Psychotherapie) zu schicken wen er soweit gefestigt ist Bei der Diagnose Bournout vorrausgegangen waren 2 Jahre Mobbing also Schwere Depresionen und PTSD) Die Medikation war Annehmbar 60mg Mitrazepin 0,5 Tavor und Nachts etwas zum Schlafen
In der Offenen Station kaum Gespräche ich musste immer wieder um miteinbeziehung bitten und eine Ablehnende Haltung was die Reha betrifft immer mit dem Hinweiß dafür wäre er noch nicht soweit
Vorgestern wurde mein Mann auf druck der Krankenkasse entlassen nach knapp 4 Monaten
Seine Entlassungs Medikation
15mg Zyprexa 90mg Mitrazepin 160mg Dominal 200mg Dipiperon, 225mg Trevilor
Was für uns am Anfang wirklich gut gelaufen ist endete am Freitag eher in einem Fiasko

Wann er die Drehtür betritt ist also nur eine Frage der Zeit

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fluuu
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Beitragvon fluuu » So 16. Dez 2007, 12:59

Hallo,
würde mir diesen Drehtürmechanismus nicht unnötig einreden, sonst bringst Du Dich selbst in diesen Strudel. Es hängt von der Schwere der Erkrankung ab, viele Störungen werden heute nicht mehr ausschließlich stationär behandelt, sondern durch die vielschichtigen ambulanten Möglichkeiten. Da heute viel besser und schneller eine psychische Störung erkannt wird nimmt der Andrang auf die Kliniken zu und auch der Wunsch nach stationärer Therapie hat zugenommen. Ist ja ein gutes Zeichen aber das heißt auch, dass genau geschaut wird wer es dringend nötig hat und wer weniger.
Die Psychiatrie ist ja kein Lebensersatzort mit voller Kontrolle und Sicherheit, es ist ein Krankenhaus für akute Fälle.
So finde ich es gut, wenn so schnell wie möglich ausprobiert wird ob der Betroffene nicht sein Leben ohne Station mit ambulanter Betreuung in den Griff kriegt, bevor eine Hospitalisierung oder Chronifizierung einsetzt. Sollte es nicht klappen muss die stationäre Behandlung fortgesetzt werden.
Ein stationärer Aufenthalt über Wochen und Monate nur zur Sicherheit damit der Patient geborgen ist und dass Leben allein in seinem privaten Umfeld nicht bewältigen braucht, kann auch nicht der Sinn sein.

Mein letzter Krankenhausaufenthalt liegt acht Jahre zurück, bin mit Reisetasche und Schlafanzug hinmarschiert auf Grund meine Ängste, sie haben mir kein Bett gegeben sondern für max. drei Wochen einen Tagesaufenthalt.
Aus heutiger Sicht war es sehr gut und richtig, musste mich sofort an das Übernachten daheim gewöhnen, war vorher immer bei der Freundin und lernte so sehr schnell meine Ängste zu überwinden und das Leben wieder in die Hand zu nehmen.
Kenne von meiner ersten Depression, liegt über 20 Jahre zurück, die Klinik auch mit Intensivstation und fast Tropf über einen Zeitraum von einem halben Jahr.

Will damit nur sagen, dass das Schimpfen, Jammern, Meckern, Kritisieren und Verfluchen der Psychiatrie als Patient nicht viel bringt, dadurch werden die eigenen Defizite nicht in Fähigkeiten Umgewandelt und das ist es was man für sich und die Gesundheit tun kann.

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Remlock
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Beitragvon Remlock » So 16. Dez 2007, 16:53

@fluuu
würde mir diesen Drehtürmechanismus nicht unnötig einreden, sonst bringst Du Dich selbst in diesen Strudel.
Deine "Einlassungen" in Ehren aber da brauch ich mir nicht's einzureden das sind tatsachen die inzischen auch Neurologen bemängeln
Ein stationärer Aufenthalt über Wochen und Monate nur zur Sicherheit damit der Patient geborgen ist und dass Leben allein in seinem privaten Umfeld nicht bewältigen braucht, kann auch nicht der Sinn sein.
Davon schreib ich hier gar nicht
Mein letzter Krankenhausaufenthalt liegt acht Jahre zurück, bin mit Reisetasche und Schlafanzug hinmarschiert auf Grund meine Ängste, sie haben mir kein Bett gegeben sondern für max. drei Wochen einen Tagesaufenthalt.
Schön für dich, Menschen mit schweren Depresionen und Traumata sind da wohl eine andere kategorie
Will damit nur sagen, dass das Schimpfen, Jammern, Meckern, Kritisieren und Verfluchen der Psychiatrie als Patient nicht viel bringt, dadurch werden die eigenen Defizite nicht in Fähigkeiten Umgewandelt und das ist es was man für sich und die Gesundheit tun kann
1. Ich habe weder gejammert noch geschimpft und schon gar nicht Psychatrie als solches Verflucht ( Lesen Hilft) Aber Deine schon Stereotypen Ausagen in andren Threads machen es für mich Zwecklos mit dir zu Diskutieren Sorry Du kommst mir vor wie jemand den man geben kann was man will ohne darüber nachzudenken was der Zweck dafür ist..

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Beitragvon Johannes Neuerer » So 16. Dez 2007, 17:08

Remlock,

ich kann es leider bestätigen. Es ist so, wie Du schreibst.

Ob es gut oder schlecht ist, die Leute nicht so lange in einer Psychiatrie zu behalten, ist eine andere Frage.

Aber ich erlebe auch: Etliche Patienten werden nach Wochen oder Monaten in ungefähr demselben Zustand entlassen, in dem sie kamen und viele sind enttäuscht.

Alles Liebe

Johannes

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Laura
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Beitragvon Laura » Mo 17. Dez 2007, 02:07

Hallo Remlock!

Das ist ein schwieriges Thema. Denn parallel zu den finanziellen Kürzungen fährt die Psychiatrie seit einiger Zeit den Kurs, den Hospitalisierungseffekt zu vermeiden. Dahinter steckt ja eigentlich ein guter Gedanke, bei dem die Patienten möglichst selbstständig bleiben und irgendwann auch kleinere Krisen ohne Klinikaufenthalt bewältigen können sollen. Wenn man dann aber konkret einen Aufenthalt braucht und abgewimmelt oder zu früh entlassen wird, wird man natürlich stinkig. Da hab ich in der Psychoedukation immer schön aufgepasst und gelernt, meine Frühwarnsymptome (für Psychosen) zu erkennen. Ging auch eine Zeitlang gut, dass ich zur Krisenintervention immer wieder aufgenommen wurde. Aber das hat sich in der Tat gehäuft, so dass die Ärzte mich auf eine Art Liste von Patienten setzten, die nicht mehr ohne Weiteres aufgenommen werden. Die Folge: Weil ich in vier Fällen nicht rechtzeitig zur Krisenintervention aufgenommen wurde, brach jeweils eine Vollpsychose aus. Da war ich auch lange sauer auf "meine" Klinik und schüttle eigentlich auch heute noch den Kopf. Es kommt mir irgendwie auch heute noch so vor, als würden sich Klinikärzte unheimlich cool dabei vorkommen, jemandem die Aufnahme zu verweigern und chronische Patienten zu behandeln, als seien sie unverschämt und selbst schuld an der Chronifizierung der Krankheit. Eigentlich wird man im heutigen Klima als Patient öfter so behandelt, als würde man durch eine medizinische Behandlung irgend jemandem die Haare vom Kopf fressen und müsse Kniefälle machen, damit der Arzt es sich gütigerweise nochmal überlegt. Dies gilt natürlich in erster Linie nur für Kassenpatienten. Bei Privatpatienten sieht die Sache ganz anders aus. Die werden nicht "gesundgezwungen", sondern gerne auch mal länger dabehalten. Da meckert auch keiner, wenn sich ein Privatpatient konsequent weigert, Küchendienst zu machen oder sich andere Freiheiten erlaubt, die nicht unbedingt krankheitsbedingt sind. Privatpatienten bringen halt mehr Kohle ein, deswegen "bedürfen" diese einer besseren Betreuung.

Der Punkt, den Du anführst, dass der Druck auf die Patienten oft auf unschöne Weise weitergegeben wird, stimmt schon. Ich habe es selten erlebt, dass offen gesagt wurde, dass es an den Sparmaßnahmen der Krankenkassen liegt. Ich wurde weit öfter so behandelt, als sei ich ein unverschämter Hypochonder, der aus reiner Spaß an der Freud nur unnötig Kosten und Mühen verursachen will. Da wurden selbst Einweisungen mit Dringlichkeitsverweis von meinem niedergelassenen Psychiater übergangen.

Aber irgendwie hat das funktioniert, trotz allem. Mir sind Kliniken jetzt so zuwider geworden, dass ich lieber kleinere Krisen und auch präpsychotische Zustände mit mir selbst abmache als mich aufnehmen zu lassen. Meine letzte Psychose liegt nun drei Jahre zurück, was für meine Verhältnisse echt gut ist und die letzte stationäre Krisenintervention war vor zwei Jahren, was auch ein Fortschritt für mich ist. Dankbarkeit gegenüber den Ärzten kann ich aber nicht empfinden. Da wurde keine Rücksicht auf Verluste genommen, das hätte wirklich humaner und argumentativer ablaufen können, anstatt mir immer wieder den schwarzen Peter zuzuschieben.

Die Ärzte in der Institutsambulanz sind sogar dann autoritär und inkooperativ, wenn es gar nicht um Kosten geht. Sie bekommen offensichtlich alle von der Chefin eingetrichtert, dass man eine Patienten möglichst nicht krankzuschreiben hat. Ich habe immer wieder mit ihnen diskutieren müssen, dass mich eine fehlende Krankschreibung nicht gesünder macht, dass ich nun zwar nicht mehr so oft stationär gehen muss, dafür im Alltag mehr zu knappsen habe, aber es zählt nicht das, was dem Patienten hilft, sondern was einem Gummipunkte bei der Chefin einbringt. Also, stationär soll man nicht möglichst nicht mehr, aber solange man nicht stationär ist, ist man stets fit genug um zu arbeiten, ist die Logik. Anscheinend kennen diese Ärzte nur diese beiden Pole, als ob es dazwischen nicht noch viele andere Zustände gäbe.

Und ein Arzt brachte es doch tatsächlich mal fertig, mir vorzujammern, dass eine Haushaltshilfe einen höheren Stundenlohn bekäme als ein Klinikarzt, während es ihm sch***egal war, dass ich die Tage, die ich in der Reha-Werkstatt fehlen musste und für die er sich weigerte, mich krankzuschreiben, gar nicht bezahlt bekam. Dass dahinter auch der Spaß am Fertigmachen von Abhängigen steckt, kann man daran sehen, dass die kriegsbemalte, dummschlaue Sprechstundenhilfe mir dann einmal noch viel ärztlicher als der Arzt kam und mich ohne dass ich sie angesprochen hätte, aggressiv runterputzte, dass der Doc mich nicht mehr krankschreiben würde, als ob das zu ihren Aufgaben gehören würde. Nein, da es immer und überall Kranke und somit eine Nachfrage nach medizinischer Versorgung geben wird, können sich die in diesem Bereich Tätigen engagieren, müssen dies aber nicht unbedingt. Der Job ist auch so gesichert.

Also, irgendwie kann man sich dann schon fragen, wozu Psychoedukation und Gedöns, wenn es dann immer wieder heißt: "Ätsch, ätsch!"? Es kommt mir immer wieder vor, als würden manche Ärzte grundsätzlich die Gegenposition zum Patienten einnehmen, nur um sich zu profilieren. Kommt man krankheitseinsichtig mitten in der Psychose, kann man sich lapidare Sprüche von der Chefärztin anhören "Na, und was machen Sie schon wieder hier?". Es gibt grundsätzlich Palaver, sogar dann, wenn man früher entlassen werden möchte. Allein das Gegenteil von dem anzuordnen, was den Bedürfnissen des Patienten entspricht, so wie er selbst sie äußert, verschafft manchen Ärzten offensichtlich schon ein Gefühl von Autorität. Aber welcher Patient sucht in der Psychiatrie Autorität? Wir wünschen uns ganz andere Dinge.

Der letzte Film von Michael Moore, "Sicko" über die Abzocke im amerikanischen Gesundheitssystem mag ja seine Schwächen haben. Aber ich frage mich dennoch, ob das mit Managed Care auch bei uns schon soweit ist, dass sich die Bosse in den Krankenkassen "reich sparen" wollen und dabei die Gesundheit, ja das Leben der Versicherten immer belangloser für sie wird. Oder ist die Gesellschaft tatsächlich kranker geworden, so dass jetzt tatsächlich mehr Kosten entstehen? Dann könnte man die Kostensenkung aber schon da ansetzen, wo es um sinnlose Bürokratie geht...in den Kliniken ist jeder Popel dauernd mit Krankenberichten beschäftigt über Patienten, die er eh kaum zu Gesicht bekommt... :roll: . Zeit über den Patienten wird bezahlt, nicht Zeit für den Patienten, aber wie aussagekräftig kann dann ein Krankenbericht noch sein und wie detailliert müssen es die Krankenkassen denn nun wirklich wissen?

Und trotz Zusatzzahlungen für Verpflegung, Strom etc. ab zwei Wochen stationärem Aufenthalt, die man mittlerweile nicht mal mehr vom Sozi erstattet bekommt als Sozi-Empfänger, bekommt man in diversen Kliniken nur einen Schweinefraß vorgesetzt und die Zwischenmahlzeiten werden strengstens rationiert.

Also, die Art der Klinkangestellten, einen von der Klinik fernzuhalten, habe ich oft genug als unnötig schäbig erlebt. Nichtsdestotrotz hat das viele Abwimmeln etc. bei mir weg von dem Drehtüreffekt geführt anstatt umgekehrt.

Viele Grüße

Laura[/i]
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Remlock
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Beitragvon Remlock » Mo 17. Dez 2007, 06:45

Hallo Laura,

Auch ich halte von dem eigentlichen Gedanken der kürzeren Klinik Aufenthalte viel. Es wäre für Patienten und Angehörige sehr viel Hilfreicher nur dazu muss auch der Patient weit genug sein die Therapie Maßnahmen sollten abgelärt sein etc.
Wen z.B bei meinem Mann nach Stabilisierung eine Reha stattgefunden hätte wie vom Aufnahmearzt vorgeschlagen, ständen wir nicht vor den Problemen die wir jetzt haben.
Ich habe es selten erlebt, dass offen gesagt wurde, dass es an den Sparmaßnahmen der Krankenkassen liegt. Ich wurde weit öfter so behandelt, als sei ich ein unverschämter Hypochonder, der aus reiner Spaß an der Freud nur unnötig Kosten und Mühen verursachen will.
Och da ist man ganz offen gewesen und die Hypochonder Version kam dann vom Stationsleiter der schon mal erklärte das man sich eh alles nur einbilde...

Dieses gedöns um Managed Care wird auf dem Rücken der Patienten ausgetragen und das ist für mich das wirklich schlimme.
Alleine die von mir erlebten "Rückläufer" zeigen das dieses System nicht funktioniert 5 von 6 Patienten darunter keine Suchtpatienten und nur einer mit Psychose.
Also, die Art der Klinkangestellten, einen von der Klinik fernzuhalten, habe ich oft genug als unnötig schäbig erlebt. Nichtsdestotrotz hat das viele Abwimmeln etc. bei mir weg von dem Drehtüreffekt geführt anstatt umgekehrt.
Nun ich werde sicherlich versuchen das mein Mann sich nicht in diese Drehtür begibt da ich selbst lange genug Psychatrie als Patient erlebt habe. Meine schwierigkeit liegt in der Hohen Medikation und dem sehr Ausgeprägten Grübelzwang sowie die starken Ängste meines Mannes die für mich als Angehörige eine große Belastung sind Ich trau mich nicht ihn länger alleine zu lassen weil er sofort Panik bekommt.und ich einfach befürchten muss das sich daraus auch Suezid Gedanken entwickeln.

Lieben gruß Remlock

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Beitragvon fluuu » Mo 17. Dez 2007, 17:38

@Remlock
würde mir diesen Drehtürmechanismus nicht unnötig einreden, sonst bringst Du Dich selbst in diesen Strudel.
Deine "Einlassungen" in Ehren aber da brauch ich mir nicht's einzureden das sind tatsachen die inzischen auch Neurologen bemängeln
Was heißt das nun, was tut ein Betroffener dagegen?
Ein stationärer Aufenthalt über Wochen und Monate nur zur Sicherheit damit der Patient geborgen ist und dass Leben allein in seinem privaten Umfeld nicht bewältigen braucht, kann auch nicht der Sinn sein.
Davon schreib ich hier gar nicht
Wovon denn wenn Du eine Verlängerung des Aufenthaltes vorderst, früher kam man in die Verwahranstalt, heute kommt man wieder nach hause ins alltägliche Leben.
Mein letzter Krankenhausaufenthalt liegt acht Jahre zurück, bin mit Reisetasche und Schlafanzug hinmarschiert auf Grund meine Ängste, sie haben mir kein Bett gegeben sondern für max. drei Wochen einen Tagesaufenthalt.
Schön für dich, Menschen mit schweren Depresionen und Traumata sind da wohl eine andere kategorie
Das war mein letzter Aufenthalt, mein erster war mit schweren Depressionen auf der Intensivstation fast am Tropf.
Will damit nur sagen, dass das Schimpfen, Jammern, Meckern, Kritisieren und Verfluchen der Psychiatrie als Patient nicht viel bringt, dadurch werden die eigenen Defizite nicht in Fähigkeiten Umgewandelt und das ist es was man für sich und die Gesundheit tun kann
1. Ich habe weder gejammert noch geschimpft und schon gar nicht Psychatrie als solches Verflucht ( Lesen Hilft) Aber Deine schon Stereotypen Ausagen in andren Threads machen es für mich Zwecklos mit dir zu Diskutieren Sorry Du kommst mir vor wie jemand den man geben kann was man will ohne darüber nachzudenken was der Zweck dafür ist..
Oh, Du möchtest einen härteren Ton wenn es darum geht die eigenen Defizite in die Hand zu nehmen denn den Ärzten und der Psychiatrie ist es letztlich egal was aus einem wird wenn man eh nur schimpft.
Kannst Du gerne haben, trainiere fast täglich meiner innersten Wahrheit ins Auge zu schauen, ein sehr schwerer und grausamer Prozess, wenn Du das auch tust treffen wir uns wieder ansonsten ist es vergebliche Liebesmühe...

gruß fluuu
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Beitragvon Remlock » Di 18. Dez 2007, 04:07

@fluuu

Lese erst einmal worum es hier eigentlich geht ! Bevor du Anfängst zu schiesen.

Ich schreibe nirgends das ich einen längeren Aufenthalt möchte/will
Sondern von falschen Therapieansätzen und einem Druck der meiner Meinung nach Kontraproduktiv ist

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Beitragvon Remlock » Do 20. Dez 2007, 18:27


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Beitragvon Stacheldraht » Fr 4. Jan 2008, 13:19

Aber ich erlebe auch: Etliche Patienten werden nach Wochen oder Monaten in ungefähr demselben Zustand entlassen, in dem sie kamen und viele sind enttäuscht.
Und bei vielen wirds noch schlimmer.........


Ich habe leider nie erlebt, wie man so schnell wie möglich wieder entlassen wird.
Nach etlichen Monaten trat dann bei mir die Hospitalisierung ein.

Und @fluuu

Du schreibst, du hältst nichts davon, die Psychiatrie zu verlfuchen etc. , aber ich (rede jetzt nur mal von mir) habe wirklich traumatische Dinge auf der Geschlossenen erlebt und kann durch das Schreiben und Austauschen mit Betroffenen einiges aufarbeiten.
Leider machst du immer alles runter bzw greifst die Leute an, das finde ich mehr als unangebracht!
--------------



Ich halte überhaupt nix davon, Patienten länger auf der Psychiatrie zu behalten, aber Remlock meint ja etwas anderes und darüber kann man ja schreiben....
Ich kenne halt auch viele Leute, die sich absichtlich (bauen Scheiß und gehen sich dann verpetzen) einweisen lassen, weil es in der Psychiatrie so schön ist :roll:

Ich war in vielen verschiedenen Psychiatrien, offen und Geschlossen, habe aber noch nie einen gut organisierten Tag mit Therapien und Beschäftiung erlebt. Gerade wenn man depressiv, suizidal, angespannt, ängstlich,.... ist, braucht man Ablenkung, Beschäftigung und einen Ansprechpartner.

Aber da so viel falsch rennt, habe ich keine Hoffnungen, dass sich in den nächsten 10 Jahren etwas verbessert.........


Lg
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Beitragvon Remlock » Fr 4. Jan 2008, 15:47

Hallo Stacheldraht
ch halte überhaupt nix davon, Patienten länger auf der Psychiatrie zu behalten, aber Remlock meint ja etwas anderes und darüber kann man ja schreiben....
Richtig ich meine etwas ganz anderes mir geht es um den Druck der auf Patienten abgewälzt wird, von wegen Kosten etc. Statt von Anfang an zu schaun Patienten stabil zu bekommen und GEEIGNETE Therapien zu ermöglichen wird Monatelang ein Medikament nach dem anderen Ausprobiert..das Ergebniss dürfen dann die
Angehörigen Ausbaden :evil:

Ich kenne halt auch viele Leute, die sich absichtlich (bauen Scheiß und gehen sich dann verpetzen) einweisen lassen, weil es in der Psychiatrie so schön ist Rolling Eyes
Kannst du dir vorstellen das es Menschen gibt die überhaupt nicht mehr "Draussen" zurechtkommen" ich habe diesen Sommer Menschen kennengelernt die seit 30 Jahren regelmässig in der Psychatrie sind...
Und andre die haben sie seit 15 Jahren nicht verlassen

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Beitragvon Stacheldraht » Fr 4. Jan 2008, 22:36

Ja Remlock, davon kenn ich genug!! :wink:

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Beitragvon Lady_Darkness » Mi 26. Mär 2008, 04:12

hallo remlock

was du beschreibst kenne ich leider nur zu gut...
als ich anfang 2006 mich freiwillig einweisen ließ, weil ich einfach nicht mehr konnte und starke suizidgedanken hatte, wurde ich nach drei monaten mit dem argument ,,die krankenkasse sagt...aber sie koennen jederzeit wieder kommen ,, entlassen...
ich wusste, dass ich noch nicht bereit war..
ichhatte noch immer suizidgedanken, war vollgepumpt mit medikamenten, hatte keine therapiegespraeche, war immernoch sehr agressiv und musste immer wieder ruhig gestellt werden...
schon am ersten tag bekam ich medikamente...anfangs nur damit ich schlafen kann...ich habe eine schlafstoerung, zu dem zeitpunkt hatte ich jede nacht so starke alptraeume dass ich angst vor dem schlafen bekam und mich zwang wach zu bleiben...die medikamente halfen zum glueck gegen die traeume...
dann ging es weiter mit beruhigungsmittel, ich habe sie nicht vertragen, ich nahm davon nicht nur extrem zu sondern bekam dadurch auch staendig mittelohrentzuendungen...also wieder neue tabletten...irgendwann hatte ich 4 verschiedne sorten, aber noch immer keine einzelgespraeche...nur eine krankenschwester der station die fuer mich zustaendig war...
aber was soll ich mit einer krankenschwester? ich hatte auch eine aerztin, aber sie wussten alle, dass ich frauen weniger vertraue als maenner, ich wurde dann zwar als frauenfeindlich abgestempelt, obwohl ich selbst eine frau bin, aber einen maennlichen arzt bekam ich trotzdem nicht...
einen monat nach der einweisung sagte man mir, dass ich einzelgespraeche beantragen(!) muesse, dies tat ich...nach zwei wochen wartezeit kam die therapeutin auf mich zu, termin fuer die woche darauf..ich war auch da, wir redeten erstmal nur allgemein, damit sie sich ein bild machen kann, naechster termin wieder eine woche darauf..aber dazu kam es nie, denn sie wurde krank und kam erst 3 tage vor meiner entlassung wieder...
diese eine therapeutin, war fuer das gesamte klinikum zustaendig...nun ist dieses klinikum nich nur ein einziges gebaeude, nein, wenn man die therapieeinrichtungen (musiktherapie, kunst etc.) mit dazu zaehlt, ist das klinikum eine kleine ortschaft...
einsparungen der krankenkassen heisst es, dass nur eine therapeutin zustaendig ist...
entlassen wurde ich dann mit
seroquel(200mg/tgl), amitriptilin(20mg/tgl), fluxetin(20mg/tgl), chloraldurat(500mg/zur nacht)und ein antiepileptika (200mg/tgl) weiss den namen nicht mehr...
gebracht hat mir das rein gar nichts...mal abgesehen davon, dass auf der station irgendein patient andere patienten und geld und anderes beklaute, fand ich es auch unmoeglich, dass patienten dafuer zustaendig warn frueh morgens um 6 uhr den fruehstueckstisch fuer 50patienten zu decken und wieder abzuraeumen, das mittag-und abendessen zu verteilen, den hof und die balkons zu fegen, (im winter)schnee zu schippen und sich um neue patienten zu kuemmern (station zeigen, aufgaben erklaeren, fuer fragen zur verfuegung stehen etc.)...
es wird nicht gefragt wer was machen moechte, sondern es wird gesagt diese woche seid ihr 4 dran, naechste woche die naechsten 4....
scheinbar sparen die kassen auch beim hausmeister und reinigungspersonal (naja, es gab ja eine putzfrau, die hatte aber anderes zu tun) ...

als ich gegen ende 06 zwangseingewiesen wurde (geschlossene aufnahmestation) war es etwas besser, fand ich...in der geschlossenen aufnahmestation waren nur wenige patienten (fuer mich ganz gut, da ich panik bei vielen menschen kriege), das pflegepersonal hatte immer ein offenes ohr fuer patienten..die offene station auf die ich spaeter verlegt wurde, war eine andere als beim ersten mal, auch da war das personal meiner meinung nach viel besser..mein arzt war maennlich, ich fuehlte mich sehr wohl, traute mich ihn auch mal um ein gespraech zu bitten und er nahm sich gern zeit...auch das personal hatte ein offenes ohr fuer die patienten..es war zwar auch dort so, dass patienten tische decken mussten usw. aber es beruhte auf freiwilliger basis...
ich habe mich dort aber aus freien stuecken entlassen lassen, weil ich ueber weihnachten nach berlin wollte einen fuer mich extrem wichtigen menschen besuchen...meine tochter, die ich zu dem zeitpunkt schon ein jahr nicht mehr gesehen habe...
der arzt ließ mich nur ungern gehen, sagte mir ich sei noch lange nicht soweit...ich waere geblieben, wenn meine tochter mir nicht wichtiger gewesen waere...
ich weiss nicht wie lange mich der arzt drin behalten haette, er sagte nur 3 monate seien zu wenig, es gab patienten dort, wie waren schon etwa 6 monate oder laenger drin...
ich weiss, dass wenn ich wieder hin muesse in die klinik, dass ich dann nur auf die station moechte wo ich zuletzt war, aber das geht leider nicht :((((((

verzeihung dass es so lang geworden ist und vieles unwichtig und uninteressant, wollte das aber mal los werden :oops: :oops::oops:

lg ladydarkness
Bezeichne einen lachenden Menschen nicht als froehlich; ich habe zu oft gelacht um nicht weinen zu muessen


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